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Hintergrund: Lehrer fühlen sich gedemütigt – zu Recht

POTSDAM.  Im Ringen um den jüngsten Tarifkompromiss für die Landesbeschäftigten in Potsdam wurde die geringe öffentliche Wertschätzung des Lehrerberufs erneut deutlich – nicht nur bei den Arbeitgebern, selbst im Gewerkschaftslager.

Von wegen - gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Zum Auftakt der großen Streikwelle gingen in Berlin mehrere Tausend Lehrer mit der Forderung in den Ausstand. Passiert ist nichts. Foto: GEW BERLIN

Von wegen – gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Zum Auftakt der großen Streikwelle gingen in Berlin mehrere Tausend Lehrer mit der Forderung in den Ausstand. Passiert ist nichts. Foto: GEW BERLIN

So empörten sich Vertreter der Polizeigewerkschaft beim nächtlichen Warten auf ein Ergebnis lautstark darüber, dass sich wegen der komplizierten Frage der Lehrer-Eingruppierung die Verhandlungen immer weiter in die Länge zogen. Dabei waren es gerade die Lehrer gewesen, die mit ihrer großen Beteiligung an den Warnstreiks für den nötigen gewerkschaftlichen Druck gesorgt hatten, um am Ende ein respektables Gehaltsergebnis zu erzielen.

Seit Ende der 1990er Jahre dringen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Lehrerverbände des Beamtenbundes auf einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag für die angestellten Pädagogen. Von den insgesamt 800.000 Lehrern in Deutschland haben inzwischen 200.000 keinen gesicherten Beamtenstatus mehr, sondern sind «nur» angestellt – vornehmlich im Osten, seit der deutschen Einheit mit steigender Tendenz auch im Westen. Angestellte Lehrer dürfen auch streiken.

Generell werden Lehrer deutlich schlechter bezahlt als andere Akademiker im Staatsdienst – sieht man von den Philologen am Gymnasium einmal ab. Bei den Angestellten gibt es von Land zu Land große Gehaltsunterschiede. Die niedrigsten Löhne werden in Sachsen gezahlt, wo angestellte Lehrer gleich zwei Entgeltstufen unter West-Niveau liegen. Das kann mehr als 400 Euro netto pro Monat ausmachen. Vergleicht man Beamte und Angestellte mit gleicher Arbeit und Ausbildung, so klettert die Differenz sogar bis auf 750 Euro.

In der Tarifrunde 2011 hatten die Arbeitgeber ein schriftliches Gesprächsangebot über die Problematik eines bundesweiten Lehrer-Tarifvertrags vorgelegt. Doch bald verlief alles im Sande. Die GEW warf den Ländern damals mangelnden Willen vor. Auch diesmal gab es ein Arbeitgeberangebot – fast wortgleich und mit denselben Rechtschreibfehlern wie 2011, wurde kolportiert. Erbost wiesen die Gewerkschaften dies als «Augenwischerei» und «Demütigung» zurück. Nun drohen Lehrerstreiks in Sachsen und anderen Bundesländern.

Wundern dürften sich die Arbeitgeber darüber nicht.

dpa, 10.3.2013

Zum Bericht: “Länder-Tarifabschluss: Lehrer sollen die dickste Kröte schlucken”

Ein Kommentar

  1. Gudrun Krieger

    Shr geehrte Damen und Herren,
    wie dankbar bin ich darüber, dass mal jemand erkennt, dass hier große Ungerechtigkeit herrscht: ich bin angestellte Grundschullehrerin ( beim 2. Staatsexamen 45 Jahre alt, zu alt für Verbeamtung)und musste erst neulich wieder feststellen, dass eine Kollegin für 18 Stunden Unterrichtspflichtzeit fast genau das gleiche Nettogehalt bekommt, wie ich mit 26 Stunden. Das sind dann auch nur die Unterrichtspflichtstunden. Jeder weiß, dass hierzu noch viele Stunden Vor- und Nachbereitung kommen. Natürlich muss ich mindestens die gleiche Leistung bringen, wenn nicht sogar mehr, damit ja kein Anlass besteht , mich zu feuern.
    Noch eine kurze Frage: setzt sich eigentlich auch der BLLV für eine Gleichstellung Angestellte/ Beamte ein?
    Für eine kurze Antwort wäre ich dankbar, viele Grüße,
    gudrun Krieger

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