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Muslime beklagen Islamlehrermangel wegen Kopftuchverbot

HANNOVER. Die Einführung von islamischem Religionsunterricht ist für die Muslime in Niedersachsen ein großer Schritt nach vorn. Bei der Suche nach Lehrerinnen aber taucht ein altes Konfliktthema wieder auf: Wie soll es künftig mit dem Kopftuchverbot gehalten werden?

Die Muslime sehen den Start islamischen Religionsunterrichts in Niedersachsen durch das Kopftuchverbot an den Schulen behindert. Zur Einführung des Islamunterrichts als Regelfach zum Schuljahresstart gebe es einen Lehrermangel, der auch mit dem Kopftuchverbot zusammenhänge, sagte der Geschäftsführer des Beirats für den Islamischen Religionsunterricht, Firouz Vladi. Gerade an Grundschulen, wo vor allem Frauen unterrichteten, gebe es für muslimische Frauen mit Kopftuch eine Zulassungshürde. «Darüber reden wir noch mit der neuen Landesregierung, wie wir zu einer Lösung kommen können.»

Es gebe weiterhin Skepsis gegenüber dem Tragen von Kopftüchern an Schulen, sagte eine Sprecherin der Landesregierung. Bei den laufenden Gesprächen mit den muslimischen Verbänden zu einem Staatsvertrag werde aber auch über diese Thematik gesprochen, pragmatische Lösungen seien denkbar.

Muslime - hier betende Muslime in der Al-Jazzar Moschee in Israel- sollen in Hamburg mit Christen gleichgestellt werden. (Foto: David Ortmann/Flickr CC BY-NC 2.0)

Muslime – hier betende Muslime in der Al-Jazzar Moschee in Israel – sehen das Kopftuchverbot für Lehrkräfte als Hindernis an. (Foto: David Ortmann/Flickr CC BY-NC 2.0)

Bislang dürfen muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch nur während des Religionsunterrichts tragen. Bei den weiteren Fächern, die sie unterrichten und auf dem Schulhof müssen sie es ablegen. Tüchtige junge Frauen muslimischen Glaubens sähen deshalb von dem Einstieg in den Beruf als Grundschullehrerin ab. «Ein Muslim mit langem Bart darf unterrichten, eine junge Frau mit Kopftuch aber nicht, das ist eine Schieflage», klagte Vladi. «Das macht uns Kopfschmerzen.»

«Die Politik muss eine klare Ansage treffen, das wäre ein Schritt, um den Lehrermangel zu beseitigen», sagt Prof. Rauf Ceylan, der am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück mit der Ausbildung der Religionslehrer betraut ist. Am Tag der offenen Tür hätten sich viele junge Damen mit Kopftuch für ein Studium interessiert, die Kopftuchproblematik an den Schulen aber als Hürde gesehen. Mehr als 200 Lehrer würden benötigt, wenn islamischer Religionsunterricht von diesem Sommer an stufenweise als Regelfach eingeführt wird.

Die rund 49 000 Schüler muslimischen Glaubens in Niedersachsen werden ab Schuljahresstart an den Grundschulen und von 2014 an in den Klassen fünf bis zehn in ihrem Glauben unterrichtet. Vorangegangen war seit 2003 ein Modellversuch, bei dem islamischer Religionsunterricht am Ende in 48 Grundschulen unterrichtet wurde. An wie vielen Schulen im neuen Schuljahr islamische Religion angeboten wird, stehe erst Ende August fest, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums.

Generell sind die muslimischen Verbände mit der Schaffung des muslimischen Religionsunterrichts sehr zufrieden. An den Modellschulen hätten 90 Prozent der Muslime ihre Kinder für den Unterricht angemeldet, sagte Vladi. dpa

 

Ein Kommentar

  1. Statt des separierenden UNterrichtes nach GLauben der Eltern benötigen Kinder ein gemeinsames Fach, in dem sie zusammen über/in verschiedene REligionen und auch Weltsichten, über Ethik, Philosophie und sozialem Verhalten unterrichtet werden…..nur das kann der Weg der Zukunft sein! Wollen wir ernsthaft die Kinder in lauter kleine Gruppchen aufteilen? In Deutschland gibt es über 80 Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen……..

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