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Niedersachsen will Schaustellerkinder besser unterstützen

HANNOVER. Bis zu 40 verschiedene Schulen in ganz Deutschland besuchen Kinder aus Schaustellerfamilien in einem Jahr. Die Bereichslehrer sollen sie und ihre Familien dabei unterstützen.

Mädchen und Jungen aus Schaustellerfamilien sollen schulisch stärker unterstützt werden. Die sogenannten Bereichslehrerstunden für diese Kinder sollen im nächsten Schuljahr verdoppelt werden, kündigte die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Montag in Hannover an. Die Bereichslehrer beraten Familien und Schulen und helfen bei Problemen. «Man muss sich immer integrieren, das ist nicht so einfach», sagt Sonja, die aus einer Schaustellerfamilie kommt. «Aber man kennt das nicht anders, man lernt, selbstständig zu lernen», ergänzt die 13-Jährige selbstbewusst.

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Schaustellerkinder besuchen ihre Stammschule meist nur an wenigen Wochen im Jahr. Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de

In Niedersachsen gibt es derzeit rund 420 Schaustellerkinder, sie besuchen wie Sonja im Jahr bis zu 40 verschiedene Schulen – und das bundesweit. Im Winter haben die Schüler eine Stammschule, die einen individuellen Lernplan und Materialien zur Verfügung stellt. Während der Reisezeit lernen die Kinder in Schulen unterwegs. Ein Schultagebuch dokumentiert die Lernpläne.

Sonjas Stammschule ist die Südstadtschule in Hannover. Zum Frühlings- und Schützenfest ist sie in der Landeshauptstadt, sonst in anderen Schulen überall im Land – immer in der Nähe der Festplätze dort.

Auch Josefine besucht viele verschiedene Schulen, ihre Eltern haben ein Schmalzkuchengeschäft. Am ersten Tag in einer neuen Schule sei das schon ein komisches Gefühl, sagt die 14-Jährige. «Ich werde gefragt, ob wir eine Waschmaschine und Strom haben oder eine Toilette», berichtet sie. Schwierig sei, dass es zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen andere Schulbücher als in Niedersachsen gebe und auch der Lernstoff anders sei.

Daher sei ein flächendeckendes Netz von Bereichslehrern ganz wichtig, betont Schaustellerin Catharina Armbrecht. Diese Lehrer seien eine Anlaufstelle, dort könnten die Kinder schon im Vorfeld zur Schule angemeldet und alle Fragen geklärt werden. «Dann geht kein Tag für Anmelden und weitere Formalitäten verloren», sagt die Mutter von Sonja. Denn etliche Schulen könnten zunächst mit dem Schultagebuch nichts anfangen. Außerdem kämen die Bereichslehrer auch mal für ein paar Stunden auf den Festplatz, um den Schülern beim Lernen zu helfen.

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) findet die Pläne der Landesregierung gut. Hannover sei besonders gefordert, weil es hier viele Volksfeste gebe. Als Schulträger stehe die Stadt in der Verantwortung, Schaustellerkindern gute Schulbedingungen zu bieten. (dpa)

zum Bericht: Schaustellerkinder: Zwischen Rummelplatz und Schule

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