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Philologen: „Das Ende des Gymnasiums wird eingeläutet“

KIEL. „Alles deutet darauf hin, dass mit der Verabschiedung des neuen Schulgesetzes der Anfang eines schleichenden Endes des Gymnasiums in Schleswig-Holstein eingeläutet wird“, meint Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes Schleswig-Holstein, vor der Abstimmung des Gesetzes im schleswig-holsteinischen Landtag.

„Während nach unserer Auffassung die Abschaffung der Schulartempfehlung, die Einführung des Sekundarlehrers, die Beeinträchtigung der Durchlässigkeit, die Errichtung von Oberstufenüberkapazitäten und in der Folge Lehrerstundenkürzungen geeignet sind, die Gymnasien an mehreren Stellen massiv zu schwächen, hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auch mit Blick auf die Inklusion erkannt, dass das vorliegende Schulgesetz finanziell nicht annähernd realisierbar ist und der Teufelskreis eines Lehrkräfteverschleißes an allen Schulen vorprogrammiert ist“, sagte Siegmon.

Leidtragende des schulgesetzlichen Großexperimentes würden auch die Schülerinnen und Schüler sein, die sich in Schulen wiederfänden, die gerade nicht ihren Begabungen und Interessen entsprechend vielfältige Angebote machen könnten. Siegmon: „Wir benötigen nicht eine Schule für alle, sondern für alle die richtige Schule.“ Das sichere die Bildungsgerechtigkeit mehr als eine leistungsnivellierende Gleichmacherei. In Europa sei das Gymnasium neben der dualen Ausbildung ein Erfolgsmodell, um das uns andere Länder beneiden. Die Koalition aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband sei wissentlich mit dem Schulgesetz dabei, dem Gymnasium das Ende zu bereiten und nebenbei auch der dualen Ausbildung zu schaden. „Die besondere Tragik dabei ist, dass das Schulgesetz in einem Übermaß in Schulen hinein reguliert und den Schulen die Luft zur Entwicklung raubt“, erläutert der Pädagoge.

„Wer die jüngste bundesweite Debatte um die gescheiterte Schulzeitverkürzung an den Gymnasien verfolgt, muss sich fragen, warum sich ausgerechnet die sozialdemokratisch geführte Küsten-Koalition in Schleswig-Holstein – anders als sonst – so wenig um das Wohl der Schülerinnen und Schüler schert und die Verkürzung zementieren will. Ruhe zu wollen, wie es die Ministerin betont, halten wir in der G9-Frage für die schlechteste Ausrede, den erkennbar falschen Kurs stur beizubehalten.“

Siegmon weiter: „Ebenso sollten Gemeinschaftsschulen selbst entscheiden können, wie sie ihre Lerngruppen bilden. Da müssen auch abschlussbezogene Lerngruppen erlaubt sein. Wir brauchen ein Schulgesetz des Vertrauens und der Verantwortung und nicht der Regulierung, Einschränkung und der Verbote. Die Koalition wäre sehr gut beraten, mit den Schulen mehr Freiheit zu wagen.“

Deswegen appelliert der Verbandsvorsitzende an die Mandatsträger: „Damit Schleswig-Holstein nicht das Schicksal eines Bildungsbankrotts erleidet und den Anschluss verliert, fordere ich jeden einzelnen Parlamentarier persönlich auf, diesem unausgegorenen, unterfinanzierten und besonders gegen die Gymnasien wirkenden Schulgesetz, die Zustimmung zu verweigern.“

Zum Bericht: Wende stellt Schulgesetz vor – Opposition: «Ideologischer Irrsinn»

 

Ein Kommentar

  1. Letzter Ausweg: Privatschulen – dann aber nicht für alle Bevölkerungsgruppen.
    Schade! das Gymnasium als „Eliteschule für alle“ ist eigentlich besser!

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