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Förderschullehrer wegen Gewaltvorwurf vor Gericht – er wehrt sich: „Pure Erfindungen“

Zum aktuellen Bericht: „Eltern bringen Lehrer mit erlogenem Prügelvorwurf vor Gericht – Freispruch“

ESCHWEGE. Die Vorwürfe lauten: Schlagen, Zerren, Kneifen. Ein Lehrer aus dem hessischen Eschwege soll nicht gerade zimperlich mit seinen Schülern umgegangen sein – behaupten jedenfalls Eltern. Vor Gericht wies der Pädagoge alle Vorwürfe zurück. Ist die Anklage Ergebnis einer Kampagne?

Wer sagt die Wahrheit? Foto: Florentine / pixelio.de

Wer sagt die Wahrheit? Foto: Florentine / pixelio.de

Der Vorwurf wiegt schwer, vor allem in seiner Branche: Ein Lehrer soll mehrere Schüler an den Haaren gezerrt und auf den Arm geschlagen haben. In Eschwege muss sich der Pädagoge wegen Körperverletzung im Amt vor Gericht verantworten. Am ersten Prozesstag wies der Förderschullehrer alle Vorwürfe von sich und bezeichnete die Anschuldigungen als «pure Erfindungen». Der Anklage zufolge soll der Pädagoge von Herbst 2012 an und im Jahr 2013 in zehn Fällen insgesamt sechs Schüler im heutigen Alter von neun bis elf Jahren geschlagen, gekniffen, geschubst und an den Haaren gezogen haben.

Die Verhältnisse in der Klasse der Schule für Lernhilfe seien eine Herausforderung gewesen, sagte der 53-Jährige. Die Kinder stammten fast alle aus schwierigen häuslichen Verhältnissen, aggressives sowie unangemessenes Verhalten sei an der Tagesordnung gewesen. Dennoch sei in seiner fast 30-jährigen Zeit als Lehrer das Zufügen von Schmerz nie sein Mittel zur Erziehung gewesen. Seiner Ansicht nach ist der Prozess das Ergebnis einer Kampagne der Eltern der Kinder, die diese manipuliert hätten.

«Ich bin ihnen zu unbequem geworden, da ich erwarte, dass Eltern sich um ihre Kinder in diesem Alter kümmern», nannte er als möglichen Grund für die Anschuldigungen. Bereits vor einigen Monaten habe eine Mutter, die bei dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, einer Zeitung erzählt, er habe ihre Tochter in den Schritt gefasst. Diese Aussage habe sie jedoch wenig später wieder zurückgenommen.

Öffentlich wurden die Anschuldigungen laut Hessischer/Niedersächsischer Allgemeine nach einem Elternabend. Die Elternbeiratsvorsitzende habe die Eltern im April vergangenen Jahres zusammengerufen und von einem körperlichen Angriff des Lehrers auf einen Schüler berichtet. Danach seien unabhängig voneinander weitere Fälle bekannt geworden, berichteten die sechs Mütter, die jetzt als Zeugen vernommen wurden. In der Zeit davor, rund 21 Monate, habe es keine Probleme gegeben.

Die Eltern seien anschließend schnell aktiv geworden, heißt es. Drei Tage nach Bekanntwerden der Vorfälle erstatteten sie Anzeige bei der Polizei. Unabhängig voneinander, wie die meisten Mütter beteuerten. Merkwürdig ist allerdings, dass alle Elternteile fast zeitgleich bei der Polizei auftauchten. Die Aussagen der Kinder waren vor Gericht bislang schwer verwertbar, heißt es.

«Ich habe ein gewisses Verständnis für Sie», sagte die zuständige Staatsanwältin in Richtung des Angeklagten. Sie bezweifele nach seinen Beschreibungen aber, dass ein vollkommen gewaltfreier Umgang bei solchen Schülern möglich gewesen ist. «Wenn Sie einen bockigen Schüler vor die Tür begleiten müssen, dann geht das doch gar nicht ohne Gewalt.» Der Angeklagte verneinte diese Aussage vehement, seiner Ansicht nach sei Gewalt bei so kleinen Kindern niemals nötig. Insgesamt sagen 23 Zeugen bei dem Prozess aus. Das Urteil wird Mitte Juni erwartet. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Odenwaldschule kündigt Lehrerin nach Partys

 

5 Kommentare

  1. hilarus@t-online.de

    Bislang fand ich bei N4t noch keinen Hinweis auf diese Meldung:

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36086&key=standard_document_52065153

    Immerhin ein erfreuliches Bespiel dafür, daß sich offensichtlich nicht unbedingt jedes Gericht in Deutschland den Bären vom klischeehaften Bild des prügelnden Lehrers aufbinden läßt.

    Schüler, die sich – von den Eltern angestiftet oder aus eigenem Antrieb – zu schlimmen Verleumdungen dieser Art hinreißen lassen. Ja, sowas gibt es. Viel häufiger übrigens, als sich die meisten Lehrer selbst eingestehen wollen.

    Und was passiert nun? „‚Tschuldigung, war nicht so gemeint“ und weiter ohne jede Konsequenzen – oder?

  2. Christian Möller

    Zitat: (Die Staatsanwältin) „bezweifele nach seinen Beschreibungen aber, dass ein vollkommen gewaltfreier Umgang bei solchen Schülern möglich gewesen ist. «Wenn Sie einen bockigen Schüler vor die Tür begleiten müssen, dann geht das doch gar nicht ohne Gewalt.»
    Ich stimme der Staatsanwältin zu. Das bedeutet, dass Lehrer zwangsläufig mit einem Bein vor dem Richter stehen, wenn sie einen Schüler z. B. am Arm packen, um ihn dorthin zu bringen, wo er den Unterricht nicht mehr stört und Mitschüler an der Arbeit behindert.
    Es ist grauenhaft, unter welchen Rechtsbedingungen Lehrer arbeiten müssen, weil sie im Laufe der Zeit fast jeder Möglichkeiten zur Abwehr undisziplinierten Verhaltens beraubt wurden. Vorprogrammiertes Chaos ist das in manchen Schulstuben durch anhaltende Buhlerei um elterliche Gunst und Wählerstimmen.
    Die „Waffenungleichheit“ zwischen Lehrern und Schülern sowie Lehrern und Eltern wird viel zu selten als Problem oder besser noch als Skandal thematisiert.

    • hilarus@t-online.de

      Zitat: Die “Waffenungleichheit” zwischen Lehrern und Schülern sowie Lehrern und Eltern wird viel zu selten als Problem oder besser noch als Skandal thematisiert

      Ich und andere haben dies immer wieder versucht. Hier und andern orts, in persönlichen Gesprächen unter Lehrern etc. pp.
      Und wissen Sie, wen das am wenigsten interessiert hat? Die aktiven Lehrer. „Mir passiert schon nix!“ – Stimmt. Rein statistisch betrachtet, fallen die meisten Bomben ja vorbei.

      • Christian Möller

        “Mir passiert schon nix!”, sagen m. E. nur Lehrer, die sich schon längst haben weichspülen und zum Duckmäuser machen lassen. Mit dieser Haltung ist ihre Hoffnung durchaus berechtigt.
        Die Lethargie und Feigheit der meisten Lehrer halte ich schon lange für ein Grundübel, das schulische Missstände beflügelt.
        Eine nicht zu unterschätzende Rufschädigung der Lehrer von dieser Seite aus halte ich für mehr als berechtigt. „Engagierte“ Lehrer lassen sich in den Augen anderer nun mal nicht alles gefallen, halten nicht ständig das Maul und dulden nicht jede Schädlichkeit. Sich mit dem Beamtenstatus für mangelnde Courage und mangelnden Widerspruch zu entschuldigen, ist auf Dauer unglaubwürdig.
        Die Öffentlichkeit hält den Lehrerberuf inzwischen zwar nicht mehr für einfach, doch für engagiert hält sie die meisten Lehrer nicht wegen ihres Stillhaltens aus Bequemlichkeit. So verhält sich erfahrungsgemäß keiner, der seinen Beruf und das Wohl der Schüler ernst nimmt.

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