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Bizarre Aktion im Kampf um Schülerzahlen: Bürgermeister lässt Grundschüler beobachten

STENDAL: Eine bizarre Aktion sorgt für Wirbel im Landkreis Stendal. Weil acht Kinder aus der Hansestadt Werben im benachbarten Seehausen zur Grundschule gehen, ließ der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck deren Schulbesuch durch zwei Mitarbeiter gezielt überwachen.

Die Schließung von Minischulen in Sachsen-Anhalt schlägt Wellen im Landkreis Stendal: Wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet, ließ der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck Eltern aus dem Ort Werben beobachten, die ihre Kinder zur Schule in der Nachbargemeinde Seehausen brachten.

Bizarre Überwachungsaktion im Kreis Stendal. Die betroffenen Eltern erwägen Strafanzeige. Ruth Rudolph / pixelio.de

Bizarre Überwachungsaktion im Kreis Stendal. Die betroffenen Eltern erwägen Strafanzeige. Foto: Ruth Rudolph / pixelio.de

Nachdem die Grundschule in Werden zum neuen Schuljahr geschlossen wurde, müssten die betroffenen Kinder eigentlich in Iden zur Schule gehen, das auch zur Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck gehört. Einige Eltern aus Werben hatten daraufhin kurzerhand ihren Wohnsitz in die Nachbargemeinde Seehausen verlegt, um ihre Kinder dort zur Schule zu schicken. Schüler, die nun Iden verlorengehen. Insgesamt hatten acht Kinder ihren Wohnsitz gewechselt.

Zum gestrigen Schulbeginn erschienen nun zwei Amtsmitarbeiter aus Arneburg-Goldbeck vor der Schule in Seehausen und fotografierten die Kinder aus Werben. Die betroffenen Eltern reagierten empört, einige von Ihnen wollen nun Strafanzeige stellen. Gegenüber dem MDR sprachen sie von Stasi-Methoden.

Arneburg-Goldbecks Bürgermeister Eike Trumpf räumte die bizarre Aktion freimütig ein und verteidigte sie sogar: Der Magdeburger „Volksstimme“ sagte er, die Gemeinde sehe sich in der Pflicht, gegen sogenannte Schein-Ummeldungen vorzugehen. Die Kinder des Einzugsbereichs Iden müssten auch in Iden zur Schule gehen, so Trumpf.

Sein Seehausener Amtskollege Robert Reck betonte indessen, seine Gemeinde beschule nur Kinder, die ordnungsgemäß in Seehausen gemeldet seien. Er werde prüfen lassen, ob Mitarbeiter der Nachbargemeinde auf dem Territorium von Seehausen eine solche Überwachungsaktion durchführen dürften. Von Seiten des Landes gab es bislang noch kein Statement. Der Landesdatenschutzbeauftragte Harald von Bose wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern.

Sachsen-Anhalts Landesregierung hatte in diesem Jahr beschlossen, das Grundschulen mit weniger als 60 Schülern geschlossen werden sollen. In ländlichen Regionen darf die Mindestgröße auch 52 betragen. An dem Beschluss hatte es heftige Kritik gegeben.

Im Kreis Stendal waren neben der Grundschule in Werben fünf weitere Schulen zum gerade beginnenden Schuljahr geschlossen worden. Insgesamt mussten in Sachsen-Anhalt 30 Schulen dichtmachen – weniger als zunächst erwartet. Im Kultusministerium war man zunächst von rund 60 Schulen ausgegangen. In vielen Fällen sei es den Kreisen gelungen, die erforderliche Schülerzahl zu erreichen, indem sie neue Einzugsbereiche für die Schulen festgelegt hätten.

Insgesamt rechnet Kultusminister Dorgerloh bis 2017 insgesamt mit der Schließung von  «vielleicht 40 Schulen». Verschärfen wird sich die Lage für Minischulen möglicherweise zum Schuljahr 2017/18, wenn die Mindestschülerzahl auf 80 steigen soll. Dass es dann zu weiteren Aktionen wie im Kreis Stendal kommt, scheint aber unwahrscheinlich. (News4teachers)

Zum Bericht: Dieses Jahr schließen in Sachsen-Anhalt 30 Minischulen

3 Kommentare

  1. 52 Hanseln, das sind 13 Hanseln je Jahrgang – und andere machen die dreifache Menge in einer Klasse für die gleiche Vergütung …

  2. Zuwelcher Partei gehört denn der Herr Bürgermeister Trumpf?

    Es wäre nett, wenn die sprachlichen Fehler im ansonsten hochinteressanten Artikel noch berichtigt würden.

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