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CSU will beim G8 bleiben, aber G9-Züge ermöglichen

MÜNCHEN. Nach wochenlangem Rätselraten hat Kultusminister Spaenle seine Ideen für die Zukunft des Gymnasiums gelüftet. De facto laufen diese auf eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 nach der Unterstufe hinaus.

Die CSU will grundsätzlich beim achtjährigen Gymnasium bleiben, aber G9-Züge ermöglichen. Konkret sollen Schüler künftig nach der Unterstufe entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht Jahren oder erst nach neun Jahren Gymnasium machen wollen.

Schüler, die die Mittelstufe um ein Jahr strecken wollen, sollen dafür also einen G9-Zug wählen können. Für sie soll es nach Möglichkeit eigene, neue Klassenverbände geben. Entsprechende Überlegungen stellte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Freitag in München vor. Er sprach dabei von einer «Mittelstufe plus». CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer signalisierte umgehend Zustimmung.

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Spaenle legt endlich sein Konzept für das Gymnasium vor. (Foto: PR)

Nach wochenlangem Stillstand kommt damit Bewegung in den Streit über die zukünftige Dauer des Gymnasiums. Entscheidender neuer Punkt ist, dass die CSU nun ausdrücklich offen dafür ist, G9-Schüler in eigenen Klassen zusammenzufassen. Darüber sollen die Schulen dann jeweils selbst entscheiden dürfen. Spaenle sagte zu alledem zwar, dass er dies erst mit seiner eigenen Fraktion und den Oppositionsfraktionen besprechen wolle. Er betonte aber, ein Klassenverband, eine Klassengemeinschaft sei «aus pädagogischen Überlegungen» wichtig.

Spaenle rechnet nach eigenen Worten damit, dass sich bis zu ein Viertel der Gymnasiasten für eine verlängerte Mittelstufe entscheiden könnte. «Ich gehe von etwa 20 bis 25 Prozent der Schüler aus, die eine zusätzliche Lernzeit in Anspruch nehmen», erklärte er.

Eine Möglichkeit für Gymnasiasten, ein Jahr länger in Anspruch zu nehmen, hatte es mit dem sogenannten Flexibilisierungsjahr bisher schon gegeben. Dieses Angebot wurde aber kaum abgenommen – offenbar auch deshalb, weil die betreffenden Schüler dann ihren Klassenverband verlassen mussten. Wenn nun – jedenfalls für die Mittelstufe – ganz neue Klassen mit G9-Schülern gebildet werden, könnte für die Schüler eine große Hürde wegfallen. Wie es dann in der Oberstufe weitergeht, ist offen. Denkbar ist, dass die Klassen dann in der gleichen Formation bis zum Abitur weiterlaufen. Denkbar ist aber auch, dass in der Oberstufe die verschiedenen Züge wieder zusammengefasst werden.

Kommenden Montag will Spaenle mit der Opposition über seine Vorschläge sprechen, eine Woche später diskutiert darüber die CSU auf ihrer Fraktionsklausur im Kloster Banz. «Ich weiß ganz genau, wohin ich will – aber ich will möglichst viele mitnehmen», sagte Spaenle.

Eine grundsätzliche Rückkehr zum G9 oder ein Nebeneinander von G8 und G9 lehnte der Minister ab. «Wir wollen ein Gymnasium. Wir wollen ein pädagogisches Grundkonzept», betonte er. Entscheidend für ihn ist dabei nicht die grundsätzliche Dauer des Gymnasiums: Die Lernzeit solle sich am pädagogischen Bedarf orientieren, erklärte er. Es soll zudem neue Lehrpläne geben – und noch mehr individuelle Förderung.

CSU-Fraktionschef Kreuzer stellte sich umgehend hinter Spaenle und dessen Überlegungen. Er sei damit voll einverstanden, erklärte er. dpa

Ein Kommentar

  1. Nach welchem Lehrplan sollen die G9-Züge unterrichtet werden?
    Welche Bücher benutzen die G9-Klassen?
    Was passiert bei dreizügigen Schulen? 20-25% G9er heißen in dem Fall eine sehr kleine G9- und zwei riesige G8-Klassen.
    Was passiert, wenn zu wenige Schüler G9 wählen?
    Können auch die Lehrer die nach der 6 lernschwachen Schüler quasi als Füllmaterial in G9 stecken?
    Die G9-Klasse auch in der Oberstufe gesondert zu führen, schränkt die Wahlfreiheit der Schüler insbesondere bei den LKs massiv ein, eben weil es nur zwei geben kann. Faktisch läuft das dann auf ein Deutsch + Geschichte oder so etwas hinaus, also gerade die Kurse für Schüler, die keine Fremdsprache und kein Mathematik können.
    Das „Konzept“ der CSU klingt sehr unausgegoren. Außerdem überlässt es den Schulen die komplette Arbeit.

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