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Schulweg für Kinder besonders unfallträchtig

ESSEN. In Deutschland kommen immer weniger Kinder bei Verkehrsunfällen zu Schaden. Doch wenn sie verunglücken, dann überwiegend auf dem Schulweg. Beim bundesweiten Blitzermarathon gab es daher verstärkt Geschwindigkeitskontrollen vor Schulen, in die teilweise die Kinder selbst einbezogen waren.

Im letzten Jahr kam durchschnittlich alle 19 Minuten in Deutschland ein Kind im Straßenverkehr zu Schaden. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes wurden 2013 Insgesamt, etwas über 28.000 Kinder bei Unfällen verletzt.

Fast 18.000 Kinder hatten vor dem Blitzermarathon in NRW ihre Blitzerwünsche an die Polizei gemeldet. Foto: Dirk Vorderstraße / flickr (CC BY 2.0)

Fast 18.000 Kinder hatten vor dem Blitzermarathon in NRW ihre Blitzerwünsche an die Polizei gemeldet. Foto: Dirk Vorderstraße / flickr (CC BY 2.0)

Die gute Nachricht: Die Zahl der Unfälle geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Auch die Zahl der im Verkehr getöteten Kinder unter 15 Jahren ist von einstmals über 1000 (1950) auf zuletzt 58 gesunken.

Die schlechte Nachricht: Die meisten Kinder verunglücken in der Zeit zwischen sieben und acht Uhr morgens und auch zwischen 13 und 14 Uhr sowie zwischen 16 und 17 Uhr steigt die Zahl signifikant an. Gerade auf dem Schulweg sind Kinder also besonders gefährdet.

In den meisten Ländern hat es daher nach den Ferien gesonderte Blitzeraktionen vor Schulen gegeben. Und auch der bundesweite Blitzermarathon hat einen Schwerpunkt auf Schulen und Kindergärten gelegt. Vielfach gab es dazu Verkehrserziehungsmaßnahmen und Aktionen. Ein Beispiel aus Essen:

Angestrengt blickt Thorben (10) durch das Lasermessgerät. «Da ist so ein roter Punkt. Mit dem muss ich auf das Nummernschild zielen». Und dann abdrücken. «Mist, nur 25», ist der Zehnjährige enttäuscht. Thorben ist einer von mehr als 3000 Messpaten, die in Nordrhein-Westfalen beim Blitz-Marathon zu schnelle Autofahrer stoppen wollen.

Mit neun Mitschülern und Verkehrspolizisten steht er vor seiner Realschule in Essen am Geschwindigkeitsmessgerät. Gemeinsam wollen sie jedem, der in der Dreißig-Zone zu schnell unterwegs ist, eine Ermahnung mit auf den Weg geben. Dem «Bitte nicht so schnell» aus Kindermund können die Polizisten auch mit Bußgeldern Nachdruck verleihen.

Allerdings: «Wenn wir jetzt alle hier stehen, fahren die ja lieber extra langsam», stellt Thorben fest. «Die sind ja nicht blöd». Sonst seien viele Fahrer weniger regeltreu, weiß auch Schulleiter Christian Ponten: «Ich bin hier vor der Schule sogar schon von zu schnellen Autos überholt worden. Dabei gilt hier ab sechs Uhr Tempo 30.»

Auch die Schüler klagen: «Hier ist mal einer so richtig schnell vorbeigesaust, so dass es mich fast umgeweht hat», sagt Julia (10). Solchen Rasern würde sie gerne sagen: «Mensch, Leute, passt mal auf. Wenn hier mal einer überfahren wird, dann geht das auf eure Kappe». Allein bis Ende Juli habe es 2013 in Nordrhein-Westfalen fast 600 schwer verletzte Kinder in Verkehrsunfällen gegeben, acht Kinder verloren ihr Leben, heißt es im Innenministerium.

Zu hohe Geschwindigkeit sei bei jedem dritten Verkehrstoten ursächlich, betont Polizeioberrat Jürgen Marten. Je höher die Geschwindigkeit, desto häufiger ende ein Crash tödlich.

Weil auch Kinder – ob auf dem Schulweg oder in der Freizeit – zu Verkehrsteilnehmern gehören, waren sie es, die in NRW vor dieser siebten großgelegten, 24-stündigen Blitzaktion mitbestimmen konnten, wo gemessen wird. Fast 18 000 Kinder richteten ihre Blitzerwünsche über E-Mail, Brief und Facebook an die Polizei.

«Viele Kinder fürchten sich auf dem Weg zur Schule oder zum Sport vor Rasern», sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Mit dem Blitz-Marathon will er zum Nachdenken anregen und so eine Verhaltensänderung erzielen. «Mit Hilfe der Kinder wollen wir nicht nur das Hirn, sondern auch das Herz der Autofahrer erreichen», ergänzt Karl-Heinz Webels von der Essener Verkehrswacht.

Ob das gelingt? «Manche sehen es vielleicht ein», sagt die elf-jährige Amira. «Morgen fahren aber bestimmt viele wieder zu schnell». In den ersten Stunden des Blitz-Marathons nehmen die Autofahrer vor den Schulkindern mit ihren Warnwesten und Stoppkellen den Fuß meist rechtzeitig vom Gas.

Doch dann geht den Essener Schulkindern doch eine Temposünderin ins Netz: «59!» – großer Jubel der Messpaten. Doch die Fahrerin mit österreichischem Kennzeichen hat Glück: 120 Euro Bußgeld wären fällig, wenn ein Polizist die Messung überwacht hätte. «Weil die Kinder alleine gemessen haben, kommt sie mit einer Ermahnung davon», sagt der Beamte, der ihre Papiere überprüft. Die kommt prompt von den Schülern, die ihre selbstgebastelten Stoppschilder schwenken. (Florentine Dame, dpa, News4teachers)

zum Bericht: Schulwegkontrollen: Auch viele Eltern zu schnell
zum Bericht: Experten: Kinder müssen den Schulweg allein gehen können

Statistisches Bundesamt: Kinderunfälle im Straßenverkehr 2013

8 Kommentare

  1. Wer kennt sie nicht, die rasenden Autofahrer auf den Autobahnen, die waghalsigen Überholmanöver auf den Landstraßen oder die Missachtung der Tempo 30 – Zonen an Schulen oder Kindergärten?

    Werden die Leute erwischt, zeigen sich viele im ersten Monent (vordergründig) einsichtig, vor allem dann, wenn das Ganze noch von einer Kamera eingefangen wird. Nachhaltig verändern sie ihr Fahrverhalten jedoch ganz selten.
    Die gegenwärtige Aktion wird u.a. mit der wieder steigenden Zahl an Verkehrstoten begründet. Ich halte dagegen: Auch in den zurückliegenden Jahren gab es die Blitzer – Aktionen. Dennoch beklagen wir wieder mehr Verkehrstote. Nachhaltig scheint so ein gigantischer Aufwand das Fahrverhalten kaum zu beeinflussen.
    Da hilft nur eines: Es muss so richtig an den Geldbeutel gehen, und es müssen viel drastischere Fahrverbote verhängt werden. Nur das verstehen leider viele Leute!
    Soweit ich informiert bin, gibt es kaum eine zweites Land, in dem z.B. für zu schnelles Fahren so wenig bezahlt werden muss.

    Laut Beitrag konnten Schulkinder mitbestimmen, wo gemessen wird. Dabei wird aber leider nicht erwähnt, dass die größte Gefahr für die Kinder an Schulen oft von den Eltern ausgeht, die ihre Kinder möglichst noch IN die Schule fahren würden.

    Auch Kinder oder Schüler sind Verkehrsteilnehmer. Da gibt’s in den Kindergärten und den Schulen oft tolle Aktionen für mehr Verkehrssicherheit. Mich wundert nur, dass dennoch viele Schüler nicht wissen oder bewusst ausblenden, wie Fahrradwege zu benutzen sind. Viele fahren auf der falschen Seite und “spielen” Geisterfahrer. Selbstverständlich wird dabei ständig mit dem Smartphone herumgespielt. Ganz “Coole” stöpseln sich auch noch die Ohren zu, um laute Musik zu hören. Damit gefährden sie nicht nur sich, sondern auch noch andere Verkehrsteilnehmer. Das betrifft in meinem Wohnort sogar in hoher Anzahl Gymnasiasten. Bisher habe ich nicht erlebt, dass sich die Polizei darum kümmert.

    • Nun sind die Zahlen raus: 3 Millionen Wagen wurden kotrolliert. Davon waren 93.000 oder 3% zu schnell.

      Gegenüber dem letzten Jahr ist die Zahl der Temposünder noch angestiegen. Dennoch verbucht der Verkehrsminister Jäger aus NRW die Aktion als Erfolg. Er scheint ein Meister im Schönreden zu sein.
      Da bin ich doch eher bei den Kritikern, die von “PR – Aktion” mit “Effekthascherei” sprechen.

      Wie aus meiner Sicht unbelehrbaren Wagenlenkern nur beizukommen ist, habe ich oben bereits ausgeführt.
      Dass der tiefe Griff in den Geldbeutel wirkt, sehen wir bspw. bei unseren niederländischen Nachbarn. Im eigenen Land fahren sie deutlich disziplinierter als bei uns.
      Im Gegensatz zu den Niederlanden gibt es bei uns bekanntermaßen kein Tempolimit auf den Autobahnen. Hier haben die Niederländer nicht nur “freie Fahrt” auf den Autobahnen, sondern bei Tempoverstößen werden sie im Vergleich zum Heimatland auch noch gnädig behandelt.

      Was sagen die Zahlen aber über die ertappten AutofahrerInnen? Da wird diese flächendeckende Großaktion lange vorher angekündigt. Im Internet konnten auch noch die Kontrollpunkte eingesehen werden.
      Ernsthaft, ich würde sehr gerne wissen, um welche Personen es sich da handelt. Hier sollten Verkehrspsychologen mal genauer hinschauen.

      • Und, was spricht gegen eine PR-Aktion? Um die Problematik zu schnellen Fahrens zu thematisieren, erfüllt sie doch ihren Zweck.

        Es ist doch egal, an welcher Stelle eine Tempokontrolle errichtet wird, an dieser Stelle wird immer ein Prozentsatz x zu schnell gefahren sein, sich ertappt fühlen und deshalb von einer Radarfalle stellen.
        Die Kritik in diesem Punkt am IM ist deshalb schon populistisch alsi in NRW ohnehin nicht viele Staßenkilometer ohne Tempolimit sind. Hier in NRW isr es doch so, dass man eigentlich die für die Streckenabschnitte geltenden Höchstgeschwindigkeiten einklagen müsste, um sie überhaupt erreichen zu können.

        Kritisieren müsste man nur Herrn Dobrint, wenn er beschlösse, dass Parken auf Autobahnen kostenpflichtig zu machen. Da das fahren auf dem Ruhrschleichweg ja schlecht über eine Maut abkassiert werden kann, würde eine Parkgebühr für den üblichen Stillstand ja auch mehr Sinn machen und vor allem mehr Geld einbringen. letzteres wird dann vermutlich für den Bau des südlichen Teilstückes des Münchner Autobahnringes eingesetzt.

        • Die Folgen zu schnellen Fahrens werden doch ständig thematisiert. Darauf muss ich doch nicht durch so eine aufwändige Aktion hingewiesen werden.
          Jeder Auto- oder Lkw-Lenker sollte einen Führerschein besitzen. Das Thema “angemessenes Fahren” gehört dort zu den ganz wichtigen Ausbildungsinhalten.
          Wenn ich mich in meinen fahrbaren Untersatz setze, weiß ich, wie ich mich im Straßenverkehr zu verhalten habe. Das trifft bestimmt auf viele Millionen Verkehrsteilnehmer zu. Diese vollkommen wirkungslosen PR-Aktionen finden offensichtlich nur statt, weil die politisch Verantwortlichen den Verkehrsteilnehmern nicht trauen. Sie halten uns gewissermaßen für beschränkt oder gar doof. Ich empfinde so einen Blitzmarathon jedenfalls als Angriff auf meine Intelligenz.
          Die Raser oder Unbelehrbaren werden mit so einer Aktion eh nicht erreicht. Hier helfen nur ganz drastische Maßnahmen und zuletzt der Entzug der Fahrerlaubnis.
          Solange diese Leute aber bei einem Unfall mit mehrere Toten manchmal sogar mit Bewährung davonkommen, wird sich nichts ändern!!

          • Wenn das doch alles bekannt ist, warum werden damm immer wieder Eltern vor den Schulen oder Kindergärten ihres eigenen Nachwuchses als Verkehrssünder erwischt? Warum fahren ausgerechnet die Anwohner, die sich vehement für den verkehrsberuhigten Ausbau in ihrem Quartier stark gemacht haben, dort zu schnell? Natürlich nicht direkt vor der eigene Haustür, aber spätestens zwei Querstraßen weiter.

            Btw fahren Sie einmal durch NRW und ein anderes Mal durch Bayern. Wo ist die ständige Verkehrskontrolle (Kontrolldichte) höher?

          • Das ist wie in der Schule. Wenn ich bei Störungen immer nur ankündige, erkläre oder diskutiere, erreiche ich NICHTS. Ab einem bestimmten Punkt wird dann gehandelt.

            Mit dem Hinweis auf die Eltern oder Anwohner verkehrsberuhigter Zonen haben Sie Recht. Das erlebe ich auch immer wieder.
            Auch die wissen Bescheid, halten sich aber nicht an die Bestimmungen. Also muss gehandelt werden. Z.B. dürfen unbelehrbare Eltern ihre Kinder nicht mehr vor der Schule absetzen.
            Verkehrsberuhigte Zonen müssen zunächst einmal so gebaut werden, dass schnelles Fahren gar nicht mehr möglich ist, ohne dass der Wagen ständig auf dem Asphalt aufschlägt.
            Dann müssen dort “Blitzer” fest installiert werden. Diese Maßnahmen sollten bereits wirkungsvoll sein. Wer dennoch immer wieder erwischt wird, darf eben in diesen Zonen nicht mehr fahren.
            Mein Gott, ich würde mir doch nicht als Staat von diesen unbelehrbaren Leuten auf der Nase herumtanzen lassen!!

          • Kennen Sie die RAS? Auch durch eine verkehrsberuhigte Zone muss die Müllabfuhr und die Drehleiter der Feuerwehr hindurch. Bodenwellen unterliegen technischen Vorschriften und interessieren bei der SUV-Dichte eigentlich niemanden, außer evtl. noch überlebende Manta-Besitzer.

            Die Zuwegungen zu Schulen verkehrsberuhigt auszubauen, ist ebenfalls nicht sinnvoll – außer Sie wollen den Schulbusverkehr einstellen. Die Zuwegungen müssen so beschaffen sein, dass ein 18m-Gleiderbus ebenso wie Rettungsmittel im Einsatz die Schule erreichen müssen.

            Festinstallierte Radarmessgeräte müssen eben auch mit Kameras bestückt werden, die sind auch nicht immer eingebaut.

  2. Tempolimit 120 bis 130 sollte dringend eingeführt werden, Tempoverstöße mit schmerzhaften Geldstrafen geahndet werden. Das Fahren wird für alle entspannter, weniger Staus (aus dem Nichts), Umweltschutz durch weniger Benzinverbrauch usw..
    Dagegen spricht die heimische Automobillobby (allen voran BMW, Merzedes, Audi), die ihre hoch gezüchteten Luxuskarossen verkaufen möchte und die Politik, die darauf anspricht. So ein Platz im Aufsichtsrat ist im Vergleich zum geringen Arbeitsaufwand exzellent bezahlt.

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