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Stichflamme im Chemiesaal verletzt zwei Schüler schwer – Wie riskant sind Experimente im Unterricht?

BURKUNSTADT. In Bayern haben sich zwei Realschüler im Chemieunterricht schwere Verletzungen zugezogen. Sie sollten mit Laborbrennern experimentieren – doch dabei ging etwas schief. Nicht der erste Unfall in Chemieräumen deutscher Schulen.

Stichflamme bei einer Feuerwehrübung. Foto: Joergelman / pixabay (CC0 1.0)

Stichflamme bei einer Feuerwehrübung. Foto: Joergelman / pixabay (CC0 1.0)

Bei einem misslungenen Experiment im Chemiesaal haben zwei Realschüler in Bayern schwere Verbrennungen erlitten. Das Unglück geschah in einem Schulzentrum im oberfränkischen Burgkunstadt. Die 15 und 16 Jahre alten Jungen wurden mit Rettungshubschraubern in eine Spezialklinik ins thüringische Erfurt gebracht. Nach Angaben von Landrat Christian Meißner (CSU) wurde einer der Jugendlichen am Oberschenkel und Bauch verletzt, der andere am Unterarm und am Bauch. Lebensgefahr bestehe nicht, sie müssten nicht operiert werden. Beide Jungen seien ansprechbar.

In dem Chemiesaal hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks knapp 30 Schüler mit ihrer Lehrerin auf. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei sollten die Schüler kurz nach acht Uhr einen Versuch mit Laborbrennern durchführen. Dabei entzündete sich aus bislang unbekannten Gründen eine Flüssigkeit. Die Stichflamme verletzte die beiden Schüler. Ein weiterer Neuntklässler erlitt einen Schock und kam ebenfalls in eine Klinik, konnte später aber wieder in die Schule zurückkehren.

Eine Mitschülerin berichtete, die Klasse habe für das Experiment in Vierergruppen gearbeitet. Sie sah, wie die Haare eines Schülers brannten. Andere Schüler seien ihm sofort zur Hilfe geeilt, um die Flammen zu löschen. Wie der Landrat erläuterte, löste die Brandmeldeanlage der Schule den Feueralarm aus. Das gesamte Schulhaus wurde evakuiert, 40 Feuerwehrleute und 15 Sanitäter waren im Einsatz.

Die betroffene Klasse wurde durch die Psychosoziale Notfallversorgung betreut. Auch ein Pfarrer war vor Ort. Der Unterricht in den anderen Klassen ging später normal weiter. Die Kripo ermittelt.

Misslungene Experimente im Chemieunterricht oder zerbrochene Flaschen mit giftigen Chemikalien sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder dafür, dass sich Schüler und Lehrer verletzen. Beispiele:

  • März 2014: Zwei Jungen im Alter von neun und zehn Jahren werden bei einer Verpuffung in Pfalzgrafenweiler (Baden-Württemberg) schwer verletzt. Per Rettungshubschrauber kommen sie in eine Spezialklinik.
  • September 2012: Fast 100 Gymnasiasten in Grünstadt (Rheinland-Pfalz) klagen über Augenbrennen, Brechreiz und Atembeschwerden, nachdem einer Lehrerin in der Pause eine Flasche mit giftigem Brom zu Boden gefallen war. Elf Schüler müssen zur Beobachtung in die Klinik.
  • April 2012: Eine zehn Jahre alte Grundschülerin erleidet bei einem Experiment in Golzow (Brandenburg) schwere Brandverletzungen. Das Mädchen geriet in eine Stichflamme, als ein Schüler einen Wattebausch in einem Glas anzündete. Die Verletzte kommt in ein Krankenhaus.
  • September 2011: Mehr als 40 Verletzte und eine evakuierte Schule – das ist die Bilanz eines Chemieunfalls in Weil am Rhein (Baden-Württemberg). Schüler hatten ein Gefäß mit Brom zerbrochen.
  • Oktober 2009: Ein Hausmeister wischt in einem Berufsschulzentrum in Heidenheim (Baden-Württemberg) Flüssigkeit auf, nachdem eine Flasche zerbrochen war. Die Chemikalie reagiert mit Wasser, giftige Dämpfe werden freigesetzt. Rund 50 Schüler werden verletzt, sieben von ihnen müssen wegen Atembeschwerden im Krankenhaus behandelt werden.
  • Juni 2008: Zwölf Schüler und ein Lehrer werden an einem Gymnasium in Göttingen (Niedersachsen) verletzt – im Unterricht bricht eine Flasche mit 1,5 Liter Salpetersäure nach einer chemischen Reaktion. Dämpfe werden frei. Der Lehrer erhält später einen Strafbefehl: Er hatte den Angaben zufolge Behälter mit Chemikalien nicht beschriftet. dpa

 Zum Bericht: Gefährden strengere Sicherheitsauflagen den Chemieunterricht?

Ein Kommentar

  1. Die Ursache muss gründlich erforscht werden, schon um die Schuldfrage zu klären. Ich hoffe, dass es wirklich ein Unfall war, d.h. die Lehrerin hat alle Sicherheitsauflagen beachtet (inkl. Anleitung für die Schüler) und die Schüler haben keinen Unsinn gemacht.

    Die genannten Vorfälle sind natürlich Extremfälle, die gerundet ein Mal pro Jahr stattfanden und nur einer davon war strafrechtlich relevant. Bei grob 35000 Schulen in Deutschland kommt man leicht auf mehrere 100000 Experimente pro Schultag. Bei nur einem Bruchteil passiert überhaupt etwas und nur bei einem Bruchteil davon auch etwas ernsthaftes, d.h. das Risiko von Experimenten ist im Vergleich zum Nutzen äußerst gering.

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