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Schule völlig verdreckt: Kollegium schickt Schüler nach Hause – und putzt selber

BERLIN. Toiletten waren versifft, Flure schmierig, die Klassenräume verstaubt und unter vielen Pulten lag eine Sandschicht. Weil so viel Dreck im Schulgebäude nicht mehr zur ertragen war, griff das Kollegium einer Berliner Sekundarschule zur Selbsthilfe: Es schickte die Schüler nach der ersten Stunde nach Hause – und putzte selbst. Die Aktion macht jetzt bundesweit Schlagzeilen.

Dem Kollegium reichte es, im Dreck unterrichten zu müssen - und schritt zur Tat. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Dem Kollegium reichte es, im Dreck unterrichten zu müssen – und schritt zur Tat. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Berliner Landeshaushaltsordnung sieht vor, dass bei öffentlichen Ausschreibungen das beste Angebot den Zuschlag erhält, so berichtet der „Deutschlandfunk“. Für Reinigungsfirmen bedeute das schlicht: Der preisgünstigste Anbieter bekommt den Zuschlag – auch wenn billig oft eben nicht gut ist. Eine Anhörung im Abgeordnetenhaus ergab laut Bericht schon vor Monaten, dass Firmen bei Ausschreibungen nicht selten unrealistische Angaben darüber machen, wie viel Fläche in einer bestimmten Zeit von einer Putzkraft überhaupt gereinigt werden kann. Auch sei es schwer, für die Tätigkeit qualifiziertes Personal zu finden. Die Sauberkeit bleibe dabei meistens auf der Strecke, wie das aktuelle Beispiel aus Marzahn-Hellersdorf belege. „Wir haben seit dem Sommer ständig Mängel melden müssen“, berichtete die Schulleiterin der „Berliner Zeitung“.

Eine neue Firma hatte nämlich nach einer Ausschreibung des Bezirks den Zuschlag erhalten und war seit Jahresbeginn dort tätig. Seither habe es Beschwerden gegeben, so der Bericht. Zunächst seien aus Bulgarien stammende Kräfte eingesetzt worden, die kaum Deutsch verstanden. Dann sei das Putzpersonal ausgewechselt worden, ohne dass sich die Lage gebessert habe. „Die Firma, die hier früher war, hat sich für die Schule verantwortlich gefühlt“, berichtet die Schulleiterin im „Deutschlandfunk“. „Das ist, denke ich auch sehr wichtig, dass man da auch merkt, dass die Reinigungsfirma nicht einfach nur stupide ihrer Arbeit macht, sondern dass die auch eine gewisse Verantwortung für das Objekt haben. Und dieses entsteht natürlich, wenn man immer die gleichen Mitarbeiter hat und wenn man dann dementsprechend gut mit ihnen umgeht. ” Der Bezirk will die Firma nun abmahnen und prüfen, ob man den Vertrag auflösen kann.

Offenbar ist die Situation der betroffenen Sekundarschule kein Einzelfall in Berlin: Anfang des Jahres habe es im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg massive Probleme mit einer anderen Putzfirma gegeben, die an 40 Schulen aktiv war. Von der habe sich das zuständige Bezirksamt getrennt. Auch in anderen Bezirken gebe es Unmut, berichtet die „Berliner Zeitung“. Dass fast ein ganzer Schultag ausfallen musste, damit Lehrer putzen können, ist allerdings ein Novum in Berlin. Auch wenn der Schulbetrieb an der Sekundarschule wieder läuft, hält sich das Verständnis der Eltern in Grenzen. „Die Schulpflicht sollte eingehalten werden“, sagte eine betroffene Mutter der „Berliner Zeitung“. „Es kann doch nicht sein, dass die Lehrer sauber machen müssen statt zu unterrichten.“ Die Schule hatte den Schülern ein erklärendes Schreiben mitgegeben.

Ein Lektion gab es für die Reinigungsfirma. Eine Schulsozialarbeiterin, die das Waschbecken einer Toilette gewischt hatte, hinterließ dort dem Bericht zufolge ein Papierschild mit dem Hinweis „So reinigt man Sanitäranlagen!“. News4teachers

Zum Bericht: Schulleiter klagen: „Wir versinken im Dreck“ – Städte sparen beim Putzen

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