Startseite ::: Nachrichten ::: Weniger Pflicht, weniger Stress – Das sind die 10 Empfehlungen zum Lernen mit G8 in NRW

Weniger Pflicht, weniger Stress – Das sind die 10 Empfehlungen zum Lernen mit G8 in NRW

DÜSSELDORF. Bildungspolitiker, Wissenschaftler und Verbände haben am Runden Tisch der Schulministerin Empfehlungen für eine Verbesserung des achtjährigen Gymnasiums (G8) vorgelegt. Hier die 10 wesentlichen Punkte:

1. ERGÄNZUNGSSTUNDEN

– Das Ministerium soll klarstellen, dass Ergänzungsstunden der individuellen Förderung dienen und nicht den Unterrichtsumfang erhöhen sollen.

– Allen Gymnasiasten müssen 12 – bei Wahl einer dritten Fremdsprache 10 – Ergänzungsstunden angeboten werden. Fünf davon müssen aber nicht von allen Schülern belegt werden. Die nicht verpflichtenden sollen schwächere oder besonders leistungsstarke Jugendliche unterstützen.

– Dadurch verringert sich die verpflichtende Unterrichtszeit in der Sekundarstufe I für viele Gymnasiasten von 163 auf 158 Wochenstunden – etwa so wie in den anderen Schulformen.

Gymnasiumsportal

In NRW wird es keine Rückkehr zu G9 geben. Foto: twicepix / flickr (CC BY-SA 2.0)

2. HAUSAUFGABEN

– Klarstellung, dass Hausaufgaben individueller Förderung dienen, nicht jedoch den Fachunterricht verlängern oder kompensieren sollen.

– Die höchst zulässige Hausaufgabenmenge wird reduziert.

– An Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht soll es keine Hausaufgaben geben.

– Hausaufgaben können auch individuell aufgegeben oder erlassen werden – zum Beispiel, wenn einzelne Schüler gerade durch Referate oder Vorbereitung von Klassenarbeiten besonders gefordert sind.

3. KLASSENARBEITEN

– Begrenzung auf zwei, im Ausnahmefall höchstens drei Klassenarbeiten pro Woche in der Sekundarstufe I.

– Keine schriftlichen Übungen an Klassenarbeitstagen.

– In der gymnasialen Oberstufe soll geprüft werden, ob die Zahl der Klausuren im Regelfall auf zwei begrenzt werden kann.

4. FÄCHERBINDUNG

– In Klasse 9 müssen derzeit alle natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer unterrichtet werden, um eine Wahlentscheidung für die Oberstufe zu erleichtern. Dadurch ist die zeitliche Belastung hoch und das Fächerspektrum sehr breit. Die Schulkonferenz soll diese Fächerbindung in Klasse 9 aufheben können.

5. SCHÜLERLAUFBAHNEN

– Die Schullaufberatung soll nicht allein auf die Übergänge von der Grundschule und zur Sekundarstufe II beschränkt, sondern auch im Anschluss an die Erprobungsstufe intensiviert werden.

6. NACHMITTAGSUNTERRICHT

– Die Gesamtmenge an Unterrichtszeit und Hausaufgaben wird begrenzt.

– Verpflichtender Nachmittagsunterricht an Gymnasien ohne verbindlichen Ganztag in den Klassen 5 bis 7 höchstens einmal pro Woche.

– Auch in den Klassen 8 und 9 an einem, höchstens an zwei Nachmittagen Unterricht.

– Dabei dürfen acht Unterrichtsstunden nicht überschritten werden.

– Nach der Mittagspause in den Klassen 5 bis 7 in der Regel kein Unterricht in Klassenarbeitsfächern.

– Auch an Ganztagsgymnasien an ein bis zwei Nachmittagen pro Woche kein Pflichtunterricht.

– Die Schulaufsicht sorgt dafür, dass in Ganztagsschulen Hausaufgaben weitestgehend von Lernzeiten in der Schule abgelöst werden.

7. ANERKENNUNG

– Das Land macht Vorgaben für großzügigere Unterrichtsfreistellungen für Schüler mit Ehrenamt.

– Das Ministerium veröffentlicht gute Beispiele zur Anerkennung außerschulischer Leistungen, zum Beispiel auch auf Zeugnissen.

8. LEHRPLÄNE

– Lehrpläne werden neu überprüft und entschlackt – vor allem in der Sekundarstufe I.

9. OBERSTUFE

– In der Oberstufe sollen nicht zu viele zusätzliche Grundkurse gewählt werden, die für die Abiturprüfung nicht relevant sind, stattdessen mehr Vertiefungskurse.

10. EVALUATION

– Das Ministerium überarbeitet Erlasse und Rechtsverordnungen.

– Die Schulaufsicht bildet regionale Qualitätszirkel.

– Nach einem Jahr tagt erneut der Runde Tisch im Ministerium und zieht Bilanz über die neuen Maßnahmen. dpa

2 Kommentare

  1. Bei diesen Empfehlungen können die Lehrer in NRW beruhigt sein, weil sie nicht nennenswert mehr fordern als heute schon praktisch umgesetzt wird. Daraus folgt natürlich unmittelbar, dass die ganze Veranstaltung im Wesentlichen PR gepaart mit heißer Luft war.

  2. Ich habe mal spaßeshalber mitgezählt:

    – Zwei Punkte sind schon seit einiger Zeit in Gesetz und Verordnung gegossen. Das nochmals als Vorschlag zu bringen bedeutet, dass das Ministerium Aktionismus in der schönsten Form vorführt – und das mit “Änderungen”, die bisher nachweislich nicht zu einer wirklichen Entzerrung der SekI geführt haben.

    – Zwei Punkte werden schon genau so wie beschrieben seit langem von praktisch jedem Gymnasium gelebt. Also wieder Aktionismus – ohne den Schülern zu helfen.

    – Ganze vier Punkte sind irrelevant, weil sie nichts mit der Belastung, G8 oder G9 zu tun haben, sondern nur die Liste mit Worthülsen füllen.

    – Zwei Punkte sind wirklich neu, dummerweise bedeuten beide eine Verminderung des Stoffs und eine Senkung der Anforderungen.

    Sowieso zieht sich die Absenkungen der Qualität durch die gesamte Liste. Das Abitur soll einfacher werden. Dazu kommen solche Vergackeierungen wie die Hausaufgaben an Langtagen. Die wenigsten Schulen geben da noch etwas auf. Die vorgeschlagene Regelung ist außerdem an Dummheit nicht zu überbieten: es sollen keine Aufgaben für den nächsten Tag aufgegeben werden. Für den übernächsten ist es also kein Problem. Wenn man am Montag Langtag hat darf man also am Dienstag die Hausaufgaben machen, die sowohl montags als auch dienstags aufgegeben wurden. Wer kommt auf solche Ideen?

    Hausaufgaben sollen mehr in die Schule verlagert werden. Hausaufgaben brauchen Zeit. Wenn diese in der Schulzeit erledigt werden, was bleibt dann auf der Strecke? Und Frau Löhrmanns Utopie einer Schule ohne Hausaufgaben ist neckisch. Sollen die Kinder etwa Vokabeln im Klassenzimmer lernen? Das in Deutsch behandelte 200-Seiten-Buch während des Unterrichts lesen?

    An einem der Hauptkritikpunkte wurde nichts gemacht: der Nachmittagsunterricht schon ab Klasse 5. Neunjährige haben Arbeitstage wie Erwachsene. Das Familienleben wird massiv gestört. Ja, es gibt viele, die Ganztag bevorzugen, aber deshalb muss man das nicht jedem aufzwingen. Naja, das Wohl der Kinder scheint Frau Löhrmann noch nie groß interessiert zu haben, zumindest nicht wenn sie ein Gymnasium besuchen.

    Das passt alles ins Bild. Frau Löhrmann hatte kein Problem in der WDR-Sendung “eins zu eins” eine Unwahrheit nach der anderen rauszuhauen. Das Ministerium hat den Runden Tisch beeinflusst, Vorschläge vorgegeben und die Besetzung so gewählt, dass das gewünschte Ergebnis heraus kommt? Niemals! Über G9 wurde nicht ein einziges Mal ergebnisoffen diskutiert? Ach woher denn! Und natürlich konnten die Gymnasien alle 2010 zu G9 zurückkehren – nein, das konnten sie nicht, kein einziges.

    Der Runde Tisch und die Vorschläge dienen nur dazu, den seit neun Jahren erwiesenermaßen untauglichen Irrweg G8 weiter zu gehen. Zumindest die FAZ hat den Mut entsprechend zu berichten.

    Vielleicht kann mir auch jemand die Frage beantworten warum Schüler auf der Gesamtschule neun Jahre für das Abi haben, auf dem Gymnasium jedoch acht? Die Abiturienten auf der Gesamtschule sind nicht blöder, die auf dem Gymnasium nicht schlauer (das sollte zumindest so sein). Das Gesamtschul-Abi ist vom Wert her identisch mit dem Gymnasialabi: Allgemeine Hochschulreife. Die Gesamtschule unterrichtet nicht schlechter als das Gymnasium, das Gymnasium nicht besser (und damit schneller) als die Gesamtschule. Also: warum gibt es an der Gesamtschule das Jahr mehr? Wird der gleiche Stoff langsamer vermittelt? Wenn ja: Entweder langweilen sich die Schüler an der Gesamtschule, oder die am Gymnasium werden mit Gewalt und erwiesenermaßen zu schnell durch den Unterricht gepresst.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*