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Experte: Echte Inklusion erst in der nächsten Generation

OLDENBURG. Seit August 2013 haben behinderte Kinder in Niedersachsen einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Regelschule. Viele Schulen haben damit noch ihre Schwieirgkeiten. Es werde noch lange dauern, bis der Gedanke der Inklusion in der Gesellschaft verwirklicht ist, sagt der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Heinrich Ricking.

Das Recht behinderter Kinder, statt einer Förder- eine Regelschule zu besuchen, stellt viele Schulen in Niedersachsen noch vor Schwierigkeiten. «In den Schulen sind wir in manchen Bereichen noch dabei, Anlauf zu nehmen, und in anderen Bereichen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln», sagte der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Heinrich Ricking im Vorfeld einer Fachtagung der Caritas zum Thema Inklusion in der kommenden Woche.

Echte Inklusion noch in weiter Ferne? Foto: BKJ e. V. / flickr (CC BY 2.0)

Echte Inklusion noch in weiter Ferne? Foto: BKJ e. V. / flickr (CC BY 2.0)

Man könne noch nicht von wirklich inklusiven Verhältnissen sprechen. Seit August 2013 haben Eltern von Kindern mit Behinderung oder Förderbedarf einen Anspruch darauf, dass ihr Nachwuchs eine reguläre Schule besuchen darf. In der Vergangenheit hatten sie oft darum kämpfen müssen. Landesweit gibt es etwa 39 000 Jungen und Mädchen mit Förderbedarf.

Es gebe jetzt einen gesetzlichen Rahmen, der das Miteinander von Schülern mit und ohne Förderbedarf regelt, und es gebe aussichtsreiche Ansätze. Es werde aber noch lange dauern, bis der Gedanke der Inklusion in der Gesellschaft verwirklicht ist, sagte Ricking. «An den Schulen bleibt das ja nicht stehen», sagte er. Behinderte Menschen müssten danach auch einen Anspruch darauf haben, im Arbeitsleben dieselben Chancen auf einen Job zu haben, wie Nichtbehinderte. «Es wird eine Generation dauern, bis wir spürbar ein anderes Denken im Kopf haben.»

Der Rechtsanspruch von Kindern mit Förderbedarf, eine Regelschule besuchen zu dürfen, werde seiner Einschätzung nach nicht dazu führen, dass alle Förderschulen aufgelöst werden. «Es gibt immer Schüler mit so ausgeprägten Beeinträchtigungen und Bedürfnissen, dass diese zumindest temporär nicht in allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können», sagte Ricking. Es werde künftig beides geben: Beeinträchtigte Kinder in den Förderschulen und in den Regelschulen. Das zeigten auch die Erfahrungen aus Amerika und Skandinavien.

Es gebe noch Anlaufschwierigkeiten. Es sei daher wichtig, Inklusion nicht übers Knie zu brechen, sondern ihr Zeit zu geben. Wichtig sei neben einer Weiterbildung von Lehrern auch die Ausbildung von Sonderpädagogen. «Sonderpädagogik ist seit Jahren ein Mangelfach.» An der Uni Oldenburg würden im Schnitt jährlich 130 Studenten aufgenommen, die Anfragen betrügen aber mehr als das Zehnfache. Und der Arbeitsmarkt würde diese Zahl auch aufnehmen. (dpa)

zum Bericht: Neues Schulgesetz: Heiligenstadt drosselt das Tempo bei der Inklusion – ein bisschen
zum Bericht: “Schulen nicht gut vorbereitet”: Evangelische Kirche kritisiert Umsetzung der Inklusion

Ein Kommentar

  1. Problematisch ist, dass die Politik der Inklusion keine Zeit gibt, weil sie das Einsparpotenzial in den Vordergrund rückt und dieses Geld am liebsten sofort in andere Dinge wie Steuergeschenke an Großkonzerne investieren möchte.

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