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„Schulen nicht gut vorbereitet“: Evangelische Kirche kritisiert Umsetzung der Inklusion

DÜSSELDORF. Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht große Defizite bei der Umsetzung des gemeinsamen Lernens behinderter und nicht behinderter Kinder. Viele Lehrer der allgemeinen Schulen seien nicht genügend auf die Inklusion vorbereitet, heißt es in der neuen Orientierungshilfe „Es ist normal, verschieden zu sein“, aus der die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post zitiert.

Wird ein Kind mit Down-Syndrom an einer Regelschule genauso gut gefördert wie an einer Förderschule? Foto: Rich Johnson / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Wird ein Kind mit Down-Syndrom an einer Regelschule genauso gut gefördert wie an einer Förderschule? Foto: Rich Johnson / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

„Es gibt noch zu viel Frontalunterricht und zu wenig Lernbegleitung mit individuellen Förderplänen“, kritisieren die Autoren und fügen mit Blick auf die Lehrer hinzu: „So erfahren sie die Notwendigkeit, auch Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf zu unterrichten, als Überforderung.“ Zudem fehlten Sonderpädagogen: „Statt Doppelbesetzung im Unterricht werden häufig nur wenige Förderstunden genehmigt. So ist die schulische Wirklichkeit oft weit von der Idee gemeinsamen Lernens entfernt.“ Zwar sei „das Ziel einer inklusiven Schule, dass keine Schülerin und kein Schüler mehr ausgegrenzt wird“, klar. Doch brauche Inklusion Zeit, um zu gelingen. „Deshalb kann es für eine Übergangszeit sinnvoll sein, dass man zwischen Förderschule und gemeinsamem Unterricht wählen kann.“  Eine 16-köpfige Kommission hat die Orientierungshilfe erarbeitet. Vorsitzender war der Bildungschef der rheinischen Landeskirche und Vizepräses der EKD-Synode, Klaus Eberl.

Die Orientierungshilfe „Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ ist erschienen im Gütersloher Verlagshaus, 2014, ISBN 978-3-579-05975-4, hat 192 Seiten und kann zum Preis von 7,99 EUR über den Buchhandel bezogen werden. Unter der Internet-Adresse www.ekd.de/inklusion-leben steht die Orientierungshilfe zum Herunterladen bereit.

Zum Bericht: Inklusion: Immer mehr Schulen kapitulieren – zwei neue Brandbriefe

2 Kommentare

  1. Liebe Vertreter der evangelischen Kirche, seht den Tatsachen ins Auge: die Bildungspolitiker jeglicher Couleur sind nur zu schnell bei der Hand mit großen Worten und großen Ideen, doch wenn es darum geht, diese tollen Ideen zu finanzieren und umzusetzen, hat man schon immer die Schulen und die Lehrer im Regen stehen lassen. Und genau so ist es – natürlich – auch mit der Inklusion, die sich in politischen Sonntagsreden gut verkaufen lässt, über deren praktische Ausgestaltung und Finanzierung man sich dann aber lieber in Schweigen hüllt: die Lehrer vor Ort sollen’s halt irgendwie richten.

  2. Ev. Kirche und Inklusion – nun ja, die Direktoren von Gymnasien in Trägerschaft der ev. Landeskirchen als staatlichen Ersatzschulen sind nun auch nicht die Vorreiter in Sachen Inklusion, zumal die Elternschaft – überwiegend evangelisch – da auch Druck ausübt.

    Schulleiter von Förderschulen in ev. Trägerschaft wie in Bethel sehen natürlich auch ganz klar die Grenzen von Inklusion, müssen aber auch ihre Schule positionieren und dürfen keine „Marktanteile“ sprich Schüler verlieren, um weiter zu bestehen.

    Da die Kosten für Lehrkräfte an staatlichen Ersatzschulen vom Land getragen werden, tun sich ja selbst kirchliche Ersatzschulen schwer eine Doppelbesetzung in den Klassen mit Inklusionskindern zu organisieren. Wollen wollten wir schon, aber wir kriegen das nicht bezahlt … ist dann der Tenor – siehe Artikel.

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