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VRB-Fachkongress: „Lehrkräfte sind auf die neuen Aufgaben nur unzureichend vorbereitet“

INGELHEIM. Die vom Verband Reale Bildung vor drei Jahren initiierte Erziehungsoffensive reagiert nach eigenen Angaben auf die ständig wachsenden Anforderungen im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung der Kinder. „Lehrer sind gefordert – aber andere auch“, stellte der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Verbands, Bernd Karst, auf einem Fachkongress in Ingelheim fest und erinnerte die Schulbehörden und die Schulträger an ihre Verantwortung. Reale Bildung sei ganzheitlich; sie schließe stets Erziehung mit ein, heißt es in der Pressemitteilung zur Veranstaltung.

Ab sofort dürfen Grundschulklassen in ihrem Land maximal 24 Schüler haben: die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Foto: Reiner Voss / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Der VRB kritisiert die Landesregierung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Sie habe sich „hinsichtlich der Inklusion in Schulen übernommen“. Foto: Reiner Voss / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

An Beispielen zeigte der Landesvorsitzende des Verbands Reale Bildung (VRB) die neuen Aufgaben auf: Unter anderem stelle die wachsende Zuwanderung Schulen vor große Herausforderungen. „Die schulische Eingliederung, pädagogische Annahme, Betreuung und Integration sowie die sprachliche und fachliche Förderung der Flüchtlingskinder erfordern ideelle und vor allem materielle Unterstützung auf allen Ebenen. Ohne eine intensive persönliche Zuwendung ist das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse dieser Kinder mit Gewalterlebnissen und manchmal ohne jede Schulerfahrung nicht möglich“, so Karst.

Das Bildungsministerium stelle auch bei der schnellen Umsetzung der Inklusion höchste Ansprüche an Schulen und Lehrkräfte, komme aber seiner eigenen Verantwortung und Verpflichtung für das Gelingen von Inklusion nur unzureichend nach. Die Landesregierung habe sich hinsichtlich der Inklusion in Schulen übernommen.

Der Kinder- und Jugendpsychiater sowie Autor Michael Winterhoff habe auf dem Kongress in seinem Grundsatzreferat die veränderte Situation der jungen Generation deutlich gemacht, so der VBE: Seit Mitte der 90er Jahre würden sich Kinder aufgrund der enormen gesellschaftlichen und technischen Veränderungen psychisch-emotional nicht mehr altersgerecht entwickeln. Bei fast jedem zweiten Jugendlichen sei eine fehlende Ausbildungsreife mit steigender Tendenz feststellbar. Soft Skills wie Arbeitshaltung, Sinn für Pünktlichkeit, Erkennen von Strukturen und Abläufen seien nicht ausreichend entwickelt. Winterhoff verlangt Verbandsangaben zufolge parteiübergreifend ein rasches Handeln. Konkret habe er unter anderem gefordert, die Diskussion um Schul- und Unterrichtsformen zu beenden, der Niveauabsenkung in den Schulen entgegenzutreten und personenzentriertes Arbeiten in den Schulen zu ermöglichen.

Lehrkräfte seien auf die neuen Aufgaben nur unzureichend vorbereitet. Vor allem benötigten sie zeitliche Freiräume, kleinere Klassen beziehungsweise Gruppen und Unterstützungsteams mit Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen.

Zum Beitrag: Erziehungsberater Jesper Juul im Interview: „Erwünscht ist Gehorsam“

 

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