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Hessischer Bildungsgipfel wird zum Desaster für Lorz – jetzt wenden sich auch die Philologen ab

WIESBADEN. Dass der hessische Bildungsgipfel keine Erfolgsstory mehr wird, zeichnet sich bereits seit Wochen ab. Vor der letzten Sitzung der Expertenrunde melden sich immer mehr unzufriedene Teilnehmer zu Wort.

Steht vor den Scherben seines Bildungsgipfels: Alexander Lorz,  Kultusminister von Hessen. Foto:

Steht vor den Scherben seines Bildungsgipfels: Alexander Lorz, Kultusminister von Hessen. Foto:
Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 3.0/de

Die Kritik am Bildungsgipfel reißt nicht ab. Nachdem Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter Schwarz-Grün zuletzt vorgeworfen hatten, in den entscheidenden Fragen für Veränderungen des Schulsystems zu wenige Kompromissbereitschaft zu zeigen, legte am Montag der Philologenverband nach.

Die Positionen der Teilnehmer seien so unterschiedlich, dass keine Einigkeit in Sicht sei, sagte der Verbandsvorsitzende Knud Dittmann in Wiesbaden. Er erwarte ein Scheitern des Bildungsgipfels. «Und nur weil die Grünen harmoniebedürftig sind, wird sich das auch nicht ändern.» Kritik kam auch an der Lehrerversorgung an Oberstufen.

Dittmann nannte das Expertentreffen, mit dem die schwarz-grüne Koalition einen Konsens über die Entwicklung der Schulen für die nächsten zehn Jahre erreichen will, eine «unterirdische Veranstaltung». Auch anhand des Verlaufs der Expertenrunden zeige sich, dass die Bildungspolitik der Landesregierung «von einer erschreckenden Orientierungslosigkeit gekennzeichnet» sei.

Der FDP-Bildungsexperte Wolfgang Greilich stellte sich hinter die Aussage des Verbandschefs: Die Stellungnahme sei die erste, die unverblümt die Situation zutreffend beschreibe. «Der Versuch, mit Gewalt Harmonie herbeizuzwingen, ist zum Scheitern verurteilt.» Es sollte sich beim Gipfel darauf beschränkt werden, die wenigen Konsenspunkte zu Teilaspekten festzuhalten und dann umzusetzen.

Die letzte Sitzung des Bildungsgipfels ist am 17. Juli. Dann wollen die fünf Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vorlegen. Umstritten sind vor allem die Themen Ganztagsschule, Inklusion und die künftige Schulstruktur in Hessen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) war vor wenigen Tagen auf die Kritiker zugegangen und hatte angekündigt, dass das Ganztagesangebot im Land ausgebaut wird. Im kommenden Schuljahr sollen 38 Grundschulen neu in das Programm des Landes aufgenommen und 85 weitere Lehrerstellen dafür bereitgestellt werden.

Dittmann warf der Regierung vor, den Ausbau der Ganztagesangebots und der Inklusion auf Kosten der gymnasialen Oberstufe zu planen. Weil die Mittel für diese Aufgaben offenbar fehlten, würden die Lehrerzuweisungen in den nächsten drei Schuljahren für die Gymnasien und die Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe gekürzt. «Das ist eine Provokation.» CDU und Grüne betrieben Politik gegen diese Schulform. Die von der Koalition garantierte 104-prozentige Lehrerversorgung werde es für die betroffenen Schulen nicht mehr geben.

Das Kultusministerium verteidigte seine Pläne. Da wegen der begrenzten Mittel Prioritäten gesetzt werden müssten, habe man sich für eine «behutsame Umlenkung von Stellenressourcen über mehrere Jahre entschieden», erklärte eine Sprecherin. Grundlage dafür seien rein fachliche Aspekte. Vier Schwerpunktbereiche seien für zusätzliche Lehrerstellen definiert worden. Neben den Ganztagsschulen seien das die Inklusion und Deutschfördermaßnahmen. Dazu kommen sozial indizierte Lehrerzuweisungen, mit denen soziale Benachteiligungen von Schülern kompensiert werden sollen.

Die SPD-Fraktion sprach von Tricksereien. «Faktisch wird die Lehrerversorgung an Oberstufen drastisch reduziert», erklärte der Abgeordnete Christoph Degen. «Die Landesregierung scheint auf dem besten Weg zu sein, ihr Versprechen, keine Stellen zu streichen, zu brechen.» dpa

Zum Bericht: Lorz in der Kritik – Auf dem Bildungsgipfel scheint Einigung noch in weiter Ferne

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