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Schüler erheben Unterrichtsausfall und kommen auf zehn Prozent – Sachsens Kultusministerium zweifelt

DRESDEN. Unterrichtsausfall gilt als Indiz für Lehrermangel. In Sachsen ermitteln Schülerräte regelmäßig selbst das Ausmaß des Problems. Die CDU hält die Umfrage für wenig aussagekräftig.

Neue Zahlen, alte Probleme: Knapp zehn Prozent des Unterrichts an sächsischen Schulen fallen laut einer Stichprobe des Schülerrates ersatzlos aus. Zu den komplett gestrichenen Stunden (9,3 Prozent) kommen noch einmal 3,8 Prozent hinzu, die von fachfremden Lehrern gehalten werden, wie der Landesschülerrat am Montag mitteilte. 0,7 Prozent des Unterrichts erfolge mangels Lehrern im Selbststudium. Der Schülerrat sieht darin einen Beleg für die schwierige Personalsituation an den Schulen des Freistaates und forderte das Kultusministerium zum Handeln auf. Der hohe ersatzlose Ausfall gefährde den Erfolg der Schüler und sei ein «Armutszeugnis» für die Staatsregierung.

Offizielle Zahlen des Ministeriums liegen nur für das erste Schulhalbjahr vor. Demnach waren damals etwa drei Prozent der Stunden ausgefallen. Der Landesschülerrat ging am Montag davon aus, dass die Schulen selbst einen geringeren Stundenausfall melden, weil sie sonst «Ärger» mit der Verwaltung bekämen. Zudem finde kurzfristig ausgefallener Unterricht in der offiziellen Statistik keine Berücksichtigung. Die Schülervertreter räumten ein, dass die von ihnen erhobene Statistik nicht repräsentativ ist. Für diese wurden in zwei Wochen im März exakt 44.991 Stunden unter die Lupe genommen. Die Daten stammen aus 66 Schulen.

«Es ist bemerkenswert und lobenswert zugleich, dass sich Schüler um Unterrichtsausfall sorgen. Das Ausmaß der Ausfallstunden war in den Wintermonaten und auch noch im Frühjahr in der Tat inakzeptabel hoch. Das ist ärgerlich genug», sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Gegen die Grippewelle und die zahlreichen Fälle von Masern könne sich eine Schule allerdings schlecht wappnen. Im März sei zudem noch der Lehrerstreik hinzugekommen. Dadurch seien allein mehr als 50.000 Unterrichtsstunden ausgefallen. «Wir sind uns aber mit dem Landesschülerrat einig, dass weiter hartnäckig an der Reduzierung der Ausfallstunden gearbeitet werden muss.»

Der Schülerrat betonte, den Streik aus der Statistik herausgerechnet zu haben. Vize-Vorsitzender Friedrich Roderfeld ging davon aus, dass Sachsen beim Unterrichtsausfall bundesweit Spitze ist. Die Veröffentlichung der Zahlen löste bei den Parteien im Landtag eine Debatte aus. Die CDU stellte die Angaben infrage. Aus ihnen könne nicht auf den tatsächlichen Zustand an Sachsens Schulen geschlossen werden, erklärte der Unionspolitiker Lothar Bienst mit Verweis auf die eingeschränkte Zahlenbasis der Erhebung. Sie trage nicht zu einer sachlichen politischen Auseinandersetzung bei.

Die SPD sicherte als Regierungspartei zu, dass man das Problem angehe. Mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes sei der Grundstein dafür gelegt. «Zudem wird die Staatsregierung noch in diesem Jahr ein „Lehrerpersonalentwicklungskonzept 2020“ vorlegen, das den genauen Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern beschreibt. Auf Grundlage dieser Daten wollen wir für einen reibungslosen Generationswechsel in den Schulen sorgen», sagte die SPD-Abgeordnete Iris Raether-Lordieck.

Vertreter der Opposition zeigten sich alarmiert. «Die Personalpolitik der Kultusministerin, den Unterricht mit immer mehr befristetem Lehrpersonal absichern zu wollen, steckt in einer Sackgasse», sagte die Linke-Abgeordnete Cornelia Falken. «Die Personaldecke an den Schulen ist offenkundig zu dünn – wenn diese Erkenntnis noch eines Nachweises bedurfte, dann liegt sie mit dem Material des Landesschülerrates nun vor», betonte Petra Zais von den Grünen.

Der Landesschülerrat hatte schon 2012 zweimal eine Ausfallstatistik erstellt. Zuletzt lag der Anteil des «nichtordnungsgemäßen» Unterrichts – der Summe von Stundenausfall, Selbststudium und fachfremder Vertretung – bei 10,2 Prozent. Diesmal sind es insgesamt 13,8 Prozent. Die geringste Ausfallquote gab es in der Stadt Chemnitz (5,1 Prozent), die höchste in Leipzig (14,2). Betroffen sind vor allem die Fächer Kunst, Musik und Sport. dpa

Zum Bericht: BLLV meldet viele Unterrichtsausfälle – wegen der Grippewelle

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