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Gastbeitrag: Hausaufgaben – Darum sind sie nur ein leeres pädagogisches Ritual

KÖLN. Wie lernt man in der Schule gut und richtig? Durch Anschauung und Ausprobieren – und durch Hausaufgaben. So denken viele Eltern, Lehrer und Schüler. Das Problem: Es stimmt nicht. Studien haben immer wieder gezeigt: Der pädagogische Effekt der Hausaufgaben ist gleich Null.

„Hausaufgaben: Ein ‚pädagogisches Ritual‘ überlebt“ – so überschrieb im November 2013 die Neue Zürcher Zeitung einen Artikel über die Aufgaben, die von Lehrerinnen und Lehrern seit Jahrhunderten aus der Schule heraus ins heimische Umfeld der Kinder und Jugendlichen delegiert werden. Der Text zitiert unter anderem den Kinderheilkundler und Autor von Erziehungsratgebern, Remo Largo: „Sie bringen gar nichts. Schüler und Eltern werden damit nur schikaniert“. Und für Gabriel Romano vom Institut Vorschulstufe und Primarstufe der Pädagogischen Hochschule Bern sind Hausaufgaben nur ein „pädagogisches Ritual“ ohne tieferen unterrichtlichen Sinn. Warum aber, fragt man sich bei solchen Befunden, gehören die Hausaufgaben dann trotzdem flächendeckend zum Alltag von Familien mit schulpflichtigen Kindern? Warum zeigen sich Lehrer, Eltern und sogar Schüler mehrheitlich davon überzeugt, dass Hausaufgaben ein elementarer Bestandteil schulischer Lernprozesse sein müssen? Woher kommt der tiefe, fast schon religiös anmutende Glaube an ein pädagogisches Instrument, dessen Wirksamkeit nie wirklich nachgewiesen wurde?

Es gibt viele Gründe, die gegen Hausaufgaben sprechen. Foto: Wikimedia/woodleywonderworks CC BY 2.0

Es gibt viele Gründe, die gegen Hausaufgaben sprechen. Foto: Wikimedia/woodleywonderworks CC BY 2.0

Denn obwohl die meisten Beteiligten sie befürworten, sind doch ihre Erfahrungen mit den Hausaufgaben mehrheitlich kritisch bis negativ: Vielen Lehrerinnen und Lehrern rauben die Aufgaben – ihre Bekanntgabe, vor allem aber die mühsame Kontrolle – wertvolle Unterrichtszeit. Den Schülern vergällen sie die Zeit nach Ende des Unterrichts. Und die Eltern werden durch Hausaufgaben gezwungen, schulische Vermittlungsaufgaben zu übernehmen, und lassen sich nicht selten durch die Aufgaben mehr unter Druck setzen als ihre Kinder. Kurz: Hausaufgaben stiften Unzufriedenheit und sind für alle Beteiligten ein erheblicher Stressfaktor. Sie sind allerdings auch seit Urzeiten im Schulsystem verankert, gehören zur Tradition des Unterrichts. Und im Hinterkopf spukt die Vorstellung herum, dass ein Mehr an Lernzeit doch auch irgendwie zu einem Mehr an Leistung führen müsse. Nur: Belegt ist das nicht. Im Gegenteil.

Wissenschaftliche Befunde

Der Versuch war revolutionär, der Widerstand zu erwarten. Vier Monate lang ließ der Mül-heimer Erziehungswissenschaftler Bernhard Wittmann Schüler aus dritten und sechsten Klassen in Duisburg in zwei Fächern keine Hausaufgaben machen. Die eine Hälfte bekam das Hausaufgabenverbot in Mathematik, die andere im Fach Deutsch bei Aufgaben zur Rechtschreibung. Kein Wunder, dass sich während des Versuchs immer mal wieder besorgte Eltern bei den Klassenlehrern meldeten: Ob es denn wirklich sein könne, dass die Kinder schon seit Wochen keine Matheaufgaben mehr bekommen hätten? Wittmann wollte mit seinem Versuch und den sich anschließenden Leistungstests überprüfen, wie viele Fortschritte Hausaufgaben beim Lernen tatsächlich bringen. Und er kam, nach Auswertung der Testaufgaben, zu einem eindeutigen Resultat: „Hausaufgaben besitzen keinen materialen Bildungswert“, stellte der Pädagoge fest, „Hausaufgaben bewirken keinen Zuwachs an Kenntnissen und Fertigkeiten bei den Schülern.” Das war 1958, vor über einem halben Jahrhundert. Erst 1964 konnte Bernhard Wittmann seine Ergebnisse veröffentlichen – und es passierte: nichts. Eine Erfahrung, die der Pädagoge mit anderen Forscherinnen und Forschern teilte, die sich dem Leistungsgewinn durch Hausaufgaben befasst haben und genau diesen nicht feststellen konnten: Ihre Arbeiten wurden zwar mit Interesse gelesen, führten aber zu keinerlei Veränderungen im Schulalltag.

Erste Untersuchungen in diese Richtung hatte es bereits lange vorher gegeben. So stellte etwa der Experimentalpsychologe Ernst Meumann 1904 fest, dass die Leistungen von Schülern, wenn sie sie im Rahmen der Hausaufgaben erbrachten, „nach der materialen und formalen Seite im Durchschnitt beträchtlich minderwertiger“ waren als die Lösungen, die die Kinder in der Schule während des Unterrichts erarbeitet hatten. Der Pädagoge Gustav Schanze forderte 1907, dass die Hausaufgaben „aus den unmethodischen Händen der häuslichen Berater in die methodische Hand des Lehrers“ übergehen müssten. Und so geht es weiter – bis in die neuere Zeit: Hans Gängler, Erziehungswissenschaftler an der TU Dresden, stellte 2008/ 2010 fest, dass es überhaupt nicht darauf ankomme, ob man die Mathe-Hausaufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht macht – der Effekt auf die Zeugniszensur ist „gleich null“. Dennoch würden Hausaufgaben von Lehrern unkritisch und flächendeckend „verordnet“ in der bloßen Annahme, „sie würden schon irgendeinen positiven Effekt auf die Schüler haben“. Gängler weiter: „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser, und schlechte Schüler begreifen zu Hause durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben.“ Und zuletzt hatte 2013 die Soziologin Jutta Allmendinger von Wissenschaftszentrum Berlin darauf hingewiesen, dass Hausaufgaben die soziale Ungleichheit in Bildungsprozessen verstärken: Gute Schüler, die sie am wenigsten benötigen, bekommen zuhause die größte Unterstützung; bei denjenigen aber, bei denen zusätzliches Lernen und entsprechende Hilfe möglicherweise tatsächlich etwas bringen würden, fehlt häufig das fördernde häusliche Umfeld.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Angesichts der zahlreichen Untersuchungen ist es mehr als erstaunlich, dass Hausaufgaben allenfalls in Pilotprojekten oder an einzelnen Schulen abgeschafft wurden, dass sich jedoch im deutschsprachigen Raum keine Schulbehörde zum Abschied von diesem unsinnigen Instrument durchringen konnte. Mit einer Ausnahme: 1993 wurde im schweizerischen Kanton Schwyz, auch unter dem Eindruck immer neuer hausaufgabenkritischer Studien, vom Bildungsdepartment der Beschluss zum Ausstieg gefasst. Die Lerninhalte der Aufgaben, so die Vorgaben der Schulpolitik, seien fortan in die Unterrichtszeit zu integrieren; die Wochenstundenzahl für die Kinder wurde dafür um eine Stunde erhöht. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler jubelten über die freie Zeit zu Hause, auch die Erziehungswissenschaftler und Schulforscher waren von der Abschaffung angetan – hofften sie doch, nunmehr erstmals auf breiter Basis zeigen zu können, wie stark sich die Schul- und Lernleistungen von Kindern mit und ohne Hausaufgaben tatsächlich unterscheiden. Erste Ergebnisse deuteten schnell auf positive Folgen der Abschaffung hin. Doch die Reformer hatten einen Faktor unterschätzt: das Beharrungsvermögen einer überwiegend bildungskonservativ eingestellten Öffentlichkeit und Elternschaft. Der Druck durch kritische Medienberichte, Leserbriefe, Wortmeldungen in Gremien und Eingaben von Eltern wurde so groß, dass die Verantwortlichen 1997, nach nur vier Jahren, eine Kehrtwende hinlegten und die Hausaufgaben im Kanton wieder einführten. Und das, obwohl die Begleitforschung von Tina Hascher und Franziska Bischof (2000) zeigen sollte, dass es zu keinerlei Leistungseinbrüchen bei den Kindern ohne Hausaufgaben kam und deren Motivation sogar noch gesteigert wurde.

Derzeit aber öffnet sich gerade ein Zeitfester, in dem die Hausaufgaben noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden können: Durch die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule im deutschsprachigen Raum müssen Rhythmus und Struktur des Schulalltags ohnehin völlig neu konzipiert werden. Und es gab, zumindest zu Beginn der Ganztagsschuldebatte, auch einmal das politische Versprechen, dass es im Ganztag keine Hausaufgaben mehr geben solle. Ein Versprechen, das jetzt eingelöst werden muss: Es besteht die Chance, das Lernen wieder in den schulischen Kontext zurückzuholen und es damit unabhängiger zu machen vom Einfluss eines zufälligen Settings zuhause. Die Abschaffung der Hausaufgaben wäre damit auch ein Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit. Eine hausaufgabenfreie Schule ist möglich! Armin Himmelrath
Der Autor
Armin Himmelrath, Jahrgang 1967, ist Bildungs- und Wissenschaftsjournalist und hat zusätzlich zu seiner eigenen Schulzeit bisher insgesamt 32 Jahre Hausaufgabenerfahrung als Vater sammeln können. Im hep-verlag ist gerade sein Buch „Hausaufgaben – nein danke!“ erschienen.

32 Kommentare

  1. Hier ist wieder so ein Fall, wo mehrere Texte kurz nacheinander zu selben Thema kommen, jetzt also „Hausaufgaben bringen nichts“. Ist das so eine Art Kampagne? Man wiederholt dieselbe Behauptung oft genug, bis sie als „normal“ ins Gedächtnis einsickert?
    Nun ist das hier ja kein Bericht, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer in sehr, sehr stark wertender Sprache: „rauben“, „vergällen“, „unter Druck setzen“, ein „fast schon religiös anmutender Glaube“ und „leeres pädagogisches Ritual“ wird behauptet usw. Armin Himmelrath wird im Internet als Journalist beschrieben; Erfahrung mit eigenem Unterricht scheint er nicht zu haben, aber offenbar ist der Kampf gegen Hausaufgaben sein Lebensthema.
    Nun haben wir Lehrer keine Zeit oder Kraft, um „wissenschaftlich gesicherte“ Studien anzufertigen, aber die meisten meiner Kollegen beobachten und reflektieren ihren Unterricht und ihre Schüler sehr wohl ständig. Nein, wir folgen nicht dummkonservativ einem alten „pädagogischen Ritual“, sondern wir schlussfolgern aus unseren Beobachtungen. Es gibt einen breiten Konsens darüber, dass der Erfolgs-Unterschied zwischen den Hausaufgabenmachern und den Hausaufgabenichtmachern sehr deutlich zu erkennen ist.
    Das oben bejubelte „Zeitfenster“ haben wir sehr wohl genutzt: Bei der Einführung unserer Ganztagsschule vor 5 Jahren gab es das Versprechen, keine schriftlichen Hausaufgaben während der Woche zu stellen; alles Lernen sollte im Unterricht stattfinden. Haben wir gemacht. Parallel gibt es auch Halbtagsklassen, und die Leistungsunterschiede sind gigantisch. Die Kinder mit weniger Unterricht sind besser. Nur wenige aus der GTS sind fähig, erfolgreich in der Oberstufe mitzukommen. Wer ein wenig Psychologie versteht, erkennt auch warum. Im System HTS ist das Lernen in der Verantwortung des Schülers, bei der GTS ist man dagegen „fertig“, sobald es 16:00 Uhr klingelt, egal wie viel bis dahin gelernt wurde. Persönliche Biorhythmen und eigene Bedürfnisse lassen sich nicht einbauen.
    Himmelrath zitiert selektiv aus Studien, ohne die jeweiligen Rahmenbedingungen oder die Auftraggeber zu nennen. Bei der Dresdener Studie war es z.B. eine Ganztagsschule – wenn man das weiß, liest sich das Ergebnis ganz anders. So ähnlich wird es dann wohl bei den anderen Studien auch sein. Er schreibt wie ein Politiker, will eine Idee durchsetzen. Aber warum? Was hat er persönlich erlebt?

    • Achso, das kommt alles, weil Himmelrath ein neues Buch geschrieben hat! audiatur et altera pars: hier ist eine weitere Meinung: http://www.cicero.de/salon/schule-hausaufgaben-vergehen-nie/60285

    • Ihrem leidenschaftlichen Kommentar stimme ich voll und ganz zu und bedanke mich dafür. Ich bin inzwischen so weit, dass ich Studien nur noch glaube, wenn sie mit meinen Praxiserfahrungen übereinstimmen oder ihnen wenigstens nicht völlig widersprechen.
      Meiner Meinung nach könnte viel Geld gespart werden, wenn zu bestimmten Fragen die Ansichten der Lehrer eingeholt würden. Sie besitzen ein Erfahrungswissen, das viel zu wenig genutzt wird für die innere und äußere Schulgestaltung, für Lehrpläne, Richtlinien, Erziehungsmaßnahmen usw. Warum Geld zum Fenster rauswerfen, wenn man es besser und billiger haben kann?
      DieTalfahrt der Bildung in der gesamten westlichen Welt haben meiner Meinung nach Ideologen zu verantworten mit ihren Studien, die oft nicht ergebnisoffen sind, sondern nur das bestätigen, was vorher schon als wünschenswertes Ergebnis feststeht.
      Studien machen leider viel mehr Politik als das Expertenwissen von Lehrern.

    • Endlich mal jemand, der die Wahrheit ausspricht!!

      Danke für diesen Kommentar.

  2. Ich frage mich, wie Kinder dann in Fremdsprachen Wörter lernen sollen? Übrigens hat die Hattie-Studie gezeigt, dass Hausaufgaben einen positiven Effekt haben – allerdings nicht in der Grundschule.

  3. Mich verwundern diese Ergebnisse. Das widerspricht dem, was man so über das Lernen weiß (üben, wiederholen, automatisieren, Gedächtnisarten…) Allerdings müsste man sich über sinnvolle und differenzierte Hausaufgaben Gedanken machen. Vielleicht ist das der Knackpunkt. Wenn es Hausaufgaben gibt, wo bestimmte Dinge automatisiert werden (1×1, Rechtschreibung, lesen usw.) , ist das immer gut.
    Bei uns an der Schule sieht man Unterschiede zwischen Ganztagesklassen und Halbtagesklassen. Die Ganztagesklassen haben 5 Unterrichtsstunden mehr Lernzeit und keine Hausaufgaben. Dennoch haben die Halbtagesklassen mit Hausaufgaben vom Leistungsvermögen her leichte Vorteile.
    Wo ich zustimme ist, dass keine Hausaufgaben den Stress bei vielen Familien zuhause nimmt. Keine Hausaufgaben bedeutet für mich flächendeckend Ganztagesklassen einzuführen. Ich glaube nicht, dass wir das Pensum mit Übung (der eine braucht mehr, der andere weniger) in gleicher Stundenzahl ohne Hausaufgaben schaffen können.
    Auf Leistungskontrollen vorbereiten müssen sich die Schüler dennoch, war das auch verboten in der Studie?

    • Lernzeiten – Die Antwort für Schulen im gebundenen Ganztag heißt nach Vorgabe des Ministeriums in NRW Lernzeiten, die sollen Hausaufgabenerledigung zuhause ersetzen. Mit Hausaufgaben sind dabei ausdrücklich Aufgaben gemeint, die der Wiederholung bzw. Automatisierung dienen sollen. Aufgaben wie Vokabeln lernen, recherchieren, Referate oder andere Präsentationen vorbereiten, Vorbereitung auf Arbeiten und Prüfungen und dergleichen mehr werden ausdrücklich nicht als Hausaufgaben sondern als Aufgaben, die nicht in der Schule erledigt werden können – folglich im häuslichen Umfeld erledigt werden müsen, ausgenommen.

      • Einerseits richtig. Andererseits schlägt man ja mit Hausaufgaben zwei Fliegen mit einer Klappe: Wer den Stoff übt, bereitet auch gleichzeitig einen beträchtlichen Teil von dem, was man für Leistungsnachweise wissen muss, vor. Z.B. gibt es bei uns im ortsnahen Gymnasium – ich denke, so wird es nicht nur da sein – Lehrer, die Hausaufgaben geben und andere vom demselben Fach, so gut wie keine. Letztere erwarten eine selbstständige Übung und Wiederholung des Unterrichtsstoffes ohne explizite vorgegebene Hausaufgaben. Doch erspart ein Schüler, der kein Überflieger ist, sich nie die Übungszeit nach dem Unterricht, wenn er die Leistungen bringen will, egal ob es „erzwungene“ Hausaufgaben oder freiwillige Übungen sind. Freiwillige Übungen scheitern bei der Mehrheit der Schüler oft nach dem Motto: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.

        • Welches Gymnasium ist denn im gebundenen Ganztagsbetrieb? Die GY haben Nachmittagsunterricht, aber keinen verbindlichen Unterricht mit einer Wochenstundenzahl von 34 bis 36 Wochenstunden ind der sekI wie z.B. Gesamt- oder Sekundarschulen

          • Die (wenigen) G8-Gymnasien in Rheinland-Pfalz haben gebundenen Ganztagsbetrieb.

          • @dickebank
            Wahrscheinlich schreiben wir jetzt aneinander vorbei. Mir ging es um einen generellen Vergleich zwischen Hausaufgaben und Vorbereitung auf Leistungsnachweise im Halbtagesbetrieb natürlich inkl. stundenplanmäßigen Nachmittagsunterricht, wie er überall in der Sekundarstufe üblich ist. (also nicht in bezugnehmend auf Ganztag) Ich hätte auch Realschule oder Hauptschule anführen können, doch da weiß ich nicht, ob es da bei uns vorort solche Unterschiede in der Hausaufgabenerteilung gibt.

          • @pfälzer – mit 34 bis 36 Pflichtwochenstunden? In NRW kommen die GY auf allenfalls 32 WS . Regelbetrieb a 6 Stunden je Tag an 3 Tagen und angehängte 7. Stunde an zwei Tagen je Woche ohne die einstündige Mittagspause.

            Eine Schule im gebundenen Ganztag hat in NRW mindestens 8 Stunden zu 45 Minuten (8:00 bis 15:00 Uhr) an mindestens 4 Tagen der Woche oder 9 Stunden (8:00 bis 16:00 Uhr) an mindestens 3 Tagen. In der angegebenen Stundenzahl ist jeweils die einstündige (60 min) Mittagspause enthalten.

          • @dickebank: Ja, die wenigen G8-Gymnasien in RLP sind eine besondere Konstruktion, die Schüler sollen sozusagen den selben Unterricht in 8 statt 9 Jahren erhalten, deshalb ist der Ganztagsunterricht mit mehr Wochenstunden Pflicht.

  4. P.S.
    Vieles wurde hier zeitgleich geschrieben. Ich stimme allen obigen Kommentaren zu!

  5. Der Versuch, der das Ergebnis brachte „Hausaufgaben bringen nichts“, ist mehr als einseitig: Die Hausaufgaben waren stumpfe Wiederholungsaufgaben. Ich gebe nur Hausaufgaben, die den Unterricht weiterbringen, z.B. Texte lesen, die zu lesen in der Stunde zu viel Zeit kosten würde, Texte am PC schreiben und formatieren, etwas vor- oder nachbereiten, was wieder in den Unterricht eingebracht wird… Selbst wenn das inhaltlich absolut nichts bringen würde, wäre die aktive Lernezeit zumindest erweitert (und ja: das Ganze als Lernzeiten in der Schule zu machen, wäre sehr sinnvoll, v.a. für schwache Schüler).

    • Liebe Ina,
      der Autor des Gastbeitrags ist Bildungs- und Wissenschaftsjournalist, da kommt man doch mit Erfahrung als Lehrer nicht an. Und er hat zusätzlich zu seiner eigenen Schulzeit bisher insgesamt 32 Jahre Hausaufgabenerfahrung als Vater sammeln können. Alle Achtung, was ist da der Unterricht mit jährlich 100-150 Kindern, wenn der Autor 32 Jahre als Vater ganz sicher jede Hausaufgabe seiner Kinder gesehen hat.

      Um mal ernst zu werden: Ich schüttel manchmal den Kopf, wieso jemand sich als Fachmann aufspielt, wenn er als Vater den Überblick über maximal 2-5 Schulen hat und sämliche Studien, die seiner These widersprechen, einfach ignoriert.

  6. Wenn man als Eltern seine jüngeren Kinder „begleiten“ möchte, dann sind Hausaufgaben doch eine gute Sache. So hat man Einblick in das, was die Kinder gerade lernen und gut können oder noch mehr üben sollten. Verlasse ich mich als Eltern gerne auf die Leistung der Schule, dann sind Hausaufgaben durchaus lästig.

    Manche Dinge, wie Vokabeln und Grammatik muss man einfach pauken. Soll man das in der Schule machen? Auch wenn meine Kinder etwas nicht in Mathe können, sage ich gerne: „Dann hol doch mal deine Hausaufgaben.“

    Als Lehrerin weiß ich, dass Kinder Hausaufgaben hassen. Am Wochenende gibt es meistens keine.

    • Den Gedanken der elterlichen Begleitung jüngerer Kinder mit Hilfe der Hausaufgaben finde ich ganz wichtig. Gut, dass sie ihn erwähnen.

  7. (Gleiches Thema, gleicher Kommentar – von mir)

    Hausaufgaben um der Hausaufgaben willen (nur weil Eltern und ggf. auch Lehrer meinen, es müsse doch welche geben !!!), halte ich für sinnlos. Hausaufgaben machen immer die, die sie eigentlich nicht nötig hätten – die fleißigen und pflichtbewussten Schüler nämlich. Die, die die (die die die 🙂 ) Hausaufgaben nötig hätten, weil sie üben müssen, weil sie noch Schwierigkeiten haben, machen sie meistens gar nicht !!! Und kriegen dann deswegen noch eine schlechte Note mehr u.U.

    Dann ist es sinnvoller, die Zeit, in der ich die Hausaufgabe anschreibe, erkläre und (später) vergleiche, also gut und gerne 10 Minuten, dafür zu nutzen, einfach mit der ganzen Klasse am Stundenanfang unter meiner Anleitung noch einmal eine Übung zu machen. Davon haben dann auch die Kinder etwas, für die Hausaufgaben zwecks Übung nötig wären.

    Hingegen Hausaufgaben, dass etwas zu lernen ist (ein Lied, ein Gedicht, das neue Thema, das dann mündlich oder schriftlich geprüft wird), ja natürlich, solche Hausaufgaben sind nötig und wenn die Kinder die machen würden, wäre ich schon sehr zufrieden !!!

  8. Genau meine Erfahrungen:

    ZITAT 1: „Vielen Lehrerinnen und Lehrern rauben die Aufgaben – ihre Bekanntgabe, vor allem aber die mühsame Kontrolle – wertvolle Unterrichtszeit.“

    ZITAT 2: „Gängler weiter: „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser, und schlechte Schüler begreifen zu Hause durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben.““

    ZITAT 3: “ Gute Schüler, die sie am wenigsten benötigen, bekommen zuhause die größte Unterstützung; bei denjenigen aber, bei denen zusätzliches Lernen und entsprechende Hilfe möglicherweise tatsächlich etwas bringen würden, fehlt häufig das fördernde häusliche Umfeld.“

    Stimmt !!!

    • Meine Erfahrungen in der Grundschule sind anders.

      ZITAT 1: „Vielen Lehrerinnen und Lehrern rauben die Aufgaben – ihre Bekanntgabe, vor allem aber die mühsame Kontrolle – wertvolle Unterrichtszeit.“

      Hausaufgaben rauben Zeit! Aber mir als Grundschullehrer die Zeit nach dem Unterricht! Denn da erst kontrolliere ich die eingesammelten Hausaufgaben und gebe durch meine Kommentare darunter oder am nächsten Tag bei allgemeinen Problemen der Klasse oder Schülern individuell Rückmeldungen.

      ZITAT 2: „Gängler weiter: „Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser, und schlechte Schüler begreifen zu Hause durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben.“

      Diese Gängler haben wohl noch nie etwas vom selbstentdeckenden Unterricht gehört.

      ZITAT 3: “ Gute Schüler, die sie am wenigsten benötigen, bekommen zuhause die größte Unterstützung; bei denjenigen aber, bei denen zusätzliches Lernen und entsprechende Hilfe möglicherweise tatsächlich etwas bringen würden, fehlt häufig das fördernde häusliche Umfeld.“

      Das ist zu pauschal. Es gibt Eltern, die ihre guten Kinder zu Recht alleine lassen und Eltern, die schlechte Schüler zuhause unterstützen.

      Was ich einschränkend sagen muss, ist, dass nach meiner Erfahrung der Sinn der Hausaufgaben nur dann ausgeschöpft sind, wenn sie ordentlich gemacht werden. Dazu muss heutzutage der Lehrer wesentlich konsequenter kontrollieren oder der Schüler gewissenhaft sein oder die Eltern einen Blick drauf haben.
      Von allein laufen Hausaufgaben bei den meisten nicht. Wenn ich mit der Kontrolle nachlasse, dann lassen auch die Schüler nach. Hausaufgaben und deren Kontrolle ist eines der nervigsten Aspekte meines Berufes. Für mich wäre es insgesamt wesentlich erleichternd, wenn ich keine geben müsste.
      Dennoch glaube ich, kommt man bei unserem System nicht um Hausaufgaben herum, es sei denn, man gibt alles auf freiwilliger Basis.
      Übrigens besteht in meinem Bundesland vom Schulgesetz her die Verpflichtung Hausaufgaben zu geben.

      • Für Hausaufgaben und andere Mangelerscheinungen gilt:

        „Hausaufgaben sind so notwendig wie ein Kropf!“

        Ich hale es mit @sofawolf, anstelle der aufwendigen Hausaufgabenkontrolle lieber mehr Übungsaufgaben im Unterricht.

        Interessanterweise kommt das PISA-gerühmte Finnland (so groß wie OWL) ganz ohne Hausaufgaben aus. Die ersetzen glatt bildungsnahe, ehrgeizige Erziehungsberechtigte – vulgo Hilfslehrkräfte – durch Speziallehrkräfte.

        • @dickebank
          Das mag in der Sekundarstufe etwas bringen, in der Grundschule ist das schwieriger. Die Frage ist, in wie weit der Lehrer noch kontrolliert, wie die Arbeiten ausgeführt werden?
          In der Grundschule muss man das relativ durchgängig machen, sonst bekommen die Schüler nie das Gefühl wie etwas gemacht werden muss, damit man einen Nutzen davon hat. Das betrifft nicht nur die Hausaufgaben.

        • Was ist gegen „ehrgeizige Erziehungsberechtigte“ oder auch „ehrgeizige Schüler“ einzuwenden?
          Sie suggerieren einen übersteigerten Ehrgeiz und damit eine negative Form des Ehrgeizes.
          Das „PISA-gerühmte Finnland“ ist übrigens nicht mehr gerühmt, sondern erstaunlich tief gesunken.
          Vielleicht, weil sein einstmals recht strikter Lernansatz von einer Friede-Freude-Eierkuchen-Pädagogik abgelöst wurde!?
          Ach ja, nicht zu vergessen: Die glücklichen Jugendlichen in Finnland haben die höchste oder eine der höchsten Selbstmordraten der Welt. Auch der Drogenkonsum ist weltmeisterlich.
          Vielleicht haben Hausaufgaben, Halbtagsschulen und „ehrgeizige“ Erziehungsberechtigten (Eltern), doch einiges für sich.

        • „Interessanterweise kommt das PISA-gerühmte Finnland (so groß wie OWL) ganz ohne Hausaufgaben aus.“
          Tja, leider bist du auch auf die PISA-Lüge reingefallen.
          Den Erfolg oder Misserfolg eines Systems kann man in der Schule erst nach vielen Jahren sehen. So ist Finnlands tolles Abschneiden mit dem zuvor praktizierten Frontalunterricht zu erklären. Mit dem „neuen“ Unterricht, das zeigt das jüngste Ergebnis, wurden die Schüler insgesamt schlechter.
          Genau das erleben wir als Kopierer auch.

        • Finnland ist ja auch dem absteigenden Ast. In der ersten Pisastudie haben die Finnen noch von ihrem „alten“ Schulsystem profitiert.

          http://www.welt.de/print/wams/wissen/article143540618/Die-Entzauberung.html

          Tja, wenn ich mehr Stunden zur Verfügung hätte würde ich auch lieber mehr Aufgaben in der Schule rechnen, statt Hausaufgaben zu geben 🙂

      • @ysnp
        Ich stimme deiner Einschätzung generell zu.

        Allerdings bräuchte ich dringend Möglichkeiten für die Kinder, die zu Hause keinerlei Begleitung bekommen – wohlgemerkt Grundschule.

        Wer LESEN üben soll, benötigt einen Zuhörer,
        auch für viele andere Aufgaben benötigt es eben doch Hilfe.

        Trotzdem differenzierter Hausaufgaben scheitern am Ende die Kinder, um die sich niemand kümmert.

        Das bestätigt sich m.M.n auch in den Unterschieden zwischen Ganztag und Halbtag: Welche Kinder besuchen denn welche Klassen?

        Die Erfahrungen zeigen, dass der Ansatz, Kinder in Ganztages-Klassen zu stecken und dort (in sehr großen Gruppen mit Aufsicht, aber ohne Hilfe) üben zu lassen, genau diese Kinder dennoch nicht auffängt.
        Vielleicht bräuchte es da andere Möglichkeiten.

        • Ganztag ist nicht gleich Gantag. Wenn ich hier von Ganztag spreche, meine ich den gebundenen Ganztag, an dem nachmittags „Unterricht“ und eben keine Betreuung stattfindet.

          Betreuung kann von „Hilfskräften“, die von der Kommune bezahlt werden, durchgeführt werden. Verbindlicher Ganztag setzt den Einsatz von Lehrkräften auch im Nachmittagsbereich voraus.

          • Kollegen von mir, die nachmittags 9./10. Stunde in Klasse 7 Mathe oder Deutsch unterrichten müssen, sprechen sich eher gegen Unterricht am Nachmittag aus, sie sagen: das ist völlig nutzlos, die Schüler sind „fertig“ und lernen überhaupt nichts.

          • Erstaunlich, denn nach den NRW-Erlassen dürfen Hauptfächer, die vierstündig unterrichtet werden, allenfalls mit einer Stunde im Nachmittag verankert werden. Ab Klasse 7 muss es eine Doppelstunde zwischen der ersten und vierten Stunde geben, damit zweistündige Klassenarbeiten geschrieben werden können.

            Bei entsprechender Stundenplanung liegen an den drei Nachmittagen allenfalls Fächer der Fächergruppe II – vulgo andere Fächer.

          • Fächergruppe II am Nachmittag? Pech für Sozialkunde, Physik, Musik usw.?
            Aber ansonsten klingen solche Regeln vernünftig, haben wir hier nicht.

    • Ja und? Und weiter? Nur weil sich nicht alle an die Straßenverkehrsordnung halten schaffen wir sie ab? Unerhört, dass manche zu Hause mit dem elterlichen Auto ’schwarz‘ fahren üben dürfen! DAS gehört sofort verboten! Die könnten ja schneller fahren lernen als die Anderen!
      Merkt eigentlich noch jemand WIE hohl die Diskussion ist? Ohne Fleiß kein Preis! Ohne Übung kein Meister!

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