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Mecklenburg-Vorpommern legt Strategie zur Inklusion vor – Förderschulen lernen sollen geschlossen werden

Brodkorb

Minister Brodkorb will die Förderschule Lernen abschaffen.

Der gemeinsame Schulbesuch behinderter und nichtbehinderter Kinder soll in Mecklenburg-Vorpommern künftig flächendeckend möglich sein. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) stellte am Freitag in Schwerin Schwerpunkte der Strategie für die Inklusion vor. An der Strategie war drei Jahre lang gearbeitet und dafür zwischen Regierung und Opposition ein «Inklusionsfrieden» verabredet worden. Allerdings verließen die Grünen die gemeinsame Arbeitsgruppe. Grundzüge waren bereits im Herbst präsentiert worden.

Die Strategie sieht unter anderem vor, die mehr als 40 Förderschulen für Kinder mit Lernschwierigkeiten aufzulösen und die Mädchen und Jungen an rund 20 Regional- und Gesamtschulen in eigenen Klassen zu unterrichten. Aus diesen sollen sie bei gutem Erfolg in Regelklassen wechseln können, sagte Brodkorb. Das Land werde für die Inklusion 237 Stellen zusätzlich bereitstellen.

Körperbehinderte Kinder sollen – wenn die Eltern dies wünschen – eine von landesweit 28 Schulen besuchen können, die baulich dafür fitgemacht werden. Die Mehrkosten für Umbauten werde das Land tragen, sagte Brodkorb. In diesen Schulen soll dann auch entsprechend geschultes Personal arbeiten. Die bestehenden Förderzentren, wie die Schulen für Sehbehinderte in Neukloster und Hörbehinderte in Güstrow, blieben aber erhalten, betonte Brodkorb.

Verhaltensauffällige Kinder, die beim ersten Anlauf zur Inklusion im Land vor einigen Jahren in die Regelklassen integriert wurden, sollen hingegen zumindest zeitweise wieder separat in eigenen Klassen unterrichtet werden. Angestrebt sind dem Minister zufolge keine extra Förderschulen für sie, sondern eigene Strukturen in Regelschulen. Nach Angaben der bildungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, die bei der Pressekonferenz neben dem Minister saß, war die massive Aufnahme verhaltensauffälliger Kinder in Regelklassen der größte Hemmschuh für eine breite Akzeptanz der Inklusion. Viele Lehrer fühlten sich überfordert, sagte sie.

Die Strategie soll beim 4. Inklusionskongress des Landes am 12. März in Wismar diskutiert werden. Dazu werden bis zu 400 Teilnehmer, hauptsächlich Lehrer, erwartet. Später soll das Papier dem Landtag zugeleitet werden. Brodkorb und Oldenburg rechnen damit, dass das Parlament noch vor der Sommerpause zustimmt. Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es aber dem Minister zufolge bislang nicht.

Wie Brodkorb weiter sagte, geht ein Rechtsgutachten davon aus, dass Mecklenburg-Vorpommern mit den vorgeschlagenen Maßnahmen die UN-Behindertenrechtskonvention erfüllt. Bisher hat der Nordosten gerade bei Kindern mit Lern-Beeinträchtigungen noch eine zu niedrige Inklusionsquote. Auch Körperbehinderte haben bislang große Schwierigkeiten, eine herkömmliche Schule in der Nähe ihres Wohnorts besuchen zu können.

dpa

28 Kommentare

  1. Anmerkungen bzw. Fragen:
    1) wenn – nach bekanntermaßen falscher Interoretation der UN-Konvention – Behinderte vom Regelschulbesuch nicht ausgeschlossen werden dürfen, können sie dann im Umkehrschluss dazu gezwungen werden? Meiner Meinung nach nein.
    2) Was ist der Unterschied zwischen einer Förderschulklasse an der Regelschule und an einer Förderschule? Aus meiner Sicht erst einmal keiner. Wahrscheinlich wird aber in ersterer die Klassenstärke größer sein.

    Fazit: Pseudoinklusion auf Kosten der Kinder, die jetzt nach vielen Protesten notdürftig leicht korrigiert wird.

  2. Also um die UN-Konvention zu erfüllen, werden von oben herab Schulen geschlossen (ich nehme doch an, dass es auch in MV durchaus einen teilweisen Elternwunsch nach Förderschule Lernen gibt). Zwangsmaßnahmen um angeblichen Menschenrechts willen.
    Diese „Inklusion“ (die, wie XXX oben schon schrieb, nichts mit Menschenrecht und der UN-Konvention zu tun hat), hat Minister Brodkorb vor ein zwei Jahren noch zutreffend umschrieben als „Kommunismus für die Schule“.

    • MV bleibt doch gar nichts anderes übrig. Die Bevölkerungszahl des Landes MV entspricht der, der Stadt Köln.

      Wenn die Schüler nicht länger in öffentlichen Verkehrsmittel als in der Schule verbringen sollen, bleibt der Politik in MV nichts Anderes übrig, als möglichst viele Schulformen unter einem Dach zusammenzu bringen. Im Nordosten der republik gibt es Landkreise, die haben mehr (Land-)Fläche als so mancher Regierungsbezirk in anderen Bundesländern oder einzelne Stadtstaaten. Dass sich Schulen mit Klassenstärken unter 10 Schülern wirtschaftlich betreiben lassen könnten, schließe ich einmal aus. Dies ist ja auch ein Grund, warum die Bundesländer mit hoher Bevölkerungsdichte weniger Geld je Kopf (Schüler) ausgeben als andere.

      • Wieso schließt man das von vorneherein aus? Es gibt Länder ( Finnland, Südtirol…) da funktioniert das. Wäre bei schwierigen Inklusionsschülern sehr hilfreich.
        Warum sind wir Lehrer nur immer gleich bereit uns Sachzwängen so schnell unterzuordnen? Wir haben doch eher den Auftrag uns für pädagogisch begründete Notwendigkeiten einzusetzen, nicht?

  3. „… war die massive Aufnahme verhaltensauffälliger Kinder in Regelklassen der größte Hemmschuh für eine breite Akzeptanz der Inklusion. Viele Lehrer fühlten sich überfordert, sagte sie.“
    FÜHLTEN sich die Lehrer überfordert, oder sind sie es faktisch mit der ihnen zugemuteten Aufgabe? Die Antwort können vielleicht Lehrer (und Schüler) geben, wenn ein oder zwei schwer Verhaltensauffällige ohne „Diagnose“ in einer Klasse sind.

    • Ja, ich hatte schon mal das Vergnügen, dass ein verhaltensauffälliger Schüler meinen ganzen Fachunterricht kaputt quasselte und -störte. Er wurde mir ins Klassenzimmer gestellt mit der Ma’gabe : Wenn er nicht mehr kann darf er machen was er will. Das tat er dann auch: von aufstehen und rumrennen mitten im Unterricht, quasseln ohne Unterlass, die Tafel vollkritzeln, den OHP Stecker rausziehen Mitschüler ärgern, ( Orffinstrument behalten und nicht weitergeben bis hin zu Drohgebärden und schlagen) usw. Als ich die Eltern bat, mir zu helfen, wie ich denn am besten mit ihm umgehen soll kam die Antwort “ Sie haben kein Verständnis für seine Krankheit“. Auch Schulleitung und Klassleiterin unterstützten mich nicht, es kam auch kein Integrations- oder Hilfeplan, nichts. Bis heute wei‘ ich nicht, welche Krankheit er denn hatte au’er keine Grenzen zu kennen. Die Klassleiterin war im nächsten Jahr nicht bereit, die Klasse weiterzuführen ( „ich kriech auf dem Zahnfleisch“), ich wurde von den Eltern weggemobbt ( „die wird nicht fertig mit „den“ Schülern“, obwohl ja nur einer das Problem war), der Junge ( den ich übrigens mochte und mit klaren Grenzen und Strukturen helfen wollte, die leider nur mit Tobsuchtsanfällen beantwortet wurden) kam in die Kinder- und Jugendpsychiatrie , nachdem er die Schulleiterin gebissen hatte ( die vorher gesagt hatte: „Nur bei Ihnen eskalierts“, ich war die einzige Fachlehrkraft). Aus der Psychiatrie flog er alsbald raus, weil sie nicht mit ihm fertig wurden. Jetzt ist er in der Förderschule. Schade, ein cleveres Bürschchen, das einfach klare, liebevolle Grenzen gebraucht hätte.

    • Tja, wenn man Inklusion versteht als Auflösung der Förderschule und das einfach Hineinsetzen der Kinder in eine Regelschulklasse ist es kein Wunder, dass das schief geht.

      In Ihrem Fall, Frau Krieger, hätte eine Doppelbesetzung oder ein*e Integrationspädagog*in geholfen, der sich um diese eine Kind bzw. die anderen kümmert, die in der Klasse Förderbedarf haben.

      Inklusion zum Nulltarif kann nicht funktionieren, das kann man an Ihrem Beispiel sehr schön sehen. Und genau darauf weisen auch alle inklusionsbefürworter ständig aufs Neue hin. Für die Fehler sollte dann aber die Sparpolitik der Ministerien verantwortlich gemacht werden, nicht der Gedanke der Inklusion an sich.

      • Doch, der Inklusionsgedanke ist falsch. Diese Tatsache wird nur immer beiseite geschoben und übertüncht mit der Begründung, es fehle an Geld und Personal, um die Inklusion richtig durchzuführen.
        Zwei Bekannte von mir führen eine Inklusionsklasse und sind in der „glücklichen“ Lage, als Hilfe sowohl eine Doppelbesetzung als auch eine bzw. zwei Lernbegleiterinnen zu haben.
        Beide sagen übereinstimmend, dass es ohne diese Hilfe zwar gar nicht ginge, dass aber im Vergleich zu „normalem“ Klassenunterricht viel Unruhe und Lärm herrsche, der alle belaste. Jede zusätzliche Kraft sorgt nämlich mit ihren Aktivitäten für zusätzliche optische und akustische Reize, die stressig sind und dem Arbeitsklima schaden.

      • Glaube ich Ihnen gern, das es für Ihre Bekannten nicht einfach ist.

        Die Frage ist, ob das Beispiel verallgemeinerbar ist. Ich denke mal, jede Klasse ist unterschiedlich, jedes Setting eigen. Deshalb sind mir da empirische Aussagen in der Breite lieber, als Einzelbeispiele zu generalisieren.

        Für genau diese Konstellationen, in denen es nicht funktioniert, müssen dann eben individuelle Lösungen gefunden werden, darum geht es doch. Und wenn es in diesem Setting keine Möglichkeit gibt, dann muss eben geschaut werden, wo und wie es funktionieren kann. Darauf haben ALLE Kinder ein Recht.

        Lieber findet man aber Lösungen innerhalb eines inklusiven Schulsystems, als die automatische Vorsortierung und Homogenisierung, die noch bis vor kurzem stattgefunden hat. Diejenigen, für die es dann in einem inklusiven Setting Möglichkeiten gibt, dabei zu sein, sind dann die Gewinner. Andersherum wären sie automatisch auf der Förderschule gelandet – mit allen, gut bekannten und nachgewiesenen Problemen.

        • Nochmals: Ich teile Ihre Auffassung nicht und empfinde sie nur als Schönfärberei eines Inklusionsanhängers. Wenn die bedauerliche Auflösung der Förderschulen nicht ständig weiterginge, würde ich Ihrer These freien Lauf lassen und mir sagen, dass die Realität schon zeigen wird, was wahr und was unwahr ist. Leider aber ist es dann endgültig zu spät, die letzten Förderschulen noch zu retten. Darum muss jetzt vehement widersprochen werden.

          • Naja, dann sagen Sie doch ja zur Inklusion und bringen sich in die Debatte ein, indem Sie ein Mischmodell mit Förderschulen fordern für diejenigen, für die es auf einer gut finanzierten inklusiven Schule nicht funktioniert.

            Oder kucken, wie es woanders umgesetzt wird und bringen für genau solche Fälle Anregungen mit ein.

        • Förderschulen haben nicht nur Probleme ( au’er dass der Stolz runtergeschluckt werden muss) sondern tun einigen Kindern total gut: sie sind oft viel besser ausgestattet, haben speziell ausgebildete Lehrer und vor allem kleine Klassen. Wie schon beschrieben hat das meiner Tochter sehr gut getan.

      • …………..und auch nicht die Lehrkraft die daran scheitert…..

      • Leider neigt man von ganz oben dazu, mit wohlgesetzten Worten „pfiffige“ „neue“ Ideen wie z.B. Inklusion als pädagogisch wertvoll zu verkaufen und ist dann am grünen Tisch berauscht von der eigenen Fortschrittlichkeit. Leider übersieht man dann im Eifer des Gefechts, sich um so „Kleinigkeiten“ wie finanzielle und personelle Ausstattung zu kümmern. Das Gleiche geschieht auch mit den sog. „Kombiklassen“. Auch so ein als pädagogisch wertvoll verkauftes Konzept, das in Wirklichkeit eine staatliche Sparma’nahme ist. Dort wo kleine Landschulen erhalten werden sollen sehe ich das noch ein. Aber das gibt es auch an dreizügigen Schulen. Da unterrichte ich zur Zeit. Eine enorme Mehrbelastung für die Lehrkräfte die kaum extra Unterstützung bekommen. Für die angepriesene individuelle Förderung bleibt noch weniger Zeit als vorher. Und ehrlich gesagt, Lerntandems und Hilfe von Stärkeren für Schwächere gab es auch immer und systematisch in meinen Regelklassen. Dazu brauche ich keine Kombiklassen.

  4. Warum werden alle Förderschulen in einen Topf geworfen?

    Die Förderschulen in privater/kommunaler Trägerschaft sind nicht betroffen. In NRW unterhalten die Landschaftsverbände eine Reihe von Förderschulen, u.a. mit den Schwerpunkten Sehen oder Hören, deren Schließung ist überhaupt nicht angedacht. Ebensowenig wird es zu einer Schließung von Einrichtungen (Förderschulen) bei den Bethel’schen Anstalten und anderen Trägern kommen.

    Von der Schließung von FöS mit dem Schwerpunkt ESE (emotionale, soziale Entwicklung) sind die politisch Verantwortlichen mehr oder weniger abgerückt. Die einzigen FöS, die zur Disposition stehen, sind die mit dem Förderschwerpunkt – sorry, heißt natürlich Entwicklungsschwerpunkt Lernen.

    Die Errichtung von Förderklassen in Schulzentren bzw. unter dem Dach einer „Gemeinschaftsschule“ verstößt in keinster Weise mit der UN-Konvention. Ansonsten hätte nämlich Australien ebenfalls ein Problem. Dies ist mir aber nicht bekannt. Dort nehmen nämlich die „pupils with special needs“ am Unterricht im Klassenverband teil. Nur es gibt auch in jungen Jahren wenig Klassenunterricht. Dafür gibt es eine früh einsetzende „Fachleistungsdifferenzierung“, d.h. der unterricht wird auf insgesamt 5 Kompetenzniveaus erteilt. Das niedrigste Kompetenzniveau entspricht dabei dem deutschen Förderschulunterricht, das darüberliegende Niveau führt zum HSA, das nächste zum MSA, zum Fachabi, zur Allgemeinen Hochschulreife.

    Die Differenzierung findet also innerhalb einer Schulform statt. Es gibt aber auch Kurse, in denen Klassenunterricht erteilt wird, z.B. Kunst oder Musik.

    Das Problem für Deutschland besteht darin, es müsste Geld in die Hand genommen werden, um entsprechende Ressourcen vorzuhalten, um ein vergleichbares System mit mehr als zwei Differenzierungsebenen innerhalb einer Schulform einzurichten.

    • Das wärs doch, ein System wie in Australien und vielen angelsächsischen Ländern. Das Problem, weshalb Eltern ihr Kind partout nicht in die Förderschule schicken wollen ist Angst vor Stigmatisierung und schlechtere Berufschancen. Ich selbst habe supergute Erfahrungen mit der Förderschule. Auf Grund von Immigration ( sie ist in NZ geboren) und schwierigem Scheidungshintergrund lernte meine jüngste Tochter langsamer lesen als es in der örtlichen gehobenen Renommiergrundschule genehm war ( in einem Arbeiterviertel wäre das kein Problem gewesen). Ich schluckte meinen Akademikerstolz runter und schickte sie in die Förderschule. Dort waren nur knapp ein Dutzend Kinder und eine hervorragende Lehrerin, liebevoll, geduldig, klar strukturiert und interessiert an ihren Kindern. Meine Tochter blühte auf, kam dann nach der 4. Klasse an die Haupt- pardon Mittelschule, machte ihren Quali mit 2,5, ihre Berufsschule als Zweitbeste und hatte dadurch automatisch die Mittlere Reife. Damit machte sie eine 2. Berufsausbildung und ist nun MTAF , verdient nicht schlecht und ist glücklich in ihrem Beruf – auch ohne Studium.
      Unser Schulsystem bietet zum Glück später noch eine gewisse Durchlässigkeit, aber das australische wäre mir lieber gewesen.

      • Danke! Sie sagen, was auch ich denke.
        Es ist ein Jammer, dass mit der Inklusion so viel Schindluder getrieben und falsche Erwartungen geweckt werden, nur damit die teuren Förderschulen verschwinden.
        Beispiele wie das Ihrer Tochter sind Gold wert, um das Märchen von der angeblichen „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ durch Inklusion zu entlarven. Inklusion verbaut nämlich vielen Kindern die gesellschaftliche Teilhabe an ihrem späteren Leben, weil die Schulzeit mehr oder weniger nur abgesessen wird ohne nennenswerte Lernzuwächse.
        Außerdem habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder auf der Sonderschule aufblühen, wenn sie sich in ihrer Gruppe endlich nicht mehr als Looser fühlen. Diese Rolle gehört nämlich in der Regelschule zu ihrer täglichen Erfahrung und nicht die Glückseligkeit, die Inklusionisschwärmer ständig einzureden versuchen.

  5. Die entscheidende Frage scheint mir nicht zu sein, ob es die FörderSCHULEN als eigene organisatorische Einheit gibt, sondern ob es eigene Lerngruppen für Kinder mit Förderbedarf gibt, in denen die Sonderpädagogen ohne den unendlichen Reibungs- und Reiseverlust arbeiten können und in denen sie für die anvertrauten Kinder wirklich die erforderliche Zeit haben. Vielleicht funktioniert es gut, Förderschulen mit Regelschulen zu einer gemeinsamen Organisation zusammenzulegen, das müsste die Praxis zeigen. Diese Idee klingt im Artikel an, und das weist für mich darauf hin, dass Brodkorb ein vernünftiger Mann ist.

    • wird man sehen. wenn er wirklich Förderschulklassen an Regelschulen einführen möchte zu vergleichbaren oder besseren Bedingungen als an den dann geschlossenen Förderschulen, kann ich damit durchaus leben. dazu gehören ein entsprechender Personalschlüssel, keine Einschränkung des Regelunterrichtes aufgrund der Förderkinder UND UMGEKEHRT sowie eine Verhinderung, dass die Förderkinder die — Achtung Vorurteil — dicken Strebernerds als neue Mobbingopfer durch die nicht diagnostizierten ESEL-Kinder ablösen. Eine gewisse Skepsis erlaube ich mir in diesem Bereich angesichts der Peronalkosten.

      • Den Weg zur KOOP-Schule – also einer kooperierenden Gesamtschule – hat die CDU ja in NRW erfolgreich nach langem Kulturkampf zugeschlagen und der damaligen Rau-Regierung die IGS auf’s Auge gedrückt, da die CDU sie scheitern sehen wollte.

        Innerhalb der IGS wird es keine Förderklasse geben können, da sie der Idee der IGS wesensfremd ist, genauso wie die Bildung von Abschluss orientierten Klassen im Doppeljahrgang 9/10.

        Im Rahmen von Gemeinschaftsschulen, die ja kooperierende Schulformen unter einer gemeinsamen Schulleitung sind, hätte die Inklusion von Förderklassen ihren Charme.

        An einer IGS bleibt nur die Möglichkeit die SuS mit anerkanntem Förderbedarf in den Fächern der Gruppe I – aka Hauptfächer – jahrgangsübergreifend in kleinen Gruppen getrennt von den Regelschülern individuell zu fördern. Ihre Leistungen der zieldifferent zu unterrichtenden Kinder und Jugendlichen haben ja auch keinen Einfluss auf den Klassendurchschnitt, da sie ja keine Ziffernnoten erhalten. Anders sieht es bei denen aus, die zielgleich unterrichtet und bwertet werden. Das sind vor allem Kinder mit dem Entwicklungsschwerpunkt ESE. Die müssen zwar nicht in Kleingruppen gefördert werden, müssen aber intensiv während des Unterrichtstages begleitet werden,d amit sie „bei Ausrastern“ betreut und beaufsichtigt werden können. Das ist nämlich von Fachlehrern neben der Unterrichtsverpflichtung nicht zu gewährleisten.

  6. Brotkorb und sein Team sind für diese Förderschulklassen-in-Regelschulen Idee in der Anhörung im Landtag zumindest von einigen Verbandsvertreter*innen nicht umsonst ordentlich angegriffen und kritisiert worden. Das hat mit Inklusion nun wirklich nichts zu tun und bedeutet eine erneute Separierung, nun eben unter einem Dach. Die Stigmatisierung der Kinder wird logische Folge sein.

    Die Dödel von der CDU wollten am liebsten gar keine Inklusion, scheiß auf Menschenrechte und Rechtsbruch. Das was rausgekommen ist, ist ein Kompromiss, der genau das ausdrückt. Irgendwie zusammen aber doch getrennt.

    Und der Prozess, in dem das alles erstellt wurde? Schön auf Regierungsebene ausgekugelt und von einer LINKEN per Inklusionsfrieden ohne Murren mitgetragen, da sie auf eine Koalition mit der SPD nach den Wahlen spekuliert. Anstatt dieses wichtige Thema breit in der Gesellschaft zu diskutieren und als demokratischen Prozess auszutragen, da es um einen tiefen Eingriff ins Schulsystem geht, der auch breit mitgetragen werden muss, wird es Opfer der Parteipolitik.

    Und dann wurde das Konzept nach mehreren Jahren Bearbeitung nur knapp 4 Wochen vor der Anhörung und über Weihnachten vorgestellt und damit minimal Zeit zur Rückmeldung gegeben. Wenn man etwas unprofessionell machen will, dann so.

    http://gruene-fraktion-mv.de/presse/pressemitteilungen/volltext-slider/article/182016_berger_anhoerung_zeigt_manches_licht_viel_schatten_und_sehr_grosse_luecken_im_inklusionskonzept/?cHash=db17d1e3bf451ca3a25dc4e7ea6b6743

    http://bildungsklick.de/a/94805/mecklenburg-vorpommern-auf-dem-wege-zur-reorganisation-der-sonderschule-in-der-allgemeinen-schule/

    • Ist das nicht typisch für unsere Demokratie? Meine Schwester wohnt in der Schweiz, dort wird „das Volk“ viel häufiger m seine Meinung gefragt – und ist deshalb auch meist informierter als hier. Schulpolitik sollte viel mehr von Leuten gemacht werden, die etwas davon verstehen – und auch am meisten davon betroffen sind. Ein perfektes Beispiel ist doch das G8. Nach jahrelangem Herumgedoktere und Nachgebessere stellt man ganz oben erstaunt fest, dass dieser Schnellschuss wohl doch nicht so gut war. Hätte man mal besser auf den Philologenverband gehört.

  7. Irgendwie basiert unser dreigliedriges ( mit Förderschulen viergliedriges) Schulsystem doch auf der Annahme, dass es eben allgemein sehr begabte, mittelbegabte und minderbegabte Schüler gibt. Das ist nicht durchgängig meine Erfahrung. Es gibt doch häufig Kinder, die in einem Fach ( ich denke noch mit Grauen an meinen Matheunterricht, weil ich eben sprachbegabt bin) gut in einem anderen weniger gut begabt sind. Somit würde doch das oben beschriebene angelsächsische Kurssystem den Schülern wesentlich mehr entgegenkommen als unser aussortierendes System. Wenn nun die meisten in einem Fach im A-Kurs und einem anderen Fach ( wo man weniger leicht lernt) im B-Kurs ist kommt auch nicht dieser Hochmut ( ich bin ein Gymmikind) und die Geringschätzung ( ich bin ein Förderschulkind) auf. Wir Viertklasslehrer hätten dann auch wesentlich weniger Stress ( mit Eltern und Uebertritt). Leider kommt unser Kultusminister nicht auf solche Ideen, sondern es wird ständig an neuen Ideen ( Lehrplan+ usw.) herumgedoktert.

    • Oohs, ich muss meinen Kommentar von oben revidieren.

      Es gab eine recht breit besetzte Expertenkommission, die einen Vorschlag erarbeitet hat, auf dessen Basis das Ganze dann im Ministerium erarbeitet wurde. 2012 wurde die Empfehlung vorgelegt.

      Das Problem: wichtige Vorschläge des Gremiums wurden im Konzept nicht beachtet, das war in der Anhörung im Januar auch mehrmals Kritikpunkt. Der Ärger ist also vorprogrammiert.

      Verzeihung für die Fehlinfo.

      Ansonsten stimme ich Ihrem Kommentar zu, Frau Krieger. Außer das man auf den Philologemverband hören sollte. 😉

      • Ich gehöre nicht zum Philologenverband, bin also nicht genügend informiert um weiteres über diesen sagen zu können. Insgesamt ist anzumerken, dass uns Lehrern oft das widerfährt was wir verzweifelt versuchen in der Schule beizubringen: demokratische Meinungsbildung und entsprechendes Handeln, nämlich die Beteiligten zu Wort kommen lassen und auf deren Bedürfnisse weitgehend möglichst einzugehen. Uns Lehrern werden immer wieder und in immer rascherer Reihenfolge neue Konzepte vorgeschrieben mit denen wir kaum einverstanden sein können und die ( Inlusion ohne Mittel) uns sogar gesundheitlich beeinträchtigen. Der Staat als unser Arbeitgeber hat übrigens so etwas wie eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmern ( Lehrern). Die findet bei den tollen Renommierprojekten ( Inklusion..) kaum Berücksichtigung. Was nützt ein völlig ausgebrannter Lehrer der gestresst die tollsten Konzepte versucht zu verwirklichen?
        Und noch etwas gehört zur Demokratie: dass nicht die Mehrheit unter einzelnen leidet. Bei meinem verhaltensauffälligen Inklusionsschüler verging gut 1/3 der Unterrichtszeit mit Disziplinierungsversuchen ( von welchen uns ja kaum welche zur Verfügung stehen, insbesondere wenn die Schulleitung nicht unterstützt).

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