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„Mit 4.450 Euro starten“ – Wie Berlin in Österreich und den Niederlanden um Grundschullehrer wirbt

BERLIN. Die Not ist groß in Berlin. Grundschullehrer fehlen, aktuell sind 1.400 Stellen zu  besetzen. Um den Mangel an pädagogischem Personal in den Griff zu bekommen, hat die Bildungsverwaltung zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: Sie wirbt um Bewerber – und zwar mit großen Anzeigen in österreichischen und niederländischen Medien. „Die Kampagne ist ein Armutszeugnis“, so reagiert GEW-Sprecher Manuel Honisch gegenüber der „Berliner Zeitung“ auf die etwa 100.000 Euro teure Werbeaktion. Der Senat habe es schlicht versäumt, genug Lehrer gerade für die Grundschulen auszubilden.

Screenshot.

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Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat reagiert – und das Angebot an Studienplätzen für das Lehramt Grundschule verdoppelt. Leider nützt das aktuell nichts. Denn bis die zusätzlichen Studienanfänger in Dienst gestellt werden können, vergehen sechs Jahre. Zu lange. Zusätzliche Einstellungen aller Bundesländer aufgrund der vielen zu unterrichtenden Flüchtlingskinder haben dazu geführt, dass der Arbeitsmarkt für Grundschulpädagogen bundesweit abgegrast ist. Deshalb hofft Berlin nun, Grundschullehrer aus Österreich und den Niederlanden anwerben zu können.

Anzeigen wurden laut „Tagesspiegel“ bei Spiegel-Online, Unijob-Online, Heute.at Online, im österreichischen Standard, im niederlänischen De Telegraaf und in den Bezirkszeitungen Niederösterreich geschaltet. Mit Sprüchen wie „Trend statt Tracht“, „Kiez statt Kaff“, „Piefkes? Wir sind Berlin!“ oder „Berliner Schnauze statt Wiener Schmäh“ wirft Berlin seinen Metropolenstatus in die Waagschale – und das Gehalt: „Kein Schmarrn. Mit 4450 Euro starten“, so lautet der Text für eine der Anzeigen.

Ein starkes Argument: Nach OECD-Angaben liegt das Jahreseinkommen der österreichischen Grundschullehrer in den ersten Jahren bei rund 33.000 – und damit rund 20.000 Euro unter dem, was Berlin zahlt. (Allerdings müssen Grundschullehrer in Österreich nur 22 Wochenstunden unterrichten – gegenüber 28 in Berlin.) Auch die Niederlande bleiben mit einem Jahresgehalt von 36.500 Euro deutlich unter dem Berliner Tarif.

Berlin 3

Und das zeigt offenbar Wirkung: Dem österreichischen „Kurier“ zufolge hätten sich schon Dutzende Lehrkräfte aus dem Alpenland bei der Berliner Bildungsverwaltung gemeldet. Sie haben offenbar mehr Glück gehabt, unter der eigens eingerichteten Service-Telefonnummer der Berliner Bildungsverwaltung jemanden zu erreichen – der „Tagesspiegel“ ist mit seinem Versuch gescheitert. „Anrufbeantworter? Keine Spur. Selbst zur besten Ämterzeit um kurz nach 9 Uhr: Keiner erbarmt sich, ans Telefon zu gehen“, so berichtet das Blatt.

Und wie reagieren die Österreicher und die Niederländer auf die Abwerbungsversuche? In den niederländischen Medien zeigt man sich unaufgeregt – sachlich wird über das Angebot berichtet. In Österreich, wo es offenbar noch etliche Grundschullehrer auf Stellensuche gibt,  betrachte man die Abwerbeversuche aus Berlin „sportlich“, wie der „Kurier“  berichtet.  „Wenn Lehrer auf die Weise Erfahrungen sammeln können, begrüßen wir das natürlich“, betont der Oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer gegenüber dem Blatt. Diese Pädagogen müssten auch nicht fürchten, dass sie auf der Warteliste zurückgereiht werden, sollte ein Platz frei werden und sie aber noch in Berlin tätig sein. Zusatzqualifikationen würden angerechnet. Enzenhofer: „Ich hab‘ selber einen Mitarbeiter, der in einer Schule in Bayern Erfahrung gesammelt hat – es hat ihm nicht geschadet.“ News4teachers

6 Kommentare

  1. 33000€ Jahresgehalt hochgerechnet auf 28 Stunden entsprächen 3500€ pro Monat brutto. Wenn Österreich verbeamtet gehe ich mal von einem ähnlichen netto-Stundenlohn aus wie Berlin, das bekanntlich nicht verbeamtet.

  2. Ein Gewinn für die Multikulturalität ist es auch, und ein Niederländer kann vielleicht das „ch“ für seine arabischen Schüler überzeugender sprechen. Übrigens sehe ich mit Erleichterung, dass auch 4teachers „Grundschullehrer“ als geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung verwendet, wie es in unserer Sprachfamilie traditionell üblich war.

    • mehrnachdenken

      Na, keine „schlafenden Hunde wecken“, lach. Ich glaube fast, da hat jemand etwas übersehen.

    • Sie waren offensichtlich noch nie in Brabant oder Limburg (südliche Provinzen). Dort wird das „ch“ sehr weich ausgesprochen, ein wenig vergleichbar mit dem deutschen „ch“ im Wort „weich“ und nicht hart wie im deutschen Wort Sprache.

  3. Da versuchen die Grundschullehrerinnen mit den kuriosesten Begründungen (Bezahlung nicht nach Schuhgröße der Schüler) sich zu A13 hoch zu hangeln.

    Dabei ist es ganz einfach, wie in Berlin gezeigt wird: Das Gesetz von Angebot und Nachfrage regelt die Höhe der Bezahlung!

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