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Verband listet auf: Elf Punkte, die Grundschullehrer wirklich nerven

BERLIN. In Berlin nimmt der Mangel insbesondere an Grundschullehrkräften ein mittlerweile bedrohliches Ausmaß an. Warum gibt es so wenig Bewerber?  Die Berliner Landesgruppe des Grundschullehrerverbands hat in einem offenen Brief elf Punkte aufgelistet, die Grundschullehrkräfte (nicht nur in Berlin) nerven – und die dazu beitragen, den Beruf als nicht sonderlich attraktiv erscheinen zu lassen.

Daumen runter: Der Grundschulverband hat seine Kritikpunkte aufgelistet. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Daumen runter: Der Grundschulverband hat seine Kritikpunkte aufgelistet. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Folgende Kritikpunkte listet der Verband auf:

  1. „Die Gleichwertigkeit der Lehrämter hinsichtlich Berufsstatus, Stundendeputat und Bezahlung ist immer noch nicht erreicht, obwohl die pädagogisch-didaktischen und fachlichen  Anforderungen sowie die Tätigkeiten im Bereich Schulentwicklung, Teamarbeit, Kooperation, Schüler- und Elternberatung in der Grundschule nicht geringer sind als in anderen Schulformen.“
  2. „Für die umfangreichen Aufgaben zur Schulentwicklung wie die Erarbeitung neuer schulinterner Curricula aufgrund neuer Rahmenlehrpläne stehen den Oberschulen für die Koordination dieser Aufgaben Fachleiterstellen zur Verfügung. Die Grundschulen haben für die vielfältigen Aufgaben der Fachbereiche keine vergleichbaren Strukturen und Ressourcen.“
  3. „Schulleitungen haben im Kern an allen Schulen gleichartige Aufgaben. Die bestehenden Anrechnungsstunden an der Grundschule reichen aber nicht aus, um die vielfältigen Aufgaben angemessen zu erfüllen. Insbesondere durch die Aufgaben einer eigenständigen Schule mit Personalkostenbudgetierung, Verwaltung der Bonusprogrammgelder, des Verfügungsfonds und der Abrechnung der Gelder des Bildungs- und Teilhabepakets ist ein hoher Verwaltungsaufwand entstanden, der die Anrechnungsstunden beträchtlich übersteigt.“
  4. „Bei Erkrankung von Lehrkräften können die Schulen erst nach drei Wochen die Mittel der Personalkostenbudgetierung für Vertretungsunterricht einsetzen. Die Zeit bis dahin müssen die Schulen mit Mehrarbeit und Ausfall von Fördermaßnahmen überbrücken.“
  5. „Bei Erkrankung von Erzieherinnen gibt es bisher keine Vertretungsmittel im Rahmen der Personalkostenbudgetierung, das heißt im Krankheitsfall steigt die sowieso zu hohe Betreuungsfrequenz noch weiter.“
  6. „Die steigende Zahl der Grundschüler bei gleichzeitig hoher Pensionierungsrate von Lehrkräften führt zu einem Mangel an gut ausgebildeten Grundschullehrkräften.“
  7. „Viele Flüchtlingskinder und -jugendliche werden in Schulen in sogenannten „Willkommensklassen“ unterrichtet. Die meisten dieser Klassen befinden sich an Schulen, die ohnehin eine hohe Schülerpopulation aus prekären Verhältnissen haben.“
  8. „Die Schaffung von inklusiven Schwerpunktschulen wird als Zwischenschritt bei der Umsetzung der UN-Konvention gesehen. Das Ziel ist die Schaffung eines inklusiven Schulsystems. Welchen Zeitplan gibt es für die flächendeckende Umsetzung der UN-Konvention und damit die Umwandlung des selektiven in ein inklusives Schulsystem?“
  9. „Für die steigende Zahl an Grundschulkindern wird Schulraum benötigt. Der Mangel an Schulraum führt dazu, dass Räume doppelt genutzt werden: für Unterricht und für die Ganztagsbetreuung. Dies führt dazu, dass pädagogische Konzepte nicht umgesetzt werden können und aufgrund der Raumnot eine hohe Belastung für die Kinder entsteht.“
  10. „Marode Schulgebäude und stinkende Toiletten sind Alltag an den Berliner Schulen.“
  11. „An vielen Schulen stehen die Turnhallen aufgrund der Belegung mit Flüchtlingen nicht mehr für den Sportunterricht zur Verfügung. Das ist ein unhaltbarer Zustand.“

Zum Bericht: Dramatischer Lehrermangel in Berlin: Grundschule sucht neue Kollegen jetzt selbst via Facebook

 

3 Kommentare

  1. Wo sind denn die Helikoptereltern? Der Verband traut sich offensichtlich nicht, diese zu nennen. Außerdem kann man die nicht mit Forderungen nach mehr Geld kombinieren.

  2. Manches kommt mir an diesen Punkten etwas sehr wie eine Außenbetrachtung vor.

    Was ich mir wünschte (spontan, ohne langes Nachdenken):

    1. Absenkung des Stundendeputats (auf 26 Wochenstunden ?).

    2. Eine erhöhte Personalausstattung (für Vertretungsstunden).

    3. Eine bessere finanzielle Ausstattung (konkret jedem Kind jedes Schuljahr ein eigenes, neues Schulbuch u. dgl.).

    4. Bessere Reinigung der Schulgebäude.

    5. Mehr Schutz der Lehrkräfte vor übereifrigen (klagewütigen) Eltern.

    6. Mehr Schutz der Lehrkräfte vor „verhaltensauffälligen“ Kindern, ich meine, Kinder, die den Unterricht massiv stören.

    7. Sanierung der Schulgebäude.

    8. Weniger Bürokratie und Verwaltungsaufwand.

    Soweit fürs Erste. 🙂

  3. PS: Ach ja, am schlimmsten finde ich die Lehrbücher. Es ist richtig, dass die Kinder oft Probleme beim Verständnis hatten / haben, aber die Konsequenz daraus sollten einfacher geschriebene Texte und nicht immer kürzere Texte sein !!!

    Mit manchen kann ich kaum noch etwas anfangen im Unterricht und schreibe oder kopiere mir dann zu Hause selber Texte, die ich eigentlich von meinem Lehrbuch erwarte.

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