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Mobbing am Olympiainternat: Kaderathleten quälen Mitschüler über Monate – Verdächtiger darf weiter trainieren

HAMBURG. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Ex-Schüler des Sportinternats auf dem Hamburger Olympiastützpunkt. Monatelang sollen ein Schwimmer und ein Badmintonspieler einen jüngeren Mitschüler drangsaliert haben. Anzeichen hat es schon früh gegeben. Obwohl beide Schüler suspendiert sind, trainiert einer der Beschuldigten weiterhin an dem Stützpunkt.

Zwei ehemalige Schüler eines Internats auf dem Hamburger Olympia-Stützpunkt sollen einen 14 Jahre alten Mitschüler monatelang gequält haben. Einem 19-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft Kiel Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung vor und hat deshalb vor dem Amtsgericht Neumünster (Schleswig Holstein) Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittele gegen einen 18-Jährigen – ebenfalls wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, berichtete zunächst die «Bild»-Zeitung. Die Taten sollen sich bereits im zweiten Halbjahr 2015 und im Januar 2016 ereignet haben.

 Als Mitglied des Schwimmkaders hat einer der Beschuldigten weiterhin Anspruch, am Olympiastützpunkt zu trainieren, ohne das die Schule eine Handhabe dagegn hätte. Foto Claus-Joachim Dickow / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)


Als Mitglied des Schwimmkaders hat einer der Beschuldigten weiterhin Anspruch, am Olympiastützpunkt zu trainieren, ohne das die Schule eine Handhabe dagegn hätte. Foto Claus-Joachim Dickow / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die beiden Beschuldigten sollen den jüngeren Mitschüler über Monate immer wieder drangsaliert und geschlagen haben. Die Vorwürfe seien zunächst am Olympiastützpunkt Hamburg bekannt geworden, seither bemühe sich das dort ansässige Internat zusammen mit Behörden und den betroffenen Sportverbänden um Aufarbeitung, sagte die Leiterin des Olympiastützpunkts, Ingrid Unkelbach.

«Das Ganze hat sich schon etwas früher angedeutet. Wir hatten zuvor schon Anzeichen von Mobbing beobachtet und darauf erzieherisch eingewirkt», sagte Unkelbach. «Als sich unser Verdacht im Januar 2016 erhärtete, haben wir die beiden mutmaßlichen Täter im Sinne des Opferschutzes suspendiert.» Zudem habe die Internatsleitung die Eltern der Beschuldigten sowie das Hamburger Jugendamt informiert. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers habe dann Anzeige gegen dessen ältere Mitschüler erstattet.

Der 14-Jährige besucht weiterhin das Internat, während einer der Beschuldigten weiterhin Trainingseinrichtungen am Olympiastützpunkt nutzt. «Wir haben da keine Handhabe», sagte Unkelbach über den 18-jährigen Schwimmer. Auch wenn der Beschuldigte nicht mehr das Internat besuche, habe er als Mitglied des Schwimm-Kaders weiterhin Anspruch, am Olympiastützpunkt zu trainieren. Der 19-Jährige, der sich vor dem Amtsgericht Neumünster verantworten muss, trainiere mittlerweile in Saarbrücken im Saarland.

Zuständig sind in dem Fall zwei Staatsanwaltschaften aus Schleswig-Holstein, weil bei Heranwachsenden das Wohnort- und nicht das Tatortprinzip gilt. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft, in deren Bezirk der Verdächtige gemeldet ist. (dpa)

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