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Antike Helden sterben nie: Griechische Mythen im Poetry Slam – eine Rezension

DÜSSELDORF. Herakles, Hermes, Kassandra – alles bekannte Personen der griechischen Mythologie. Hauptrollen spielen sie aber nicht nur in den alten Erzählungen, auch heute noch – von Poetry-Slammern versetzt in die Moderne – gilt ihr Name als Umschreibung ihres Schicksals. Sie ermöglichen es, mit wenigen Worten viel zu erzählen. Einige beeindruckende Beispiele bietet das Sammelwerk „Afterwork mit Sisyphos“.

Die gesammelten Slam-Texte verbinden gekonnt die Antike mit der Moderne. Herausgeber ist Nik Salsflausen, Slam-Poet und Lehrer. Cover: Satyr Verlag

Die gesammelten Slam-Texte verbinden gekonnt die Antike mit der Moderne. Cover: Satyr Verlag

„Vom Schatten der Sprache will ich heut erzählen
Für Falsches die richtigen Worte zu wählen
Denn Schönfärberei klappt mit jeglicher Äußerung
Und sie fällt kaum auf, weil es sämtliche Leute tun“

Mit diesen vier Zeilen beginnt das Gedicht „Trojanische Worte“. Eindrücklich schildert es im weiteren Verlauf, wie Euphemismen sich in den alltäglichen Sprachschatz eingeschlichen haben – ähnlich der Griechen mithilfe des Holzpferds in Troja und mit einem ähnlich tragischen Ende: die Wahrheit zu beschönigen, „den Fakten die scharfen Eckzähne“ zu feilen. Erdacht hat es Sebastian 23, einer von 21 Poetry Slammern aus der deutschsprachigen Szene, die einen Text zur Anthologie beigesteuert haben. Darunter: Marc-Uwe Kling, Ninia LaGrande, Fee und Nick Pötter. Die Werke bewegen sich zwischen unterhaltend und tiefsinnig und schaffen immer wieder kluge Verbindungen zwischen antikem Mythos und aktuellem Zeitgeschehen. So kämpft Herakles etwa mit einer Hydra, die verdächtig wie die Service-Hotline eines Telefonanbieters klingt, Hermes sucht im Auftrag von Zeus die Liebe, googelt und findet nur Pornoseiten. Und Kassandra? Auch als Oktopodin muss sie erdulden, dass sie zwar die Zukunft kennt, ihr jedoch keiner Glauben schenkt:

„Stattdessen soll das Volk nur glauben,
was in Bild und Co. so steht,
wer der Bösewicht im Land ist
und wen man am besten wählt.“

Die Verbindungen – Antike/Moderne – regen zum Nachdenken an; sie vermitteln die Botschaft. Damit diese am Leser nicht unbemerkt vorbeizieht, beginnt jedes Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung der Originalsaga. So eignet sich das Sammelwerk auch für all diejenigen, die sich nicht mehr an alle Schicksale mythischer Figuren erinnern können. Pygmalion etwa schnitzte sich seine Frau aus Elfenbein, damit sie seinen Ansprüchen genügte, und Medea, verstoßen von ihrem Mann, tötete dessen Zukünftige und deren Vater sowie die eigenen Kinder.

Herausgegeben hat das Sammelwerk Nik Salsflausen, selbst Poetry Slammer und Lehrer für Deutsch und Geschichte. Ihm ist der Rahmen besonders wichtig, den das Thema „Antike Mythen“ steckt. „Die Texte sind sehr persönliche Bearbeitungen und trotzdem haben sie letztlich einen gemeinsamen Ursprung“, so der Herausgeber im Interview mit News4teachers.de. Der Rahmen sei der Kitt, der die einzelnen Texte trotz ihrer Vielfalt zu einem Ganzen verbinde – ein passendes Bild für diese harmonische Zusammenstellung. Anna Hückelhem, Agentur für Bildungsjournalismus

Informationen zum Sammelwerk
Afterwork mit Sisyphos – Alte Mythen, neue Texte im Poetry Slam
Herausgeber: Nik Salsflausen
Satyr Verlag, 144 Seiten, 12,90 Euro

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Ein Kommentar

  1. Hm, „Slam“ assoziere ich immer mit „Schlamm“ und denke automatisch, dass Peotry Slams etwas Unangenehmes sind. Was sind sie stattdessen?

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