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Attraktive Texte für den Unterricht – Slam-Poet und Lehrer Nik Salsflausen im Interview

DÜSSELDORF. Nik Salsflausen ist Slam-Poet und heißt eigentlich anders. Sein Künstlername ermöglicht ihm, auf der Bühne zu erzählen, was er will – ohne Rücksicht auf seine Privatperson nehmen zu müssen oder auf seinen Beruf. Denn abseits des Scheinwerferlichts arbeitet Nik Salsflausen als Referendar an einer weiterführenden Schule in Baden-Württemberg und unterrichtet dort Deutsch und Geschichte. Gerade hat der 28-Jährige sein erstes Buch herausgebracht – eine Anthologie mit gesammelten Slam-Texten rund um Figuren aus der griechischen Mythologie. Der Name: „Afterwork mit Sisyphos“. Im Interview mit News4teachers.de sprach der Slam-Poet über die Verbindung zwischen Poetry Slam und Schule.

Nik Salsflausen ist Slam-Poet, Lehrer und Herausgeber der Anthologie „Afterwork mit Sisyphos“. Foto: Parsin Kashesi-Matin

Nik Salsflausen ist Slam-Poet, Lehrer und Herausgeber der Anthologie „Afterwork mit Sisyphos“. Foto: Parsin Kashesi-Matin

Der Verlag bewirbt Ihr Sammelwerk unter anderem mit dem Hinweis, dass es auch für den Deutschunterricht interessant sei. Wie lässt es sich dort einsetzen?

Salsflausen: Im Deutschunterricht sind Sagen immer wieder mal Thema – entweder mit dem Fokus auf der Textform oder den Inhalten. Die Originaltexte kommen häufig im Lateinunterricht zum Einsatz. Die Neubearbeitungen können jeweils helfen, auf den Kernkonflikt zu reduzieren. Sie ermöglichen etwa Vergleiche zwischen antikem und modernem Text. Dann lässt sich fragen: Wie taucht die Figur in den Texten auf? Ist sie handelnder Protagonist oder nur Stellvertreter eines Phänomens? Prometheus dient etwa dazu, den Streit mit einer übergeordneten Macht darzustellen. Durch den Vergleich können die Schüler erkennen, dass Sagen sich nicht mit ausgestorbenen Phänomenen beschäftigen, sondern mit Konflikten und Geschehnissen, die es auch heute noch gibt. Auf diese Weise gelangen die Schüler über einen Umweg auf den Kern des Ursprungstexts. Zudem sind die Neubearbeitungen sehr plastisch und können zum Teil auch als Video über YouTube abgespielt werden, weil viele der Autoren ihre Texte schon live vorgetragen haben. Das macht sie auch attraktiver für Schüler.

Haben Sie Ihr Buch schon einmal selbst im Unterricht nutzen können?

Salsflausen: Nein, aber ich habe im Moment auch keine Unterstufenklasse. Wenn es soweit ist, kann ich mir durchaus vorstellen, es einzubringen. Ein Freund von mir hat aber bereits einige der Slam-Texte in seinem Lateinunterricht genutzt. Ich selbst habe schon im Zusammenhang mit dem Thema „Satire“ auf Texte von Kollegen zurückgegriffen.

Eignet sich Poetry Slam grundsätzlich für die Schule?

Salsflausen: „Poetry Slam“ beschreibt zunächst ja nur die Art und Weise, wie Texte präsentiert werden – in einem Wettstreit. Eine solche Veranstaltung kann man auf jeden Fall mit seinen Schülern besuchen. Unabhängig davon eignet sich aber auch das Format der Texte für schulische Zwecke: Sie sind gefällig und pointiert. Aus dem Format gelöst, sind sie zugänglich, unterhaltsam und geeignet, ein breites Publikum anzusprechen. Sie enthalten in der Regel auch Botschaften und eignen sich als Einstieg in unterschiedliche Unterrichtsthemen, wie etwa die Sprachmusterverschiebung.

Die gesammelten Slam-Texte verbinden gekonnt die Antike mit der Moderne. Herausgeber ist Nik Salsflausen, Slam-Poet und Lehrer. Cover: Satyr Verlag

Die gesammelten Slam-Texte verbinden gekonnt die Antike mit der Moderne. Cover: Satyr Verlag

Welche Slam-Texte fallen Ihnen spontan ein, die sich für den Unterricht eignen?

Salsflausen: „Trojanische Worte“ von Sebastian 23, das auch in der Anthologie vertreten ist. Es handelt davon, wie Sprache das Bewusstsein prägt und verdeutlicht die Macht der Sprache – ein fantastischer Text. Dann noch „Es brennt“ von Philipp Herold, ebenfalls Teil des Sammelwerks, ein Text über eine zwischenmenschliche Beziehung. Zu aktuellen Themen finden sich immer viele Beiträge, einmal eine breite Schicht zugänglicher, eher einfach gestalteter Texte, aber auch komplexere Beispiele. Metrisch anspruchsvolle lyrische Texte bieten etwa prominente Autoren wie Wehwalt Koslovsky und Frank Klötgen. Klötgen hat beispielsweise die Finanzkrise verarbeitet. Es ist ganz oft möglich, die Autoren anzuschreiben und kurz abzuklären, ob man einen Text im Unterricht benutzen darf.

2011 haben Sie das erste Mal an einem Poetry Slam teilgenommen, 2014 waren Sie baden-württembergischer Meister und im vergangenen Jahr haben Sie den zweiten Platz bei der deutschsprachigen Meisterschaft belegt – eine steile Karriere. Wie hat sie angefangen?

Salsflausen: Ich bin relativ typisch über einen Workshop zum Poetry Slam gekommen. Ich habe zu der Zeit in einem Jugendzentrum als Praktikant gearbeitet und der Poetry Slam-Workshop, der dort stattfand, war nicht ausgebucht, dann habe ich mitgemacht. Von da aus ist der Weg auf die Bühne sehr kurz und wenn man dort gute Erfahrungen macht, ist es leicht weiterzumachen. Die Szene sucht immer Nachwuchs und jeder Moderator ist froh, wenn er nicht immer die gleichen drei Poetry-Slammer ansagen muss.

Woher holen Sie die Ideen für Ihre Texte?

Salsflausen: Das ist super verschieden. Einige sind Auftragsarbeiten – da hat man dann ein Thema vor der Nase und überlegt: Wie packe ich das an? Dann gibt es Erlebnisse, die ich einfach weiterspinnen muss, oder Dinge, die mir wichtig sind zu sagen. Da wird nichts Spezielles von mir erwartet, ich muss mich nicht festlegen.

Abgesehen von der Anthologie, die Sie herausgegeben haben und die sich für den Unterricht eignet: Welche Verbindung besteht zwischen Ihrem Dasein als Poetry-Slammer und Ihrem Beruf als Lehrer?

Salsflausen: Von Vorteil ist auf jeden Fall die Bühnenerfahrung. So anders ist es manchmal vorne an der Tafel auch nicht, auch wenn das nur ein Segment des Unterrichtens ist. Ich kann ganz gut Störungen aufnehmen, darauf reagieren, Situationen die Schärfe nehmen und mit Aufmerksamkeit umgehen.

Das Interview führte Anna Hückelheim, Agentur für Bildungsjournalismus

Slam-Poet und Lehrer
Nik Salsflausen wurde 1988 geboren und stammt aus Lörrach. Dort nahm er 2011 an seinem ersten Poetry Slam teil. Drei Jahre später wurde er Landesmeister in Baden-Württemberg, 2015 Vizemeister. 2016 belegte er den zweiten Platz bei der 20. deutschsprachigen Meisterschaft im Poetry Slam, an der Slam-Poeten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg teilnehmen können. Nik Salsflausen studierte in Konstanz am Bodensee Germanistik und Geschichte und arbeitet unter seinem bürgerlichen Namen als Lehrer an einer weiterführenden Schule in Baden-Württemberg.

2 Kommentare

  1. „Slam“ assoziere ich immer mit „Schlamm“ und denke automatisch, dass Peotry Slams etwas Unangenehmes sind. Was sind sie stattdessen?

  2. Nun hab ich das mal gegoogelt: Wenn ein Poetry-Slam ein Poesiewettstreit ist, ist dann ein Slam Poet ein „Poesiewettstreiter“?

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