Eltern starten Debatte um gesetzliches Handy-Verbot – für bayerische Schulen könnte es kompliziert werden

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NÜRNBERG/WÜRZBURG. Einen Raum, in dem Handys verboten sind, kann man heutzutage schon als eine geschützte Nische bezeichnen. Bayerns Schulen haben es da vergleichsweise leicht, denn der Gebrauch von Mobiltelefonen auf dem Schulgelände ist außer zu Unterrichtszwecken gesetzlich verboten. Das finden Elternverbände jedoch nicht mehr zeitgemäß und stoßen eine Debatte an, die wohl ohnehin auf die Schulen zugekommen wäre.

Eltern in Bayern fordern mit Blick auf das seit 2006 bestehende Handyverbot an den Schulen eine Lockerung der gesetzlichen Regeln. «Die jetzige Regelung muss wirklich überdacht werden. Das ist nicht mehr zeitgemäß», sagte Henrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes. Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz legt fest, dass Handys, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, im Schulgebäude und auf dem Schulgelände auszuschalten sind.

Die Regelung zum Umgang mit dem Handy werden für bayerische Schulen wohl komplizierter werden. Foto: Marco Verch / flickr (CC BY 2.0)
Die Regelung zum Umgang mit dem Handy werden für bayerische Schulen wohl komplizierter werden. Foto: Marco Verch / flickr (CC BY 2.0)
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Das Ministerium solle den Schulen stattdessen lieber fest vorschreiben, gemeinsam mit den Schülern eigene, passende Regelungen zu finden, sagte Paede weiter. Das dürfe allerdings nicht über die Köpfe der Kinder hinweg passieren. «Wenn die Schüler die Entscheidung mittragen, müssen sie auch dazu stehen», erläuterte Paede einen Vorteil der demokratischen Entscheidung.

Das Bayerische Kultusministerium hat bislang dagegen keine Änderungen des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes geplant. Die gesetzliche Regelung von 2006 habe sich bewährt, teilte das Ministerium dazu auf Anfrage mit. Sie sei ein wirksamer Schutz vor der Verbreitung gewalttätiger und pornografischer Videos. Zudem werde auf diese Weise dem Mobbing im Internet, dem sogenannten Cybermobbing, nicht mehr Raum und Material geboten.

Von einem generellen Bann der Mobiltelefone will das Ministerium gleichzeitig nicht sprechen: «Die Bezeichnung “Handyverbot” ist irreführend und falsch», heißt es weiter. Denn zu Unterrichtszwecken seien Mobiltelefone erlaubt und auch im Sinne der Medienbildung erwünscht. Ausnahmen außerhalb des Unterrichts seien in ganz begrenztem Rahmen möglich.

Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) geht davon aus, dass die Regeln sich ohnehin von selbst überholen werden. «Die bayerischen Schulen sind alle aufgefordert, ein Medienkonzept zu formulieren», sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann dazu. Wenn es ein solches Konzept gäbe, stünde drin «Bring your own device» (dt: Bring dein eigenes Gerät mit), sagte sie. «Dann muss ich natürlich das Handy zulassen. Und deswegen werden wir ganz schnell über dieses Handyverbot ganz anders diskutieren.»

Dann müssten Regeln für den Umgang mit dem Mobiltelefon ebenso selbstverständlich erstellt werden wie Pausenregeln oder Regeln für den Sportunterricht. «Eins ist ganz klar: Filme machen, Fotos machen ist ein Tabu», sagte Fleischmann weiter. Die Frage sei wie man das kontrolliert. «Das wird schwierig. Aber ich glaube nicht, dass es die Konsequenz sein kann, Handys in der Schule total zu verpönen.» (dpa)

Die Diskussion war angestoßen worden, nachdem die neue Schulleiterin eines Gymnasiums in Unterfranken dort ein Handyverbot eingeführt hatte. An der Schule war zuvor das Handy zumindest zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten erlaubt. Der Unterricht und kleine Pausen blieben handyfrei. Das hatten Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam so bestimmt. Die Schulleiterin begründete das Kippen dieser Vereinbarung mit dem bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, das in dieser Frage keinen Spielraum erlaube. (dpa)

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5 KOMMENTARE

  1. Die Sache ist doch folgende. Die Handyverbote sind entstanden, nicht weil man Angst vor den Handys hatte, sondern weil die Handys einfach missbraucht wurden. Es gab Schüler, die ließen sie im Unterricht klingeln, es gab welche, die Filmten ihre Mitschüler auf Toiletten und es gab welche, die Namen den Lehrer ungefragt auf.
    Im Zweifel trägt für all dies automatisch auf aufsichtführende Person die Verantwortung.

    Zu glauben, dass die Probleme plötzlich weg seien, nur weil mit den Schülern gemeinsam Regeln erarbeitet würden, der hat von Erziehung schlicht und ergreifend keine Ahnung. Nicht alle Schüler in jeder Phase ihrer Pubertät können rationale Denken und ihre Entscheidungen vorher überlegt überdenken, dies zeigt sich immer wieder, wenn man jemanden, der Mitten in der Pubertät fragt, warum er etwas getan hätte, und die Person es selber nicht weiß.
    Gemeinsame Regeln können helfen, sind aber keine Lösung. Wer gemeinsame Regeln aufstellt muss sich übrigens zwangsläufig auch die Frage stellen, wie er damit umgeht, wenn die Regeln nicht so ausfallen, wie er sich dies vorgestellt hat. Dann wird in der Regel nämlich so lange auf die Schüler eingeredet, bis die plötzlich auch diese Regel wollen, damit ist der Effekt dann allerdings vollkommen hinüber.

    Solange Lehrer für alles verantwortlich gemacht werden, dass in ihrem Beisein passiert, sie gleichzeitig aber nur die Rechte von der Zeit vor den Handys haben (nämlich die Persönlichkeitsrechte müssen gewahrt bleiben, Handys dürfen nicht untersucht werden), solange ist eine komplette Aufhebung eines Handyverbotes nicht sinnvoll. Mit Handyverbot gibt es schon genug Probleme, die faktisch nicht durch die Schulen gelöst werden können (z.B. wenn jemand unerlaubterweise Fotos macht, manipuliert und verschickt), in solchen Fällen haben die Eltern lediglich die Möglichkeit selbst dagegen vorzugehen, am besten rechtlich. Das sind dabei keine Einzelfälle sondern kommt an jeder Schule trotz Handyverbot regelmäßig vor.

    In Computerräumen habe ich als Lehrer die Möglichkeit, die Schüler bei ihrer Arbeit zu überwachen und die Bildschirme alle gleichzeitig zu überblicken, was für meine eigene rechtliche Situation erforderlich ist, bei Handys habe ich diese Möglichkeit nicht.

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