Nach dem Karlsruher Urteil: GEW fordert, Numerus Clausus schnell abzuschaffen – auch in Lehramtsstudiengängen

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FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Bund aufgefordert, die Öffnung der Hochschulen durch einen weiteren Ausbau der Studienplätze in Mangelfächern sowie durch eine bundesgesetzliche Regelung der Hochschulzulassung sicherzustellen.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe - hier ein Foto von 1989 mit dem späteren Bundespräsidenten Roman Herzog (4. v. l.) - muss nun über die Beamtenbesoldung in Niedersachsen entscheiden. Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe – hier ein Foto von 1989 mit dem späteren Bundespräsidenten Roman Herzog (4. v. l.) – hat über den NC in Medinzin entscheiden. Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

„In vielen Studiengängen ist ein Studienplatz selbst mit überdurchschnittlichen Abiturnoten erst nach langen Wartezeiten zu bekommen. Dabei braucht Deutschland in Zukunft nicht weniger, sondern deutlich mehr akademisch qualifizierte Fachkräfte. Die neue Bundesregierung muss daher schnellst möglich die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen schaffen, um den Numerus clausus (NC) zu überwinden. Dazu gehört zum einen ein weiterer Ausbau der Studienplätze durch eine Verstetigung und Aufstockung des Hochschulpakts. Zum anderen muss der Bund endlich ein Hochschulzulassungsgesetz verabschieden, mit dem Verfahren und Kriterien für die Vergabe von Studienplätzen einheitlich und verbindlich festgelegt werden“, erklärte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte, Andreas Keller, mit Blick auf das heutige Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Numerus clausus.

Der Richterspruch zum Numerus Clausus stellt klar: Die Aussagekraft von Schulnoten ist begrenzt

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Die Bildungsgewerkschaft sieht sich durch das neue Karlsruher NC-Urteil in ihren Bedenken an den Auswahlverfahren der Hochschulen bestätigt. „Die Auswahlverfahren verlaufen häufig beliebig, die Ergebnisse sind daher nicht vergleichbar, Zulassungsentscheidungen teilweise willkürlich. Zu Recht hat das Bundesverfassungsgericht beanstandet, dass die Auswahlverfahren nicht standardisiert und strukturiert, die Auswahlkriterien nicht einheitlich sind. Der Bund muss daher endlich von seiner Gesetzgebungskompetenz Gebrauch machen und für ein einheitliches und faires Zulassungsrecht sorgen, das für alle Hochschulen verbindlich ist. Alle Studienbewerberinnen und -bewerber müssen eine realistische Chance haben, zugelassen zu werden – nicht nur die mit einem Einser-Abi oder reichen Eltern, die sich ein teures Studium im Ausland oder eine Zulassungsklage leisten können“, mahnte der GEW-Vize.

Der Hochschulexperte machte deutlich, dass es nicht nur in Medizin, sondern in vielen weiteren Studienfächern einen NC gebe, zunehmend auch in den Bildungswissenschaften. „Es kann nicht sein, dass in vielen Lehramtsstudiengängen Studienberechtigte abgewiesen werden, während gleichzeitig über einen zunehmenden Lehrkräftemangel geklagt wird. Wir brauchen sowohl eine Erhöhung der Kapazitäten als auch eine Verbesserung der Betreuungsrelation an den Hochschulen. Der Bund muss die Länder endlich bei der Grundfinanzierung der Hochschulen unterstützen und eine Entfristungsoffensive starten. Der Bund muss sich endlich seiner Verantwortung für die Gewährleistung des Grundrechts auf freie Hochschulzulassung stellen“, betonte Keller. N4t

 

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8 KOMMENTARE

  1. “Es kann nicht sein, dass in vielen Lehramtsstudiengängen Studienberechtigte abgewiesen werden, während gleichzeitig über einen zunehmenden Lehrkräftemangel geklagt wird.”

    Komisch, in keinem meiner beiden Fächer gab es einen NC und trotzdem saßen wir nur mit 10 Leuten (aus verschiedenen Semestern) im Seminar. Es hat schon seinen Grund warum es in bestimmten Fächern einen NC gibt. Und den Lehrermangel gibt es garantiert nicht in diesen NC-Fächern, sondern in den Fächern mit leeren Hörsälen trotz fehlendem NC.

    Zu glauben, dass alles “besser” wird, weil dann alle studieren dürfen löst keine Probleme, sondern wird nur Arbeitslose oder Billiglöhner produzieren.

    • ich stimme ihnen zu. mint wird immer schlecht besucht und schnell abgebrochen werden.

      irgendwo habe ich mal gelesen, dass grundschule trotz nc sehr beliebt ist, die abbrecherquote aber häufig wegen mathe auch sehr hoch ist. dabei ist grundschulmathe an der uni fachlich nicht viel abstrakter als schulmathe. durch abschaffung des nc würde man vielleicht etwas bessere mathematiker ins grundschulstudium kriegen.

      • Diese Abbrüche nahmen bei GS-Studenten erst ab dem Moment so drastische Ausmaße an (nicht nur bei den GS-Lehrern), zumindest an der Uni wo ich studierte, weil im Zuge der Umstellung des Lehramtsstudiums plötzlich der Matheanteil erhöht (nun insgesamt 10 Semester – vielleicht um A13 zu rechtfertigen?) wurde (alle GS-Lehrer sollten Deutsch und Mathe unterrichten können) und sie als zukünftige Werkenlehrer (“3. Fach”) Module der Maschinenbaustudenten absolvieren mussten, außerdem wurde die Anzahl der maximalen Prüfungsversuche auf 3 reduziert (vorher konnte man solange Prüfungen wiederholen bis man bestand – galt aber für alle Lehrer).

        Das betraf aber auch die anderen Lehrerstudiengänge, die auch immer mehr entlehrert und mehr ingenieurisiert wurden, nur bei den GeWis blieb es gleich leicht, weil die selten drei Anläufe für eine Hausarbeit brauchten.

        Wer also an einer GS unterrichten möchte, der kommt, zumindest in dem Bundesland, nicht ohne die mathematisch erbrachten Studienleistungen ans Ziel.

        • “Wer also an einer GS unterrichten möchte, der kommt … nicht ohne die mathematisch erbrachten Studienleistungen ans Ziel.”

          Wie schrecklich! Dass Grundschullehrer schon immer Rechnen bzw. Mathematik unterrichtet haben (mancherorts bis Klasse 6), das wissen Sie doch auch. Warum hat man denn den Matheanteil im Studium eingeführt? Weil man empirisch festgestellt hat, dass allzuviele hier Defizite haben.

          • Warum wird denn nun schon wieder auf den Grundschullehrkräften herum gehackt?

            Wo sind denn die Mathe-Leistungen der Gymnasiallehrkräfte für Eng+Frz? Da kommt man doch viel eher um Mathe oder MINT im Studium herum, während man schon vor Jahrzehnten für Gs-Lehramt immer auch Mathe nachweisen musste, in manchen Bundesländern dieses Fach auch generell grundständig studieren musste.

            Die Frage, die sich viel eher stellt:
            Möchte man eine “Eignung” mit einbeziehen, wenn man Studienplätze per NC vergibt (was für Medizin gilt, könnte für andere Studiengänge auch gelten). Und NC gab/gibt es eben nicht nur für Deutsch als Studienfach, sondern für alles andere auch.

            Wie sieht es mit den Kapazitäten an den Unis aus, die in den letzten Jahren zusammengestrichen wurden?
            Wie will man das Nadelöhr des Referendariats sinnvoll bereinigen?
            und
            Wie will man überhaupt genügend Menschen motivieren, den Beruf der Lehrkraft bei gegebenen Bedingungen zu ergreifen?

          • “Wo sind denn die Mathe-Leistungen der Gymnasiallehrkräfte für Eng+Frz?”

            Die brauchen das im Normalfall nicht zu unterrichten! Was ist denn mit der “Professionalisierung der Lehrerausbildung” ? Jeder soll das können, was er später macht. Natürlich könnte man spezielle Mathelehrer an der GS haben. Hat man aber nicht.

          • gutes Argument cavalieri. abgesehen davon sollte jeder Lehrer rein fachlich den kompletten grundschulstoff ohne studium hinkriegen können, didaktisch ist natürlich eine andere Frage.

          • @Palim
            “Möchte man eine “Eignung” mit einbeziehen, wenn man Studienplätze per NC vergibt (was für Medizin gilt, könnte für andere Studiengänge auch gelten).”

            Sie meinen also, dass der Matheeingangstest vor dem Studiumsbeginn den NC ersetzen soll?! Das könnte man natürlich so machen…

            Die GS-Lehrer wollten doch immer eingruppiert werden wie die ‘Großen’, also sollen sie auch dementsprechend behandelt werden und wenn das ein Studium erfordert, dass in Mathe die Hälfte herausgeprüft wird (was bei Sek2-Studenten nicht anders wäre), dann ist es halt so.

            “Und NC gab/gibt es eben nicht nur für Deutsch als Studienfach, sondern für alles andere auch.”

            Das stimmt so nicht. Mir ist kein Fall bekannt, dass ein Informatik-, Physik- oder Ingenieursstudiengang einen NC gehabt hätte. Mag es bestimmt irgendwo geben, aber die Regel ist, dass diese Studiengänge ohne NC sind, weil es gar nicht genug Studienbewerber gibt, die einen NC nötig machen würden. Das zeigt im übrigen auch wie dumm die Aussage “… durch einen weiteren Ausbau der Studienplätze in Mangelfächern …” ist. Wenn 15 Studienplätze nicht gefüllt werden können, dann erst recht nicht 50 oder 100.

            “Wie sieht es mit den Kapazitäten an den Unis aus, die in den letzten Jahren zusammengestrichen wurden?”

            Wo wurde denn zusammengestrichen? Ich habe in den letzten Jahren nur erlebt, dass Gegensätzliches passierte und viele Hochschule wie die Verrückten bauen konnten. Lediglich in Leipzig sollte (berechtigterweise 3:) ) an den Geisteswissenschaften gespart und verkleinert werden.

            “Wie will man überhaupt genügend Menschen motivieren, den Beruf der Lehrkraft bei gegebenen Bedingungen zu ergreifen?”

            Ich weiß, sofawolf wird sich gleich beschweren, aber mehr Geld fände ich schön (wobei A13 jetzt auch nicht sooo schlecht ist) und weniger arbeiten. 😉

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