Gespräche mit schwierigen Eltern sind für Lehrkräfte eine Belastung – Tipps zur Vorbereitung!

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BRAUNSCHWEIG. In einigen Bundesländern beginnt in der kommenden Woche das neue Schuljahr – und da sind sie wieder, die alltäglichen Herausforderungen im Lehrerberuf. Mit an der Spitze dessen, was Lehrkräfte als belastend empfinden: die Kommunikation mit Eltern. Kein Wunder: In Konfliktsituationen ist der Aggressionspegel bei vielen Vätern und Müttern hoch; immer öfter wird selbst bei Kleinigkeiten mit dem Anwalt gedroht. Dabei können Lehrerinnen und Lehrer den Gesprächsverlauf durchaus in ihrem Sinne beeinflussen. Wie, das erläutert im Folgenden eine Expertin: Nicole Wache, Diplom-Sozialpädagogin (FH) und Systemischer Coach (SG), ist in den Bereichen Coaching und Supervision tätig. Der Beitrag ist ein Teil eines Textes, der zunächst in der Zeitschrift “Grundschule” erschien.

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Elterngespräche sind nicht immer ganz einfach … Foto: Shutterstock

Mit Wertschätzung erfolgreicher kommunizieren

Gespräche mit schwierigen Eltern sind für Lehrkräfte eine Belastung: Sie fürchten, dass der Termin nicht erfolgreich verlaufen und das von ihnen gewünschte Ergebnis ausbleiben könnte. In meinen Supervisionen und im Kommunikationstraining hat sich gezeigt, dass diese Sorgen besonders groß sind, wenn Lehrkräfte bereits negative Erfahrungen mit den erwarteten Eltern gemacht haben. Anschließend bleibt ein ungutes Gefühl zurück, das Selbstwertgefühl nimmt Schaden, was sich in Unsicherheit ausdrückt.

Die Zeitschrift 'Grundschule'

Der Text erschien zunächst in der Ausgabe “Gemeinsam erziehen” der Zeitschrift “Grundschule”. Hier lässt sich das Heft bestellen oder lassen sich einzelne Beiträge herunterladen (kostenpflichtig).

Die Arbeit als Lehrkraft umfasst deutlich mehr Aufgaben als nur den reinen Unterricht. Zum Gesamtpaket gehört etwa die Kooperation mit den Erziehungsberechtigten – nicht selten eine enorme Herausforderung. Trotzdem: Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist von entscheidender Bedeutung – nicht nur für den Lernerfolg des einzelnen Kindes, sondern auch für einen erfolgreichen Unterricht. In diesem Heft bieten wir Ihnen daher Anregungen aus der Theorie und vor allem der Praxis, wie Lehrkräfte Eltern für Ihre Anliegen gewinnen können. Dabei reichen die Impulse von umfassenden Konzepten bis hin zu alltagstauglichen Tipps – und sie zeigen, dass besonders vier Aspekte für eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft ausschlaggebend sind.

Im Vorfeld ist immer ungewiss, wie Elterngespräche verlaufen werden. Lehrkräfte sollten sie daher gut vorbereiten – besonders, wenn sie erwarten, dass das Gespräch schwierig werden könnte. Das ist oftmals der Fall, wenn Kritik an den schulischen Leistungen eines Kindes oder an seinem Verhalten besteht. Zur Vorbereitung sollten Lehrerinnen und Lehrer das Gesprächsziel festlegen, die Inhalte und Struktur planen sowie ihre eigene innere Haltung gegenüber den Eltern reflektieren. Sie sollten sich fragen: „Wie stehe ich zu diesen Eltern? Wertschätze ich sie oder sind sie für mich negativ besetzt?“ Diese Eigenreflektion ist wichtig, um herauszufinden, ob die Beziehungsebene schon Schaden genommen hat, das heißt, ob die Lehrkraft die Eltern negativ wahrnimmt. Ist dies der Fall, kann ein kleiner Perspektivwechsel helfen, trotzdem offener ins Gespräch zu gehen. Dies können Lehrerinnen und Lehrer erreichen, indem sie sich Gedanken über die positiven Eigenschaften der Eltern machen. Möglicherweise bieten sie ihrem Kind ein sehr liebevolles Zuhause und sind sehr um sein Wohl bemüht.

Die Rolle der Beziehungsebene

Jeder Perspektivwechsel bewirkt eine Änderung der eigenen inneren Haltung. Geht eine Lehrkraft von vorneherein mit einer negativen Einstellung in ein Gespräch, werden die Eltern dies wahrnehmen und als abwertend empfinden – denn Kommunikation ist mehr als nur das Gesagte. Die nonverbale Kommunikation – Körpersprache, Mimik, Gestik, Stimmlage – macht einen weitaus höheren Anteil der Kommunikation aus als die verbale Kommunikation und vermittelt dem Gesprächspartner die innere Haltung. Paul Watzlawick, österreichischer Kommunikationswissenschaftler, beschreibt diesen Umstand in seiner Kommunikationstheorie. In dem vierten seiner fünf Axiome unterscheidet er zwischen der analogen Kommunikation, der nonverbalen, und der digitalen Kommunikation, der verbalen. Besteht ein Widerspruch zwischen digitaler und analoger Kommunikation, sei dieser in der Regel auch für den Empfänger der Nachricht ersichtlich. Friedemann Schulz von Thun, ebenfalls Kommunikationswissenschaftler, hat die Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick weiterentwickelt. Der Theorie des Kommunikationsquadrats zufolge verfügt jede Äußerung über vier Ebenen:

  • Sachebene – enthält den sachlichen Inhalt einer Aussage,
  • Beziehungsebene – vermittelt, was der Sender (Sprecher) vom Empfänger (Gesprächspartner) hält und wie er zu ihm steht,
  • Selbstoffenbarungsebene – enthält Informationen über den Sender, die er über seine Aussage preisgibt,
  • Appellebene – enthält Informationen darüber, was der Sender mit seiner Aussage erreichen will.

Die Beziehungsebene spielt im Kommunikationsprozess eine besondere Rolle, da sie die Sachebene überlagert. Die eigene Einstellung zu verbergen, funktioniert deshalb nicht, selbst wenn die Lehrkraft sich vornimmt, sachlich bleiben zu wollen. Ein Perspektivwechsel im Vorfeld eines Elterngesprächs unterstützt Lehrerinnen und Lehrer daher, den Eltern im Gespräch authentisch Wertschätzung entgegenbringen zu können – diese ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Gesprächsführung.

Entscheidend: der Gesprächsaufbau

Ein Grundprinzip der systemischen Arbeit lautet: immer mit dem Widerstand arbeiten. Statt im Gespräch auf ihn zu reagieren, sollten Lehrkräfte durch einen überlegten Gesprächsaufbau versuchen, ihn mit sehr viel Wertschätzung zu verhindern:

1. Phase: Begrüßung

Für einen guten Gesprächsverlauf ist es entscheidend, wie ein Gespräch beginnt. Dieser Umstand wird auch als „Halo-Effekt“ bezeichnet, wonach der erste Eindruck die weitere Wahrnehmung bestimmt. Lehrkräfte sollten Eltern daher zeigen, dass sie willkommen sind. Dies können sie etwa bewirken, indem sie ihnen die Tür öffnen oder ihnen zur Begrüßung entgegengehen, die vorbereiteten Sitzplätze anbieten und zunächst mit einem kurzen Smalltalk über den Weg oder das Wetter beginnen. Sie sollten darüber hinaus ihre Freude darüber ausdrücken, dass sich die Eltern die Zeit für das Gespräch nehmen. Es mag eventuell als selbstverständlich erscheinen, doch Lebenszeit ist das Kostbarste, was uns Menschen zur Verfügung steht – das sollte honoriert werden. Diese Wertschätzung kann als Türöffner dienen, sodass Eltern eher bereit sind, lösungsorientiert zu diskutieren.

2. Phase: Rahmen festlegen

Zu Beginn des eigentlichen Gesprächs sollten Lehrerinnen und Lehrer ihr Anliegen und ihr Ziel formulieren sowie die für das Gespräch geplante Dauer. Bestehen Leistungsprobleme, sollten sie auf die entsprechenden Noten verweisen, und im Falle von Verhaltensproblemen schildern, wie sie das Verhalten des Kindes wahrnehmen. Dabei sollten sie auf jeden Fall Beschuldigungen oder Verurteilungen vermeiden und betonen, dass es ihnen wichtig ist, gemeinsam eine Lösung zu finden. Die abschließende Frage „Ist das so in Ordnung für Sie?“ sollte in den meisten Fällen die Mitarbeit der Eltern sichern können. Sie drückt nicht nur Wertschätzung aus, weil die Lehrkräfte nach der Meinung der Eltern fragen, sondern vermittelt ihnen auch, dass sie eine Wahlmöglichkeit haben, und bewirkt damit, dass sich die Eltern von sich aus auf das Gespräch einlassen.

3. Phase: Standpunkt einholen

Im Anschluss sollten Lehrkräfte den Eltern ausreichend Raum geben, ihre Wahrnehmung der Situation darzulegen. Dabei sollten sie jedoch immer darauf achten, den Gesprächsfaden nicht zu verlieren. Oftmals befinden sich Eltern von verhaltensauffälligen Kindern selber in einer schwierigen Situation, haben ein geringes Selbstwertgefühl und nur selten jemanden, dem sie von ihren Problemen erzählen können. Fachkräfte müssen situationsabhängig entscheiden: Wie lange höre ich zu? Wenn sie den Fokus des Gesprächs zurück auf die Belange des Kindes führen wollen, bietet sich etwa folgende Formulierung an: „Frau/Herr Müller, ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, dass Sie mir das erzählt haben. Ich würde jetzt aber gerne noch einmal auf Ihren Sohn/Ihre Tochter zurückkommen und Ihre Meinung hören: Wie erleben Sie Ihren Sohn/Ihre Tochter zu Hause? Was erzählt er/sie vom Schultag?“ Auf diese Weise drücken Lehrkräfte nicht nur erneut aus, dass sie die Meinung der Eltern schätzen, sondern nutzen die Gelegenheit auch, um zu erfahren, wie sich der Schüler/die Schülerin außerhalb der Schule verhält.

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Die Autorin

Nicole Wache, Diplom-Sozialpädagogin (FH) und Systemischer Coach (SG), ist in den Bereichen Coaching und Supervision tätig. Sie arbeitet mit Fachkräften an der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und reflektiert mit ihnen das berufliche Handeln. Darüber hinaus bietet sie Seminare zur Gesprächsführung an und begleitet Kinder und Jugendliche als Verfahrensbeistand in familiengerichtlichen Verfahren.

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2 KOMMENTARE

  1. Das ist ja alles ganz toll, aber wie soll es helfen, wenn die Eltern schon auf Krawall gebürstet auftauchen (mit Anwalt?) und an keiner für die Schule oder die Lehrkraft realistischen Lösung interessiert sind bzw. sich gar nicht auf eine Sachebene einlassen? Hier fehlt in der Gesprächsvorbereitung:

    Ich lege für mich vorher fest, wie viel ich mir bieten lasse und wie ich auf Aggressivität der Eltern reagiere. Nur wenn ich mich emotional wappne und – egal was passiert – innerlich ruhig bleibe, behalte ich die Situation voll im Griff. Dann kann ich im Gespräch mit Hilfe meiner Berufs- und Gesprächserfahrung beherrschen, ggf. schauspielern und zur Not auch ein Gespräch abbrechen.

    Das kann ich in der Regel aber nur, wenn ich vorher für mich Grenzen der Zumutbarkeit festgelegt habe. Dann bin ich nicht von Unverschämtheit, Dummheit oder Dreistigkeit überrumpelt.

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