Landräte verlangen kleinere Klassen als vom Land geplant

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ERFURT. Das neue Thüringer Schulgesetz von Bildungsminister Holter ist umstritten. Nun melden sich auch die Landräte zu Wort – und verwerfen die Planungen des Ministers.

Die Klassengröße ist doch ein entscheidender Faktor für die Unterrichtsqualität. Foto: Shutterstock
Die Klassengröße ist ein entscheidender Faktor für die Unterrichtsqualität. Foto: Shutterstock

Der Thüringer Landkreistag lehnt die im neuen Schulgesetz vorgesehenen Schul- und Klassengrößen ab und verlangt Korrekturen. «Das Gesetz geht total an der Realität vorbei. Es ist praxisfremd», sagte die Präsidentin des Thüringer Landkreistags, Martina Schweinsburg, am Donnerstag in Erfurt. Von den 599 allgemeinbildenden Schulen in den Kreisen und kreisfreien Städten würden 543 die im Gesetzentwurf der Landesregierung vorgesehenen Klassenmindestgrößen nicht erfüllen.

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Nur 368 der staatlichen Schulen hätten die geforderte Größe. Der Landkreistag legte eigene Vorschläge vor, die sich an Vorgaben im Nachbarland Sachsen orientieren.

Danach sollen Klassen in Grundschulen eine Mindestgröße von 15 Schülern haben, von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) seien 22 vorgesehen. In Regel- oder Gemeinschaftsschulen, der sogenannten Sekundarstufe sollen es 20 statt 24 Schüler sein und in Gymnasien ebenfalls 20 statt 26. Darauf habe sich das Präsidium des Landkreistages, dem Landräte verschiedener Parteizugehörigkeit angehören, verständigt. «Wir erwarten, dass sich die Landesregierung ernsthaft mit unseren Vorschlägen auseinandersetzt», sagte Schweinsburg, die CDU-Landrätin in Greiz ist.

Den Landkreisen gehe es darum, eine wohnortnahe Schulversorgung zu sichern. «Das Gesetz muss sich den Bedingungen im ländlichen Raum anpassen», sagte Schweinsburg.

Die rot-rot-grüne Koalition diskutiert seit Monaten über den Schulgesetzentwurf. Danach sollen beispielsweise Grundschulen jetzt mindestens 80 Schüler haben. Der Gesetzentwurf soll nach bisherigen Plänen im November zum zweiten Mal im Kabinett beraten werden. Der Landkreistag rechnet am kommenden Dienstag (13. November) damit.

Das Land dürfe dem Lehrermangel nicht einfach mit größeren Klassen und Schulen begegnen, so die Kommunalpolitikerin. Vielmehr müsste das Land mehr tun, damit mehr Lehrer eingestellt werden könnten. In anderen Bundesländern reichten beispielsweise Zwischenzeugnisse für eine Einstellung, Thüringen bestehe auf den Abschlusszeugnissen der Bewerber, die sich dann vielfach anders orientierten.

Schweinsburg plädierte zudem dafür, dass Schulleiter Einstellungsentscheidungen entsprechend ihrem Bedarf treffen und die staatliche Schulämter nur Verträge und andere Formalien bearbeiten sollten.

Der Bildungspolitiker der Linke-Landtagsfraktion, Torsten Wolf, erklärte, die Vorschläge des Landkreistages seien wenig geeignet, angesichts des Lehrermangels eine Unterrichtsabsicherung und den Erhalt von Schulstandorten im ländlichen Raum zu gewährleisten. dpa

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