Gymnasien verabschieden sich von der Inklusion – Gutachten attestiert NRW Rückschritte auf dem Weg hin zum gemeinsamen Unterricht

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DÜSSELDORF. Die schwarz-gelbe Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gerät wegen der unzureichend umgesetzten schulischen Inklusion unter Druck. Das Institut für Menschenrechte attestiert NRW sogar Rückschritte auf dem gesetzlich geforderten Weg hin zu einem inklusiven Bildungssystem. Der Verband der Gesamtschulen beklagt eine Bevorzugung der Gymnasien, die sich „mit dem Segen der Landesregierung aus der Inklusion verabschieden“. Der VBE sieht noch immer nicht die personellen Bedingungen erfüllt. Und ein Elternbündnis, dem vor allem die Elternverbände der Regelschulen angehören, trommelt für den Erhalt der Förderschulen – mit Unterstützung des Philologenverbands.

Schreibt die Inklusion gemeinsamen Unterricht vor - oder reicht ein gemeinsames Schulgebäude? Foto: Shutterstock
Klar ist: Die Bedingungen für die Inklusion sind unzureichend – ist sie deshalb schon gescheiter? Foto: Shutterstock

Laut NRW-Schulministerium gab es im Schuljahr 2017/18 insgesamt 143.045 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. Dies entspricht einem Anteil von 5,72 – rund 25 Prozent mehr als 2008/2009, dem letzten Schuljahr vor Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention in Deutschland. Die sogenannte Exklusionsquote dagegen, welche den Anteil der Schülerinnen und Schüler außerhalb des allgemeinen Schulsystems erfasst, betrug im Schuljahr 2016/2017 4,6 Prozent – sie ist im gleichen Zeitraum nur um etwa zehn Prozent gesunken.

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Heißt: Fortschritte beim gemeinsamen Unterricht sind kaum erkennbar. „Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf findet fast unvermindert in Sondereinrichtungen statt“, so bilanziert eine aktuelle Studie des Instituts für Menschenrechte. Dessen Gutachten sind relevant: Das Institut für Menschenrechte beobachtet als unabhängige Monitoring-Stelle die Entwicklung der Inklusion in Deutschland und berichtet den Vereinten Nationen darüber.

“Unzureichende Antwort”

Das Maßnahmenpaket, das Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im vergangenen Jahr vorstellte (News4teachers berichtete), sei eine „unzureichende Antwort auf die menschenrechtlichen Anforderungen an eine qualitativ hochwertige schulische Inklusion“, heißt es in dem Papier. „So bestehen weiterhin große Herausforderungen bei der Gestaltung eines inklusiven Schulsystems.” Die Monitoring-Stelle empfiehlt der Landesregierung deshalb, “ihre Politik an einem menschenrechtlichen Verständnis von Inklusion auszurichten.” Fast zehn Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention sollte sie endlich “ein inklusives System ohne Sonderstrukturen wie Sonder- und Förderschulen politisch in Angriff nehmen und mit entsprechenden Maßnahmen unterlegen“.

Konkret empfehlen die Gutachter:

  • die personellen und finanziellen Ressourcen umzuschichten – durch schrittweise Schließung der Förderschulen,
  • die Lehrerinnen bei der Entwicklung von schulischen Inklusionskonzepten nicht länger alleinzulassen,
  • die Lehrkräfte im Rahmen einer Fortbildungsoffensive zu qualifizieren,
  • zunehmend auch Lehrerinnen und Lehrer mit Behinderungen in den Schuldienst einzustellen,
  • das Lehramtsstudium stärker auf das Thema Inklusion auszurichten und
  • mit Informationskampagnen die Bereitschaft zur Veränderung unterstützen.

Der Verband der Gesamtschulen wehrt sich unterdessen dagegen, dass Gesamtschulen sowie Haupt- und Realschulen die „ganze Last“ der Inklusion zu stemmen hätten, wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung” berichtet. Zuletzt hatten sich laut Bericht allein in Essen vier Gymnasien aus der Inklusion zurückgezogen. Zum Maßnahmenpaket von Schulministerin Gebauer gehört es, Gymnasien freizustellen, ob sie „zieldifferenzierten“ Unterricht für behinderte Kinder anbieten. Die Regel solle „zielgleicher“ Unterricht sein, so Gebauer, der zum Schulabschluss führt.

Auch der VBE sieht diesen Punkt kritisch. „Ziel muss es sein, allen Kindern wohnortnah die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Deshalb sind ausdrücklich alle Schulformen gefordert, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen“, erklärte Landesvorsitzender Stefan Behlau. Er erneuerte seine Forderung, endlich vernünftige Bedingungen für eine inklusive Beschulung zu schaffen. Behlau: „Nach einem Jahrzehnt müsste eine Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge längst Standard sein. Doch wir vermissen einen angemessenen Personalschlüssel.“ Darüber hinaus seien immer noch viele Schulgebäude nicht barrierefrei. „Offenbar liegt noch ein langer Weg vor uns“, so Behlau.

Kritik an der Expertise des Instituts für Menschenrechte übt ein Elternbündnis, dem vor allem die Elternverbände der Regelschulen angehören – und das vom Philologenverband unterstützt wird. Dieses Bündnis sieht die Inklusion an Regelschulen bereits als „gescheitert“ an und fordert als Konsequenz daraus, die Förderschulen zu stärken. Sie zu schließen, wie es langfristig vom Institut gefordert wird, „würde das heute erreichte Qualitätsniveau der Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen und deren Chancen in die Gesellschaft inkludiert zu werden, drastisch verringern“. Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zur Analyse des Instituts für Menschenrechte.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Wozu ist Inklusion in der Schule überhaupt gut? Eine Erinnerung zum Tag der Menschen mit Behinderungen

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83 KOMMENTARE

  1. Wir brauchen weiterhin spezialisierte Förderschulen!

    10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention… die deutsche Monitoring-Stelle der UN-Behindertenrechtskonvention zieht Bilanz – mit völlig falschen Bewertungen!
    Vor allem bei der Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung sehen die Autoren des Deutschen Instituts für Menschenrechte im Land NRW erhebliche Defizite. Im Fokus der Kritik steht der Erhalt eines Parallelsystems aus Regel- und Förderschulen. Der UN Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen habe bereits 2016 hervorgehoben, dass Staaten, die neben dem regulären Schulsystem ein Sonderschulsystem weiter aufrechterhalten, ihre Verpflichtung nicht erfüllen. Ist die Antwort darauf tatsächlich Förderschulen zu schließen, Sonderpädagogen in die Regelschulen zu schicken und dann sind alle glücklich?

    Nein! Im Gegenteil! Eine derartige Vorgehensweise würde das heute erreichte Qualitätsniveau der Förderung von Kindern mit Beeinträchtigungen und deren Chancen in die Gesellschaft inkludiert zu werden, drastisch verringern.

    Die Aussagen der Autoren des Deutschen Instituts für Menschenrechte im Lande NRW entsprechen in folgenden Punkten nicht der Realität:
    1. Die Parallelität von Regel – und Förderschulen entspricht sehr wohl Artikel 5, Absatz 2 der UN- Behindertenrechtskonvention.
    2. Das zurzeit vorherrschende schulische Inklusionsproblem basiert auf der völlig falschen Konzeption der Einführung der Inklusion durch das 9. Schulrechtsänderungsgesetz. Anstatt einer weitgehend flächendeckenden Einführung der Inklusion ohne ausreichende personelle Ressourcen, insbesondere bei Sonderpädagogen, und Qualitätsstandards, wäre stattdessen eine behutsame Inklusionsentwicklung in einer nach und nach steigenden Anzahl von Regelschulen mit Qualitätsstandards notwendig gewesen.
    3. Die Einführung der Inklusion in den Regelschulen ist deshalb in NRW zwangsläufig gescheitert.
    4. Die jetzige Landesregierung versucht richtigerweise die Zahl der Inklusionsregelschulen zu begrenzen und somit aufgrund der Bündelung der Ressourcen in weniger Inklusionsregelschulen das Qualitätsniveau der Förderung nach und nach zu verbessern.
    Warum sollte ausgerechnet bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf aufgrund sehr individueller persönlicher Voraussetzungen „one size fits all“ die besten Erfolgschancen versprechen?
    Nicht nur auf der Website unseres Elternbündnisses melden sich betroffene Eltern und ehemalige betroffene Schüler zu Wort, die den Erhalt von Förderschulen wünschen.
    Insgesamt mangelt es momentan überall unbestreitbar an den Ressourcen für eine für alle ohne Qualitätsverlust realisierbare Inklusion und Förderung.

    Wir wollen Inklusion – aber nicht auf dem Rücken der Kinder mit Beeinträchtigungen!

    Jochen-Peter Wirths

    Sprecher des Elternbündnisses RETTET die Inklusion!

    Mitglieder des Elternbündnis RETTET DIE INKLUSION! sind bereits: Landesverband NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder u. Jugendlicher e. V. (www.sprachbehinderungen.de), Elternverein Nordrhein-Westfalen e. V. (www.elternverein-nrw.de), Katholische Elternschaft Deutschlands in NRW Landesverband (www.ked-nrw.de), Landeselternschaft der Realschulen in NRW e. V. (www.lers-nrw.de), Landeselternschaft der Gymnasien in NRW e. V. (www.le-gymnasien-nrw.de), Landesverband Lernwege bei Dyskalkulie und Legasthenie NRW e.V. (www.ldl-nrw.de), Landesverband Lernen Fördern e.V. (www.lernenfoerdern.de), Elterninitiative Elternwille Münster (www.elternwille.info), Arbeitskreis Inklusion der Stadtelternschaft Münster , Elterninitiative Eltern für eine gute Schule (www.eltern-fuer-eine-gute-schule.de), Stadtschulpflegschaft Aachen (www.stadtschulpflegschaft-aachen.de)
    Unterstützer des Elternbündnisses:
    Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen (www.phv-nw.de)

    • Parallelität von Regel – und Förderschulen
      Ich hätte doch zu gerne gewusst, warum in einer Behindertenrechtskonvention (!!!) NICHT drinsteht, dass es Förderschulen geben muss! Es ist wirklich überraschend bis peinlich, dass eine Behindertetenrechtskonvention die Förderschulen vergessen hat. Ich vermute, dass das Absicht war.

      • Solch ein Text ist eben immer ein Kompromiss zwischen zahlreichen Parteien mit sehr unterschiedlichen Meinungen. Vermutlich DESHALB ist der Text etwas vage in diesem Punkte. Aber jedenfalls mahnt er auch nicht die Schließung von Förderschulen an. Vermuten Sie nicht, dass auch das Absicht war?

        • Okay, die Förderschule wurde von der BRK nicht gefordert, aber auch nicht verboten. Das fehlende Verbot ist keineswegs schon ein Kompliment für die Förderschule! Was nicht verboten ist, ist noch lange keine Empfehlung. Rauchen ist nicht verboten, aber kein Arzt wird es je empfehlen. Man darf auch vom Dach eines zehnstöckigen Hochhauses springen. Ist ja nicht verboten, empfehlen kann man es trotzdem nicht.

          • “Was nicht verboten ist, ist noch lange keine Empfehlung”, das stimmt. Es ist aber auch nicht automatisch etwas Schlechtes, wie Ihre Beispiele suggerieren.
            Obst essen, Sport treiben oder gute Nachbarschaft pflegen, ist auch nicht verboten. Und man kann es empfehlen!
            Es kommt immer auf die Beispiele an, in deren Reihe man etwas stellt, um es als positiv oder negativ darzustellen.
            Deswegen kann man bei der Feststellung, dass die Förderschule von der BRK nicht gefordert, aber auch nicht verboten wurde, zu einem anderen Schluss kommen als Sie.

          • Antwort an Markus:
            Ein sehr intelligenter Einwand, der mich zur Nachbesserung meiner Argumentation nötigt. Ich versuche es.

            These 1: Was nicht verboten ist, ist erlaubt.
            These 2: Was erlaubt ist, kann sowohl gut und empfehlenswert sein (Obst essen, Sport treiben) als auch schädlich und nicht empfehlenswert sein (Rauchen, Selbstmord).

            Aus dieser Logik folgere ich: Das fehlende Verbot von Förderschulen in der BRK bedeutet, dass sie erlaubt sind. Das fehlende Verbot ist aber logisch nicht zwingend eine Empfehlung: Darf man machen, kann man machen, muss man nicht machen! Es ist deshalb fragwürdig bis nicht möglich, sich zur Legitimation von Förderschulen ausgerechnet auf die BRK zu berufen. Die Förderschulen werden von der BRK stillschweigend und augenzwingend geduldet. Mehr ist nicht drin. Die volle Wahrheit ist: Die BRK will keine Förderschulen. Daran führt kein Weg vorbei.

        • Prof. Wocken: Aber Sie wissen doch: Alles, worauf man sich bei internationalen Verträgen etc. nicht einigen kann, wird ausgeklammert und offen gelassen. Wenn wir eine UN-Konvention hätten, dass überhaupt alle zur Schule gehen können, glauben Sie im Ernst, diese Konvention würde das Schulsystem festlegen (also etwa eine obligatorische Gesamtschule) ? Man würde das selbstverständlich den Ländern überlassen, alles andere würde als “Einmischung in die inneren Angelegenheiten” sofort zurückgewiesen..
          Aber es ist sehr gut, dass Sie geantwortet haben. Meine Beiträge werden — egal welchen Inhalts — neuerdings immer gelöscht. Aber weil Sie zugucken, genierte man sich wohl etwas.

          • Prof. Wocken schrieb: “Was nicht verboten ist, ist erlaubt.”

            Dann bringen wir Lehrkräfte das ab heute mal unseren Schülern im Ethik-Unterricht so bei…

      • Sie dürften aber schon wissen, dass die “Behindertenrechtskonvention” bzw. ihre Auslegung durch das Inklusionsgesetz im Bundestag umstritten ist und schöne Begriffe nicht über Tricksereien und faulen Zauber hinwegtäuschen können, jedenfalls nicht dauerhaft.
        Fakten und Wahrheiten lassen sich bestenfalls in der schönen Theorie übertünchen, aber nicht im Licht der Realität. Und weil das so ist, wird ständig nur noch mit “UN” und “Behindertenrechtskonvention” rumgefuchtelt.

        Eine solche Konvention hat in Ländern der sog. Dritten Welt zweifellos ihr Gutes, weil hier behinderte Kinder oftmals von jeglichem Schulbesuch ausgeschlossen waren und sind. In einem Schulsystem wie dem deutschen, wo es für Kinder mit Behinderungen sogar besondere Förderung in Förderschulen mit kleinen Gruppen und extra ausgebildeten Lehrkräften gibt (gab), ist der Regelschulbesuch aber ein Rückschritt in längst vergangene Zeiten, in denen auch in Deutschland behinderte Kinder einfach nur zu Hause blieben und privat betreut wurden. In jener rückständigen Zeit hätte die UN-Konvention auch bei uns Sinn gemacht, aber doch nicht heute.

      • Der Grund liegt doch wohl auf der Hand, denn in den meisten UN-Ländern wurden vorher Schüler mit Beeinträchtigungen aller Art vom allgemeinbildenden Schulunterricht ausgeschlossen.
        Diese UN-Menschen-Rechtskonvention zielte auf das Recht eines jeden Menschen Zugang zu allgemeinbildenden Schulen zu ermöglichen.
        Die Fehlauslegung dieser UN-Konvention im Bundestag gelang wohl unter dem Einfluss interpretationsfreudiger Strippenzieher und Lobbyisten, die damit ihre Ideen vom gemeinsamen Unterricht aller unter einem Dach durchsetzen wollten.

  2. Liebe/r Kollegin/Kollege. (Leider kann ich trotz intensiver Suche nicht sehen, wer der Autor dieses Artikels ist – ich hätte Sie gerne persönlich angesprochen.)
    Sie schreiben zu Beginn und Ende Ihres Artikels von einem Elternbündnis, dass vor allem aus Elternverbänden aus Regelschulen besteht. Das ist nun wirklich falsch. Wie Sie dem vorangegangenen Kommentar entnehmen können, handelt es sich dabei um ein Elternbündnis, dem AUCH (aber bei weitem nicht “vor allem”!) Elternverbände aus Regelschulen (genauer gesagt Gymnasien und Realtschulen – also gerade mal 2!) angehören. Die anderen Elternverbände sind entweder von jenen Eltern “betroffener Kinder” – also solchen mit Förderbedarf – oder solchen, die grundsätzlich für alle Kinder die bestmögliche Bildung wollen und – siehe zum Beispiel die beiden Stadtschulpflegschaften aus Aachen und Münster – den Elternvertretungen, die AUCH die Interessen der Eltern an Förderschulen vertreten.
    Das wie von Ihnen als “überwiegend” zu bezeichnen könnte der Böswillige schon als tendenziöse Diffamierung unter Anspielung auf ein – völlig blödsinniges Vorurteil (“Regelschul-Eltern wollen keine Inklusion”) vermuten.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Artikel diesbezüglich korrigieren würden.
    Herzlichen Dank.
    Dieter Cohnen
    Presse-Verantwortlicher des Elternbündnisses RETTET die Inklusion!

    • Sehr geehrter Herr Cohnen,

      hinter dem Elternbündnis mit dem irreführenden Namen “Rettet die Inklusion” steckt der mit Abstand mitglieder- und ressourcenstärkste Elternverband in Deutschland, die Landeselternschaft der Gymnasien. Es ist völlig legitim, dass die Gymnasialeltern ihre Interessen auch in Sachen Inklusion in einer Lobbygruppe vertreten. Wir halten es allerdings schon für wichtig, darauf hinzuweisen, dass darin eben nicht vorwiegend Betroffenenverbände organisiert sind. Deren Position sieht zumeist anders aus: https://www.news4teachers.de/2018/06/gegen-blosse-maengelverwaltung-inklusionsbuendnis-fordert-bessere-bedingungen-und-foerderschulen-abbauen/

      Mit freundlichem Gruß

      Andrej Priboschek
      Herausgeber News4teachers

      • Wie gut, dass der User “Heiko Fröhlich” auf der Facebook-Seite von N4t (siehe oben) zum Ausgleich darauf hinweist, dass das Institut für Menschenrechte “nicht unabhängig” agiert und die Darstellung der Aufgaben der Gymnasien im obigen Artikel der Agentur für Bildungsjournalismus “völlig verdreht und falsch” ist.

  3. Das Institut für Menschenrechte ignoriert einfach den Zustand, dass Förderschulen zum allgemeinbildenden Schulsystem gehören, die Beschulung von Kindern mit Förderbedarf in Deutschland im Gegensatz zu Ländern außerhalb und innerhalb Europas schon seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stattfand.
    Was stört einen der Rohrspatz der da ewig sein krächzendes Lied von sich gibt.

  4. “Das Institut für Menschenrechte ignoriert”
    Stimmt. Der UN Ausschuss kritisiert “nur” die hohe Quote an Kindern, die weiterhin an Förderschulen in Deutschland unterrichtet werden. Was die Damen und Herren aus Berlin vertreten, deckt sich nicht mit der Auslegung des Fachausschusses.

  5. Joaaa, das die alte Landesregierung die Inklusion allerdings derart vor die Wand gefahren hat, dass das nun die logischen Konsequenzen sind, wird hier nur erwähnt. Viele der Inklusionsschüler (hier die zieldifferenten) leiden extrem unter der Inklusion, da ihnen täglich bewusst wird, dass sie anders sind. Seit dem es die Inklusion gibt, fühlen sich viele von ihnen dumm und häufig haben sie noch die “falschen” Eltern.

    Doppelbesetzung gibt es bei der Inklusion in NRW quasi gar nicht! Die Sonderpädagogen sind vollkommen damit beschäftigt, zumindest den zieldifferenten Unterricht, wenn es geht doppelt zu besetzen, das ist dann wenn es hoch kommt vll. an 5-10 Stunden der Schüler der Fall.
    Dazu kommt, dass es durch die Aufgabenteilung von Sonderpädagogen und Regellehrern häufig keine klare Aufgabenteilung gibt. Am Ende verantwortlich ist häufig der Regellehrer, an dem die komplette Arbeit hängen bleibt, da man nie vorher weiß, ob die nächste Stunde wieder doppelt besetzt ist, oder ob der Sonderpädagoge Vertretungsunterricht machen muss. Der Regellehrer wird dabei noch eine Gehaltsstufe schlechter bezahlt und soll dann teilweise Aufgaben und Klassenarbeiten auf 5 unterschiedlichen Niveaus erstellen, und das ist schlicht und ergreifend NICHT möglich! Viele Lehrer sind bereits ohne die Inklusion am Limit ihrer Kräfte und arbeiten meist deutlich länger, als angedacht (vor allem auch aufgrund von Bürokratie und Ganztag), irgendwann muss man als Lehrer auch die Notbremse ziehen, und sich selbst schützen, vor den immer mehr werdenden Aufgaben. Ein Teufelskreis, da durch jeden Krankheitsfall im Kollegium erneut mehr Arbeit für die anderen Kollegen ansteht. Unterricht vorbereiten geht da sowieso schon kaum noch, aber das scheint den Politikern ja egal zu sein.

    • Ach, ich sollte meine Beiträge lesen, bevor ich auf “posten” klicke. Neben den ganzen Rechtschreib- und Tippfehlern meine ich, dass ich im ersten Satz, dass es NICHT erwähnt wird, anstatt “nur”.

    • Ich sehe es auch so, dass dies die Konsequenz daraus ist, dass die Inklusion von Beginn an politischerseits nicht unterstützt und nicht gut ausgestattet wurde.

      Gebraucht hätte es Bereitschaft, Organisation und Mittel
      – vorab klare Definitionen zu Überprüfungen, Zuständigkeiten, Vorgehensweisen zu setzen

      – vorab klare Aufgabenbeschreibungen zu erstellen, wer in der Beschulung welche Aufgaben übernimmt, die auch zusätzliche Kräfte, die in FöS zugegen sind, für die Regelschulen berücksichtigt
      Konkret 1: Wenn in FöS-Klassen Sprache Logopäden Therapien vornehmen, warum ist das in den Regelschulen nicht möglich?
      Konkret 2: Die Ämter hätten diese Aufgabenbeschreibung offenbar auch benötigt, inzwischen scheint niemand mehr für irgendetwas zuständig zu sein, außer die Eltern klagen es ein.

      – vorab eine daran orientierte Festlegung an zusätzlichen Stunden der multiprofessionellen Teams, damit die genannten Aufgaben in den Regelschulen erfolgen können

      – vorab eine Zeit für Einarbeitung und Vorbereitung, für allgemeine Konzepte innerhalb der Schule, das Sammeln und Bereitstellen von Materialien für die üblichen, allseits vertretenen Förderschwerpunkte, den Austausch im entstehenden Team. Dies hätte berücksichtigt, dass neue Konzepte Kraft und Zeit benötigen, die zusätzlich erbracht werden muss, um so mehr, je weniger von Beginn an geregelt ist.

      – fortwährend die Gewährung von Entlastungsstunden für die, die sich in neue Förderschwerpunkte einarbeiten müssen, weil alle SuS aller Förderbedarfe auf alle Regelschulen wechseln können

      – fortwährend eine Anerkennung oder Entlastung für die mit Inklusion einhergehenden vielen zusätzlichen Dokumentationen und Gespräche

      – vorab eine Abstimmung mit sämtlichen anderen Ämtern (Jugend/ Sozial/ Gesundheit), die zum Gelingen der Inklusion helfen sollten, sowie die Bereitstellung notwendiger Mittel, damit diese helfen können

      – vorab eine Information sämtlicher Beteiligter, was Inklusion bedeutet
      Konkret 1: In Nds. muss ich mir immer noch von außerschulischen Personen erklären lassen, dass die Kinder ja auf die FöS wechseln können, die es aber seit Jahren im GS-Bereich gar nicht mehr gibt und die es zuvor z.T. auch nicht gegeben hat.
      Konkret 2: Immernoch gehen sehr viele Menschen davon aus, dass in jeder Klasse eine Doppelbesetzung durch eine FöS-Lehrkraft oder zumindest eine Integrationshelferin gegeben ist. Dabei darf in Nds. das Wort Integrationshelferin von der Lehrkraft am besten gar nicht in den Mund genommen werden und NUR von den Eltern beantragt werden. Die Zuweisung der FöS-Kräfte erfolgt zentral und entsprechend der Unterversorgung der FöS nicht erlasskonform, fehlende FöS-LuL-Stunden müssten durch andere Stunden ersetzt werden. Da der Mangel an FöS-LuL schon vor Auflösung der FöS bekannt und überall zugegen war, hätte man dies gleich mit einplanen können.

      – vorab eine klare Absprache zwischen Bund, Land und Kommune, wer für die Ausstattung der Schulen in welchen Bereichen zuständig ist, ggf. mit klaren Vorgaben z.B. hinsichtlich der Akustik in Räumen. Barrierefreiheit ist sicher nicht in jedem alten Schulgebäude vollständig möglich, aber es hätte ausgelotet werden müssen, was geht.

      Es gibt sicher noch mehr, was zuvor erfolgt sein könnte, und anderes, das man erst bei der inklusiven Arbeit bemerkt. Einer meiner Wünsche wäre zurzeit eine medizinische Beratungsstelle, bei der ich unbürokratisch und schnell Informationen abrufen kann für übliche Förderschwerpunkte, aber auch chronische Krankheiten oder andere Krankheitsbilder, die meine SuS betreffen. (Wie es wohl wäre, wenn Ärzte allgemein und unentgeltlich zur Unterstützung der Inklusion in eine Beratungspflicht zitiert würden?)
      Da der Mobile Dienst mancher Förderschulen mit besonderen Schwerpunkten nur 1x im Jahr vorbeikommt, würde ich mir in diesen Bereichen ebenfalls eine bessere online-Beratung wünschen, indem klassische Bilder und übliche Fördermöglichkeiten zentral gesammelt und für Lehrkräfte abrufbar sind. Das würde den LuL an den Regelschulen ein Stück weit helfen und den Mobilen Dienst, der nicht angemessen ausgestattet ist, entlasten.

      Auf diese Weise wäre vermutlich in der Gesellschaft von der Inklusion weit mehr angekommen, weil die Gesellschaft insgesamt schon in diesem Bereich erheblich stärker einbezogen worden wäre.

      Hat man sich die ersten 4-5 Jahre sichtbar auf den Weg gemacht, ist nun an vielen Stellen deutlich zu spüren, dass es mehr denn je ums Einsparen geht. Die ohnehin viel zu geringen gewährten oder möglichen Hilfen werden verwehrt, Überprüfungen finden nicht statt, Integrationshelfer werden nicht zur Verfügung gestellt, Förderschullehrkräfte-Mangel führt zu ständigem Wechsel im Team.
      Dass sich manche Schulen von der Inklusion verabschieden und die Aufgabe den anderen überlassen, passt ins Bild. Konsequenterweise müssten dann diese Schulen die zusätzlichen Unterstützungen an andere Schule, die sich kümmern, abgeben. Das wäre aber gar nicht spürbar, da es ja kaum Unterstützungen gibt.

      Die schlechte Vorbereitung und Ausstattung lässt den Schluss zu, dass alles nur Lippenbekenntnisse waren, sich aber niemand wirklich kümmern wollte.
      Nun fühlen sich manche, die Betroffen sind, verraten und allein gelassen, weil die Hürden unüberwindbar und immer zahlreicher scheinen und wiel sie sich weit mehr erhofft hatten. Dass sie daraufhin enttäuscht eine Abwehrhaltung einnehmen, ist verständlich.

      Hinzu kommt die Ablehnung derer, die sich von Beginn an gar nicht kümmern wollten, und die sich nun in ihrer Meinung bestätigt sehen und auch bestätigt werden, weil die Unterstützung noch nicht einmal halbherzig genannt werden kann und die Umsetzung angesichts dieser Bedingungen bei allem Engagement ausgesprochen schwierig ist.

      Die Politik wird sich entscheiden müssen, ob sie Inklusion umsetzen will oder scheitern lässt.

      So oder so wird es Geld kosten, denn Regel- und/oder Förderschulen müssen angemessen ausgestattet werden MIT Förderschullehrkräften und MIT weiteren Personen.

      In Regionen, in denen Schulgebäude aufgegeben wurden, ist nun mit Neubauten zu rechnen.

      Es bräuchte bei einer Rückkehr zum bisherigen System Ändernungen daran, z.B. eine Neuordnung der Übergänge, denn das alte System war dahingehend schlecht, da für viele SuS in den Grundschulen 3 Jahre mit Wiederholung aber ohne Förderung anstanden, bevor die Kinder wechseln durften und die zieldifferente Beschulung erhalten konnten. Auch die Übergänge von der FöS zurück ins Regelschulsystem müssten neu betrachtet und gestaltet werden.

      Mein persönlicher Standpunkt bleibt übrigens dennoch, dass die Inklusion als Idee richtig und in der Umsetzung auch möglich ist.
      Meine Erfahrung ist nicht die, dass SuS sich stets als minderwertig empfinden. Dies hat mit Lernkultur zu tun. Es ist Kindern durchaus zu vermitteln, dass Menschen unterschiedliche Fähigkeiten haben und entsprechend dieser manches besser oder schlechter können. Das bezieht sich ganz allgemein auf alle, nicht nur auf Kinder mit Förderbedarf. Meine Erfahrung ist, das Kinder das viel besser verstehen, als die meisten Erwachsenen.

      • Palim stellte fest: “(…) dass es mehr denn je ums Einsparen geht.”

        Sehr erfreulich, dass auch Sie das inzwischen so deutlich und klar formulieren. Ihre älteren Beiträge hier im Forum, die man mithilfe der Suchfunktion und des Stichworts “Inklusion” immer noch nachlesen kann, sprechen diesbezüglich eine deutlich andere Sprache und waren von der (illusionären) Hoffnung getragen, dass es der Politik um die Betroffenen und nicht bloß um ein Sparmodell im Bildungsbereich gehen könnte.

        Palim stellte weiterhin fest: “Die Politik wird sich entscheiden müssen, ob sie Inklusion umsetzen will oder scheitern lässt.”

        Dreimal dürfen Sie raten, wofür Politiker sich entscheiden werden, die bei der Einführung der radikalen deutschen Interpretation dessen, was Inklusion angeblich alles zu sein hat (z.B. Abschaffung der Förderschulen) nicht einmal wussten, worüber sie eigentlich genau abstimmten (N4t berichtete).

        • Meine Beiträge sprechen stets die gleiche Sprache, auch in Foren bei 4teachers habe ich vor etlichen Jahren bereits VOR der Umsetzung der Inklusion auf diese Umstände hingewiesen.
          Auch das kann man nachlesen.

          Meine Meinung hat sich nicht verändert, sie ist ausdifferenzierter, weil ich die Inklusion, oder was man bisher so nennt, seit Jahren täglich umsetze und sie mit konkreten Kindern, Eltern, Behörden und Aufgaben verbinde.
          Dabei kann ich mir keine Schüler herauspicken und ich weigere mich nach wie vor, die FöS-Schüler oder andere in die Ecke zu setzen und zu schmollen, ich sei nicht zuständig, weil Behörden und alle anderen sich nicht um die Belange der Inklusion angemessen kümmern können oder wollen.

          Hellsehen, wofür sich Politiker entscheiden, kann ich nicht. Da müssen Sie schon Ihre Kristallkugel befragen.

          • Palim: “Meine Meinung hat sich nicht verändert, sie ist ausdifferenzierter […]”

            Das schließt sich schon rein sachlogisch aus.
            Aber wie auch immer Sie es sprachlich verbrämen: Es ist gut, dass Ihre Meinung zum Thema inzwischen differenzierter daherkommt – und sich damit logischerweise verändert hat.

            Wenn Sie in Zukunft noch so freundlich wären, auf Unterstellungen wie in dem Nebensatz “…die sich von Beginn an gar nicht kümmern wollten” in Ihrer ansonsten inhaltlich völlig richtigen Aussage “Hinzu kommt die Ablehnung derer, die sich von Beginn an gar nicht kümmern wollten, und die sich nun in ihrer Meinung bestätigt sehen und auch bestätigt werden, weil die Unterstützung noch nicht einmal halbherzig genannt werden kann und die Umsetzung angesichts dieser Bedingungen bei allem Engagement ausgesprochen schwierig ist., und die sich nun in ihrer Meinung bestätigt sehen und auch bestätigt werden, weil die Unterstützung noch nicht einmal halbherzig genannt werden kann und die Umsetzung angesichts dieser Bedingungen bei allem Engagement ausgesprochen schwierig ist” zu verzichten, dann wären wir vielleicht endlich mal an dem Punkt, an dem man vernünftig miteinander in der Sache diskutieren kann.

            Vielleicht gab (und gibt) es einfach Menschen, die schon früher als Sie das ganze Ausmaß der Folgen dieses Wahnsinns namens “rot-grüne, rein ideologisch durchgepeitschte Radikal-Inklusion” erahnt und deswegen dagegen gekämpft haben.

            Mittlerweile hat sich ja sogar die Meinung der NRW-Grünen in dieser Sache “ausdifferenziert”, wie auch N4t berichtete.
            https://www.news4teachers.de/2019/01/die-gruenen-rechnen-mit-ihrer-ehemaligen-schulministerin-loehrmann-ab/

            Viele Grüße von einer Gymnasiallehrkraft, die lange mit psychisch Kranken gearbeitet hat und deren Schule schon vor Jahren einen Kooperationsvertrag mit der örtlichen Förderschule (die es Gott sei Dank auch heute noch noch gibt) unterzeichnet hat.

            P.S. Den aus meiner Sicht bis heute lesenswertesten Kommentar zur Frage, warum Förderschulen so wichtig sind, hat die NOZ bereits Ende 2017 veröffentlicht.
            https://www.noz.de/lokales/melle/artikel/991119/foerderschule-in-melle-ist-ein-muss

          • Sie diskutieren nicht,
            Sie möchten belehren und möchten anderen vorschreiben, was sie zu äußern haben und was Sie verstanden wissen wollen.

            Um so wichtiger, dass man Gegenposititonen immer wieder deutlich darstellt.
            Sie können von meiner Meinung halten, was Sie wollen, dennoch muss ich mir von Ihnen nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken oder zu schreiben hätte.
            Menschen, die Inklusion ablehnen und sich selbst nicht darum kümmern möchten, hat es vorab gegeben und es wird sie auch weiterhin geben.
            Andere hadern mit der Umsetzung und/oder bemühen sich, dennoch das Gelingen voranzubringen.

            Meine Meinung ist die gleiche geblieben: Ich bin FÜR Inklusion!
            Ich bin der Meinung, dass die Ausgestaltung erheblich besser laufen würde, wenn mehr Mittel dafür zur Verfügung gestellt würden.
            Und ich bin der Meinung, dass das auch eine Aufgabe der Gesellschaft ist.
            Genau davon berichtet auch der NOZ-Artikel:
            “Was die Lehrer, Erzieher und Therapeuten an der Wiehengebirgsschule leisten, kann keine Regelschule der Welt auf die Beine stellen. Dazu fehlen den Regelschulen schlichtweg das Personal und das Know-how.”
            Es werden also mal wieder Systeme nebeneinander gestellt, die mit ganz unterschiedlichen Bedingungen auskommen sollen:
            Gut ausgestattete Förderschulen gegen gar nicht ausgestattete Regelschulen.
            Das ist ein unfairer Vergleich und hat mit dem Nachdenken über Inklusion und deren Ausgestaltung wenig zu tun.

            Ebenso könnten man FöS-Kinder aller Schwerpunkte in einer 30er Klasse von einer LuL ohne Therapeut und Erzieher und pädagogische Mitarbeiter beschulen lassen und dabei den Schluss ziehen, dass Förderschulen nichts bringen.

            So oder so wird man im Schulsystem Fördermöglichkeiten für Kinder mit Beeinträchtigungen und auch für andere Kinder, die Hilfe benötigen, installieren müssen.
            Da reicht es nicht aus, sich auf einen Koop-Vertrag mit einer FöS zu berufen und darauf zu hoffen, dass diese Schule ausreichend Räume und spezielle ausgebildete Lehrkräfte und ein multiprofessionelles Team erhält, ohne selbst darauf Einfluss nehmen zu können.

          • @ Palim: Ihr Beitrag ist ein gutes Beispiel für das, was FElixa nebenan gerade so treffend feststellte: dass hier im Forum einzelne Grundschullehrerinnen unterwegs sind, die immer meinen, sich für alles und jedes rechtfertigen zu müssen. Ich würde ergänzen wollen: Nur für das Entscheidende nicht.

            Das vielleicht meistgebrauchte Wort während meiner Ausbildung war “Professionalisierung”. Dazu gehörte der penibel genaue Gebrauch der dt. Sprache genauso wie Päd. Psychologie, Soziologie, die Fachwissenschaften und vieles mehr. Und es war nicht cool wie hier im Forum bei einigen Grundschullehrkräften, immer und überall nach dem Motto zu verfahren “Die gezählten Rechtschreibfehler können Sie behalten” und den Hinweis auf den durch falschen Sprachgebrauch entstehenden inhaltlichen Unfug in jedem Fachbereich als “Belehrung” zu empfinden. Immer nach der Devise: “Als Lehrkraft nicht auf sein Haupt-Ausdrucksmittel zu achten ist cool und lässig. Darauf hinzuweisen, dass eine korrekte Beherrschung der dt. Sprache absolute Grundbedingung für das Lehrerdasein ist (und dementsprechend jedwedes andere Thema nicht etwa unwichtig, aber immer der Sprache nachgeordnet), gilt hingegen als arrogant und belehrend. Diese Nicht-Haltung ist leider in weiten Teilen der Gesellschaft inzwischen verbreitet.

            Aber wie sagte eine Kollegin kürzlich so schön: “Wir sind Lehrer. Es ist unser Beruf, andere zu belehren. Und zwar in einem wohlverstandenen, positiven Sinne.”

            Aber auf eine solche positive Konnotation dieses Begriffs kommen selbst viele (Grundschul-) Lehrkräfte in Zeiten der Kompetenz-Orientierung (“Kompetenz heißt: Ich weiß, wo’s steht!” – Prof. Harald Lesch) offensichtlich nicht mehr.

            Bleibt die Frage: Wie soll man sich mit Menschen wie Ihnen, Palim, zum Diskutieren (z.B. zum Thema “Inklusion”) an einen Tisch setzen, wenn Sie der festen Überzeugung sind, dieser Tisch sei eine Ente? (Heißt: dem Diskussionspartner unterstellen, er wolle gar nicht diskutieren.)

          • Schön, dass Sie sich selbst dessen bewusst sind, dass Sie andere auch im Hinblick auf Rechtschreibung und den Gebrauch der deutschen Sprache belehren.
            Da Sie sich mit Konnotationen auszukennen meinen, könnten Sie selbst ergründen, welche Bedeutungen für “belehren” in diesem Zusammenhang noch gemeint sein können.

            Dass Ihnen die Auseinandersetzung mit der Sprache wichtiger erscheint als die Beschäftigung mit der Umsetzung der Inklusion abseits Ihres Lebensumfeldes, nehme ich zur Kenntnis.

  6. @Palim
    Mich stört ebenso wie “Aufmerksamer Beobachter”, wenn in einem Lehrerforum bewusst verachtend mit der “Rechtschreibung und dem Gebrauch der deutschen Sprache” umgegangen wird. Das stellt keinem ein gutes Zeugnis aus, auch keinem Grundschullehrer.
    Wenn Sie meine Meinung ebenfalls als “Belehrung” kritisieren wollen, dann nur zu! Den Vorwurf lasse ich mir gern machen.

    Ihr letzter Absatz ist einfach nur provokant. AB hat sich oft an Diskussionen über die Inklusion beteiligt. Die Inklusionsfrage ist ihm also wichtig. Nur ist er anderer Meinung als Sie und ich bin es auch. Wir sind gegen eine Radikalinklusion, also gegen einen erzwungenen Regelschulbesuch von Kindern, die in einer Förderschule besser aufgehoben wären, weil ihnen dort in Kleingruppen und durch ausgebildete Fachkräfte (Sonderschullehrer) bessere Hilfe zuteil wird und sie dort auch nicht permanent die Erfahrung machen müssen, dass sie Außenseiter sind und nicht mithalten können.
    Meine Beschäftigung mit Inklusion sieht also anders aus als Ihre. Sie sind bekennende Befürworterin, ich Gegnerin. Warum sollte ich mich also “mit der Umsetzung der Inklusion” beschäftigen, wenn ich sie grundsätzlich als Nachteil für bedürftige Kinder ansehe? Durch mehr Personal könnte manches an den Regelschulen vielleicht erträglicher gestaltet werden, aber die bessere Lösung sind für mich die Förderschulen. Das hat auch nichts mit Abschieben oder Aussortieren zu tun, wie von den Inklusionsanhängern gern unterstellt wird, sondern allein mit einem anderen Blick auf die Kinder und ihre Bedürfnisse.
    Sie sogar aufs Gymnasium schicken zu wollen, grenzt für mich an Grausamkeit, während Sie darin wahrscheinlich sogar einen Segen für behinderte Kinder sehen.

    • Auch Sie, Sabine, vergleichen die Systeme folgendermaßen:
      Bei der Förderschule geben sie gute Bedingungen an: Kleingruppen, ausgebildete Förderschullehrkräfte spezieller Schwerpunkte passgenau für die dortigen Kinder, zusätzliche helfende Kräfte in Form von TherapeutInnen, pädagogischen MitarbeiterInnen etc.
      Bei den Regelschulen gehen Sie davon aus, dass diese keinerlei Ausstattung erhalten.

      Wie wäre es, wenn es umgekehrt wäre?
      Was ist, wenn die Förderschulen gar nicht mit Förderschullehrkräften versorgt sind, sondern Regelschullehrkräfte, auch Gymnasiallehrkräfte, dahin abgeordnet würden, die diese Aufgaben dann übernehmen müssen?
      Was Sie vermutlich als abstrus einschätzen, war bei uns bereits vor der Inklusion die Regel: viele offene Stellen an FöS, Quereinsteiger und Abordnungen.
      Ist das das System, das Sie unterstützen wollen, wenn Sie meinen, Förderschüler seien in anderen Schulen besser aufgehoben?

      “Warum sollte ich mich also “mit der Umsetzung der Inklusion” beschäftigen, wenn ich sie grundsätzlich als Nachteil für bedürftige Kinder ansehe?”
      Weil man sich mit etwas beschäftigen muss, bevor man zu einem Urteil kommt?
      Weil man die Bedingungen und Verfahren kennen sollte, über die man zu einem Urteil kommt?
      Weil man Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen in irgendeiner Form beschulen muss.
      Sich zu weigern, sie an der eigenen Schule aufzunehmen, bedeutet nicht, dass man sich deshalb darum nicht kümmern müsste und außen vor bleibt.
      Es braucht dann andere Möglichkeiten mit entsprechender Finanzierung und Unterstützung. Diese war aber vor Einführung der Inklusion auch nicht gegeben. Das wird bei der Diskussion gerne unbeachtet gelassen, ebenso, wie die sonstigen Bedingungen an Förderschulen gar nicht thematisiert werden. Stets wird behauptet, dort seien paradiesische Zustände gegeben.

      Zurzeit ist die Inklusion in den Regelschulen so schlecht ausgestattet, dass sich Eltern, wenn überhaupt möglich, zum Teil für die vermeintlich bessere Ausstattung an der noch bestehenden Förderschule entscheiden.
      Das hat m.E. nichts damit zu tun, ob diese Eltern für oder gegen die Inklusion sind, sie wünschen sich eine gute Förderung.
      Die Bedingungen an den unterschiedlichen Schulen können Eltern in den meisten Fällen gar nicht einsehen und beurteilen, sie wissen nicht, ob die Schule mit Lehrerstellen ausgestattet ist und ob die Lehrkraft, die für ihr Kind zuständig sein wird, zusätzliche Qualifikationen für die Beschulung Beeinträchtiger hat.
      Wenn die Regelschule anders ausgestattet wäre, würden die Eltern womöglich dort die bessere Förderung sehen.
      Ebenso gibt es schon jetzt Eltern, die durchaus eine gelungene Förderung und Einbeziehung ihrer Kinder an den Regelschulen erleben, obwohl die Ausstattung weitaus besser sein müsste.

      Dies schließt übrigens ein, dass Kinder in einer inklusiven Regelschule nicht ausgegrenzt werden. Nicht an der Grundschule und auch nicht am Gymnasium.
      Auch das ist eine Frage, der sich alle stellen müssen: Warum ist das so und was kann jede von uns dagegen tun?

      • Palim schrieb @ Sabine: “Bei der Förderschule geben Sie gute Bedingungen an (…) Bei den Regelschulen gehen Sie davon aus, dass diese keinerlei Ausstattung erhalten.”

        Tja, das nennt man Realitätssinn, Palim. Ihre im Konjunktiv erträumten Wolkenkuckucksheime existieren nämlich nicht – und helfen demzufolge auch keinem real existierenden Menschen.

        Auch Herr Prof. Wocken formuliert es in Punkt 5 seines Interviews mit dem Dt. Schulportal (siehe unten) ja fast wortgleich wie Sabine. Zu all dem “hätte, müsste, sollte” stellt er fest: “Das ist aber nicht der Fall.”

        • Ich greife Ihre Argumentation auf:
          Es ist nicht der Fall, dass Förderschüler an Förderschulen per se gute Bedingungen vorfinden.
          Deshalb kann die Inklusion in Regelschulen unter guten Bedingungen, die definiert, per Erlass zugesagt und entsprechend umgesetzt werden, als zielführend angesehen werden.

          • 1. Es ist aber der Fall, dass an den noch existierenden Förderschulen die SuS sehr viel bessere Bedingungen vorfinden als an nahezu jeder Regelschule, die zwangsweise zur “Inklusionsschule” erklärt wird. Deshalb kämpfen ja so viele Elternbündnisse für deren Erhalt.

            2. Die im zweiten Teil ihres Beitrags genannten “guten Bedingungen” für die Inklusion an Regelschulen existieren nicht, weil sie unbezahlbar (und deshalb politisch nicht durchsetzbar) sind.

          • Zu 1:
            Das ist Ihre Behauptung.
            Wenn an Förderschulen die Klassen größer sind als an Regelschulen und von Vertretungskräften, Quereinsteigern oder abgeordneten Lehrkräften geleitet werden müssen, kann ich das nicht als “viel bessere Bedingungen” gelten lassen.

            Und wieder vergleichen Sie angenommene gute Bedingungen an einer Schule mit angenommenen schlechten Bedingungen an einer anderen Schule. Beides entspricht aber nur Ihrem Wunsch oder Ihrer Behauptung.
            Wenn Sie Realität einfordern, dann beschäftigen Sie sich damit unter Berücksichtigung aller Schulformen und Ausgestaltungen.
            Wenn Sie über ideale Vorstellungen schreiben, müssen diese für alle Ausgestaltungen gelten dürfen.

            Zu 2:
            Mehrfach habe ich darauf verwiesen, dass es bessere Bedingungen braucht, so oder so.
            Will man die Rolle rückwärts und Förderschulen wieder einsetzen, wird man gleichzeitig entsprechende Bedingungen fordern müssen, die fest definiert sowie landesweit gültig sind und in den Punkten Verbesserungen bringen, die zuvor im Argen lagen:
            – Förderschüler welcher Schwerpunkte werden in einer Schule/Klasse gemeinsam unterrichtet?
            – Wie gewährleistet das Land, dass es staatliche Schulen in erreichbarer Nähe für alle Unterstützungsbereiche gibt?
            – Welche Klassengröße zählt?
            – Welche zusätzliche Unterstützung erhalten die Förderschulen? Wie werden die multiprofessionellen Teams eingesetzt?
            – Wie werden die Räume ausgestaltet?
            – In welcher Form und in welchen Abständen finden Überprüfungen der Förderbedürftigkeit unter Einbeziehung externer Lehrkräfte statt?
            – Wie werden die Übergänge zwischen Regelschule und Förderschule ermöglicht und ausgestaltet?
            – Welche Programme zur Integration und Inklusion mit anderen Schülern gibt es?
            – Welche Programme zur Erlangung von Schulabschlüssen gibt es?
            – Welche Programme zur beruflichen Eingliederung gibt es?

          • 1. Aufmerksamer Beobachter schrieb: “Es ist aber der Fall, dass an den noch existierenden Förderschulen die SuS sehr viel bessere Bedingungen vorfinden als an nahezu jeder Regelschule, die zwangsweise zur ‘Inklusionsschule’ erklärt wird.”

            Palim antwortete: “Das ist Ihre Behauptung.”

            Prof. Wocken sagte im Interview: “Stattdessen gibt es an den Förderschulen mehr Personal, kleine Gruppen, spezielle Therapieangebote. Solange es diese Unterschiede gibt, werden viele Eltern es vorziehen, ihre behinderten Kinder lieber in die Förderschule zu geben.”
            https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/vielfalt/hans-wocken-das-eigentliche-ziel-der-inklusion-ist-verfehlt/

            Na, fällt was auf?

            2. “Mehrfach habe ich darauf verwiesen, dass es bessere Bedingungen braucht, so oder so.”
            Das ist seit Jahr und Tag Ihr Credo hier im Forum – und allgemein bekannt. Nur eingetreten sind diese besseren Bedingungen bis heute nicht – und werden das aus meiner Sicht auch nie tun, eben weil das unbezahlbar wäre.

            Was aus seiner Sicht stattdessen in der Realität passieren wird, beschrieb Prof. Wocken im Mai 2018 hier im Forum so.

            Zitat: “Nach Lage der Dinge wird wohl die Hauptschule auf die Erfüllung ihrer Voraussetzungen verzichten müssen und Kinder mit Lernbeeeinträchtigungen aufnehmen müssen. Das ist nicht logisch, sondern ein pragmatischer Kompromiss.”
            https://www.news4teachers.de/2018/05/inklusion-haben-geistig-behinderte-einen-anspruch-auf-einen-platz-am-gymnasium-experte-sagt-nein/

  7. Wenn in den General Comment No 4: Right to inclusive education (Art. 24) (2016) unter Pkt. 39 (Pkt 40 in der deutschen Übersetzung) folgender Satz steht:

    “This is not compatible with sustaining two systems of education: mainstream and special/segregated education systems.” (https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/treatybodyexternal/Download.aspx?symbolno=CRPD/C/GC/4&Lang=en)

    Was meint die UN da anderes, als das ein Aufrechterhalten eines zweiten –auf Segregation beruhendes – Schulsystems, nicht mit den Gedanken und Forderungen der UN-BRK konform geht.

    Ich verstehe die Diskussion da überhaupt nicht und verweise darauf, das Gesetze/Übereinkommen so zu erfüllen sind, wie sie vereinbart wurden. Wenn hier in Deutschland Lehrerverbände sich eher an das Prinzip von Astrid Lindgren‘s Pippi Langstrumpf halten, – „…widewidewitt […]ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.“ – dann stellen diese Verbände (inkl. deren politischen Vollstrecker) sich ins Abseits.

    Ich empfehle ausdrücklich jedem, diese GC No4 zu lesen. Eine deutsche und autorisierte Version gibt es hier:https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/UN-Dokumente/CRPD_Allgemeine_Bemerkung_Nr4_zum_Recht_auf_inklusive_Bildung.pdf

    @ Prof. Wocken > ich kenne viele ihrer Texte und mag die sprachliche und argumentative Prägnanz. Sehe ich – ob der GC No4 Art 39 (s.o.) – es so falsch, wenn ich eine klare (und wünschenswerte) Forderung zur Abschaffung der Hilfsschulen und Umlenkung aller freiwerdenden Ressourcen hin zu inklusiven Settings aus den GC 4 herauslese??

    Liebe Grüße
    Marco Riemer

    • Lieber Herr Riemer,
      Der General Comment ist sehr eindeutig und fordert den Rückbau der Förderschulen. Danke, dass Sie darauf hingewiesen haben. Der mainstream in diesem Forum löst bei mir so manches Kopfschütteln aus. Die UN-Dokumente werden selektiv gelesen und umgedeutet. Der GC wird nicht zur Kenntnis genommen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte wird runtergemacht. Die Grundschullehrer werden von den Gymnasiallehrern belächelt. Die antisozialistischen REssentiments haben hier freie Fahrt. Die gesamte Inklusion wird schlichtweg als links-grüner Wahnsinn abgetan.Und so fort. Traurig.
      Ebenso herzliche Grüße

      • Ich wies oben bereits darauf hin, wiederhole es aber gerne nochmal: Selbst die Grünen in NRW haben inzwischen erkannt, dass die von ihnen unter Frau Löhrmann betriebene Radikalinklusion im Rekordtempo ein schwerer Fehler war. N4t berichtete unter der Überschrift “Die Grünen rechnen mit ihrer ehemaligen Schulministerin Löhrmann ab” darüber.

        Ein taktischer Fehler, da diese Politik vom Wähler abgestraft wurde. Vor allem aber ein gesellschaftspolitischer Fehler mit schweren Folgen für die betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie ihre verzweifelten Eltern und ihre Lehrer am Rande des Nervenzusammenbruchs.

        Nur Herr Prof. Wocken, gern gesehener Redner auf Grünen-Veranstaltungen zu deren wahrem schulpolitischen Ziel “Eine Schule für alle”, stellt sich (hier im Forum dokumentiert) allen Ernstes immer noch hin und verkündet: “Ich entwickle Theorien. Für alles andere bin ich nicht zuständig.”

      • “two systems of education: mainstream and special/segregated education systems.”
        Und was ist dann mit den beiden Systemen “öffentliche Schulen” und “Privatschulen”, das es ja in sehr vielen Ländern gibt? Wenn ja, welche Folgen soll das nun haben? Privatschulen sind oft kirchliche, sollte man da erstmal im Vatikan nachfragen?
        Und hat dieser “Comment” wirkliche Bedeutung im juristischen Sinne, ist er gleichranging mit der UN-Konvention selbst? Bemerkungen darf jeder machen, aber gültige Vereinbarungen darf nicht jeder treffen. Deren Texte sind immer ein länger ausgehandelter Kompromiss.

        • N4t berichtete folgendes.

          Zitat: “Fakt ist: Ratifiziert wurde seinerzeit die UN-Konvention – also der Originaltext. ‘Wir ratifizieren ein internationales Abkommen. Dieses Abkommen enthält ein Menschenrecht auf inklusive Bildung und verbietet jegliche Sondersysteme und Sonderbehandlung. Das heißt, die deutsche Fassung, unabhängig davon ob im Gesetz eine festgestellt wird, ist keine authentische Sprachfassung.

          Maßgeblich im juristischen Streitfall ist daher die englische Fassung, die übrigens auch Teil des Gesetzes ist’, so führte seinerzeit die SPD-Abgeordnete Sylvia Schmidt aus.

          Danach ist heute also kein Bundesland gezwungen, die Förderschulen abzuschaffen.”
          https://www.news4teachers.de/2015/02/inklusionsgesetz-der-bundestag-wusste-offenbar-nicht-worueber-er-abstimmt/

          • Und Herr Prof. Wocken selbst äußerte sich im April 2018 in einem Interview mit dem Titel “Das eigentliche Ziel der Inklusion ist verfehlt” wie folgt.

            Zitat:
            “1. Alle Bundesländer haben tatsächlich die sogenannte Inklusionsquote an den Regelschulen erhöht, während der Anteil der Schüler an den Förderschulen sich kaum verändert hat. Das bedeutet, dass Schüler, die früher allenfalls als Risikoschüler galten, nun mit dem Etikett des sonderpädagogischen Förderbedarfs versehen werden.
            2. Ein einklagbares Recht auf einen Platz in der Regelschule gibt es für behinderte Kinder bisher nur in Hamburg.
            3. Es ist eine schmerzliche Erkenntnis, dass offenbar gerade am Anfang der Reformprozess zu schnell vorangetrieben wurde.
            4. Ich bin der Meinung, dass jetzt alle Probleme auf den Tisch gehören. Wir müssen evaluieren, was nicht stimmt, und eine Neukonzipierung vornehmen.
            5. Mehr Geld muss auf jeden Fall in die Inklusion fließen. Schließlich muss ein behindertes Kind an einer Regelschule laut Verfassung eigentlich die gleichen Ressourcen erhalten wie an einer Förderschule. Das ist aber nicht der Fall. Stattdessen gibt es an den Förderschulen mehr Personal, kleine Gruppen, spezielle Therapieangebote. Solange es diese Unterschiede gibt, werden viele Eltern es vorziehen, ihre behinderten Kinder lieber in die Förderschule zu geben.”

            https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/vielfalt/hans-wocken-das-eigentliche-ziel-der-inklusion-ist-verfehlt/

          • Aufmerksamer Beobachter 4. Februar 2019 at 13:20
            Also hier nun braucht man kein erotisches Verhältnis zum Thema Logik haben, um zu merken das sie in ihrer o.g. Augmentation einen logischen Bruch erliegen. Die von mir zitierten General Comments No.4 weisen eben im Originaltext (und damit mit Gesetzeskraft!) aus, das die Unterhaltung eines separierenden zweiten Schulsystems nicht mit der UN-BRK §24 konform geht. Mithin ist jedes Bundesland in der Pflicht, dieses Hilfsschulsystem aufzulösen und die freiwerdenden Ressourcen zugunsten dem inklusiven Schulsystem umzuschichten. Habe ich mich da jetzt wieder missverständlich ausgedrückt?

        • @Cavalieri 4. Februar 2019 at 13:06
          Lieber Herr Cavaliere. Was müssen Sie für eine Angst vor der Inklusion haben?! Nun wird hier jeder noch so kleine Buchstabe in seiner Bedeutung so oft herum gedreht, bis er ins eigene Weltbild passt.
          Den Unterschied zw. Schulform und Schulträgerschaft ihnen jetzt auseinander zusetzen, erspare ich mir!!
          Und, so ist’s auch im übrigen nationalen Recht. Es gibt ein Gesetz (z.Bsp. BGB, StGB etc.) und dazu Kommentare, die das Gesetz in seiner Bedeutungstiefe darstellen und auslegen.
          Analog dazu, gibt es Völkerrecht und zudem von den UN gleich auch die Kommentare (General Comments). Ist es ihnen möglich, diese Analogie zu erkennen?
          Ihnen viel Mut und Zuversicht wünschend!
          Marco Riemer

          • @ Marco Riemer schrieb: “Also hier nun braucht man kein erotisches Verhältnis zum Thema Logik haben, um zu merken das sie in ihrer o.g. Augmentation einen logischen Bruch erliegen.”

            Diese Aussage spricht für sich – formal wie inhaltlich.

          • P.S. Ihnen ist gewiss bekannt, dass das Bundesverfassungsgericht kürzlich in Sachen “Streikrecht für Beamte” urteilte: “Beamtenrecht geht vor Menschenrecht”

            Nachzulesen in der Süddeutschen Zeitung unter eben dieser Überschrift.

          • P.P.S. Im selben Artikel wird gegen Ende auch explizit darauf hingewiesen, dass in Deutschland das Grundgesetz juristisch über der Menschenrechtskonvention rangiere. Diese diene lediglich als “Auslegungshilfe”.

          • Sie vergessen sicherlich: Durch die Ratifizierung ist hier Völkerrecht zu bundesdeutschem Recht geworden. D.h. die UN-BRK muss, weil vom Bundestag + Bundesrat in nationales Recht erhoben, in die einzelnen Rechtsgebiete eingearbeitet und wo nötig dieses konventionskonform umgestaltet werden!!!

            Warum eigentlich wollen Sie jetzt – abgesehen von Ihren Ängsten/Befürchtungen ob des inklusionsbedingten Untergangs des bundesdeutschen Abendlandes – das Bundesverfassungsgericht anrufen???

            Ich kann nicht sehen, wo diese Konvention nicht GG-Konform wäre. Nennen Sie mir bitte – unter konkreter Angabe des Artikels – wo die UN-BRK grundgesetzschädlich wäre.

            Hier geht es, und da sollten wir uns mal ehrlich machen, nicht um das Rechtliche! Es ist ein ideologischer Meinungsstreit (gar sind’s irrationale Ängste). Ich werde und will Sie da nicht bekehren! Ich will ihre Angst ernst nehmen und verstehen! Bis dahin sind Rückzugsgefechte auch in der Demokratie erlaubt.

            In herzlicher Verbundenheit!

          • Hier geht es um das, was N4t in den Kapitel-Überschriften seines Dossiers “Das Inklusions-Chaos” sehr treffend beschreibt:

            * “Gefangen zwischen Utopie und Realität” (Grüße an Palim!)
            * “Die Politik hat keinen Plan – und keine Ahnung”
            * “Keiner weiß, was Inklusion genau meint”
            * “Politik wird auf dem Rücken der Kinder gemacht”
            https://www.news4teachers.de/2018/05/news4teachers-dossier-gratis-herunterladbar-das-inklusions-chaos/

            Im Übrigen empfehle ich als Startlektüre zur Abrundung Ihrer [Er]kenntnisse den Aufsatz “Inklusive Missverständnisse” aus der Süddeutschen Zeitung.

            Zentraler Befund des Autors Prof. Otto Speck:
            “Die Verabsolutierung des Inklusionsprinzips durch den Bundestag wurde dadurch möglich, dass der englische Terminus ‘general education system’ fälschlicherweise mit dem deutschen Begriff der ‘allgemeinen Schulen’ (im Unterschied zu den Förderschulen) gleichgesetzt wurde.
            ‘General education system’ entspricht aber eindeutig dem, was wir als ‘allgemeinbildendes Schulsystem’ (im Unterschied zu berufsbildenden Schulen) verstehen, und zu dem nach deutschem Schulrecht eindeutig auch die Förderschulen gehören. Insofern könnte das deutsche Bildungssystem formal als ein ‘inklusives’ angesehen werden.

            Ergänzt werden kann, dass es in allen vergleichbaren Ländern, auch in solchen, die als fortschrittlich inklusiv ausgebaut gelten und bei uns immer wieder genannt werden, wie zum Beispiel die skandinavischen Länder, Großbritannien, Holland, die USA und Japan, durchaus ‘special schools’ beziehungsweise ‘special classes’ gibt. In ihnen werden zwei bis drei Prozent aller Schulkinder unterrichtet.”
            https://www.sueddeutsche.de/bildung/inklusions-debatte-inklusive-missverstaendnisse-1.2182484

            Wenn Sie dann noch Michael Felten studiert haben, werden Sie sehr schnell sehen, dass es fast ausschließlich um rechtliche Fragen (nämlich die stets notwendige Auslegung internationalen Rechts durch Gerichte vor Ort, hier: Deutschland) geht.

            Und da sind sich die Gelehrten/Juristen mal sowas von uneinig!

      • Prof. Wocken: In dieser diffizilen juristischen Angelegenheit können einfach keine Amateur-Juristen entscheiden. Wie wäre es, wenn das Bundesverfassungsgericht über die Frage der Verfassungsmäßigkeit eines Nebeneinanders von Inklusion und Förderschulen im Lichte inernationaler Vereinbarungen entscheiden würde? Wären alle damit einverstanden?

        • Ich vermute, dass das nicht zielführend und klärend ist. Ein Nebeneinander von Inklusion und Förderschulen ist selbstverständlich verfassungsgemäß, das ist aus meiner Sicht völlig unstrittig! Weder das Grundgesetz noch die BRK schreiben ein bestimmtes Schulsystem vor. Es darf sowohl nach dem Grundgesetz als auch nach der BRK Sonderschulen geben. Zugleich gilt auch: Weder das Grundgesetz noch die BRK fordern ausdrücklich die Einrichtung und Unterhaltung von Sonderschulen. ES gibt keine grundgesetztliche Garantie für Förderschulen. Eine sukzessive Abwicklung von Sonderschulen ist daher ohne Frage verfassungsgemäß; ob das, was rechtlich zulässig ist, zugleich wünschenswert und sinnvoll ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Man muss unterscheiden und das auseinanderhalten.

          Strittig scheint mir – hier in dieser Runde und sonstwo – zu sein, ob die BRK mit der expliziten Forderung, ein inklusives Bildungssystem zu schaffen, gleichzeitig einen Rückbau des Sonderschulwesens meint. Nach meiner Auffassung sprechen in dieser Frage die BRK, der General Comment, der erste Staatenbericht des Genfer BRK-Aussschusses und schließlich ein Beschluss der deutschen UNESCO-Kommission eine eindeutige Sprache: Die Sonderschulen müssen planmäßig in das allgemeine Schulwesen überführt werden.! Von einem inklusiven Bildungswesen können wir laut UNO-Sozialpakt erst dann sprechen, wenn weniger als 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen eine separierende Sonderschule besuchen.

          Das Bundesverfassungsgericht wird sich wohl kaum mit der Frage befassen wollen, was die BRK meint.

          • Prof Wocken schrieb: “Das Bundesverfassungsgericht wird sich wohl kaum mit der Frage befassen wollen, was die BRK meint.”

            Das allerdings ist sehr gut möglich, da das BVerfG die Menschenrechtskonvention ja eh bloß als “Auslegungshilfe” betrachtet.

            Zitat aus der Süddeutschen Zeitung:
            “Bleibt die Frage: Wie kann sich das oberste deutsche Gericht in Widerspruch zum Europa-Gericht aus Straßburg setzen?
            Die Antwort lautet: Die Menschenrechtskonvention rangiert in Deutschland unterhalb des Grundgesetzes und ist daher – so entschieden in Karlsruhe im Jahr 2004 – nur als ‘Auslegungshilfe’ zu berücksichtigen.”
            https://www.sueddeutsche.de/karriere/streikverbot-fuer-lehrer-beamtenrecht-geht-vor-menschenrecht-1.4012934

        • Auch ich wäre mit einer Entscheidung des “Bundesverfassungsgerichts über die Frage der Verfassungsmäßigkeit eines Nebeneinanders von Inklusion und Förderschulen im Lichte inernationaler Vereinbarungen” einverstanden. Sie wäre sogar mein Wunsch, damit endlich juristische Klarheit herrscht und nicht dauernd nur mit Empörungsgeschrei über Inklusionsgegnerschaft, angebliche Menschenrechtsverletzung, Bruch einer UN-Konvention oder inhumanes Ausgrenzen und Abschieben behinderter Kinder argumentiert und beschimpft wird.
          Jurustische Klarheit würde viel Dampf aus dem Kessel nehmen, auch wenn man in der Sache noch immer geteilter Meinung sein mag.

        • Die Regelungen der Konvention stehen über dem GG. Ist auch recht einfach, denn das GG und andere demokratische Verfassungen greifen die Menschenrechte auf und die BRK ist eine AUsgetsaltung der Menschen mit einer Behinderung.
          Insofern ist auch an deutschen Gerichten zu erkennen (Fall Hamburg, Autismus, OVG), dass die Konvention über den GEsetzen der Länder und des Bundes stehen.

      • @Hans Wocken
        Ich finde gut, dass Sie immer noch oder immer mal wieder hier schreiben.
        Auch wenn ich in manchem nicht Ihrer Meinung bin, wird deutlich, dass die Diskussion um Inklusion nicht so einseitig ist, wie sie hier zeitweilig erscheint.
        Das gibt neue Denkanstöße und hilft, die eigene Meinung zu schärfen.
        Danke dafür.

      • @Hans Wocken:
        Der mainstream mag Kopfschütteln auslösen, es ist aber das Kopfschütteln der im Stich gelassenen Schulen. IHr Unverständnis trifft hier ebenso auf Kopfschütteln. Die Praxis darf der Theorie doch auch mal zurückmelden, was geht und was nicht. Auch aus der Ausnüchterungszelle 🙂
        Übrigens: Das oben genannte Institut hat 2015 explizit vom Fachausschuss gefordert, das Förderschulsystem zu verdammen.
        Putzig auch Verweise auf Italien & Co: Da gibt es keine Förderschulen. Und gibt es einen Arbeitsmarkt z.B. für Blinde?
        Wie sieht es in GB aus?
        Wäre Inklusion nicht in allen Stationen einmal zu druchdenken und zu planen, damit Menschen mit Beeinträchtigungen nicht von Theorie und Praxis allein gelassen werden???
        Wie sehen Sie die Inklusionspraxis in Hessen? Das HKM vertritt ja die Position des sog. “Grauen Papiers”?

  8. Und wenn es nach mir ging, würden die Grundschullehrer die höchsten Gehälter (Gehälter-Diskusion an anderer Stelle im Forum) erhalten, so wie in einigen skandinavischen Ländern!! Die Lehrer, die die grundlegenden Bildungs-Fundamente erarbeiten, haben die höchste Verantwortung in der Bildungshistorie der SuS. Später “laufen” die Kinder mit guten schulischen Fundamenten zunehmend besser und brauchen tendenziell eher “Bildungsbegleiter”.
    Und in den Grundschulen ist, so scheint es mir, die Bereitschaft inklusiv zu arbeiten auch am höchsten. Ergo, sollte dort am höchsten Entlohnt werden!!

    • Bei den miesen Ergebnissen mit den Methoden der Selbstalphabetisierung und den schlechte Ergebnisssen in den Vergleichsstudien der IQB und anderer Studien, erscheint mir ihre Idee der Bezahlung der Lehrer absurd und absolut unangemessen.

  9. @H. Wocken um 11:37
    Ihre böse Kritik an allen, die hier anderer Meinung sind als Sie, kann ich ebenso wenig gutheißen wie folgende Behauptungen, die ich durch den Diskussionsverlauf nicht berechtigt finde.
    “Die UN-Dokumente werden selektiv gelesen und umgedeutet”. Trifft das nicht auch auf Sie zu? Jeder liest und deutet nun mal aus seiner Perspektive und keiner kann behaupten, er allein sei im Besitz der Wahrheit.
    “Der GC wird nicht zur Kenntnis genommen”. Aber natürlich wird er das, nur nicht so, wie Sie es möchten.
    “Die Grundschullehrer werden von den Gymnasiallehrern belächelt.” Tatsächlich? Wenn ja, dann ist man gegenseitig nicht zimperlich.
    “Die antisozialistischen REssentiments haben hier freie Fahrt.” Ist es so schlimm, sozial zu denken, aber nicht sozialistisch?

    Winston Churchill hat gesagt: „Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends.“
    Eine gleichmäßige Verteilung des Elends auf Schüler, Lehrer und viele Eltern sehe ich in der Inklusion. Sie hat mit dem Sozialismus die traurige Gemeinsamkeit von schöner, verführerischer Theorie einerseits, aber bitterer Realität und Scheitern andererseits.

    • Immerhin finde ich es gut und aufrichtig von Prof. Wocken, dass er von “antisozialistischen Ressentiments” bei Gegnern der Inklusion spricht. Der Umkehrschluss lautet dann, dass die Inklusionsanhänger auf sozialistischen Pfaden wandeln.
      Einige Male wurde hier im Forum von “Bildungssozialismus” geredet, was umgehend Entrüstung wegen angeblicher Verunglimpfung der Bildungspolitik und Inklusion hervorrief. Zu Unrecht, will mir jetzt scheinen.

    • Ich könnte jeden einzelnen der kiritisierten Sätze anhand dieses Blog und anhand der Kritiker-Literatur belegen. Das ist aber recht aufwendig und hier nicht am Platze. Nachlesbar ist es immerhin in meinem Buch “CONTRA Inkluisionskritik” (2018). Jedenfalls mache ich mir Ihren Ordnungsruf nicht zu eigen!

      • Dass Sie alles “belegen” können, Herr Prof. Wocken, glaube ich Ihnen sofort. Das Dumme ist nur, dass beide Seiten, also auch Ihre Meinungsgegner, ihre Ansichten “belegen” können.
        Darum ist für mich entscheidend, wie es um die verheißungsvolle Inklusionstheorie in der Praxis bestellt ist, und hier sieht es ziemlich düster aus. Den Praxistest hat die Inklusion nicht bestanden und wird ihn m. E. mit größter Wahrscheinlichkeit auch künftig nicht bestehen.

        @ Papa51
        Ihr Kommentar mit dem Stichwort “Bildungssozialismus” entspricht meinen Gedanken. Nicht nur die Inklusion ist Teil davon, sondern auch die Ablehnung von Noten oder die Inflationierung guter Noten.
        Auch der politisch gewollte Trend, dass die meisten Schüler das Gymnasium besuchen und diese Schulform auf den Weg geschickt wird, “Eine Schule für alle” zu werden, entspricht sozialistischen Vorstellungen, die zweifellos gut gemeint sind, bekanntlich aber das reale Leben nicht besser, sondern schlechter machen.

        • @Pit
          Praxistest
          Stimmt, die gegenwärtige Inklusionspraxis kann nicht überzeugen. Wer bitte ist für dieses “Scheitern” verantwortlich? Die Dummheit der Theorie? Die Unfähigkeit der Praktiker? Die Interessen der Bürgerlichen am Erhalt ihrer Privilegien? Der Widerstand der Konservativen gegen Inklusion?<

          Inklusion ist ein Menschenrecht. Ein Menschenrecht kann nicht scheitern, grundsätzlich nicht. Wenn in der BRD jährlich etwa 400 Morde begangen werden; wenn das christliche Abendland täglich mindestens zwei Flüchtlinge absaufen lässt; wenn seit Menschengedenken das Töten und Morden ganz "normale" menschliche Praxis ist – wer ist dann gescheitert? Das Menschenrecht auf Leben? Sollten wir vielleicht des regelhaften Scheiterns wegen einfach das Töten und Morden legalisieren?

          Ich bleibe ein Idealist: Die Idee der Inklusion ist nicht gescheitert und kann nicht scheitern. Die Praxis der Inklusion lässt derzeit sehr wohl zu wünschen übrig. Ich gebe den Optimismus nicht auf, dass mehr möglich ist und wir es wirklich besser können. Dafür gibt es Beweise. Wollen müssen es allerdings schon.

          • Herr Wocken, ihren Idealismus erkennt man an und das Ziel ist mehr als lohnenswert.
            Aber, im Ernst, was hilft das Ziel, wenn z.B. in Hessen Kinder mit Förderbedarf nie einen Sonderpädagogen sehen?
            Was hilft den ESE-Kindern, wenn Sozialpädagogen nicht da sind, die BFZs drei Jahre lang nicht auf Anträge reagieren?
            Nichts.
            Da helfen keine Ideale.
            Diesen Kindern wird bitteres Unrecht angetan, die Bundesländer “fummeln” am integrativen System rund (inklusive Schulbündnisse, die eigentlich integrative heißen müssten), Förderbedarfe dürfen nicht festgestellt werden (z.B. Klasse 1 und 2 im Saarland, in Hessen usw.), angeblich, um die Kinder nicht zu stigmatisieren.
            Fragt man nach, kommt die klare Antwort: Es reicht ja noch nicht einmal für eine Förderlehrerstunde ab Klasse 5 je Kind.
            Diese Praxis hat den letzten Idealisten an den Schulen in Richtung Resignation gedrängt.
            Und diese Leute wieder für das Ziel zu gewinnen – da reicht nicht Idealismus. Da muss konkrete, fassbare, greifbare Vision mit ins Boot.
            Und hier fängt an, was ich meine: DIe Theorie darf die Praxis fordern mit Idealen, sie muss die PRaxis aber auch fördern, mit machbaren Mittel ausstatten und die im Moment erlebbaren inklusiven Dramen in Erfolgsgeschichten umwandeln.

          • OMG schrieb: “Aber, im Ernst, was hilft das Ziel, wenn z.B. in Hessen Kinder mit Förderbedarf nie einen Sonderpädagogen sehen?
            Was hilft den ESE-Kindern, wenn Sozialpädagogen nicht da sind, die BFZs drei Jahre lang nicht auf Anträge reagieren?
            Nichts.
            Da helfen keine Ideale.
            Diesen Kindern wird bitteres Unrecht angetan […]”

            Der Erziehungswissenschaftler Prof. Heinz-Elmar Tenorth formulierte es bereits vor Jahren so:
            “Denn die Probe auf die Inklusionsforderung bleiben die Praktiken, und dann steht der Beweis noch aus, dass man kann, was man verspricht, und erreicht, was man erreichen soll – und zwar für alle Adressaten”

  10. Nun, es gehört zum Wesen der Diskussion, dass das die andere Seite dann ebenfalls tut.
    Interessant wäre, wie die Inklusion in Schule kommen soll?
    Ist die Situation derzeit so, dass das Diskriminierungsverbot eingehalten würde?
    Ist es nicht diskriminierend, Kinder mit Hilfebedarf in die Regelschule zu schicken ohne jegliche Unterstützung und das Inklusion zu nennen?
    Ist es nicht diskriminierend, dass interessanterweise die Sonderpädagogen in einigen Bundesländern Autisten keine Hilfe zuerkennen wollen, auch wenn die Konvention einen weiten Begriff von Behinderung bewusst verwendet?
    Wichtig ist: Die Allgemeinen Hinweise des Fachausschusses haben zunächst keine rechtsverbindliche Wirkung, allerdings zeigen sie den moralischen Zeigefinger auf.

  11. Da die Diskussion zum Thema Inklusion ja mal wieder richtig Fahrt aufgenommen hat, habe ich nochmal ein längeres Statement des (ehemaligen?) N4t-Forumsgastes “that’s life” rausgesucht, das die Debatte ein wenig aus der reinen Schul-Diskussion löst und eine gesamtgesellschaftliche Dimension anreißt.

    Zitat des Users “that’s life”:
    “Die Inklusion ist eine Schuldiskussion, keine Gesellschaftsdiskussion:
    Es wird uns durch Medien suggeriert, dass die Inklusion diskutiert wird, in der Gesellschaft ankommt. Doch schauen wir genauer hin. Wo geschieht sie? In sozialen Einrichtungen, in Vereinen, in sozial engagierten und finanziell geförderten Einrichtungen, die gerne ihr Gesicht in Kamera und Zeitung halten. Doch geschieht sie auf dem ersten Arbeitsmarkt?

    Wir nennen uns zwar “soziale Marktwirtschaft”, doch die Firmen, vor allem kleine Betriebe (können es gar nicht), besonders die Großunternehmen betreiben keine Inklusion. Denn Inklusion bedeutet auch hier Betreuung, und sei es hier auch nur eine längere betreute Einarbeitszeit für “den neuen Kollegen”. Das alles kostet Geld. Im Durchschnitt betrachtet greifen die Firmen dann lieber auf andere Bewerber zurück und bezahlen “Strafen” an Kommunen, weil sie die indirekte “Behindertenquote” nicht erfüllen. Diese Realität zu leugnen, wäre fatal in der Diskussion.

    Wir befinden uns im Kapitalismus. Da werden Firmen und Unternehmen im Endeffekt immer nach rein finanziellen Maßstäben urteilen, aber nicht nach En Vogue-Inklusionsmustern. Da muss man nicht einmal die Inklusion als Argument bemühen. Firmen produzieren ihre Waren gerne im Ausland, besonders “Bekleidungs-Magnaten”. Warum? Weil dort die Produktionskosten (sprich: Lohnkosten) geringer sind. Es kann mir keiner sagen, dass ihm dieses “Wirtschaftsprinzip” nicht geläufig ist.
    Häufig genug begegne ich in meiner Praktikumsbetreuung selbst so genannten sozial engagierten Einrichtungen. Kommentar: “Ihr Schüler (Autist) macht seine Sache super, einfach toll!” Meine Frage: “Würden Sie ihn einstellen?” Nach einem ewigen Herumdrucksen und Zögern kommt nach meinem “Nachbohren” folgende Antwort: “Nein, das ist ein zu großer Betreuungsaufwand für uns. Das können wir finanziell nicht leisten.” (…)

    Die Idee der Inklusion entstand, weil so viele Menschen auf der Welt mit Benachteilungen (ich könnte jetzt auch Behinderte sagen, aber dann werde ich ja wieder als “diskriminierend” hingestellt) in irgendeiner Ecke der Gesellschaft “geparkt” bzw. vernachlässigt werden. Das war in Deutschland mit den Förderschulen nicht der Fall. So gesehen hat sich Deutschland das System mit den Förderschulen sogar verdammt viel Geld kosten lassen, um Benachteiligte zu fördern.
    Wissen Sie eigentlich, was eine Förderschule mit einem Schlüssel von mitunter 6 (Schüler) zu 2 (Sonderschullehrer mit dem Gehalt A13) das Land kostet? Nun sitzen diese 6 in einen Klassenraum mit 25 Schülern und meist nur einem Lehrer. Erkennen Sie die Dimension des finanziellen Einsparpotentials?

    Und zudem ist die Inklusion gesellschaftlich auch noch “wählerfreundlich”, da man als Politiker mit Bildern mit benachteiligten Menschen wunderbar “Volksnähe” und “soziales Engagement” suggerieren kann.
    Das hat Auswirkungen auf jede Diskussion und jedes Streitgespräch bezüglich pro oder contra Inklusion. (…)

    Die Verteidiger der Inklusion können gerne auf die Sinnhaftigkeit des gemeinsamen Lernens und auf viele andere tolle Dinge hinweisen, die die Inklusion für die Menschheit bedeutet. In ihrer Umsetzung werden Bund, Land und Kommune immer gegen eine sinnhafte Umsetzung sein bzw. diese nicht fördern, weil diese Geld kostet. (…)

    Diese sachlichen, meiner Ansicht nach zumindest im Grundsatz und im Durchschnitt betrachtend nicht widerlegbaren Fakten und Umstände führen mich dazu, gegen eine Inklusion zu sein, da diese immer zu Lasten der Lehrerschaft so kostengünstig wie möglich umgesetzt wird und die wirkliche Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt und damit in der Gesellschaft negiert und unterbunden wird.
    Traurig, aber wahr… “

    • Sehr geehrter „Aufmerksamer Beobachter“
      Wenn der deutsche Unternehmer Harald Kostail -sicherlich in einem anderen Kontext als hier – so prägnant wie zutreffend gesagt haben soll: “„Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.“. Was könnte dieses Zitat mit ihrer Argumentationslinie im gesamten Diskussionsverlauf (s.o.) gemein haben?? Wo sehen Sie sich? Beim „Wege-Suchen“ oder „Gründe-Suchen“?

      BITTE: Fühlen Sie sich jetzt nicht veranlasst mir zu antworten. Die Fragen waren NUR für Sie!!

      Mir wäre lieber, das man – rein lösungsorientiert – mehr von dem macht, was schon gut läuft. Und das was nicht gut läuft, lässt (z.Bsp. Hilfsschule). Da die Inklusion (nicht nur schulische Inklusion) Menschenrecht und unabänderbare Vorgabe ist, erscheint mir aus ressourcenschonender Sicht betrachtet, das ständige suchen und umdichten von Vorgaben obsolet und desperat.

      LG
      Marco Riemer

      • Ok, aber wo sind die Lösungen, die aufgezeigt werden?
        Die Praxis ist derzeit desolat, sogar im Widerspruch zur Konvention.
        Vor 2011 gabe es die Chance, dass im GU UNterricht KInder zumindest mit dem Ziel der Integration gefördert worden sind.
        Das ist seit 2011 hinfällig.
        Also aus der Praxis: Welche Lösungsvorschläge liegen z.B. als Stufenplan auf dem Tisch, das angestrebte Ziel bis zum Jahr X umzusetzen.

          • Danke für den Link, aber einiges lässt mich stutzen:
            Multiproff. Teams sind z.B. in aller Munde, die Forschung dazu steckt aber noch am Anfang.
            Es gibt derzeit Indizien, unter welchen Rahmenbedingungen z.B. Exklusion zur Inklusion wird (17 Stunden je Lerngruppe schummert mir da im Kopf herum).
            Dass nun in Sachsen diese Teams erfolgreich arbeiten?!?!
            Eher: Es sind dort engagierte Pädagogen, die aus dem Umständen das Beste machen und zurecht stolz darauf sind und ihre Arbeit gerne zeigen.
            Aber: Ein inklusives Setting von Schule geht noch viel weiter – muss Kilometer weiter gehen. Statt dessen leisten wir uns – auch ich – Tippelschritte, bisweilen auf der Stelle und zurück.
            Es fängt an bei der neuen Ausbildung von Lehrern (Stand derzeit: Fehlanzeige), es geht um eine Definition, dass Schule die Professionen personell erhält (Stand derzeit: Fehlanzeige), es geht um schulräumlich komplett neue Ausrichtungen (Stand bei uns: Fehlanzeige), es geht um „bestmögliche Förderung“ (Stand Fehlanzeige).

            Lösungvorschläge meint: Wann werden die Punkte oben endlich angegangen.

      • @ Marco Riemer:

        Immer dann, wenn den radikalen Inklusions-Ideologen die Argumente ausgehen, kommen sie mit den berühmten fünf Aussagen, die sie draufhaben:

        1. Die Inklusion ist ein Menschenrecht.
        2. Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.
        3. Die Inklusion ist ein Menschenrecht.
        4. Die UN-BRK sagt g a n z k l a r, dass…
        5. Die Inklusion ist ein Menschenrecht.

        Auf diese fünf Aussagen gibt es allerdings Gott sei Dank auch fünf Antworten von einem Menschen, der offensichtlich etwas länger und intensiver nachgedacht hat:

        1. Inklusion bedeutet leider nicht nur ein Entwicklungsrisiko für Sorgenkinder sowie Überforderung und Geringschätzung ihrer Förderlehrer. Radikale oder unterfinanzierte Inklusion gefährdet auch die Entfaltung der anderen, der Regelkinder – und sie ruiniert letztlich das gesamte Bildungssystem.
        2. Stell dir vor, Du beteiligst Dich an einer großen Weltverbesserungsaktion – und am Ende sieht die Erde übler aus als zuvor.
        3. Kinder mit und ohne Behinderung dürfen kein Spielball sein – weder für Sparfüchse noch für Schulideologen.
        4. Der Geist der BRK ist schließlich ein ganz anderer: Jedes Kind soll an dem für es sinnvollsten Ort lernen können – und dies kann durchaus, wie weltweit üblich, auch eine Spezialschule oder Separatklasse sein.
        5. Sonntagsreden und Positionspapiere sind das eine, gesicherte Fakten das andere. Was sagen eigentlich Wissenschaftler, was sagt die Forschung zur Inklusion, als Prinzip wie im Detail? Es lohnt, sich eingehender damit zu beschäftigen – und es überrascht, mit welcher Skepsis Fachleute die Inklusionsbewegung betrachten. […]

        Man kann nicht deutlich genug betonen: Alle bislang aufgeführten Positivbefunde zu inklusiver Schulorganisation beziehen sich auf den Bereich der Primarstufe […] Aber was weiß man über die Auswirkungen von Inklusion danach, in der Sekundarstufe, in Haupt- und Realschule bzw. an Gymnasien? Die ebenso kurze wie ernüchternde Antwort: wenig bis nichts. […]

        Das heißt im Klartext: In einer Altersphase, in der der Schulstoff zunehmend komplexer und die Kinder nicht selten schwieriger werden, installiert man vielerorts munter Inklusionsschulen, ohne dass es belastbare empirische Anhaltspunkte dafür gäbe, dass sich das inklusive Prinzip für diesen Entwicklungsabschnitt überhaupt eignet, ja, ob es sich hier nicht sogar schädlich auswirkt.
        (Michael Felten)

        • @ Aufmerksamer Beobachter

          Sie schreiben:
          1. „Die Inklusion ist ein Menschenrecht.
          2. Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Gründe.
          3. Die Inklusion ist ein Menschenrecht.
          4. Die UN-BRK sagt g a n z k l a r, dass…
          5. Die Inklusion ist ein Menschenrecht.“

          Jedem der Lesen kann, fällt hier auf, dass Sie es mit dem Argumentieren wohl nicht so genau nehmen! Auch wenn sie einen Grund 3 x wiederholen, wird ihre Argumentation nicht inhaltlich stichhaltiger! Aus dem gesamten Text, den sie hier zum Besten geben, erkenne ich nur Phrasen, Totschlagargumente und Worthülsen, die sich darum bemühen, etwas Ungeliebtes in Verruf zu bringen.

          Also nochmals: Es sind inhaltlich betrachtet oben nur 3 – zudem sehr richtige – Argumente. Nicht 5 Argumente, wie sie vorgeben (um wahrscheinlich Effekte zu haschen)!

          „Auf diese fünf Aussagen gibt es allerdings Gott sei Dank auch fünf Antworten von einem Menschen, der offensichtlich etwas länger und intensiver nachgedacht hat […und damit 1. Inklusion bedeutet leider nicht nur ein Entwicklungsrisiko für Sorgenkinder sowie Überforderung und Geringschätzung ihrer Förderlehrer. Radikale oder unterfinanzierte Inklusion [für Unterfinanzierung war auch nicht die UN, Anm. d. Ver.] gefährdet auch die Entfaltung der anderen, der Regelkinder – und sie ruiniert letztlich das gesamte Bildungssystem. ”

          NEIN! Die „Unterfinanzierer“ (Inklusionsgegner) beschwören die o.g. Gefahr – um zu Beweisen – das Inklusion nicht geht. (These meinerseits)

          Wo nimmt der Verfasser jetzt das Recht her, von „Sorgenkindern“ zu sprechen. Diese Diskreditierung hat selbst die „Aktion Mensch“ vor Jahren aus gutem Grund abgelegt. War Herr Felten oder Sie in ihrer Kindheit jemals ein Sorgenkind???? Wissen Sie daher, wie sehr die „Sorgenkinder“, ob ihrer diskreditierten Stellung im sozialen Raum z.T. lebenslang leiden und ihre wesentlichsten Energien aufs Stigma-Management konzentrieren müssen??? Wenn nicht, dann sollte Herr Felten sein vorgegaukeltes „Sorgenmachen“ ob dieser Kinder, die ohne die Hilfsschule weit besser – weil nicht stigmatisiert und konsequent vom Lehrplan abgehängt – dran wären. Schon mit dieser Wortwahl „Sorgenkinder“ entlarvt Herr Felten sich als ein Mensch, dem diese Kinder nicht wirklich am Herzen liegen. Anders kann ich mir diesen scheinheiligen und entlarvenden sprachlichen Lapsus nicht erklären.

          „2. Stell dir vor, Du beteiligst Dich an einer großen Weltverbesserungsaktion – und am Ende sieht die Erde übler aus als zuvor.“

          Was das nun argumentativ Erhellendes zur Diskussion beitragen soll, erschließt sich nicht wirklich. Und soweit sinken müsste Herr Felten jetzt auch nicht, dass er die Bemühungen der UN als „Weltverbesserei“ diskreditieren müsste.

          „3. Kinder mit und ohne Behinderung dürfen kein Spielball sein – weder für Sparfüchse noch für Schulideologen.“

          Zu welchen von beiden o.g. Kategorien zählen Sie oder Herr Felten sich? Sparfuchs oder Schulideologe?

          „4. Der Geist der BRK ist schließlich ein ganz anderer: Jedes Kind soll an dem für es sinnvollsten Ort lernen können – und dies kann durchaus, wie weltweit üblich, auch eine Spezialschule oder Separatklasse sein.“

          Zeigen Sie (sie machen sich ja dem Herrn Felten seine Argumentation zu Eigen) bitte genau (unter Angabe der textlichen Fundstelle im Originaltext) wo das so steht. Anderenfalls ist es kein wirkliches belegbares (belastbares) Argument.

          „5. Sonntagsreden und Positionspapiere sind das eine, gesicherte Fakten das andere. Was sagen eigentlich Wissenschaftler, was sagt die Forschung zur Inklusion, als Prinzip wie im Detail? Es lohnt, sich eingehender damit zu beschäftigen – und es überrascht, mit welcher Skepsis Fachleute die Inklusionsbewegung betrachten. […]“

          Auch das ist kein Argument, sondern eine Fragestellung. Zu der im Übrigen Prof. Wocken et. al. genügend ausgeführt haben. Das inhaltlich zu sichten und ins eigene Gedankengerüst einzubeziehen, wäre jetzt ihre/Herrn Felten seine Aufgabe.

          „Man kann nicht deutlich genug betonen: Alle bislang aufgeführten Positivbefunde zu inklusiver Schulorganisation beziehen sich auf den Bereich der Primarstufe […] Aber was weiß man über die Auswirkungen von Inklusion danach, in der Sekundarstufe, in Haupt- und Realschule bzw. an Gymnasien? Die ebenso kurze wie ernüchternde Antwort: wenig bis nichts. […]“

          Und weil wir damals, über die Auswirkungen zur Erfindung des Rades noch nichts Gesichertes aussagen konnten, wurde es ja Gott-sei-Dank bis auch noch heute nicht erfunden!

          „Das heißt im Klartext: In einer Altersphase, in der der Schulstoff zunehmend komplexer und die Kinder nicht selten schwieriger werden, installiert man vielerorts munter Inklusionsschulen, ohne dass es belastbare empirische Anhaltspunkte dafür gäbe, dass sich das inklusive Prinzip für diesen Entwicklungsabschnitt überhaupt eignet, ja, ob es sich hier nicht sogar schädlich auswirkt.
          (Michael Felten)“

          Zum Herrn Felten – und auf den berufen Sie sich ja – sei gesagt: Schauen sie mal da hin, wo uns Inklusion auch in den höheren Klassenstufen schon vorgemacht wird, und Verwechseln nicht Kausalitäten mit Korrelationen.

          Zugegeben, ich habe mich jetzt auch etwas zur Überspitzung hinreißen lassen. Aber, ich stehe da einfach nur ratlos da, ob der Beharrlichkeit mancher Mitmenschen, die Welt nach eigenem Gutdünken umzudeuten oder zu ignorieren.

          Liebe Grüße
          Marco Riemer

          • Marco Riemer schrieb: “Es sind inhaltlich betrachtet oben nur 3 […] Argumente.”

            Glückwunsch. Das haben Sie korrekt erkannt.

            Ansonsten haben Sie sich, wenn auch unfreiwillig, mit der Position Michael Feltens auseinandergesetzt – so, wie er sie in seinem sehr lesenswerten Buch “Die Inklusionsfalle – Wie eine gut gemeinte Idee unser Bildungssystem ruiniert” darlegt und damit gleichzeitig jenen, die sich (wie Herr Prof. Wocken) als reine Inklusions-Theoretiker begreifen und dementsprechend “argumentieren”, die realen Folgen der Verbreitung ihrer Ideologie vor Augen führt.
            Das ist gut und kann nur helfen.

            P.S. Bereits auf der letztjährigen Didacta gab es am 23.2.2018 im Forum Bildung eine Podiumsdiskussion zur Inklusion. Im Ankündigungstext stand: “Die schulische Inklusion gilt gemeinhin als gescheitert.”

  12. ….womit wir wieder bei meiner Idee wären, dass die Theorie die Praxis und praktischen Möglichkeiten kritisch relektierend aufgreift und sich weiter entwickelt.

  13. @plus 6. Februar 2019 at 14:33

    Ja! Weil ich den von ihnen unterstellten „Verlust“ am wirtschaftlichen Ergebnis meines Betriebes, den der von ihnen fingierte „Minderleister“ angeblich verursacht, durch die Ersparnis der Ausgleichsabgabe (§ 160 SGB IX) ausgleiche.
    Im Übrigen, habe ich in der Behörde, die mir vorgesetzt ist ganz viele „Minderleister“ ohne Schwerbehindertenausweis ausgemacht!!! Ersetzt bekommen wir da nichts. Da zahlen wir alle drauf. Und es geht!

  14. @Aufmerksamer Beobachter 6. Februar 2019 at 17:28

    Sie schreiben: „Glückwunsch. Das haben Sie korrekt erkannt.“

    Wie schön wäre es gewesen, wenn sie mal erkannt hätten, das man Argumente mit Gegenargumente begegnet. Reines Zitieren, und dann keine eigenen gedanklichen Würdigungen zu den Zitaten folgen zu lassen, erscheint mir zu wenig, und lässt vermuten, dass es da keine sachdienlichen Argumente bei ihnen gibt.

    „Ansonsten haben Sie sich, wenn auch unfreiwillig, mit der Position Michael Feltens auseinandergesetzt – so, wie er sie in seinem sehr lesenswerten Buch “Die Inklusionsfalle – Wie eine gut gemeinte Idee unser Bildungssystem ruiniert” darlegt und damit gleichzeitig jenen, die sich (wie Herr Prof. Wocken) als reine Inklusions-Theoretiker begreifen und dementsprechend “argumentieren”, die realen Folgen der Verbreitung ihrer Ideologie vor Augen führt.“

    Und das wissen Sie genau, dass ich mich „unfreiwillig“ und zumal nur durch das Wirken ihre ehrenvolle Mentorenschaft mit Herrn Felten und Prof. Wocken auseinandergesetzt hab?

    „P.S. Bereits auf der letztjährigen Didacta gab es am 23.2.2018 im Forum Bildung eine Podiumsdiskussion zur Inklusion. Im Ankündigungstext stand: “Die schulische Inklusion gilt gemeinhin als gescheitert.”“

    Waren Sie da, am 23.02.2018 in Hannover, Halle, Stand C45???? Dann sollten Sie die Überschrift „Inklusion in der Schule: Ist sie gescheitert? Wie geht es weiter?“ https://www.didacta-hannover.de/veranstaltung/inklusion-in-der-schule-ist-sie-gescheitert-wie-geht-es-weiter/PAN/81639 sicherlich gelesen haben.

    Hier zunächst wird die Frage offengelassen, ob es denn so ist, das die Inklusion gescheitert wäre!!

    Und die Beschreibung der Podiumsdiskussion, aus der sie zitierten lautet im Gesamttext:

    „Die schulische Inklusion gilt gemeinhin als gescheitert, Moratorien werden gefordert. Hauptursachen scheinen mangelnde Finanzierung und fehlende Qualifikation der Lehrkräfte zu sein. Ist das wirklich alles? Gibt es andere Gründe? Haben auch die Eltern ausreichend unterstützt? Und wie kann ein zweiter Versuch gelingen? Welche Bedingungen müssen erfüllt werden? Wie kann sich durch Inklusion die Bildung für alle Kinder und Jugendlichen verbessern?“

    Ich lese hier einen Willen zum Festhalten an der schulischen Inklusion heraus! Nur unter anderen Gelingensbedingungen!

    Zitieren sie bitte im Zusammenhang und verdrehen bitte nicht, durch gezieltes Weglassen, den Sinn dessen, was der Veranstalter sagen wollte. Auch wenn es verständlich ist aus ihrer Position. Es bleibt schwach und durchschaubar.

    LG Marco Riemer

    • Sie sagen: “Ich lese hier einen Willen zum Festhalten an der schulischen Inklusion heraus! Nur unter anderen Gelingensbedingungen!”
      Dumm dabei ist nur die wachsende Erkenntnis, dass die “anderen Gelingensbedingungen” utopisch sind der vielfach geäußerte Wunsch danach so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hat. Darum wirkt er sich wie eine Durchhalteparole aus, die das Elend an den Schulen bis zum St. Nimmerleinstag verlängert.
      Hauptsache, die Inklusionsbefürworter (u.a. die GEW) können sich auf den “Willen zum Festhalten an der schulischen Inklusion” berufen und die Hände in Unschuld waschen. Sie haben dann ja nur das unterstützt und gefordert, was die Lehrer angeblich wünschten.

      • Genau so ist es, wenn ideologiedominierte Theorie auf Wirklichkeit trifft.
        Wäre mal was für Herrn Plasbergs Sendeformat.
        Aber dessen süffisante Ironie würde Herr Riemer wahrscheinlich genauso wenig erkennen wie die meine…

      • Die Lehrer sollten sich wirklich mal fragen, ob sie immer wieder die Inklusion bejahen, allerdings hinzufügen, dass sie sich bessere Rahmenbedingungen wünschen.
        Es glaubt doch keiner mehr, dass für eine befriedigende Lösung die dazu notwendigen finanziellen und personellen Erfordernisse aufgebracht werden (können!).
        Wer realistisch denkt, muss sich bei seinem Pro für die Inklusion darüber im Klaren sein, dass er letztlich für die Inklusion, wie sie in der Realität besteht, und für weitere Schließungen von Förderschulen stimmt.

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