Hochschulen bekommen 2,5 Millionen Euro von Langzeit-Studenten

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ERFURT. Wer lange für sein Studium braucht, muss in Thüringen zahlen. Studenten können über die Verwendung mit entscheiden. Einige wollen das System dadurch ad absurdum führen.

Thüringer Langzeitstudenten haben ihren Hochschulen im vergangenen Jahr erneut rund 2,5 Millionen Euro überwiesen. Damit blieben die Einnahmen aus Langzeitstudiengebühren im Freistaat relativ konstant, wie aus Daten des Wissenschaftsministeriums hervorgeht. Mit rund 2,46 Millionen Euro zahlten die Studenten etwas weniger als im Vorjahr. 2017 wurden für das deutliche Überziehen der Regelstudienzeit rund 2,47 Millionen Euro fällig.

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Bummelstudenten? – werden in Thüringen werden sie zur Kasse gebeten. Foto: Amariotti / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Bummelstudenten? – werden in Thüringen werden sie zur Kasse gebeten. Foto: Amariotti / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

In Thüringen müssen Studenten Langzeitstudiengebühren zahlen, wenn sie die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester – also zwei Jahre – überschreiten. Ab dann verlangen die Hochschulen 500 Euro pro Semester, so ist es im Thüringer Hochschulgebühren- und -entgeltgesetz geregelt. Nach Ansicht von Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist das Überschreiten der Regelstudienzeit kaum ein Problem in Thüringen. Die Gebühren seien dazu da, «dass die Studienzeit nicht unangemessen überschritten wird und Mitnahmeeffekte aufgrund des Studierendenstatus minimiert werden», sagte Tiefensee. Rund 90 Prozent würden ihr Studium beenden, bevor die Gebühren fällig würden.

Bei den Studierenden selbst stehen die Abgaben aber in der Kritik. Als im vergangenen Jahr das Hochschulgesetz novelliert werden sollte, protestierten die Studenten auch gegen die Langzeitstudiengebühren – ohne Erfolg.

Mit dem neuen Hochschulgesetz können die Studenten nun aber mitentscheiden, wofür das Geld eingesetzt werden soll. Die Regeln sehen vor, dass sich das Präsidium einer Hochschule dazu mit einem Gremium abstimmt, in dem die Studenten über eine Stimmenmehrheit verfügen.

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Nach Angaben von Florian Rippstein, Sprecher der Konferenz der Thüringer Studierendenschaften (KTS), wurden die Mittel bisher unter anderem für zusätzliche Tutoren ausgegeben, die Studierenden Grundlagenwissen vermitteln oder bei der Orientierung in den ersten Wochen helfen. An der TU Ilmenau werde zum Beispiel ein Tutor für ausländische Studierende mit dem Geld finanziert. Außerdem sei die Betreuung in der Hochschul-Kita ausgeweitet worden. Dennoch lehnt die KTS Langzeitstudiengebühren weiterhin strikt ab. «Sie gehören unserer Meinung nach abgeschafft», sagte Rippstein.

Ihre neue Macht, was mit dem Geld passiert, wollen die Studenten offenbar auch gegen die Gebühren richten. Laut Rippstein gebe es Überlegungen, das Geld für Protestaktionen gegen Langzeitstudiengebühren zu verwenden. Gerade Studenten, die neben dem Studium arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen, würden durch die Gebühren schnell in einen Teufelskreis geraten, sagte Rippstein. Um die 500 Euro pro Semester bezahlen zu können, müssten sie noch mehr arbeiten und bräuchten letztlich länger für ihr Studium.

Allerdings können Studenten durch eine Härtefallregelung auch von den Gebühren befreit werden. Im vergangenen Jahr wurden nach den Daten des Wissenschaftsministeriums mindestens 632 Härtefälle anerkannt. Allerdings würden nicht an allen Hochschulen im Land Daten dazu erfasst. (dpa)

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