Hamburg will neue Schulform einführen (“Campusschule”) – Schulleiter warnen

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HAMBURG. Die geplante Einführung von sogenannten Campusschulen in Hamburg stößt bei den Direktoren der Stadtteilschulen auf Kritik. «Die dort vorgesehene Trennung der SchülerInnen nach der 6. Klasse entspricht nicht dem Selbstverständnis einer integrierten Stadtteilschule», erklärte die Vereinigung der Schulleiter im Landesverband Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule (GGG) am Sonntag. «Die “Stadtteilschulklassen” wären de facto der Rückschritt zu den früheren Haupt- und Realschulklassen im ehedem dreigliedrigen Schulsystem.»

Debatten über die Schulstruktur hatten sich in Hamburg weitgehend erledigt – flammen sie jetzt wieder auf? Foto: clearlens-images / pixelio.de

Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte im August in einer Videobotschaft betont, die Campusschulen seien «lupenreine Stadtteilschulen» mit einem besonderen Zusatzangebot. Sie böten das Abitur sowohl nach neun als auch nach acht Schuljahren an. Künftig solle es in jedem Hamburger Bezirk zumindest eine Campusschule geben.

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Hamburgs Schulsystem besteht aus zwei Säulen, den Stadtteilschulen und den Gymnasien. Die Gymnasien führen in acht Jahren zum Abitur. Die Stadtteilschulen bieten neben dem Haupt- und Realschulabschluss das Abitur nach neun Jahren an.

Der Verband der Stadtteilschuldirektoren befürchtet, dass die Campusschulen eine weitere Konkurrenz «mit ein bisschen mehr Gymnasium» schaffen würden. CDU und FDP in der Bürgerschaft hatten dagegen kürzlich die Sorge geäußert, dass das Experiment Campusschule langfristig zur Abschaffung der Gymnasien führen könnte.

Der Vereinigung der Schulleiter/innen der Hamburger Stadtteilschulen im Landesverband der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule gehören nach Angaben eines Sprecher rund 50 der 58 Stadtteilschuldirektoren an. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Zunächst erwarte ich die Abwanderung der Realschul- und Gymnasiumklientel aus den Stadtteilschulen an die Campusschulen. Je nach Ausgestaltung der Anzahl kann es auf Kosten der Gymnasien gehen, die dann möglicherweise auch umgewandelt werden. Solange die Politiker ihre eigenen Kinder in Hamburg in die Schule schicken, glaube ich aber nicht so sehr daran.

    Insgesamt halte ich eine erneute Aufspaltung in ein dreigliedriges Schulsystem aus G8-Gymnasium, G9-Gesamtschule (Campus) und Hauptschule (Stadtteil) für durchaus möglich.

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