Klo für alle in Schulen und Hochschulen – diskriminierungsfrei und praktisch

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HANNOVER. Es gibt Toiletten für Frauen und Toiletten für Männer. Doch auf welche gehen Menschen, die sich weder als das eine noch als das andere fühlen? Viele Unis haben dafür inzwischen eine Lösung gefunden – auch immer mehr Schulen zeigen sich interessiert.

Die Toilette, auf die alle dürfen, an der TH Köln. Foto: Screenshot / Asta der TH Köln

An der Uni Oldenburg wird ihre Einrichtung diskutiert, andere Hochschulen haben sie längst: Unisex-Toiletten. Für alle, die sich weder eindeutig als Frau noch als Mann fühlen, erleichtert das den Alltag. Die Entscheidung, welches Klo sie benutzen sollen, fällt weg. In einer Unisex-Toilette ist jeder richtig. Die Hochschulen wollen damit ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen – und sehen außerdem einen praktischen Nutzen. “Auf Veranstaltungen, wo sich sonst häufig Toilettenschlangen vor der Damentoilette gebildet haben, kommt es dazu jetzt seltener zu Wartezeiten”, so berichtet der Asta der TH Köln auf seiner Homepage (vgl. auch Beitrag unten).

Die Umwidmung der Hochschulklos geschieht meisten geräuschlos – läuft

Die Universität Bremen hat dank eines Kunstprojekts bereits seit Anfang der 2000er Jahre ein solches WC. Außerdem gibt es in unterschiedlichen Gebäuden vier weitere genderneutrale stille Örtchen. Durch Umwidmung seien sie automatisch für eine größere Zahl von Benutzern zugänglich, sagt eine Sprecherin. Zwei liegen in der Nähe von großen Veranstaltungsräumen. Das sorgt der Sprecherin zufolge bei großem Andrang für kürzere Schlangen.

Sogar 17 genderneutrale Toiletten hat die Hochschule Hildesheim-Göttingen-Holzminden (HAWK) an all ihren Standorten eingerichtet, wie eine Pressesprecherin erklärt. So gibt es in fast jedem Gebäude mindestens eine solche WC-Anlage. Um die Gleichbehandlung sicherzustellen, hatte das Gleichstellungsbüro der Hochschule die Initiative ergriffen und die Toiletten auf Basis eines Präsidiumsbeschlusses 2018 eingeführt.

Wie viele «WCs für Alle» es mittlerweile an der Universität Göttingen gibt, kann gar nicht genau gesagt werden. Denn es werden kontinuierlich weitere Toiletten umgewidmet. Die Rückmeldungen dazu seien bisher positiv, sagt ein Sprecher. Alle könnten so problemlos die Toilettenräume ihrer Wahl nutzen.

In Hannover ist die Trennung von weiblich und männlich (noch) in Ordnung

Der Sprecher betont, dass geschlechtsneutrale Toiletten eine Alternative und Ergänzung zu den Toiletten für Männer und Frauen seien, diese aber nicht ersetzen. «Ein erster Auslöser für die Einrichtung von sogenannten WCs für Alle waren Anfragen von Trans*Personen, insbesondere von Trans*Studierenden», berichtet er. Auch an der Uni Göttingen sorgen die Unisex-Toiletten dafür, dass sich keine langen Schlangen bilden, wie es bei Veranstaltungen häufig vor Frauenklos der Fall ist. Männer sowie Frauen könnten die Unisex-Toiletten bei großem Andrang mitbenutzen, sagt er.

Eine Forderung nach Unisex-Toiletten ist dagegen an der Universität Hannover bisher nicht eingegangen. «Die baulichen Möglichkeiten vor allem im Hauptgebäude sind eingeschränkt», meint die Sprecherin. Ohne entsprechende Forderungen sei die Trennung in männlich und weiblich, also der aktuelle Stand der Dinge, in Ordnung.

Genderneutrale Toiletten fehlen auch in der Universität Oldenburg. Doch das könnte sich bald ändern. «Das Thema wird universitätsintern derzeit diskutiert, um in einem sorgfältigen Abwägungsprozess zu einem guten Ergebnis zu kommen», sagt die Unisprecherin salomonisch.

Schulleiter: Toiletten tragen zu etwas mehr Toleranz der Schüler bei

Dass geschlechtsneutrale Toiletten nicht nur etwas für Hochschulen sind, beweist eine Göttinger Schule. Seit dem Schuljahr 2018/2019 gibt es am Hainberggymnasium ebenfalls Unisex-Toiletten (News4teachers berichtete). Im Schulalltag seien die Klos einfach da, das sei gar kein so großes Thema mehr, sagte Schulleiter Georg Bartelt. Er würde zwar nicht so weit gehen, dass die Schüler durch die Toiletten Toleranz lernten, doch: «Es trägt ein wenig dazu bei.»

Auch andere Schulen in Göttingen überlegen laut Bartelt geschlechtsneutrale WC-Anlagen einzurichten. Das Kultusministerium in Hannover hat keinen Überblick, wie die Situation in ganz Niedersachsen aussieht. Dies sei Sache der kommunalen Schulträger, hieß es. Von Johanna Hering, dpa

Im Wortlaut

Seit kurzem gibt es die erste offizielle All-Gender Toilette auch an der TH Köln. Diese ist entstanden im Rahmen eines vom Präsidium der Hochschule bestätigten Pilotprojektes, so berichtet der Asta der Hochschule auf seiner Seite.

“Toiletten mit binärer (m/w) Geschlechtertrennung diskriminieren Personen, die sich als intersexuell, transsexuell oder transgender identifizieren”, so heißt es zur Begründung. “Darüber hinaus auch jene, die sich schlichtweg keiner binären Geschlechterordnung unterordnen können bzw. möchten. Auch betrifft es Elternteile, die mit ihren gegengeschlechtlichen Kindern eine Toilette aufsuchen.”

Weiter heißt es: “Diskriminierung findet immer dann statt, wenn eine Person 1) eine Toilette aufsucht, die ihrer subjektiven geschlechtlichen Identität entgegensteht, 2) die Person auf einer Toilette angefeindet wird (z.B. weil ihr objektives Erscheinungsbild nicht dem „Label“ des Toilettenraums entspricht) oder 3) kein Toilettenraum existiert, der die geschlechtliche Identität der Person widerspiegelt.”

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Die Geschlechterdebatte erreicht die Schulklos: Erstes Gymnasium richtet eine Unisex-Toilette ein

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3 KOMMENTARE

    • Sogar 160000 Fälle sind lächerlich wenig, 150 sind ein schlechter Witz. Man muss sich berechtigt fragen, weshalb sich das Bundesverfassungsgericht damit befassen wollte und wie diese Verfassungsklage überhaupt den Weg zum Bundesverfassungsgericht gefunden hatte.

      • Erst seit der Option “Divers” im Pass gibt es eine gute Datengrundlage für Hochrechnungen, vorher waren die Schätzungen sehr viel unsicherer.

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