Guter Start? Lehrerverbände: Kurze Vorbereitungszeit hat für Schulen nicht gereicht

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DÜSSELDORF. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sprach von einem „gelungenen Start“ – Lehrerverbände sehen die vorläufige Bilanz der gestrigen Schulöffnungen in Nordrhein-Westfalen deutlich anders. Der Philologenverband und die GEW erneuerten ihre Kritik nach den ersten Erfahrungen. „Es zeigt sich eindeutig, dass die Vorbereitungszeit nicht ausgereicht hat, um einen umfassenden und einheitlichen Infektionsschutz an allen Schulen im Land zu gewährleisten“, so erklärte Philologen-Landesvorsitzende Sabine Mistler gegenüber der „Rheinischen Post“. Im Netz meldet sich ein prominenter Kritiker zu Wort.

Jahrzehntelange Defizite bei der Schulausstattung und der kurzfristige Eröffnungstermin – Nordrhein-Westfalen war von der Bund-Länder-Vereinbarung, die Schulen erst ab dem 4. Mai schrittweise zu öffnen, abgewichen – hätten kaum erfüllbare Rahmenbedingungen gesetzt, so erklärte Mistler gegenüber dem Blatt. Die vom Schulministerium (erst am späten Samstagabend per Mail an die Schulen) vorgegebenen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz würden „sehr unterschiedlich interpretiert“. Heißt konkret, so die Philologen-Chefin: „An vielen Schulen gibt es weder Desinfektionsmittel noch Masken.“

In der Kritik: NRW-Schulmniisterin Yvonne Gebauer. Foto: MSB/ Susanne Klömpges

Auch die GEW sieht gravierende Defizite beim Schutz vor Corona-Infektionen in den Schulen. „Der Gesundheitsschutz ist in den Schulen nicht überall gewahrt. Wir gehen ein sehr hohes Risiko ein“, erklärte GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. Gebauer sprach gegenüber der „Rheinischen Post“ von „einzelnen Ausnahmen“, denen das Ministerium nun nachgehe.

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Im Landtag hatte Gebauer zuvor Kritik an Versäumnissen der kommunalen Schulträger, die für die Hygiene in den Einrichtungen verantwortlich seien, geübt (News4teachers berichtet hier ausführlich). Trotz üppig ausgestatteter staatlicher Hilfsprogramme seien die Gelder vielerorts nicht zur nötigen Sanierung und Ausstattung der Schulen abgerufen und verwendet worden. „Da gibt es manchen Offenbarungseid“, stellte die Ministerin im Schulausschuss fest. Zu einer Verschiebung des Öffnungstermins aus diesem Grund – wie unter anderem von der GEW, der Schulleitungsvereingung NRW, dem Städtetag NRW und den privaten Schulträgern gefordert – war sie allerdings nicht bereit.

Rezo: „Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen“

Unterdessen hat sich der Youtuber Rezo – der durch das Video „Die Zerstörung der CDU“ bundesweit für Wirbel gesorgt hatte – wegen der frühen Schulöffnungen zu Wort gemeldet. In einem aktuellen 19-minütigen Video mit dem Titel „Wie Politiker momentan auf Schüler scheißen“, in dem er konkret die Situation in Nordrhein-Westfalen anspricht, erklärt er: „Einige Leute haben ihren Job hier richtig hart verkackt.“ Inkompetente Leute würden „völlig unvorbereitet diesen Shit durchziehen lassen“. Und: „Wären das Mitarbeiter von mir, würde ich die jetzt rausschmeißen“. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Wenn Parteistrategen in der Coronakrise die Schulpolitik übernehmen: Öffnen um jeden Preis? Der riskante Kurs des ehrgeizigen Herrn Laschet

 

 

 

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5 KOMMENTARE

  1. Gibt es schon Erfahrungen, inwiefern sich sich die 10er an die Regeln gehalten haben? Bei den 10ern an meiner Schule würde ich beim sozial obersten Drittel von einem Funktionieren ausgehen, beim mittleren Drittel erst nach vielen Ermahnungen, beim unteren Drittel wird es nicht funktionieren. Bei den 9ern, so sie denn ab 4. Mai wieder erscheinen müssen, würde es beim obersten Drittel vielleicht, beim Rest nicht funktionieren. Dabei habe ich noch nicht berücksichtigt, dass sich 9er und 10er auch nicht über den Weg laufen sollen.

    Fazit: Es klappt nicht.

  2. Ich war gerade selber in der Schule bzw. Berufskolleg. Ich war in einem Klassenraum mit 12 Schülern zusammen. Man hat zwar für etwas Abstand mit Tischen gesorgt, aber alles wirkt eher nur provisorisch. Der Weg von Draußen bis zum Klassenraum,Abstandhalten?!Niemand hat wirklich den Abstand gehalten.Ständig kam man sich doch zu Nahe, weil die Durchgänge im Schulgebäude zu eng sind. Die Lehrer wirkten sehr überfordert, da sie mehrmals die Schüler auffordern mussten Abstand zu halten. Ich frage mich da wie soll das überhaupt mit jüngeren Schülern bzw. Kindern funktionieren, wenn es nicht mal bei den älteren Schülern klappt?

    • Diese Erfahrung mache ich als Verkäuferin seit Wochen jeden Tag.
      Und da handelt es sich um Erwachsene Menschen!
      Das mit dem Abstand halten klappt eben nur, wenn jeder auf jeden achtet und Rücksicht nimmt.
      Da ist jeder mit Verantwortlich?

  3. Zitat:
    Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sprach von einem „gelungenen Start“.

    Lächerlich, diese Aussage ist wirklich lächerlich, genau wie die Aussage vor kurzem, dass sie ja alles dafür getan hätte, dass sich Schülerinnen und Schüler sicher fühlen können.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass selbst 10.Klassen vollkommen unterschiedlich mit den Regeln umgehen. Wie zu erwarten war, halten sich viele einfach nicht daran, und viele andere geben sich wirklich große Mühe. Nützt halt einfach nichts, wenn 5-8 von 30 Leuten sich nicht an die Regeln halten möchten. Gefährdet werden dann alle.

    Das einzige Übrigens, was von Seiten des Schulministeriums gemacht wurde, ist eine Bezugsstelle für Desinfektionsmittel zu organisieren, diese Möglichkeit aber auch viel zu spät. Ansonsten wurden einfach Vorgaben gemacht, die stets bereits nach 1-3 Tagen gelten sollten und alle Kommunen, Schulleitungen, Bezirksregierungen wurden stets alleine stehen gelassen.
    Nebenbei ist es ein echter Skandal, dass in Schulen keine Mundschutzpflicht gilt, während man demnächst im Supermarkt mit maximal einer Person pro 10m² einen Mundschutz tragen muss!!! Hier geht es vermutlich nur um die eigenen Interessen, da die Mundschutze ja ansonsten auf irgendeine Art und Weise gestellt werden müssten, was durch andere Bundesländer erfolgt ist, was man in NRW aber wieder nicht auf die Kette bekommt, genau das Gleiche wie mit einem System zum Fernlernen.

    An der Stelle kann man immer nur für sich sprechen, aber was hier durch Armin Laschet und Yvonne Gebauer in den letzten Wochen gelaufen ist, werde ich definitiv bis zur nächsten Wahl nicht vergessen haben, ich bin extrem enttäuscht.

    • Das kann ich voll bestätigen. Wenn dann ab übernächste Woche die noch deutlich stärker pubertierenden 9er dazu kommen, geht überhaupt nichts mehr.

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