Lehrer, Schüler und Eltern fordern Personal für Gesundheitsschutz an Schulen

17

BERLIN. Schulen brauchen in der Coronakrise aus Sicht von Bildungsorganisationen dringend mehr Aufsichts- und Reinigungspersonal – sowie Gesundheitsfachkräfte. Ohne weitere Unterstützung sei es nicht möglich, die vorgeschriebenen Maßnahmen zum Infektionsschutz sicherzustellen, teilten in einer gemeinsamen Erklärung niedersächsische Lehrer-, Eltern und Schülerorganisationen mit. Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann erinnerte an eine alte Forderung seines Verbandes, Gesundheitsfachkräfte an Schulen einzusetzen.

Gesundheitsfachkräfte sollen die Kollegien an Schulen verstärken. Foto: Shuttersstock

«Aufgrund der weiterhin bestehenden Infektionsgefahr ist es besonders wichtig, dass für die Einhaltung der Hygieneschutzbestimmungen an den Schulen Sorge getragen wird, ansonsten ist ein sprunghafter Anstieg der Infektionszahlen vorprogrammiert», heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Landeselternrat, der Landesschülerrat, der Verband niedersächsischer Lehrkräfte, dem VBE, der Philologenverband und der GEW in Niedersachsen.

Jüngere Schüler benötigen Anleitung und Betreuung

Demnach brauchen vor allem die vielen jüngeren Schülerinnen und Schüler, die nun nach und nach zurück in die Schule kommen, Anleitung und Betreuung, etwa um den vorgeschriebenen Abstand voneinander einzuhalten. «Es ist schon jetzt bekannt, dass an vielen Schulen eine erhebliche Anzahl von Lehrkräften nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen wird, weil sie selbst oder mit ihnen im Haushalt lebende Personen zur Risikogruppe gehören.» Auch für die notwendigen Reinigungsarbeiten im Laufe des Schultages fehle Personal.

Lehrerkalender 2020/21
nicht vergessen!
Varianten anzeigen

„Wir könnten schon längst bundesweit Schulgesundheitsfachkräfte im Einsatz haben, wenn die Politik zeitnah in die Umsetzung gekommen wäre. Denn wir forderten bereits im März 2017 gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die Ausbildung und den zeitnahen, bedarfsgerechten und flächendeckenden Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften und hatten dazu alle Gesundheits- und Kultusministerien angeschrieben. Diese Chance wurde vertan und fällt uns in der aktuellen Situation auf die Füße“, stellt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann fest (News4teachers berichtete seinerzeit ausführlich über den Vorstoß – hier geht es zum Bericht).

Entlastung für Lehrkräfte

„Gerade jetzt braucht es dringend Expertise in dem Bereich Prävention und Hygiene, aber auch Unterstützung zum Beispiel bei der Feststellung von Erkältungssymptomen. Das alles könnten Schulgesundheitsfachkräfte leisten“, sagt er. Modellprojekte in Brandenburg und Hessen hätten gezeigt: „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung, können chronische Kranke oder beeinträchtigte Schülerinnen und Schüler unterstützen, Medikamente verabreichen und Ansprechperson in Gesundheitsfragen für alle Schulbeteiligten sein.“ Als Teil eines multiprofessionellen Teams tragen sie entscheidend zu einem besseren Schulklima und der Entlastung der Lehrkräfte bei. „Die Länder müssen die Erkenntnisse aus den Modellprojekten nutzen und zeitnah den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften umsetzen“, fordert Beckmann. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Begleitstudie zu Modellversuch bestätigt: Schulschwestern sind eine enorme Entlastung für Lehrer – wann gibt’s die endlich an jeder Schule?

Anzeige


17 KOMMENTARE

  1. Stichwort „Schulkrankenschwester“ (sorry für den Begriff!), also eine ausgebildete Gesundheitsfachkraft, die an der Schule tätig ist und auch das medizinische Wissen und die Erfahrung mitbringt. Solche so genannten „school nurses“ gibt es in den USA und auch in Kanada. Und es ergibt Sinn, denn weder Lehrer, noch die Schulsekretärin sind fachlich im Ungang mit Infektionen und Erkrankungen ausgebildet oder geschult.

    • Eine Schulkrankenschwester erhöht nachweislich den Gesundheitszustand aller Schüler, ich frage mich bis heute, warum sich nicht wenigstens zwei Schulen je eine Kraft teilen. Achso, wir haben ja angeblich kein Geld. So wie wir kein Geld für Sozialarbeiter, Verwaltungsfachkräfte, Erzieher und andere Personen haben, die den Lehrern endlich mal helfen könnten.

  2. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist, dass eine medizinische Fachkraft ad hoc bei einem Verdacht feststellen kann, ob ein blaues Fleck oder eine anderweitige Verletzung auf Gewaltanwendung zurückgeführt werden könnte.

    • Das finde ich interessant da Grundschulkinder ja permanent mit blauen Flecken nach Hause kommen. Grundsätzlich sollte doch die Fürsorge in der Hand der Sorgeberechtigten verbleiben. Dazu gehören für mich gesundheitliche Aspekte in erster Linie. Ich möchte nicht das irgendwer meinem Kind Medikamente verabreicht wenn die nicht mit dem Hausarzt abgesprochen sind. Sorry aber diese neue Art von Beschulung wird unsere Kinder nachhaltig schaden denn zu einem gesunden Umgang mit anderen Kindern gehört auch körperlicher Kontakt. Ob es ein Raufen, knuddeln oder Ballspiele sind Kinder können keine sozialen Kontakte pflegen ohne sich nahe zu sein. Man darf gespannt sein wie viele Kinder in den nächsten zwei Jahren psychologische Hilfe benötigen. Jede Schule hat neben Lehrern, Schulpsychologen und Erzieher die können ebenso Aufgaben übernehmen ohne unsere Kinder mit Pillen zu füttern.

      • Nur dass die „Schulkrankenschwester“ im Gegensatz zu Lehrkräften und Sekretariatskräften ärztliche verordnete Medikamente verabreichen darf.

      • Welche Schulen haben denn Schulpsychologen und Erzieher? *wunder*
        Hier ist das nicht üblich.

        Schulpsychologen gibt es, ich weiß sogar, wie die für uns zuständige aussieht.
        Die Anzahl wurde in manchen Bundesländern in den letzten Jahren tatsächlich deutlich erhöht, dabei kommt 1 SchulpsychologIn auf ca. 5000 bis 15000 SchülerInnen und auf ca. 400 bis 1300 Lehrkräfte (je nach Bundesland).
        (siehe https://www.bdp-schulpsychologie.de/backstage2/sps/documentpool/2016/160927_praxis_schulpsychologie.pdf)

      • @Eine Mutter
        In Elternperspektive ist Ihre Antwort verständlich. Aus Ihren Worten spricht, dass Sie Ihr Erziehungsrecht (beinhaltet Rechte und und auch Pflichten der Eltern) wahrnehmen, was ein Teil der Eltern leider nicht in ausreichendem Maße macht (gottseidank der geringere Teil)

        Es ist Ihnen jedoch passiert, dass Sie mit dieser Perspektive fehlinterpretiert haben:

        * „Ich möchte nicht das irgendwer meinem Kind Medikamente verabreicht wenn die nicht mit dem Hausarzt abgesprochen sind.“ Selbstverständlich nicht. Wir stehen als Lehrer jedoch immer wieder vor dem Dilemma, dass wir von Ärzten dem Kind verordnete Medikamente verabreichen SOLLEN. Eltern fordern uns dazu auf. Bspw. bei einzuhaltenden Stundenabständen, weil das Kind zu jung/unreif/vergesserlich ist, etwas falsch machen könnte. Ganz typisch sind auch neu diagnostizierte Diabetiker. Regelmäßig bekommen WIR dann die Aufforderung auf Unter/Überzuckerung zu achten, bei Messwerten soundso dies und das tun … Ausgebildet sind wir nicht, aber falsche Entscheidungen sollen wir auch nicht treffen.

        * „Jede Schule hat neben Lehrern, Schulpsychologen und Erzieher die können ebenso Aufgaben übernehmen ohne unsere Kinder mit Pillen zu füttern.“ Mir ist nicht ganz klar, was sie mit Pillenfüttern meinen. Dass Schule Medikamente gibt, damit sie nicht so viel Arbeit hat?

        * „Das finde ich interessant da Grundschulkinder ja permanent mit blauen Flecken nach Hause kommen.“ „Ob es ein Raufen, knuddeln oder Ballspiele sind Kinder können keine sozialen Kontakte pflegen ohne sich nahe zu sein.“ Medizinisch ausgebildetes, geschultes Personal ist eher in der Lage zu erkennen, ob es sich um Spielverletzungen oder Flecken aus „Raufereien“, Ungeschicklichkeiten etc. handelt, oder ob es Signale gibt, die eine Gefährdung vermuten lassen. Das ist für uns unhemlich schwer, denn natürlich wollen wir nicht ungerechtfertigt Verdacht hegen, andererseits wollen und müssen wir eine Antene auch für vage Erkennungszeichen von Gewalt gegen die Kinder haben – neben Elternhaus kommt da auch Mobbing durch Mitschüler oder in Jugendfreizeitgruppen infrage. Es steht am Ende, ob eine Arztvorstellung sein muss oder es dafür gar keinen Anlass gibt. Gegenwärtig sind wir Lehrer damit allein und können uns nur gegenseitig unterstützen. Ausgebildet sind wir dafür nur in Ansätzen, aber falsche Entscheidungen sollen wir auch nicht treffen.

        * Noch mal unter anderer Sicht der Satz „Jede Schule hat neben Lehrern, Schulpsychologen und Erzieher die können ebenso Aufgaben übernehmen …“ Schön wär’s und notwendig wäre es auch.
        ERZIEHER sehen Kinder in den Grundschulen, falls diese im Hort sind. Wenn nicht, dann nicht. In BB und B, wo die Grundschule bis zur 6. Klasse geht, bin ich mir nicht sicher. Ansonsten sind ab Klasse 5 keine Erzieher geplant. Wo es Ganztag gibt, eben für diese Stunden auch pädagogisch eingesetzte andere Kräfte ohne Lehrer; manchmal in Förderstunden welche und ab und zu als Integrationshelfer in einigen Stunden (bei Schülern mit schweren Erkrankungen oder diagnostizierten(!) sozial-emotionalen Entwicklingsstörungen), die können Pädagogen sein oder auch nicht.
        Und SCHULPSYCHOLOGEN an jeder Schule? Woher haben Sie dieses denn? Wenn es GANZ DRINGENDE Fälle gibt, in denen uns jemand psychisch wegzurutschen droht, können wir froh sein, wenn der Termin nur drei oder vier Wochen in der Ferne liegt. Das trifft sowohl auf psychologische (Erst)Beratung als auch auf Diagnostik zu. Normalfall ist mehrere Wochen bis Monate. Ich habe auch von Kollegen aus anderen Bundesländern nie etwas derartiges gehört. – Greifbare Schulpsychologen an jeder Schule. Das trifft einschließlich weiterer Personalausstattung auf die oft zitierten skandinavischen Länder zu. Nicht auf mein Bundesland und soweit ich weiß, auch auf kein anderes in Deutschland (jenseits von einigen Privatschulen) – Liebe Kollegen, kennt jemand ein Bundesland, in dem eine Schule einen eigenen Schulpsychologen hat oder sich nur zwei/drei einen regelmäßig agierenden teilen?

  3. Der LVR in Köln plant die nachträgliche Umsetzung in Kurzarbeit für einen Teil seiner Pflegefachkräfte an seinen Förderschulen. Nur mal so zum Aufregen.

    • Es geht meist ums Geld, selten um das Kindeswohl. Deswegen bin ich immer sehr skeptisch, wenn von offizieller Seite das Kindeswohl als Argument für irgendwas angeführt wird.

      • Das kann ich nur bestätigen! Auch bei der Schulöffnung geht es nicht um die Kinder,um Bildung oder um Kinderkontakte (die können Eltern leicht herstellen, es dürfen sich 2 komplette Haushalte treffen) , sondern in allererster Linie darum, die Eltern von der Betreuung freizustellen. Egal, ob zur Freisetzung der Arbeitskraft oder zur Beendigung der öffentlichen Beschwerden. Stehen ja bald wieder Wahlen an. Traut sich nur keiner auszusprechen….

        • Genau so ist es. Zumindest aber in der Landespressekonferenz von Sachsen-Anhalt wurde offen und ehrlich zugegeben, dass der Übergang zum Regelbetrieb in Kitas und Grundschulen ab Juni erfolgt, damit die Betreuung der Kinder gesichert ist und Eltern der Wirtschaft wieder in vollem Umfang zur Verfügung stehen können.

  4. Ich arbeite seit dem 27.04. wieder in der Schule. Die Waschbecken die vor Corona kaputt waren sind es immer noch. Desinfektionsspender gibt es sie sind seit dem wir wieder da sind leer. Den Schülern wird erzählt das Glasreiniger Desinfektionsmittel sei. Kurz um die Hygiene Vorschriften von Frau Gebauer gibt es als Schulmail. Bei der Umsetzung oder Materialbeschaffung sind die Schulleitung en komplett alleine gelassen worden. Aber wie sagte Frau Gebauer nach dem ersten Schultag“ es hat sehr gut geklappt keine Besonderheiten“ . Es ist zum totlachen oder zum heulen.

  5. Dass Kolleginnen 5 Stunden ohne jegliche Pause durcharbeiten.
    Dass sie extra nichts trinken, weil keine (nicht mal 15 Min.) Pause eingeplant ist und sie fürchten müssten, auf die Toilette gehen zu müssen. Denn nur so sei sichergestellt, dass die 5. Klässler im Außengelände Abstand halten.

    Welche Arbeitsbedingungen sind das?

    • Sowas hatten wir Lehrer aber auch schon vor Corona. Sind das nicht mitunter unsere „ganz normalen“ Arbeitsbedingungen?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here