Lehrermangel: Kritik an schweren Aufnahmeprüfungen in Musik, Sport oder Kunst

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SCHWERIN. An Mecklenburg-Vorpommerns Schulen haben im vergangenen Schuljahr 2541 Lehrerinnen und Lehrer Musik, Sport oder Kunst unterrichtet, ohne für diese Fächer eine Lehrbefähigung zu haben. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Vor allem an Grund- und Regionalschulen unterrichten demnach Lehrkräfte in diesen Fächern ohne entsprechende Ausbildung.

Jeder Mensch ist musikalisch, sagen die Forscher - mehr oder weniger jedenfalls. (Foto: Marko Greitschus/pixelio.de)
In Mecklenburg-Vorpommern fehlen Lehrkräfte in den Fächern Musik, Kunst und Sport. Ein möglicher Grund: Die harten Aufnahmeprüfungen. Foto: Marko Greitschus/pixelio.de

„Andererseits fällt die Hälfte derjenigen, die Lehramt für Musik, Kunst und Sport studieren wollen, durch die Aufnahmeprüfung und darf damit das Fach nicht studieren“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg. Sie forderte, die Zugangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium in Musik, Kunst und Sport herunterzuschrauben.

„Wir suchen keine Starpianisten, Olympiakader oder Picassos – wir brauchen Musik-, Sport- und Kunstlehrer.“ Sie verstehe nicht, warum jungen Menschen mit Interesse am Beruf „die Tür vor der Nase zugehauen“ werde, wenn es zugleich den tausendfachen Beweis gebe, dass man auch ohne Aufnahmeprüfung und entsprechende Ausbildung sehr gut diese Fächer unterrichten könne. dpa

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20 KOMMENTARE

  1. Die Linken und ihr ewiger Traum der Gleichmacherei, indem berechtigte Zugangshürden heruntergesetzt werden sollen. Es nervt.

    Natürlich müssen (!) Musiklehrer Instrumente beherrschen, natürlich müssen Kunstlehrer einen gewissen Hang zur Ästhetik haben und ein Sportlehrer sollte es schaffen, nicht nach 100m Sprint japsend zusammenzuklappen. Vereinfacht dargestellt und sicher nicht alles, was jeweils gekonnt werden muss. Es gibt gar keinen Beweis dafür, dass Fachfremde Lehrer das so unterrichten, wie ausgebildete Lehrer oder Aushilfen, die aber tatsächlich auch das Fach mal studiert haben (mit einem Abschluss).

    Jemand der zwar einen Bezug zur Materie hat, aber nicht die notwendigen Fähigkeiten, der sollte das Fach auch nicht unterrichten. Alles andere ist pure Stümperei im Regelfall.

  2. Im Fach Mathematik bleibt von den Erstsemestern im dritten Semester auch nur noch die Hälfte oder so übrig, weil der Rest die Anfängervorlesung ein zweites Mal versucht oder ganz abgebrochen hat. Auch in anderen Studiengängen gibt es klassische Aussiebveranstaltungen, oft aber Mathematik. Wo ist also das Problem?

    • „Auch in anderen Studiengängen gibt es klassische Aussiebveranstaltungen“
      Stimmt, bei uns gab es die in allen möglichen Fächern gleich zu Beginn. Hatte man den Schein der ersten Veranstaltungen nicht, konnte man nicht in die nächsten Kurse gehen.
      In Mathematik ist es allgemein bekannt, aber möglich und reell auch in anderen Fächern..

      Zudem regeln es in anderen Fächern NC und Aufnahmeprüfungen bzw. Sprachnachweise.

  3. Wie immer hat auch dieses Thema mindestens 2 Seiten:
    Zum einen haben die Studierenden am Ende des Studiums die Möglichkeit sich zu entscheiden, ob sie in den Schuldienst möchten oder eine Laufbahn als Berufsmusiker / freischaffender Künstler/ oder „Sportskanone“ einschlagen wollen.
    In dem Fall sind die Voraussetzungen für die finanziell und zeitaufwendigen Studiengänge durchaus gerechtfertigt.
    Sollte jedoch zum anderen ein reines Lehramt ganz sicher angestrebt werden, wären die Anforderungen und Zielsetzungen gewiss zu überprüfen. Aber auch hier sehe ich als Ausnahme das Lehramt an Gymnasien, denn hier sind die fachlichen Fähigkeiten absolut entscheidend: Chor- und Orchesterleitung, Bigband , bei der öffentlichen Darstellung der Schule…., ( besonderer in den höheren Klassen/ Oberstufe).
    In jedem Fall sollte aber die Qualität der Ausbildung keinesfalls zum „Schmalspurmusiker/- Künstler/- Sportler“ degradiert werden.

  4. Ich sehe auch zwei Herangehensweisen, die sich aber nicht unbedingt damit decken, dass man als Lehrkraft weniger kennen oder können müsste:
    Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist, ob man für das Studium die Begabten herausfiltern möchte oder ob eine allgemeine Zugangsberechtigung ausreichen müsste, um ein Studium ergreifen zu können.
    Anders ausgedrückt: Reicht es, mit den in der Schule erworbenen Kenntnissen das Studium ergreifen zu können?
    Ist das in allen Fächern gleich oder gibt es da Unterschiede?
    Kann man ein Musik-Abi und eine Musikaufnahmeprüfung schaffen, wenn man neben den Angeboten in der Schule keinerlei Unterricht hat?
    Kann man ein Sport-Abi und eine Sportaufnahmeprüfung schaffen, wenn man neben den Angeboten in der Schule keinerlei Sport betreibt?
    Kann man ein Sprach-Abi und eine Aufnahmeprüfung für eine Sprache schaffen, wenn man neben den Angeboten in der Schule keinerlei Berühung mit dieser Sprache hat?
    Kann man ein Mathe-Abi und eine Aufnahmeprüfung für Mathe schaffen… ach nein, da gibt es ja keine, oder? Stattdessen werden Vorkurse und Tutorien angeboten.

    Es gibt Fächer, da reicht das Abi als Zugang. Manchmal braucht man Kenntnisse in besonderen Sprachen. Diese kann man AN der Uni nachholen (z.B. Latein, Griechisch). Oder es gibt für Erstsemester Auffrischungskurse oder Vorkurse ÜBER die Uni.

    In anderen Fächern wird verlangt, dass man VOR der Uni die Nachweise erbringt oder die Kenntnisse erwirbt, außerhalb der Schule über private Möglichkeiten und private Finanzierung.

    Natürlich stellt man sich in den Fächern begabte und interessierte Lehrkräfte vor. Dennoch sollten Anforderungen fair und transparent aufgestellt werden.

  5. „… wenn es zugleich den tausendfachen Beweis gebe, dass man auch ohne Aufnahmeprüfung und entsprechende Ausbildung sehr gut diese Fächer unterrichten könne.“

    Da könnte ich leider etliche Gegenbeweise bringen. Ich finde es gut, wenn gerade in diesen larifari Fächern, wo man früher zu meiner Schulzeit schon mehr oder weniger machen konnte, was man wollte, gut ausgebildetete Menschen hat, die den Kindern auch was beibringen, und nicht nur die Zeit rumbringen.

  6. Die Qualität des Musikunterrichtes muss verbessert werden, der normale Musikunterricht, wie er jetzt an normal bildenden Schule stattfindet, kann auf keinen Fall auf eine Aufnahmeprüfung an der Universität vorbereiten. Da liegt der Hase im Pfeffer. Jeder Physikstudent geht mit deinem Abi an die Uni, jeder Musikstudent geht während seiner Abiturzeit noch in die Musikschule, nicht um am Instrument zu üben, sondern die Theorie, die ihm an der normalen Schule nicht vermittelt wird. Und das kostet richtig Geld. Die Musikinstitute an den Universitäten sind kleine Einrichtungenvund immer von Schließung bedroht, die könnennur eine geringe Anzahl Studenten aufnehmen, die müssen darauf achten, dass sie vor allem fleißige und gut vorgebildete Studenten aufnehmen, weil sie sich keine Aussieberei in den ersten Semestern leisten können, Einzelunterricht am Instrument vom ersten Semester an kostet richtig Geld. Nicht die Universitäten, die ihre Qualität halten wollen, sind Schuld, dass die Studenten durch die Aufnahmeprüfung fallen, sondern die Schulen, genauer die Ministerien, die den Musikunterricht unerträglich kürzen und damit inhaltlich beschneiden. Das Engagement der Quereinsteiger und fachfremd Unterrichtenden in allen Ehren, aber Musik ist kein Larifarifach, das irgendwie jeder unterrichten kann und die Aufnahmeprüfung kein notwendiges Übel, das es abzuschaffen gilt. Um sie zu bestehen, brauchen die zukünftigen Musikstudenten auch an den Schulen einen adäquaten Musikunterricht.

  7. Ich denke der hohe Anspruch in Musik, Kunst und Sport ist völlig berechtigt. Ich muss zur Zeit fachfremd Musik (in der GS) unterrichten und habe keinerlei Kompetenzen. Natürlich kann ich mir Grundwissen aneignen, aber da ich kein Instrument spiele (außer Blockflöte) halte ich es für Kinder die musikalisch begabt sind eine Zumutung, dass ich Dilettant ihnen etwas bei bringen soll. Singen und Orf-Instrumente geht ja noch. Aber auf der anderen Seite muss ich Musik unterrichten (auch wenn ich es nicht will), da wir keine Fachkräfte für Musik haben (Mangel an Lehrern).

    • Kannst du nicht mit anderen Lehrkräften tauschen? Ich finde, dass selbst von einem recht universal ausgebildeten GS-Lehrer nicht erwartet werden kann, dass wir alle Fächer ausnahmslos unterrichten können udn wollen. Ich würde z.B. versuchen, wenn ich in mehr als einer Klasse Kunst geben sollte, möglichst viel davon durch Tauschen durch Musik zu ersetzen. Das liegt mir mehr! Geht das bei euch auch?

      Noch zum Artikel: Für GS und HS finde ich den bayerischen Ansatz mit der Differenzierung zwischen fachwissenschaftlichem Fach (mit AP!) und Didaktikfach (immer ohne AP!) sehr sinnvoll.

  8. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Studierende, die ein Konzertexamen machen möchten, aber nicht sofort die Aufnahmeprüfung schaffen, erstmal im Fach Schulmusik immatrikulieren. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, wechseln sie dann. In der Zeit haben sich diejenigen, die Musiklehrer werden wollten, aber mit denen auf Konzertniveau nicht mithalten konnten, umorientiert und studieren ein anderes Fach auf Lehramt. Das ist ein an den Musikhochschulen seit Langem bestehendes Problem, das den Leuten vor Ort bekannt ist. Von der Franz Liszt Hochschule in Weimar ist mir ein solcher Fall aus dem persönlichen Umfeld bekannt.

  9. Dass im Fach Musik auch für den Bereich Schulmusik eine Aufnahmeprüfung erforderlich ist, hängt mit dem Privileg des Einzelunterrichts in ein oder zwei Instrumenten und im Gesang zuammen. Viele Fächer wie Schulpraktisches Klavierspiel oder Schulpraktisches Gitarrenspiel lässt sich nur in Kleingruppen organisieren.
    Allerdings könnte auch durchaus organisatorische und soziale Fähigkeiten getestet werden, die für Musiklehrer sehr wichtig sind!
    Dass viele Musiker, die bei der Instrumentalaufnahmeprüfung versagt haben, sich für ein Schulmusikstudium bewerben, hängt sicherlich zusammen, dass das Schulmusikstudium das einzige umfassende Musikstudium ist, während die anderen Musikstudiengänge Instrumentalstudiengänge sind und wenig Einblick in die Vielfalt der Musik geben.

  10. Nur mal zur sachlichen Klarstellung:
    Ein Angehender Musiker studiert an einer reinen Musikhochschule.
    Ein angehender Musiklehrer für die normalen Regelschulen studiert Lehramt Musik an einer normalen Universität.
    Beide machen eine Aufnahmeprüfung, zwischen denen qualitativ allerdings mehrere Welten liegen!!!!
    Die Aufnahmeprüfung für die Musiklehrer an Schulen umfasst rudimentäre Kenntnisse in Notenlehre, musikalisches Gehör, Gesang, ein Instrument und etwas Musiktheorie. Wer diese nicht besteht, hat tatsächlich keine Grundlage für einen Musikunterricht, der qualitativ den Lehrplänen entspricht. Kinder zur CD singen lassen kann dagegen jader.
    Im Übrigen kann man die Aufnahmeprüfung unbeschränkt wiederholen oder auch sich an mehreren Unis bewerben.

    • „Die Aufnahmeprüfung für die Musiklehrer an Schulen umfasst rudimentäre Kenntnisse in Notenlehre, musikalisches Gehör, Gesang, ein Instrument und etwas Musiktheorie. “

      Ja,
      aber ich finde die Frage berechtigt, ob die Schule genau darauf vorbereitet bzw. vorbereiten kann oder sollte.
      Kann jemand, der in der Schule einen Musik-Grundkurs bis Klasse 12/13 belegt und gute Leistungen bringt, damit die Aufnahmeprüfung schaffen?
      Ähnliche Frage gilt für Sport und Kunst.

        • Warum findet es Beachtung, wenn BewerberInnen bei der Polizei den Deutschtest nicht bestehen, obwohl die Inhalte in der Schule gelehrt werden,
          nicht aber die Anforderungen der Aufnahmetests an Unis, deren Inhalte NICHT an den Schulen gelehrt werden?

  11. Ich habe vor 30 Jahren ein klassisches Musikstudium absolviert und war einige Jahre im Orchester tätig, arbeite jetzt aber nach Kindern, Ausland etc fachfremd in der Admin einer Schule. Jetzt wurde ich in Ermanglung eines Musiklehrers gefragt, ob ich nicht Musik übernehmen könnte. Ich hab mir gerade auf der Homepage der HfMDK die Aufnahmebedingungen angeguckt. Da geht es von Vortrag auf dem eigenen Instrument bis Blattspielen, Improvisieren, Begleiten mit verschiedenen Tonarten und Techniken auf dem Klavier bis zu Theorie, Singen etc. Das würde ich von einem Musiklehrer erwarten, der fertig ist, nicht der anfängt.
    Ich kann mir vorstellen, es sind zuwenige, die den hohen Anforderungen von Aufnahmeprüfung über Studium bis zur Berufsausübung als Chor- u. Bandleiter, Dirigent etc (wenn es denn soweit kommt) gerecht werden. Die Perspektiven sind auch nicht großartig. Sie ergreifen am Ende einen Beruf, der oft nicht geschätzt und vergütet wird, obwohl die Schulen in ihren musikalischen Aufführungen alle glänzen möchten. Diejenigen, die vielleicht aus Spaß am Beruf Musiklehrer studieren möchten und sich während des Studiums qualifizieren würden, erhalten keinen Zugang und derweil fehlen immer mehr Musiklehrer. Das lässt den Unterricht immer schlechter werden. Eine Lösung, vielleicht eben auch ein Kompromiss, wäre also dringend nötig, um aus diesem Kreislauf herauszukommen.

    • Die Perspektiven sind, dass man an weiterführenden Schulen häufig im Fach Musik eingesetzt ist und das geliebte Fach unterrichtet und die Schulveranstaltungen etc. vorbereitet und begleitet,
      in anderen Schulformen ein paar Stunden in dem Fach übernimmt, aber ja auch noch viele andere Aufgaben hat und sich in mehrere Fächer zusätzlich einarbeitet – ganz ohne Aufnahmeprüfung.

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