Aus für Maskenpflicht im Unterricht – GEW: Letzter Infektionsschutz fällt

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DÜSSELDORF. Viel ist geschimpft worden über die bundesweit einzigartige Pflicht in NRW, in weiterführenden Schulen auch im Unterricht Maske zu tragen. In wenigen Tagen endet der Zwang – und manchen Lehrern und Gewerkschaftern wird es mulmig.

„Damit wird im Grunde der Regelbetrieb verkündet“: GEW-Landeschefin Maike Finnern. Foto: GEW / Alena Matveyenka

Das angekündigte Ende der Maskenpflicht im Unterricht stößt in Nordrhein-Westfalen auf Erleichterung, aber auch Bedenken. Der Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau, sprach von einer zwiespältigen Entscheidung: «Sicherlich wird die Kommunikation im Unterricht ohne Maske deutlich erleichtert, da jedoch das Abstandhalten in den Klassenräumen nicht möglich ist, geht ein wichtiger Schutz verloren.»

„Nun müssen Abstand und kleinere Lerngruppen her“

Die GEW hatte die Maskenpflicht aus pädagogischen Gründen abgelehnt. Sie hält den Schritt jetzt dennoch für leichtsinnig. Landeschefin Maike Finnern vermisst Konzepte, die eine Abnahme der Maske im Unterricht rechtfertigen. „Damit wird im Grunde der Regelbetrieb verkündet“, so schrieb sie auf Twitter. „Das kann nicht sein. Das ist Hohn für alle Schüler*innen und Lehrer*innen. Die Landesregierung hat keinen Plan B zum Infektionsschutz vorgelegt und lässt die letzte Maßnahme fallen. Nun müssen Abstand und kleinere Gruppen her.“

Nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag angekündigt, die Maskenpflicht im Unterricht nicht zu verlängern. Schüler der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW müssen daher nur noch am Montag ein letztes Mal eine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht tragen. Für die Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie ohnehin nicht.

Die bisherigen Regelungen der Coronaschutzverordnung sowie der Verordnungen zur Betreuung in Kitas, Schulen und Behinderteneinrichtungen enden in NRW mit Ablauf des 31. August, ebenso wie die Corona-Einreiseverordnung. Die Landesminister für Gesundheit und für Schule, Karl-Josef Laumann (CDU) und Yvonne Gebauer (FDP), wollen am Montag Einzelheiten der neuen Fassungen vorstellen.

Lehrer NRW: Umso mehr ist Wachsamkeit in den Schulen gefordert

Laschet hatte bereits angekündigt, dass die Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts auf dem Schulgelände und in Schulgebäuden ihre Gültigkeit behalte. Am Donnerstagabend hatte er getwittert: «Versprochen. Gehalten. Da in Nordrhein-Westfalen die Infektionszahlen sinken, können wir auf die zum Schulstart zur Vorsicht einführte Sonderregel verzichten.»

Der Verband Lehrer NRW wertete das als «wichtigen Schritt in Richtung Normalität». Umso mehr sei nun aber Wachsamkeit gefragt, mahnte die Landesvorsitzende Brigitte Balbach. Alle am Schulleben Beteiligten müssten durch achtsames Verhalten dazu beitragen, dass die Schulen auch weiterhin keine Pandemie-Brennpunkte seien. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Kinderärzte-Präsident behauptet: Infektionen in Schulen gehen von Lehrern aus – er fordert (nur) für sie Maskenpflicht im Unterricht

 

 

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30 KOMMENTARE

  1. Der Regelbetrieb muss her, für alles andere gibt es keine Basis. Weder für Beschulung per Streaming oder Videounteŕricht.

  2. Als GEW Mitglied frage ich mich, auf welche Evidenz die Gewerkschaften ihre Forderungen eigentlich aufbauen.
    Wenn in den Ferien die 7 Tages-Inzidenz in NRW steigt und pünktlich seit dem Schulstart wieder sinkt, wieso müssen dann jetzt Abstand und kleine Gruppen her?
    Wenn Frau Finnern nach Konzepten fragt, welche die Abnahme der Masken rechtfertigen, dann muss man Frau Finnern fragen, wo war das transparent dargelegte „Infektionsgeschehen“, dass die Einführung Maskenpflicht gerechtfertigt hat bzw eine Weiterführung der Maskenpflicht rechtfertigt.
    Ist Frau Finnern das im „Konzept“ des MSB zur Begründung herangezogene „Infektionsgeschehen“ transparent dargestellt worden? Wenn nicht, warum wurde es bei einem solch massiven Eingriff nicht gefordert?
    Welche medizinische Evidenz begründet eigentlich den „wichtigen Schutz“ durch eine Maske unter freien Himmel auf dem Schulhof Herr Behlau? Und was hat die Evaluation der wissenschaftliche Begleitstudie zur Maskenpflicht in der Schule hinsichtlich der Evidenz des Infektionsschutzes und der pädagogisch-psychisch-physischen Folgen ergeben? Oder wurde die gar nicht durchgeführt? Das wäre tatsächlich zu kritisieren.

    • Haben Sie nur die Fragen oder gibt es auch antworten?
      Kann es nicht sein, dass die Studienlage vielleicht auch noch nicht zu endgültig reliablen Ergebnissen geführt hat?

      Deswegen orientiert sich die GEW am Arbeitsschutz, der in allen anderen Bereichen gilt und erwartet, dass Lehrerinnen und Lehrern dieser auch gewährt wird.

      Und um mit Ihren Worten zu sprechen: Das wäre tatsächlich zu kritisieren – der Infektionsschutz an Schulen ist ausgesetzt.
      Kinder, die in der Klasse ohne Abstand und MNS nebeneinander sitzen, dürfen beim Kaufmann an der Kasse nicht so nah beieinander sein. Warum?

      Herr jemine, mir dünkt es, dass Sie Ihre „kritische“ Meinung haben und erwarten, dass die GEW sich nach ihrem Gusto verhält. Das macht sie zum Glück nicht und dass Sie das stört ist, mit Verlaub, Ihr Problem.

      • Mir dünkt es, dass Sie Ihre Meinung haben und meinen Beitrag gar nicht gelesen haben :).
        Die GEW kann selbstverständlich verlautbaren, was sie für richtig hält und ich kann als Mitglied entsprechend kritisch nachfragen, auf welcher Basis diese Verlautbarungen fußen bzw mich von jenen distanzieren. Ich sehe da kein Problem.

        Antworten:
        1. Ein differenziertes Studium des relativen „Infektionsgeschehens“ sowie der aktuellen Gesundheitsgefährdung in NRW (siehe Lageberichte des RKI und LZG NRW sowie die Tagesberichte des DIVI) sind meiner Meinung nach keine Grundlage für einen Eingriff in den regulären Schulbetrieb.

        2. Eine Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb wie ein Supermarkt. Hier gilt es einen rechtlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen und die MitarbeiterInnen können im Zweifelsfall auch nicht in Homeoffice geschickt werden oder die Auftragslage der Belegschaft angepasst werden. Die Parallelen zum allgemeinen Arbeitsschutz sind als nicht eindeutig zu ziehen um nicht zu sagen: haarsträubend. Die Tragezeit für eine MNB wird dort übrigens z.B. mit 2 Stunden und anschließend 30 minütiger Pause angegeben.
        Es ist sicherzustellen, dass im Sinne des Arbeitsschutz an Schulen alle Menschen aus Risikogruppen entsprechend geschützt werden, wie das im Übrigen auch in Krankenhäusern oder der Altenpflege der Falls sein sollte.

        • Wenn „[E]in differenziertes Studium des relativen „Infektionsgeschehens“ sowie der aktuellen Gesundheitsgefährdung in NRW (siehe Lageberichte des RKI und LZG NRW sowie die Tagesberichte des DIVI) … keine Grundlage für einen Eingriff in den regulären Schulbetrieb“ sind, was denn dann bitte??

          • Werden Sie doch bitte gerne genauer und begründen Sie den Eingriff in den regulären Schulbetrieb anhand des relativen Infektionsgeschehens sowie der aktuellen Gesundheitsgefährdung. Mit würde es das Verständnis dafür deutlich erleichtern. Danke!

    • Vollkommen richtig. Gerade die Maskenpflicht unter freien Himmel ist haarsträubend, ich frage mich warum sich da so wenig drüber aufgeregt wird. Es gibt mittlerweile etliche Studien, die belegen, dass die Ansteckungsgefahr draußen nicht nur ein bisschen, sondern um ein vielfaches geringer ist. Einige Studien (z.B. aus Japan) legen nahe, dass die Ansteckungsgefahr draußen 19x geringer ist. Bisher gibt es kaum bestätigte Fälle von Frischluftinfektionen, sogar von den vielen Demos und Freiluftparties nicht.
      Dass die Schüler auch an der frischen Luft draußen beim Spielen, wo sie sich gut verteilen können, eine Maske tragen müssen, ist mir vollkommen unverständlich. Ja, sie werden den Mindestabstand nicht ständig einhalten, aber die Verhältnismäßigkeit und die geringe Gefahr legen nahe, dass eine ausgelassene Pause ohne Maske der deutlich sinnvollere Weg wäre. Für Pausenaufsichten ist die Kontrolle draußen jetzt ohnehin schwieriger geworden, man kommt mit dem Ermahnen gar nicht hinterher.
      Traurig finde ich, dass die Maskenpflicht auf Schulhöfen einfach so postuliert wird ohne wirkliche wissenschaftliche Fundierung.

      • @ sebi, ganz viele Eltern protestieren täglich gegen die Maskenpflicht in Schulhöfen. Es gehen Mails an KM,es gibt Petitionen. In BW haben viele Schulleiter vor den Ferien eigenmächtig die Maskenpflicht angeordnet, die war in den weiterführenden Schulen nur gewünscht. Da wurde das KM so von Protesten geflutet, dass die dann Briefe an die Schulen geschrieben haben. Grundschule in BW ist maskenfrei und ohne Abstände, war auch schon vor den Sommerferien 5 Wochen lang so. Bei uns in der Schule hat die Rektorin Fieber gemessen, als Eintrittskarte in die Schule. Beschwerden beim KM und Schulamt, am Tag darauf wurde nicht mehr gemessen.

  3. Sie schreiben so nette Artikeln…beantworten Sie mir doch bitte nur eine Frage:
    Wie viele Menschen WELTWEIT wurden bis jetzt von einem Kind mit Sars Cov 2 infiziert?

    Es wurden weltweit tausende von Infektionsketten untersucht und zurückverfolgt!
    Kommt, ich mache es euch einfach! Sagt mir einen einzigen Fall, wo ein Kind den Virus weitergegeben hat! Es gibt hunderte Fälle, wo Lehrer und Erzieher Kinder angesteckt haben. Irgendein Kind wird doch wohl ein Geschwisterkind, Eltern oder die Großeltern angesteckt haben! Ein einziges Mal?!?

    • Sehr gehrter Ilias Alexiadis,

      Sie meinen offenbar News4teachers. Wir schreiben nicht nur nette Artikel, wir beziehen uns auch auf seriöse Quellen – wie das Robert-Koch-Institut. Das schreibt zur Ansteckungsgefahr durch Kinder:

      „Die Infektiosität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden. Die bisherigen Haushaltscluster-Untersuchungen zeigen, dass Kinder meist von Erwachsenen infiziert werden. Da nur symptomatische Personen als Indexfall gewertet wurden, ist eine Unterschätzung der Eintragung durch Kinder in die Familien denkbar. Die Ansteckungsrate durch Kinder war ähnlich hoch oder höher als bei erwachsenen Indexfällen. Studien zur Viruslast bei Kindern zeigen keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen.“

      Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText5

      Herzliche Grüße Die Redaktion

      • Liebe Redaktion,

        Sie leisten eine bewundernstwerte Arbeit, keine Frage, aber Sie verbreiten auf Ihrem Portal aktuell auch jede Menge Angst und Unsicherheit.
        Schule wird hier nach meiner Beobachtung (wie auch von den LehrerInnenverbänden) in weiten Teilen auf den Infektionsschutz reduziert. Das ist emotional nachvollziehbar, aber auf welches „Infektionsgeschehen“ stützt sich diese Betrachtungsweise?
        Jetzt werden Sie wieder auf das RKI verweisen, dass man nichts Genaues weiß, aber genügt das Ihrem journalistischen Anspruch? Könnte man nicht mehr wissen?
        Nehmen wir NRW als Beispiel, hilft Schule ohne Abstand jetzt gegen Corona, weil in den Ferien die 7-Tages-Inzidenzen stiegen und pünktlich zum Schulbeginn fielen?
        Alles was Sie hier berichten, hängt doch ausschließlich von der Frage des „Infektionsgeschehens“ ab. Warum wird hier nicht mehr Transparenz in der Kommunikation gefordert, bevor auf Grundlage einer intransparenten Risikokommunikation Debatten über daraus abgeleitete Entscheidungen geführt werden? Ich habe auf verschiedenen Wegen (Gewerkschaften, Unfallkasse, Ministerium) versucht herauszufinden, was mit dem Begriff „Infektionsgeschehen“ aus dem „Konzept“ des MSB NRW eigentlich gemeint ist. Es ist mir nicht gelungen.

        Welche gesundheitliche Bedrohungslage besteht denn aktuell in Deutschland? Jetzt werden Sie vermutlich auf Sie vermutlich auf den März verweisen oder zusammenhangslos auf andere ausgewählte Länder, aber konkret gefragt, im Hier und Jetzt? Wovor haben wir aktuell Angst, um die Bildung so nachhaltig einzuschränken?

        Im Winter/Frühjahr 2018 gab es aufgrund einer extrem starken Grippewelle eine ungewöhnlich hohe Übersterblichkeit in Deutschland. Allein in der KW10 starben 2018 7154 Menschen mehr als in diesem Jahr in der KW 10. Das ist eine extreme Zahl leider. In einer Woche!
        https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html

        Kinder tragen medizinisch evident viel zur Übertragung der Influenza bei.
        Welche Konsequenzen leiten sich Ihrer Meinung nach aus diesem in der Rückschau gut belegten massiven Versäumnis beim Infektions- und Gesundheitsschutz vor zweieinhalb Jahren ab?

        Als Bundeskanzlerin verantwortlich im Amt 2018: Angela Merkel.
        Ministerpräsidenten die 2018 bis heute im Amt sind: Laschet, Kretschmann, Müller, Woidke, Bouffier, Schwesig, Weil, Dreyer, Kretschmer, Haselhoff, Günther, Ramelow.

        Herzliche Grüße!

        • Hr. Grunschullehrer…..netter Versuch! Wenn Sie Lehrer sind, bin ich Kaiser von China…..habe da so eine Vermutung, da ich gerade wieder die Reihe: „Im Auftrag der Majestät“…. lese!

          • Hallo Stefan 2020, es geht nicht darum, ob man Lehrer ist oder nicht. Unsere Kinder haben ein Recht auf Bildung und täglichen Unterricht. Sie haben Lehramt studiert in Angesicht dessen, dass der Bildungsbereich in Deutschland finanziell nicht verwöhnt wird. Große Klassen, kleine Räume, mangelhafte Ausstattung, ein Problem, das seit Jahren besteht. Ebenso stehen Sie natürlich, wenn ansteckende Krankheiten umgehen in vorderster Reihe, aber das weiß man. Im Krankenhaus liegen in D zur Zeit 230 Menschen, jeden Tag sterben 2, an Haushaltsunfällen 15 an resistenten Keimen 60-100 je nach Saison. Lehrer ist kein Beruf mit home Office Zeiten. Setzen Sie sich eine Schutzmaske auf, klären die Kinder über die Distanz auf, die Sie wollen. Ein Friseur hat auch keine Abstandsregel und kein Home Office, da wird Bart geschnitten, onduliert, mit dem Fön geblasen…..ohne FFP Maske…..Sie haben sicher Anspruch auf Gesundheitsschutz im Rahmen Ihres Berufes, aber nicht mehr.

        • Lieber „Herr Grundschullehrer“,

          zunächst mal: Könnte „man“ nicht mehr wissen? Nein – wir stützen uns bei unserer Berichterstattung auf wissenschaftlich fundierte Quellen und maßen uns nicht an, schlauer als die Fachwissenschaften zu sein. Wir beobachten als Journalisten den fachwissenschaftlichen Diskurs – und stellen fest, dass sich die Kultusminister in ihren öffentlichen Stellungnahmen zunehmend vom Stand der Forschung (vertreten durch die Gesellschaft für Virologie, GfV) entfernen, von der Realität in den Schulen übrigens auch. Die GfV erklärt ausdrücklich: „Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen.“

          Und was erklären verantwortliche Politiker?

          „Zwischen eins und zehn ist kaum ein Ansteckungsrisiko vorhanden.“ (NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer)

          „Die Wissenschaftler haben überzeugend deutlich gemacht, dass insbesondere Kinder von der Pandemie kaum betroffen sind und es an der Zeit ist, die Schulen für Kinder wieder zu öffnen.“ (Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe)

          „Die Länder haben sich sehr, sehr stark darauf vorbereitet, dass der Regelbetrieb wieder gut startet.“ (Bundesbildungsministerin Anja Karliczek).

          Demgegenüber steht:
          • Das Robert-Koch-Institut empfiehlt dringend die Einhaltung der AHA-Regeln – die in den Schulen nicht eingehalten werden.
          • Das Bundesarbeitsministerium gibt Richtlinien für den Arbeitsschutz heraus – die in den Schulen nicht eingehalten werden.
          • Hygienepläne der Bundesländer strotzen vor logischen Ungereimtheiten (etwa: Trennung von „Kohorten“, die dann aber doch wieder im Ganztag oder im Schülertransport zusammengeführt werden).
          • Umweltforscher warnen: Lüften nach jeder Unterrichtsstunde reicht bei Aerosolbelastung nicht aus – die Hygienevorgaben der KMK sehen nichts anders vor.
          Und so weiter…
          Das ist die Ausgangslage, mit der wir als Journalisten umgehen müssen. Wir beobachten und berichten: Die Zahl der Kitas und Schulen, in denen Infektionen auftreten, steigt mit zunehmender Geschwindigkeit – den Kultusministern ist das nicht mal eine Erwähnung wert.

          Noch schlimmer: Sie lassen die Fälle in Schulen offenbar nicht mal präzise und zeitnah erfassen. Die KMK, die immerhin die Streichung der Abstandsregel beschlossen hat, führt überhaupt keine Statistik. Wir haben deshalb in dieser Woche auch beim Schulministerium NRW nachgefragt, das uns lediglich Daten aus der Vorwoche liefern konnte – und noch nicht mal vollständige.

          Die Rolle des Journalismus in einer Demokratie ist eine Wächteraufgabe: Wir bringen Sachverhalte ans Licht, die so mancher lieber im Dunklen ließe. Dass man sich damit nicht immer beliebt macht – und vielleicht auch Menschen nervt, die lieber was Nettes lesen würden -, ist uns bewusst. Aber damit können wir gut leben.

          Die Wissenschaft kennt das Phänomen der self-destroying-prophecy: Mitunter treten Katastrophen nicht ein, weil früh genug und durchdringend davor gewarnt wurde. Glauben Sie uns: Wir wären sehr froh, wenn ein zweiter Lockdown vermieden werden könnte. Übrigens auch aus persönlicher Betroffenheit. Als Vater von drei Kindern und selbstständiger Journalist, der die Folgen von Corona wirtschaftlich deutlich zu spüren bekommt, könnte ich mir einen zweiten Crash kaum leisten. Das geht vielen Millionen Menschen in diesem Land so. Und deshalb tun wir unseren Job.

          Herzliche Grüße
          Andrej Priboschek
          Herausgeber News4teachers

          PS. Zu Ihrem Vergleich von Corona und der Grippe verweisen wir auf die Arbeit von Kollegen, die aktuell den Stand der Forschung zusammengefasst haben: https://www.rnd.de/gesundheit/corona-und-grippe-im-vergleich-was-ist-gefahrlicher-und-wo-liegen-die-unterschiede-zwischen-influenza-und-covid-19-22BD72UY4ZH2ZK2TYFZXOEW42M.html

          • Sehr geehrter Herr Priboschek,

            vielen Dank für Ihre Antwort.

            Sie haben mich leider in vielen Punkten falsch verstanden, was mir einmal mehr zeigt, wie schwierig eine Diskussion zu diesem Thema geworden ist und wie entscheidend es wäre, dass die Grundlage der Diskussion, das akute „Infektionsgeschehen“ und die „Gesundheitsgefährdung“ ,transparent kommuniziert werden, da alles darauf aufbaut.

            1. Ich habe nicht Covid-19 und Influenza verglichen, sondern die Übersterblichkeit in Deutschland zu vergleichbaren Zeitpunkten sowie die jeweils getroffenen oder geforderten Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Dieser Vergleich ist wichtig, um Dinge ins Verhältnis setzen zu können.

            2. Ich habe die aktuelle Infektionsgefahr durch Kinder nicht in Frage gestellt, ihre zahlreichen Zitate in Ehren, sondern ich habe darauf hingewiesen, dass man nichts Genaues weiß, und anhand von NRW deutlich gemacht, welch absurde Schlüsse daraus zu ziehen sind, wenn man sich zusammenhangslos auf absolute Infektionszahlen stützt, zumal wenn sich daraus aktuell glücklicherweise keine akut messbare Bedrohung für die Gesundheit in den Krankenhäusern ableiten lässt.

            3. „Könnte man nicht mehr wissen“, war darauf bezogen, dass sie wie auch in diesem Beitrag die Stellungnahme der GfV eindimensional (Virologie) als „Stand der Forschung“ deklarieren und sich ansonsten auf Statements des staatlichen RKI berufen. Eine „Wächterfunktion“ kann ich da nicht erkennen, ich habe eher den Eindruck, dass Sie aus absolut verständlicher Sorge vor einem zweiten Lockdown, die Verhältnismäßigkeit einen solchen, gar nicht hinterfragen.

            Ich danke Ihnen trotzdem für Ihre unermüdliche Arbeit auf diesem sehr informativen Portal und den offenen Austausch.

            Herzliche Grüße!

          • Da sind wir am Punkt: Stand der Forschung in Sachen Corona IST der Stand der Fachwissenschaften, also der Virologie – und nicht die Meinung von Menschen, womöglich auch von Professoren anderer Fachgebiete, die ihre Daten aus der Tageszeitung holen. Wenn die Wasserleitung tropft, fragen wir auch keinen Elektriker.

            Das Robert-Koch-Institut ist eine staatliche Behörde, das stimmt, aber der Wissenschaft verpflichtet. Es gibt keinerlei Kritik aus den Fachwissenschaften an den Veröffentlichungen des RKI, also für uns auch keinen Anlass, an dessen Expertise zu zweifeln. Wir sind keine Verschwörungstheoretiker, die aus Prinzip alles Staatliche in Zweifel ziehen. Wir sind Journalisten, die auf begründete Kritik hin reagieren und recherchieren.

            Herzliche Grüße
            Andrej Priboschek

          • Sehr geehrter Herr Priboschek,

            ich kritisiere nicht die Expertise des RKI und eines virologischen Fachverbands oder stelle diese verschwörerisch in Frage. Ich finde die Arbeit des RKI mit den täglichen Lageberichten im Gegenteil absolut herausragend!
            Es ging mir darum, wie mehrfach verdeutlicht, dass diese Erkenntnisse in Zusammenhänge und Verhältnisse gesetzt, sowie mit weiteren Wissenschaften verknüpft werden.

            Freundliche Grüße und alles Gute!

          • Sehr geehrter Herr Priboschek, es wird in New4teachers erschreckend einseitig berichtet. In nahezu ganz Europa gehen die Schulen nach den Ferien in den Regelbetrieb, meist sogar ohne Masken. In vielen Ländern waren Schulen spätestens ab Mai abstandsfrei im Regelbetrieb, erstaunlicherweise hat man hier nicht vom großen Lehrersterben gehört. Sie verweisen nun auf einen Artikel der Grippe und Covid vergleicht. Haben Sie den Artikel gelesen? Sätze wie, es wurde angenommen….wahrscheinlich…..gezeigt hat sich…..und der Schluss? Mit Sicherheit kann man da noch nichts genaues sagen….viele der hier angegebenen Quellen sind Vermutungen, und schon in der nächsten Woche nicht mehr aktuell. Der Beruf des Lehrers findet in der Schule statt, jeder Lehrer war sich in seinem Studium bewusst, es gibt große Klassen, kleine Zimmer und das KM spart an allen Ecken und Enden. Ansteckende Krankheiten gibt es immer und wird es immer geben. Grippe kann durchaus tödlich sein, und die Impfung deckt nur die Viren des Vorjahres ab. Im beschriebenen Artikel von Ihnen ist der Sterbedurchschnitt bei einer Annahme einer gewissen Dunkelziffer gleich um die 0,1% – 0,4%, ich bin durchaus für Arbeitsschutz, gerne können Lehrer eine Schutzmaske aufsetzen oder auch den Abstand für sich selbst einfordern, begreift jedes Kind ab 3. Klasse. Für kleinere Klassen ist das KM zuständig, da die nicht willig sind, wollen Sie das auf dem Rücken der Kinder austragen. Die Kinder sollen zum Teil zu Hause unterrichtet werden. Denn Fernlernen oder Homeschooling war das nicht, heute im Interview der Fraktionsvorsitzende der CDU in BW im Regio TV, der zugegeben hat, dass bei seinen Kinder Lehrer untergetaucht sind, sich nicht gemeldet haben, kein Geedback kam, mit AB gearbeitet wurde, doch er erwähnte auch, dass es engagierte Lehrer gab. Im Endeffekt geben nun auch die Politiker zu, dass der Versuch des Homeschoolings gescheitert ist. Und ganz ehrlich, die Digitalisierung der Lehrer, Schulen und Schüler ist seit dem Frühjahr nicht weiter fortgeschritten. Regelunterricht ist alternativlos.

    • Können Sie ein paar Beispiele für die „hunderte Fälle“ nennen, wo Lehrer und Erzieher nachweislich Kinder angesteckt haben. Ich verfolge das Geschehen schon seit langer Zeit in den Medien und habe von keinem einzigen Fall gelesen.

    • Ilias Alexiadis oder wer Sie auch immer sind……informieren Sie sich mal besser!
      Von Beginn des COVID-19-Ausbruchs an wurde uns mitgeteilt, dass es unwahrscheinlich ist, dass Kinder das Virus einfangen oder übertragen. Da sich das Virus jedoch auf der ganzen Welt verbreitet hat, haben wir erfahren, dass Kinder sich mit dem Virus infizieren und mit COVID-19 schwer krank werden können. Kürzlich haben wir erfahren, dass Kinder genauso oft infiziert werden können wie Erwachsene und sogar einen signifikant höheren Virusgehalt in ihrem Körper haben können. Wir wissen noch nicht, wie effektiv Kinder das Virus übertragen, aber viele Beispiele zeigen bereits, dass Kinder COVID-19 übertragen können und dass Schulen einen großen Einfluss auf seine Verbreitung haben können (siehe unten).

      https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2768952

      https://academic.oup.com/jpids/advance-article/doi/10.1093/jpids/piaa070/5849922

      COVID-19-Ausbrüche treten in Schulen, Lagern und Kinderbetreuungseinrichtungen immer häufiger auf. In vielen Fällen haben diese wesentlich zur Verbreitung des Virus beigetragen. Um ein paar zu geben:

      ISRAEL
      Mitte Mai: bundesweit <20 neue Fälle pro Tag.

      3. Juni: 130 Fälle wurden in einer einzelnen Schule gemeldet , nur ein paar Wochen nach der vollständigen Wiedereröffnung der Schulen.

      ENGLAND
      Fast 20% der Ausbrüche vom 15. bis 21. Juni stammten aus Schulen.
      https://schoolsweek.co.uk/suspected-covid-19-outbreaks-in-schools-almost-doubles/

      TEXAS, USA
      15. Mai: 53 Kinderbetreuungseinrichtungen meldeten insgesamt 59 Fälle bei Kindern und Mitarbeitern .

      6. Juli: 883 Kinderbetreuungseinrichtungen meldeten 1335 bestätigte Fälle (894 bei Mitarbeitern und 441 bei Kindern) . usw..

      Während der genaue Übertragungsgrad unter Kindern und die genauen Auswirkungen von Schuleröffnungen noch unbekannt sind, haben die jüngsten Schuleröffnungen gezeigt, wie gefährlich sie sein können. Schulen und Kindertagesstätten haben bereits viele Super-Spreader-Events verursacht, und eine weitere Wiedereröffnung wird wahrscheinlich noch viel mehr verursachen. Schulschließungen minimieren die Risiken für die Gesellschaft und sind mit einer Verringerung der COVID-19-Fallzahlen und Todesfälle verbunden.Deshalb kann Regelbetrieb keine Lösung sein!

      • Ja, und wie ist es mit der Schweiz dem Baltikum, Skandinavien, Niederlande, Tschechien etc, die seit Mai im Regelbetrieb ohne Abstand und Maske sind? Da läuft es doch. Und die Diskussion mit mehr oder weniger Viruslast bei Kindern, Kinder haben selbstverständlich ein Recht darauf am sozialen Leben teilzunehmen. Bei Grippe sind Kinder echte Treiber der Krankheit und werden trotzdem nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Und wenn man nun die Dunkelziffer von asymptomatischen Corona positiv Getesteten rechnet, dann landet man beim Sterbedurchschnitt im Grippebereich. Kinder und Jugendliche halten sich auch in der Freizeit nicht an Abstandsregeln, oder können Sie sich vorstellen, dass mit Maske und Abstand gespielt wird, oder Teenie Mädels nicht innig tuscheln?

    • Toll, das du auf der Suche nach netten Artikeln fündig geworden bist. Beantworte du aber bitte eine Frage: Wie hoch ist die Zahl der Menschen, die in deinem Bekanntenkreis gestorben ist? Ich habe eine Vermutung.

  4. Sehr geehrte Redaktion, Sie verweisen auf das RKI, hier finden Sie Sätze wie, es könnte sein, es wäre denkbar…..in keinem Satz des RKI steht etwas, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass Kinder, egal ob asymptomatisch oder mit Krankheitsanzeichen tatsächlich andere anstecken. Somit hat Herr Alexiasis Recht. Es ist tatsächlich nicht erwiesen, dass Kinder andere anstecken. Ich verweise auf den Regelbetrieb in BW in Grundschulen vor den Ferien, einzelne Kinder trugen Infektionen in die Schulen, durch Testung der Kontaktpersonen fanden sich keine weiteren Fälle. Desgleichen verweise ich auf Dänemark, dort ist Regelbetrieb mit Wandertagen und Schullandheim/ Zeltlager. Ich durfte die Gruppe von ca 35 14/15 jährigen mit ihren 3 Lehrern täglich bestaunen, wie sie sich umarmend dem Badeland näherten. Ohne Maskerade, die gibt es in Dänemark nicht mal beim Friseur. Das Gejammer der Lehrer ist nicht hinnehmbar, es wird Zeit für die Regelschule. In anderen Ländern klappt es sehr gut.

  5. Als Förderschullehrerin fühle ich mich von der Regierung komplett allein gelassen. In Köln hat es viele Infektionen an Schulen gegeben, Hygienekonzepte wurden von jeder einzelnen Schule in NRW selbst erstellt. Es wurden keine CO2 Ampeln installiert, Abstandsregelungen in den Klassen sind auf Grund von Platzmangel nicht einhaltbar, es gibt keine Luftreiniger und von der versprochenen medialen Ausstattung ist nichts zu sehen, da die Stadt Köln Anordnungen des Bundes mit dem bestehenden Medienkonzept in einen Topf wirft.
    Wer kann etwas über Langzeitfolgen sagen und möchte riskieren, dass Kinder und Jugendliche damit zu kämpfen haben? Ja, auch ich Kämpfe jeden Tag mit Atemschwierigkeiten unter der Maske, bin nachmittags dadurch unendlich erschöpft, aber es ist derzeit unser aller einziger Schutz. Nun kommt die Grippewelle im Herbst hinzu und es wird kälter, so dass stetiges Lüften schwieriger wird. Über bauliche Vorbedingungen möchte ich mich hier an dieser Stelle gar nicht äußern. Es hat sich gerade alles etwas eingespielt, was spricht dagegen den einzigen Schutz noch etwas bei zu behalten, bis etwas die Schnellteststäbchen oder ein Impfstoff im Frühjahr da sind oder zumindest bis CO2 Ampeln oder andere Hygienemögluchkeiten wie Luftreiniger an Schulen installiert sind, die sind sowieso dringend erforderlich.

  6. Danke, liebe Redaktion! Eine sehr sachliche Information, die auch meine Ansicht genau trifft. Nur, weil man es bisher aufgrund häufiger Symptomlosigkeit bei Kindern nicht genau bestimmen kann, heißt es im Umkehrschluss nicht, dass sie sich oder andere weniger anstecken. Herr Alexiadis, Ihre Frage kommt mir ähnlich absurd vor wie die Frage: Ich kann Australien nicht sehen und kenne keinen der jemals dort war – gibt es diesen Kontinent wirklich? Jeder, der bisher nicht von Covid – 19 betroffen war, kann doch von Glück sprechen, auch wenn es leider trotzdem existiert.

  7. Ein Lichtblick! Es gibt auch Lehrer, die nicht in ihrem Egoismus ertrinken, sondern die Kinder in den Focus stellen. Im Interview bei der Großdemo in Berlin hat sich gerade eine Lehrerin geäußert, die die Maskenpflicht für Kinder unzumutbar hält. Das Interview wurde im KIKA ausgestrahlt. Aus Hamburg haben sich schon massenhaft Eltern von den paar Elternvertretern distanziert, die sich mit Schreiben an die Lehrerverbände, an die GEW und das KM. Es wird Regelunterricht gefordert. Mal ganz ehrlich, jeden Tag sterben durchschnittlich 2/3 Personen an Corona, an Haushaltsunfällen sterben täglich 15, das ganze Affentheater gibt die Infektsituation nicht her. Wenn nun ab Mitte September nicht jeder Auslandsurlauber gratis getestet wird, sinken die Zahlen wieder…..schauen Sie nach Frankreich, hohe positive Zahlen, keine Veränderung der Todeszahlen, kein Anstieg der Schwerkranken, komisch nicht?

    • Ihr Kommentar ist zynisch: Möchten Sie diese Person sein, die da unter großen Qualen stirbt, auch wenn Sie dann nur ein einziger Todesfall in der Statistik sind und nicht 1000, und das evtl. vermeidbar gewesen wäre, wenn eine Ihrer Kontaktpersonen sich fairer verhalten hätte?

      Ich bin Hochrisikopatient und stehe vor wechselnden Klassen mit 30 erwachsenen (!) Leuten in einem zu kleinen Raum bald ohne Masken! Ist das wirklich Egoismus, daß ich mir da persönlich etwas Sorgen mache??

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