Schulstart in Hamburg: Bitte melden – wer war denn im Ausland?

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HAMBURG. Im Regelbetrieb, aber unter verschärften Bedingungen sind Hamburgs Kinder und Jugendliche ins neue Schuljahr gestartet. Zuvor hatten Eltern die Entscheidung des Senats deutlich kritisiert.

Hamburg ist nach Mecklenburg-Vorpommern das zweite Bundesland, in dem das Schuljahr 2020/2021 schon begonnen hat. Foto: Shutterstock

Etwas mulmig ist Karin Grützmann schon. «Ich habe leicht Asthma und wenn ich Corona habe, kann es sein, dass ich sterbe», sagt die Schülerin der 7C an der Hamburger Max-Schmeling-Stadtteilschule, als sie am ersten Schultag nach den Sommerferien ihr Klassenzimmer betritt. Im vergangenen Schuljahr habe sie sich sicherer in der Schule gefühlt, weil die Klassen während des Notunterrichts in zwei Gruppen aufgeteilt waren und neben ihr keiner saß. «Jetzt sitzen wir alle an einem Tisch und haben keine Masken auf.»

Nach fast dreieinhalbmonatiger Corona-Zwangspause und sechs Wochen Sommerferien sind Hamburgs Schüler am Donnerstag unter verschärften Bedingungen ins neue Schuljahr gestartet. Wegen der Pandemie bestehen an allen 471 staatlichen und privaten Schulen der Hansestadt strenge Hygieneregeln und eine Maskenpflicht. Ausnahmen beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gelten nur am Arbeitsplatz im Klassen- und Lehrerzimmer sowie für Grundschüler bis zehn Jahre.

Eltern kritisieren: Schulbehörde hat keinen Plan für Corona-Ausbrüche

Zuletzt hatte es teils scharfe Kritik an der Entscheidung des rot-grünen Senats gegeben, die Schule trotz der Corona-Pandemie mit allen Schülern im Regelbetrieb beginnen zu lassen. So unterzeichneten bis Donnerstagmittag mehr als 1000 Hamburger online einen offenen Brief der Elterninitiative «Sichere Bildung für Hamburg!» an Bürgermeister Peter Tschentscher, Schulsenator Ties Rabe und Sozialsenatorin Melanie Leonhard (alle SPD). Darin beklagen die Eltern unter anderem, dass die Corona-Prävention unterentwickelt sei und ein «Plan B» fehle. (News4teachers berichtet ausführlich über die Initiative und ihren offenen Brief – hier geht es zu dem Beitrag.)

«Es ist wichtig, dass die Schule nun im Regelbetrieb wieder losgeht – denn Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung und Teilhabe», verteidigt Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) die Entscheidung des Senats via Twitter. Auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit begrüßt den Neustart. «So aufgeregt! Endlich wieder richtig Schule, nach fast fünf Monaten. Allen Hamburger Kindern (& Eltern) einen ebenso entspannten Start heute», twittert sie.

Auf einem Tisch im Klassenraum der 7c steht eine Flasche Desinfektionsmittel, die von jedem Schüler zu Beginn des Unterrichts benutzt werden muss. Und nicht nur das: Die Schülerinnen und Schüler müssen eine ganze Reihe von Vorgaben erfüllen, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Das beginnt beim Händedesinfizieren, reicht über vorgegebene Laufwege in der Schule und endet nicht mit der Maskenpflicht. Schüler Fabrice Kirchenmayer muss sich die Regeln gelegentlich noch mal durchlesen, um keine zu übersehen, wie er sagt. «Aber die Hauptregeln vergesse ich nicht.»

Welcher Schüler hat denn im Ausland Urlaub gemacht?

Klassenlehrer Daniel Zickenrott fragt zu Beginn des ersten Schultags in die Runde, wer im Ausland Urlaub gemacht habe. «Ich war in der Türkei und ich habe einen Corona-Test gemacht», erzählt eine Schülerin. Dann verteilt Zickenrott ein Formular für die Eltern. Darin sollen diese bestätigen, dass sie entweder negativ getestet wurden oder vor dem 23. Juli aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind. Und damit die Schüler den Ernst der Lage auch ja nicht verkennen, redet er ihnen ins Gewissen, dass falsch ausgefüllte Formulare teuer werden können.

Die Gefahr, sich selbst bei den Kindern anzustecken, sieht der 32-jährige gleichwohl entspannt, weil er noch relativ jung sei und keine Vorerkrankungen habe. «Wie weit man sich als Lehrer den Schülern nähert, ist natürlich jedem so ein bisschen freigestellt», sagt er.

Die Klasen bleiben unter sich – überwiegend

Schulleiter Philipp Scholz sieht seine Schule für den Fall eines Infektionsausbruchs gut vorbereitet. Insbesondere deshalb, weil die Klassen überwiegend unter sich blieben, meist im selben Raum unterrichtet würden und es auch keinen Austausch zwischen den Jahrgängen gebe. So könne ein vollständiger Lockdown verhindert werden, hofft Scholz.

Die Lerndefizite der Schüler infolge der monatelangen Zwangspause will der Schulleiter im neuen Schuljahr so schnell wie möglich aufholen. «Aber das wird eine enorme Herausforderung, von der ich noch nicht weiß, wie wir sie am Ende bewältigen werden.»

Die zusätzlichen Stellen werden laut Ernst insbesondere wegen steigender Schülerzahlen benötigt. Im neuen Schuljahr sind es rund 294.000 Schüler, darunter 23 400 ABC-Schützen; im Vorjahr waren es rund 2000 Schüler weniger. Zudem gingen im vergangenen Schuljahr rund 450 Pädagogen in den Ruhestand. Von Taylan Gökalp und Markus Klemm, dpa

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