Sicherer Radfahren mit neurologischen Trainings für Schüler

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BAMBERG. Eine sportwissenschaftliche Studie zeigt: Geschicklichkeitsübungen für Schüler können helfen, Gefahren im Straßenverkehr besser zu erkennen.

Nach der Radfahrausbildung in der vierten Grundschulklasse nutzen viele Kinder ihr Fahrrad häufiger in der Freizeit oder für den Schulweg. Dadurch steigen auch die Risiken: Im Jahr 2018 verunglückten laut dem Statistischen Bundesamt 7.701 der 10- bis 14-Jährigen beim Radfahren.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts haben nun Bamberger Wissenschaftler untersucht, inwiefern neurologisch ausgerichtete Übungs- und Trainingsformen dazu beitragen können, die Verkehrssicherheit bei 10- bis 14-jährigen Radfahrern zu erhöhen. Das Projekte ziele darauf ab, dass Kinder und Jugendliche künftig im Straßenverkehr mit größerer Sicherheit Fahrrad fahren, umreißt Stefan Voll, Leiter des vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) beauftragten Projekts.

Besonders ungeübte junge Fahrradfahrer hätten von den kognitiv orientierten Trainings profitiert, so die Wissenschaftler. Foto: Sylwia Aptacy / Pixabay (P. L.)

Ergebnis seiner Untersuchungen: „Wir konnten nachweisen, dass Schülerinnen und Schüler Gefahrensituationen im Straßenverkehr schneller erkennen und umsichtiger fahren, wenn sie regelmäßig Geschicklichkeitsübungen durchführen“, fasst Stefan Voll die Ergebnisse zusammen.

Ausgewählte Experimentalgruppen am Meranier-Gymnasium und der Herzog-Otto-Schule in Lichtenfels erhielten sechs Wochen lang wissenschaftlich gestützte Trainingseinheiten, um Motorik und Konzentration zu fördern. „Wir haben die exekutiven und kognitiven Funktionen der Schülerinnen und Schüler trainiert: vor allem Wahrnehmungsfähigkeit, Konzentration und Entscheidungsfähigkeit, die im Straßenverkehr wichtig sind“, erläutert Voll. Larissa Moritzer, administrative und organisatorische Pojektleiterin ergänzt: „Außerdem führen koordinative Trainingsformen in den Bereichen Steuerungs-, Reaktions- und Gleichgewichtsfähigkeit nachweislich zu Steigerungen im Arbeitsgedächtnis.“ Diese Fähigkeiten trainierten die Schüler unter anderem mit Übungen auf dem Fahrrad, die auch der kognitiven Aktivierung dienten. Für die Kontrollgruppen änderte sich der Schulalltag nicht.

Der Vergleich bei den Abschlusstests zeigte, dass die Experimentalgruppen insgesamt umsichtiger gefahren seien und Gefahren auf dem Übungsplatz schneller erkannt haben, was sich positiv auf den Straßenverkehr auswirken könne. „Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich gerade die Jugendlichen, die im Fahrradfahren eher unbedarft waren, im sechswöchigen Interventionszeitraum deutlich gesteigert haben“, so Larissa Moritzer.

„Die Ergebnisse stimmen mich optimistisch“, sagt Voll. „Unter Umständen könnten auch Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen Sicherheitstrainings erhalten.“ Deshalb beabsichtige nun auch der GdV, die Ergebnisse in ein bundesweites Fahrradsicherheitsprojekt für weiterführende Schulen einzuspeisen. (pm)

Verkehrserziehungsexperte: Wir bewegen uns tagtäglich in einem Raum der Unsicherheit

 

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