Umfrage: Handynutzungszeiten von Kindern während der Corona-Pandemie stark gestiegen

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HANNOVER. Kinder, die die ganz Zeit zu Hause sind, Eltern, die sich in neue private und berufliche Abläufe einfügen müssen. Kein Wunder, dass in Corona-Zeiten in vielen Familien der Nachwuchs mehr Zeit geduldete Zeit mit dem Handy verbracht hat. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle Konflikte ausgeräumt wären.

Für viele Jugendliche stellt das Handy mittlerweile die Steuerzentrale des (digitalen) Alltags dar. Foto: Luisella Planeta Leoni / Pixabay (P. L.)

Die Corona-Pandemie stellt in vielen Familien eine Ausnahmezeit dar, gerade in Hinblick darauf, was die Handynutzung der Kinder angeht. Doch nach und nach normalisiert sich die Lage, wird die außergewöhnliche Situation zur Normalität. Damit kehrt jetzt auch die Sorgen vieler Eltern zurück, der ständige Umgang mit dem Smartphone könne ihren Kindern schaden. So befürchten laut einer Forsa-Umfrage 44 Prozent der befragten Eltern, ihr Kind könne via Handy mit nicht altersgerechten, gefährlichen Inhalten in Kontakt kommen. Im Auftrag der Hannoveraner KKH Kaufmännische Krankenkasse hatte das Meinungsforschungsinstitut 1.004 Eltern von 10- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen sowie in einer ergänzenden Umfrage nach Beginn der Corona-Pandemie 502 Eltern von 6- bis 18-jährigen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen mit Smartphone und Internetzugang online befragt.

Ebenfalls knapp die Hälfte der Eltern macht sich Gedanken darüber, dass ihr Nachwuchs Opfer von Cyber-Mobbing, beleidigt oder bedroht werden könnte. Große Sorgen bereiten Müttern und Vätern auch mögliche gesundheitliche Folgen durch übermäßigen Handygebrauch. So fürchtet die Hälfte der Befragten, ihr Kind könnte süchtig werden. 44 Prozent halten negative Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit für wahrscheinlich. An dritter Stelle mit 38 Prozent stehen Gesundheitsrisiken durch zu wenig Bewegung.

Für Kinder untypische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch

Die Sorgen der Eltern scheinen nicht unbegründet zu sein. Daten der Krankenkasse zeigten, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unter Krankheiten leiden, die früher eher untypisch waren. Die Entwicklung von fünf Krankheitsbildern im Zeitraum von 2008 bis 2018 zeigt das exemplarisch:
• Extremes Übergewicht (Adipositas) nahm um knapp 27 Prozent zu.
• Motorische Entwicklungsstörungen stiegen um rund 52 Prozent, bei den 15- bis 18-Jährigen drastisch um rund 137 Prozent.
• Bei Sprach- und Sprechstörungen verzeichnet die KKH einen Anstieg um knapp 57 Prozent – bei den 15- bis 18-Jährigen sogar um rund 157 Prozent.
• Schlafstörungen nahmen um rund 32 Prozent zu, am deutlichsten bei Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren um mehr als 86 Prozent.
• ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), die unter anderem mit Konzentrationsmangel einhergehen kann, stieg um rund 12 Prozent.

„Selbstverständlich sind nicht all diese Erkrankungen bei Kindern allein auf das Smartphone zurückzuführen“, betont KKH-Psychologin Franziska Klemm. „Doch mit intensiver Nutzung und dem Kontakt mit nicht altersgerechten Inhalten steigt nicht nur das Risiko für Übergewicht oder motorische Beeinträchtigungen, sondern auch für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder eine Internetsucht.“

Durch intensiven Medienkonsum könnten Kinder und Jugendliche Entwicklungschancen verpassen, die ihnen die analoge Welt bietet und die entscheidend für ein gesundes Aufwachsen seien, so Klemm. Mit Gleichaltrigen zu spielen beispielsweise, durch die Natur zu streifen oder gemeinsam zu musizieren, seien unverzichtbare reale Erfahrungen jenseits virtueller Welten. Der Austausch mit anderen Menschen verankere Kinder im Leben und bilde damit eine wichtige Basis für eine gesunde Mediennutzung.

Der Lockdown hat Nutzung digitaler Medien verstärkt – Eltern reagieren gelassener

Fast alle Eltern (95 Prozent) berichteten, dass ihr Kind digitale Medien in der Zeit geschlossener Schulen stärker genutzt habe, als üblich. Zum Smartphone griffen 54 Prozent der Heranwachsenden häufiger. Während zu lange Onlinezeiten im Normalfall Konfliktauslöser Nummer 1 seien, sahen Eltern das während der Krise offenbar nicht so eng. So fanden es 64 Prozent der Eltern in der Ausnahmesituation okay, wenn ihr Kind Medien intensiver nutzte. Die Hälfte begründete dies damit, Smartphone & Co. seien eine gute Möglichkeit, mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Etwa ein Drittel gab zu, sich in Zeiten geschlossener Schulen und Kitas nicht durchgehend um ihr Kind kümmern zu können, und war deshalb froh über die digitalen Kindersitter zu verfügen. 25 Prozent der Eltern sagten, dass sie die längeren Onlinezeiten während Corona zwar ärgern, wegen der extremen Zeiten aber tolerierten. 16 Prozent der Eltern äußerten die Befürchtung, dass sich lange Mediennutzungszeiten während der Krise negativ auf die Gesundheit ihres Kindes auswirken.

Die ‚Generation online‘ hat Gefahren vielfach im Blick – und doch gibt’s oft Zoff

Telefonieren, chatten, für die Schule googeln, Musik hören, Videos ansehen, fotografieren: Das Smartphone beeinflusst viele Lebensbereiche. Es ist mittlerweile vielfach die Steuerzentrale des digitalen Alltags und wichtigstes Kommunikationsmedium von Kindern und Jugendlichen. Wer meint, die ‚Generation online‘ gehe durchweg blauäugig damit um, täuscht sich. So ist die Mehrheit der in der Studie befragten Eltern (58 Prozent) davon überzeugt, dass ihr Kind sein Smartphone reflektiert nutzt und sich auch möglicher Gefahren wie Datenmissbrauch bewusst ist.

Zwei von fünf Müttern und Vätern vermuteten dagegen, dass ihr Kind sein Handy eher unbefangen nutzt: Jungen neigen offenbar eher dazu (46 Prozent) als Mädchen (35 Prozent), und haben mögliche Risiken seltener im Blick. Das sorgt mitunter für Ärger. 85 Prozent der befragten Eltern geben an, dass das Handy zumindest hin und wieder zu Streit führe. In jeder siebten Familie kam es sogar häufig bis sehr häufig zu Reibereien. Nur 15 Prozent der Eltern sagten, dass die Smartphone-Nutzung ihres Kindes kein Streitthema sei.

Smartphones bieten Chancen

Abstinenz der Kinder vom Smartphone zum Schutz vor eventuellen Gefahren ist eine zumindest zweischneidige Lösung. Schließlich ist das Mobilgerät längst nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Dabei biete es durchaus auch neue Chancen: „Eine reflektierte Handynutzung fördert die Entwicklung des Gehirns, dessen Formbarkeit in jungen Jahren am größten ist“, erklärt etwa der Hirnforscher Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig. „Schlagen Kinder und Jugendliche Wissen schnell nach oder lassen sie sich Sachverhalte über Videos erklären, kurbelt das die Aufmerksamkeit an. Auch analytische Fähigkeiten sowie räumliches Denken werden gestärkt. Das ist pures Gehirnjogging.“ Ein umsichtiger Umgang mit dem Smartphone könne weitere Pluspunkte für die Entwicklung der ‚Digital natives‘ mit sich bringen – von der Förderung sozialer Kontakte sowie der Identitätsfindung über den Erwerb präziser Kommunikation und technischen Know-hows bis hin zu mehr Kreativität durch mediales Gestalten und Experimentieren.

Vom reinen Konsumieren zum aktiven Steuern: Hauptsache Medienkompetenz

Digitale Medien haben demnach viel Potenzial für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung in Kindheit und Jugend. Entfalten kann es sich jedoch nur, wenn Kinder vorab in der analogen Welt Schlüsselqualifikationen erlernt haben. Dazu zählen Körper- und Sozialerfahrungen, aber auch Lesen und Schreiben, die Basis für den Umgang mit dem Handy. „Kindern ist begreiflich zu machen, dass die reale und die virtuelle Welt keine zwei Welten sind, sondern dass das Smartphone unsere wirkliche Lebenswelt erweitert“, betont KKH-Expertin Klemm. „Das setzt ein gesundes Verhältnis von On- und Offlinezeiten voraus.“ Es gehe um Medienkompetenz. Im Idealfall, dass bewegen sich Kinder maßvoll, sachkundig, selbstbestimmt, sicher und sozial verantwortungsvoll in der digitalen Welt ‒ ohne sich von Medien abhängig zu machen. „Bei der Vermittlung kommt Eltern eine entscheidende Vorbildfunktion zu. Sie sollten ihren Nachwuchs an die Hand nehmen, eng begleiten und einen souveränen Umgang mit dem Smartphone vorleben.“

All die Funktionen des Smartphones faszinierten jedoch generationenübergreifend und verlockten daher auch Mütter und Väter. Fast jeder 13. Befragte hielt sich denn auch für kein gutes Vorbild für sein Kind. 37 Prozent der Eltern möchten in puncto Handy-Nutzung mit gutem Beispiel vorangehen, schaffen das jedoch nur manchmal. Die Hälfte der Befragten hat hingegen das Gefühl, das Smartphone im Griff zu haben und meistens ein gutes Vorbild zu sein. Das gilt insbesondere für die Elterngeneration 50 plus (59 Prozent). (ots)

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1 KOMMENTAR

  1. Bei vielen Studien, die jetzt so zur Coronazeit kommen, frage ich mich echt, ob es zu viele gibt, die noch eine wissenschaftlicher Studie abgeben müssen, oder warum es so viele nonsense Studien sind.
    -Handynutzung in der Coronazeit gestiegen.
    -Menschen und Kinder fühlen sich von den Maßnahmen psychisch belastet.
    -Kinder lernen nicht so gut wie in der Schule.
    -Es gibt viel Streit in den Familien.

    Jetzt mal ganz im Ernst, das sind doch alles Dinge, die klar mit dem normalen Menschenverstand zu erklären sind, wofür braucht man da eine Studie? Als nächstes wäre ich für eine Studie, dass die Internetnutzung mit Streamingdiensten aufgrund von Corona zugenommen hat, oder dass die Privathaushalte mehr Strom und Wasser verbraucht haben während Corona oder sonst irgendwas vollkommen sinnbefreites, was jedem klar sein dürfte

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