Schulgipfel ohne neue Ergebnisse – VBE-Chef Beckmann: Kultusminister haben die Dringlichkeit der Lage nicht verstanden

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BERLIN. Die Corona-Krise zwingt die Länder zu mehr Zusammenarbeit in Bildungsfragen. Bei einem Treffen im Kanzleramt wurde nun über Schritte zur Digitalisierung der Schulen beraten. Am Ende standen zwar ein paar beeindruckende Zahlen – aber neu waren diese nicht. In Sachen Lüftungshygiene will sich die KMK nun beraten lassen.

Hatte ins Kanzleramt eingeladen: Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Shutterstock

Nach dem «Schulgipfel» wegen der Corona-Krise im Bundeskanzleramt zeigen sich Teilnehmer mit Blick auf die Ergebnisse und die Zusammenarbeit von Bund und Ländern zufrieden. «Die Länder erkennen immer stärker, dass der Bund mit seiner enormen Finanzkraft Dinge voranbringt, die wir alleine vermutlich in der doppelten Zeit in den Ländern nicht hätten auf den Weg bekommen können», sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Kritik kam dagegen von den Bildungsgewerkschaften, vom Bundeselternrat und von der FDP, die nach dem Gipfel am Montagabend von «Absichtserklärungen» und «Kosmetik» sprachen.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach nach dem Treffen von einer besseren Vernetzung von Bund und Ländern. «Es ist auch deutlich geworden, dass der Bund dabei nicht in die Länderhoheit bei der Bildung eingreifen will, aber wenn sich die Kanzlerin mehr als drei Stunden Zeit nimmt für dieses Thema, zeigt das schon, dass sie es persönlich ernst nimmt und dass es eine hohe Priorität hat.» Man komme bei vielen Einzelthemen gut voran, sagte Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

An dem Treffen nahmen neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister von 14 Bundesländern teil. Vereinbart wurden weitere Schritte zur Digitalisierung der Schulen. Dabei wurde allerdings hauptsächlich auf bereits zuvor verabredeten Vorhaben aufgebaut.

DIENSTLAPTOPS FÜR LEHRER

Bildungsgewerkschaften hatten beim Thema Dienstlaptops für Lehrer Druck gemacht, weil viele für Fernunterricht in der Corona-Krise ihre Privatrechner nutzen mussten. Bei einem Treffen im August war im Kanzleramt schließlich grundsätzlich vereinbart worden, Dienstlaptops für die 800.000 Lehrer in Deutschland anzuschaffen. Vom Bund gab es nun am Montag die Zusage, die dafür veranschlagten 500 Millionen Euro schneller als geplant bereitzustellen. Kritiker hatten darauf verwiesen, dass es in manchen Haushalten keinen Computer gibt und Lehrer bei Nutzung ihrer Privatrechner Gefahr laufen, gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen, wenn sie darauf sensible Schülerdaten wie Noten, Zeugnisse und andere Bewertungen speichern.

GELD FÜR ADMINISTRATOREN AN DEN SCHULEN

Bekräftigt wurde außerdem, dass sich der Bund mit 500 Millionen Euro an den Kosten zur Ausbildung und Finanzierung von IT-Administratoren beteiligen will, die sich um die Technik an den Schulen kümmern sollen. Zudem wurde der Aufbau einer bundesweiten Bildungsplattform und sogenannter digitaler Kompetenzzentren verabredet, in denen Lehrer für die Arbeit mit digitalen Unterrichtsmitteln weitergebildet werden sollen. Dies hatten Union und SPD allerdings auch schon bei ihrem Koalitionstreffen Ende August vereinbart. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen.

SCHÜLER-FLATRATE

Fortschritte gibt es nach Angaben von Bildungsministerin Karliczek beim Thema Daten-Flatrate für Schüler – ebenfalls ein Thema, das im vergangenen Monat bereits angeschoben wurde. Sie habe mit einigen Telekommunikationsanbietern gesprochen, andere hätten sich dem nun angeschlossen, «so dass es eine Flatrate geben soll, für alle Schüler, einen Datentarif für zehn Euro pro Monat», sagte Karliczek nach dem Treffen im Kanzleramt. Für bedürftige Schüler soll der Tarif kostenlos sein, finanziert aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket für Familien mit geringem Einkommen. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

KRITIK: KEIN GROSSER WURF

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Thomas Sattelberger, kritisierte das Treffen im Kanzleramt: Den Teilnehmern fehle jedes Gespür für die nötige Geschwindigkeit in einer Krise und der Wille, ein weiteres verlorenes Schuljahr zu verhindern. «Statt mit Kosmetik zu kleckern, müssten Bund und Länder jetzt klotzen.»

Kritisch äußerte sich auch der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Der große Wurf sei am Montagabend ausgeblieben, sagte er. Er sprach von Absichtserklärungen und fehlendem Bewusstsein für die Dringlichkeit der Lage. (News4teachers berichtet ausführlich über die Kritik des VBE am Schulgipfel – hier geht es zu dem Beitrag.) Der Verband hatte, wie auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), auf Fortschritte beim Infektionsschutz mit Blick auf die kalte Jahreszeit gedrungen und einheitliche Regeln für den möglichen Einsatz von Luftfiltern und Kohlendioxid-Messgeräten gefordert.

«Das war ein Schulgipfel der Ankündigungen», sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Stephan Wassmuth, der Vorsitzende des Bundeselternrats, nannte das Treffen eine Enttäuschung und warnte: «Wenn es wegen der Corona-Pandemie wieder zu Schulschließungen kommt, wird wenig besser laufen als im März.»

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD, kündigte nach dem Treffen im Kanzleramt für diesen Mittwoch ein Gespräch mit Experten zum Thema Lüftungshygiene an, «um auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise beraten zu können». Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte das Thema Lüften als «zentral» bezeichnet, um erneute flächendeckende Schulschließungen zu verhindern.

In mehreren Bundesländern wurden seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen wieder vereinzelt Schulen vorübergehend geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt. Bildungsministerin Karliczek appellierte nun erneut, durch Beachtung der Hygieneregeln dazu beizutragen, Schließungen zu verhindern: «Wir alle im Land können doch nicht wollen, dass die Kinder wieder über Wochen daheim bleiben müssen.» Dafür müssten alle Disziplin zeigen. «Feiern zu Lasten der Kinder geht gar nicht!», sagte sie. dpa

Im Wortlaut

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilt nach dem Schulgipfel mit:

„Die Zuständigkeit für das Schulsystem liegt in unserer föderalen Ordnung bei den Bundesländern. Gleichwohl bekennt sich die Bundesregierung zu ihrer Verantwortung, die Länder nicht nur bei der grundsätzlichen Aufgabe der Digitalisierung der Schulen zu unterstützen, sondern darüberhinaus auch Maßnahmen zu ergreifen, bzw. sich an Maßnahmen zu beteiligen, die Schulen, Kindern und Lehrkräften zügig neue und zukunftweisende Formen des digitalen Lernens ermöglichen sollen.

Im heutigen Gespräch sind folgende Handlungsstränge identifiziert worden:

1) ein von der KMK erarbeiteter einheitlicher Rahmen für die schulischen Infektionsschutzmaßnahmen;

2) ein zügiger weiterer Ausbau der Glasfaser-Internetanbindung für alle Schulen;

3) die Ausstattung aller Lehrkräfte und – bei Bedarf – von Kindern mit geeigneten Endgeräten, beides aus Mitteln des vom Bund um zweimal 500 Mio. Euro erweiterten Digitalpakts Schule;

4) Beteiligung des Bundes an Ausbildung und Finanzierung technischer Administratoren der digitalen Infrastruktur der Schulen in Höhe von 500 Mio. Euro;

5) Bildung von Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten, die Schulen vor Ort bei Medienkonzepten und digitalen Schulentwicklungsplänen beraten (BMBF und KMK bilden dazu eine Arbeitsgruppe auf Staatssekretärsebene);

6) schrittweise Entwicklung einer Bildungsplattform durch den Bund, u.a. zur Vernetzung zwischen den bestehenden Systemen der Länder, mit dem Ziel der Bereitstellung von Bildungsinhalten in allen Bildungsbereichen;

7) qualitativ hochwertige digitale Bildungsmedien, insbesondere Open Educational Resources, und die Entwicklung intelligenter tutorieller Systeme.

Die Gesprächsteilnehmer haben verabredet, sich in diesem Kreis Anfang des Jahres 2021 zu einem weiteren Austausch zu treffen.“

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Affront gegen die Kanzlerin: KMK verabschiedet einen Vier-Stufen-Plan für die Schulen in der Corona-Krise, der nichts verbindlich festlegt

 

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50 KOMMENTARE

  1. Wie es leider zu erwarten war. Da wurden nur Seifenblasen produziert. Schön formulierte vage Absichtserklärungen.
    Und die beste Aussage zum Schluss. Man beabsichtigt sich Anfang 2021 wieder zu treffen. In der Hoffnung, dass die Pandemie dann vorbei ist. Alle Schüler und Lehrkräfte sollen sich bis dahin möglichst infiziert haben…

  2. Schade… ich hatte gehofft, dass man endlich das wirklich zentrale Problem angeht, wie halbwegs sicherer Unterricht stattfinden kann, sobald es kalt wird. Da offiziell dieser Tage der Herbst beginnt und für die kommenden Tage sinkende Temperaturen angesagt sind, sollte das eigentlich schon eine dringende Frage sein.

  3. Sorry aber das war doch vorher schon besprochen.
    Und wenn ich unseren Kultusminister Herr Lorz höre ,man komme mit den einzel Themen gut voran,da krieg ich einen zu viel.Bei ihm ist immer alles top und es läuft gut.Herr Lorz und alle anderen leben in einer Scheinwelt !!!
    Was Lehrer/innen und Schüler gerne hätten interessiert Sie doch gar nicht.
    Die sollen mal ein Tag unangekündigt im der Schule sein.

  4. Schön, dass die Kultusminister sich jetzt nach den langen Sommerferien und jetzt, wo die kalte Jahreszeit kommt, b e r a t e n lassen.

    Beraten lassen hätte man sich natürlich auch schon früher.

    Ich schlage vor: Die Ergebnisse der Beratund dann im Sommer zu diskutieren. Sollte sich dann Handlungsbedarf ergeben, den Lehrerinnen und Lehrer seit Monaten anprangern, kann man dann ja auf die warme Jahreszeit verweisen.

  5. 9 Milliarden für Lufthansa
    23 Milliarden für Asylbedingte Kosten
    1,8 Milliarden für Tui
    20 Milliarden für die EU
    500 Milliarden für Banken
    u.s.w.
    Aber für Schüler und Lehrer ? Fenster öffnen !

  6. Nun… Mittlerweile kennt man ja die Einwände der Lehrkräfte, Eltern und Politiker… Ein Versuch eines Lösungsvorschlags:

    – Alle Klassen werden geteilt. Eine Gruppe ist vormittags in der Schule, eine nachmittags (so kann der Sicherheitsabstand gewahrt werden).
    – dabei wird die Unterrichtszeit in der Schule halbiert. Dafür sind versetzte Pausenzeiten und regelmäßiges lüften möglich. Zusätzlich ist so keine Mehrarbeit für Lehrkräfte nötig.
    – die zweite Hälfte der Unterrichtszeit wird zu Hause erledigt. Sollte es bei einigen nicht möglich sein, gibt es eine notgruppe in der Schule, die z.b. von einem Schulsozialarbeiter betreut wird.

    Das wäre meiner Meinung nach die optimale Lösung… Kostet sogar nichts zusätzlich. Das ist (zumindest) gefühlt ja ein wichtiges Kriterium bei Bildungspolitik…
    Ich habe heute von einer 20-5-20 Lösung gelesen. 20 min Unterricht, 5 Lüften… Wenn ich da an eine Grundschulklasse denke…

    Oder was sagt ihr?

    • Ein ganz großes „Nein“ von den Eltern, es wird keinen Unterricht zu Hause mehr geben. Eltern sind nicht bereit die Bildungsverpflichtung des Staates zu übernehmen. Und für echtes Fernlernen als Streaming des Unterrichts fehlt es an den technischen Vorraussetzung, an der technischen Struktur an der digitalen Kompetenz ….und es findet momentan in unserer Grundschule kein digitaler Unterricht statt. Weil die KM Ihre Forderungen nicht erfüllen sollen die Familien nun die Beschulung z.T übernehmen. Wenn die Grunvorraussetzungen für Streamingunterricht nach Stundenplan geschaffen sind, könnte man ab Klasse 8/9 darüber reden. Vorher gibt es keine Alternative.

      • Die gibt es, angestellte Lehrkräfte müssen lediglich kündigen, da der Arbeitgeber Mindeststandards beim Arbeitsschutz nicht einhält.
        Danach haben Sie Ihre Kinder so oder so zuhause. Die Quote angestellter Lehrkräfte liegt bundesweit im Schnitt zwischen 25% und 30% – das sorgt für gewaltigen Unterrichtsausfall.

        Denksportaufgabe am Schluss; warum meinen Sie, gibt es keine Altersteilzeitregelungen für Lehtkräfte im derzeit gültigen TV-L?

          • Ach darum geht es, Sie neiden den Lehrern ihr Gehalt. Dazu gibt es keinen Grund, so doll ist es nicht. Und sonst, eben einfach Lehrer werden, wenn die nötigen Voraussetzungen vorhanden sind.

      • Ich unterrichte meine Kinder lieber selbst, als sie so einem Wagnis auszusetzen!
        Ich verstehe die ganzen Eltern nicht! Das Virus ist gefährlich, auch für Kinder! Schule ohne Schutz ist Irrsinn! Die meisten Eltern haben anscheinend keine Angst vor der Krankheit…..! Es geht doch gerade erst richtig los mit der Pandemie!

        • Es sind nicht einige Schulen geschlossen sondern insgesamt sind und waren 30 000 SCHÜLER sowie ca 1000 Lehrkräfte in Quarantäne.Läuft gut mit den Versuchsschülern

        • Sie sprechen mir aus der Seele! Bildung ist so zweitrangig, wenn ich an das Risiko denke, dass ich nun jeden Tag eingehen muss, wenn ich mein Grundschulkind in die Schule bringen muss. Die Gesundheit der Kinder steht doch an erster Stelle. Ich würde mir SOFORT Zeit für mein Kind zum Lernen freischaufeln, wenn ich sicher gehen könnte, dass mein Kind in der Präsenzzeit in der Schule sichere Bedingungen erhält, z.B. AHA Regel, die überall sonst Anwendung findet. Ich kann auch die Eltern wirklich nicht verstehen, die Bildung um jeden Preis fordern.

      • Hallo Lena. Dann sind wir jetzt in einer Zwickmühle. Denn so langsam kippt die Bereitschaft, die eigene Gesundheit zu riskieren, nur weil der AG keine Sicherheiten schafft, wie es eigentlich vorgeschrieben ist. Dies führt aktuell zu häufigen Unterrichtsausfällen und damit wiederum zu mehr Betreuung daheim. Oder glauben Sie, dass alle Lehrkräfte die Ignoranz des AG hinnehmen?

        • Nein, aber vielleicht nehmen die AG auch die Arbeitsverweigerung nicht immer hin. Das Infektgeschehen der nächsten 4 Wochen ist entscheidend. Bleibt die Todesrate konstant niedrig, und die Zahl der Erkrankten bleibt im Rahmen wird der Umgang mit Corona entspannter.

          • Der Blick in andere Länder zeigt, dass es naiv ist, darauf zu hoffen, dass die Todesrate konstant niedrig bleibt. Je unkontrollierter sich das Virus ausbreitet, desto schneller wird das gehen. Darum ist es ja so wichtig, zu schauen, was bei den anderen passiert und dann RECHTZEITIG auf die Bremse zu treten. Im März hat Deutschland das geschafft und gegenüber anderen europäischen Ländern weniger Opfer zu beklagen. Wenn wir dieses Mal sehenden Auges beobachten, was bei den anderen passiert und nichts daraus ableiten, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Knall kommt.

            Wenn es die ersten Todesfälle unter den LuL gibt, wird vermutlich der Druck, mit dem Arbeitsschutz eingefordert wird, deutlich steigen.

    • Es gibt viele Ideen und Vorschläge. Alle werden von den Kultusminister bewusst ignoriert. Ich kann mir dies wirklich nur so erklären, dass bewusst viele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sich infizieren sollen.
      Weitere Indizien dafür sprechen, die geplante generelle Verkürzung der Quarantäne auf 5 Tage für Schüler. Dazu die Vorgabe in einigen Landkreisen, dass Lehrkräfte ohne Test und Quarantäne weiter unterrichten sollen trotz Kontakt mit Infizierten.

    • Die versetzten Unterrichtszeiten innerhalb eines Blockes sind realistisch betrachtet Blödsinn. Auch bei unterschiedlichen Anfangszeiten der einzelnen Klassen wird der Busfahrplan nicht angepasst. Die Fahrschüler kommen also gleichzeitig an und Fhren auch gleichzeitig heim, sie stehen nur unterschiedlich lange auf dem Schulhof herum bevor si anfangen bzw. abgeholt werden. Außerdem funktionieren die Zeitverschiebungen nicht, wenn es Fachlehrerunterricht gibt. Ich kann nicht in der einen Klasse 10:40 h mit dem Unterricht aufhören, wenn ich ab 11:30 schon Fachunterricht in einer anderen Klasse haben müsste.
      Die versetzten Hofpausen sorgen dafür, dass in keiner der lerngruppen Ruhe einkehrt. Die einen sollen konzentriert bei geöffneten Fensten arbeiten, während andere vor den geöffneten Fensten herumtoben …

      Und btw die Unterrichtsräume müssen zwischen den beiden Schichten zumindest gereinigt werden. Nur welcher Schulträger wird die Zeiten und damit die Kosten für die Gebäudereinigung erhöhen wollen?

      Kleinere Gruppen und zeitgleiche Betreuung der SuS, die ja dann im home-office weiterarbeiten müssen, ist zeitlich bei vorhandener Personaldecke ohne den Einsatz von Erziehungsberechtigten nicht durchführbar.

    • Genau so wurde es auch schon von unseren Lehrern vorgeschlagen.
      Laut Schulamt kann man dann nicht benoten.
      Was ein Schwachsinn sagen die Lehrer/innen.

        • So ein Schwachsinn: Eine Unterrichtsstunde dauert 45 Minuten Verteilt auf 30 Schüler macht das 90 Sekunden pro Kind. Ich kann in einer Unterrichtsstunde einen Eindruck gewinnen und mir Notizen machen. Aber eine Note für jede einzelne Stunde würde keinem Kind gerecht.

    • @Idee

      Ein ganz großes „Ja“ von vielen Eltern (im Gegensatz zu Lena R. maße ich mir nicht an, dreist für alle Eltern zu sprechen!).

      Ich als Mutter und Vorerkrankte wäre auch sofort wieder bereit, meine Kinder zuhause zu betreuen wenn ich dadurch verhindern könnte, dass sich jmd. aus unserer Familie infiziert.

      Falls die Zahlen bei uns im Ort noch weiter steigen, hoffe ich sogar darauf, dass die Schulen komplett geschlossen werden, da mir ja ansonsten nicht gestattet wird, meine Kinder und mich individuell zuhause zu schützen und auf das große Experiment mit lebenden Menschen zu verzichten!

      Und nochmal widerspreche ich Lena R.: Bei uns gibt es weder Probleme mit den technischen Voraussetzungen, noch mit der digitalen Kompetenz und auch nicht mit den elterlichen Fähigkeiten zur Vermittlung des Schulstoffs.

      Für Eindimensionaldenker mag es schwer zu verstehen sein aber diejenigen Familien, bei denen das coronabedingte Homeschooling trotz allem recht gut funktioniert hat, sind nicht nur ein urbaner Mythos, die gibt es wirklich.

      • @ Tina, das Homeschooling hat, dank des Einsatz vieler Eltern bei vielen Familien funktioniert, auch ich habe in der Verwandtschaft einen extrem engagierten Lehrer, der vor den Sommerferien, seinen Unterricht komplett für die andere Gruppe gestreamt hat. Auch hat er das Jugendamt bei einem Problemfall informiert. Auch er ist gegen die Aussetzung der Präsenzpflicht hier in BW, wegen Corona wird sie kaum genutzt, dafür fallen Missbrauch und Gewalt in Familien weniger auf.

  7. Die politische Absicht der Kultusminister ist klar: Sie wollen das der Bund die Maßnahmen bezahlt. Und das kann ich auch verstehen, weil die Steuern sehr zu Ungunsten der Länder verteilt werden.

    Rabe hat es doch im NDR in Bezug auf die Lehrer-Laptos gesagt: Dank der Finanzkraft des Bundes konnte es sehr schnell gehen, die Länder allein hätten dafür mindestens doppelt so lange gebraucht. Und wir reden hier von einem Bundesland, dem es nicht schlecht geht.

    Wie auch immer: Wer Leute wie Scholz in seinen Reihen als Finanzminister duldet, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob es moralisch vertretbar ist Verbrecher (Cum-Ex) meht oder minder straffrei zu lassen und den Schaden dem Steuerpflichtigen aufzubürden aber gleichzeitig kein Geld für Schulen im nötigen Umfang bereitstellt, indem die Kommunen besser im Steuerverteilungsschlüssel berücksichtigt werden.

  8. Viele Eltern wären aber auch bereit, Homeschooling zu machen. Sie wünschen es sich sogar, weil es den Kindern gut getan, dürfen aber nicht. Das ist für mich ein Skandal!

    • Den Kindern hat das Homeschooling sozial-emotional und lerndidaktisch ganz sicher nicht gut getan. Worauf stützen Sie Ihre mutige Annahme?

      • Manchen Kindern schon: Es gibt durchaus auch Familien in denen das Homeschooling funktioniert und denen die Entschleunigung gut getan hat. Befragt man Kinder zum Lockdown, scheint die Familienzeit positiv in Erinnerung geblieben zu sein. Natürlich muss man alles dafür tun, dass wir nicht wieder in einen Lockdown fallen, alles schlecht sollte man aber auch nicht reden. Es gibt Familien, die auch positive Erinnerungen mit dieser Zeit verknüpfen.

        • Manchen Kinder hat es vielleicht gut getan…
          Meinem Förderkind sicherlich nicht.
          Und ich muss ehrlich sagen, das ich es sicherlich auch nicht als Entschleunigung empfunden habe Beruf, Haushalt, Kinderbetreuung und Homeschooling teilweise parallel durchzuführen.
          Weder mein Mann noch ich haben Berufe, in denen man Home-Office machen kann.

          Also mit Entschleunigung hatte das nun Mal gar nichts zu tun..

  9. Um eine Lösung zu finden, müssen wir zuerst mal aufhören von „den Schülern“ zu sprechen.
    Unsere Schüler liegen im Alter zwischen 7 und 21 Jahren. Der Querschnitt reicht von sehr intelligenten Personen aus guten Eltern Haus, mit aller möglichen technischen und personellen Unterstützung bis hin zu Personen mit kognitiven Problemen, mit Verhaltensproblemen und aus einem problematischen Elternhaus.
    Hier eine Lösung für alle zu finden ist so wie die Haar-Schneide Maschine. Die passt auch nicht auf jeden Kopf. zumindest nicht beim ersten Versuch.
    Man müsste differenziert denken.
    Schüler im Grundschulalter – Unterricht mit halben Klassen und Betreuung durch qualifizierte Personen in Ausweichräumen (z.B. Gemeinde usw.)
    Schüler Klasse 5-8 – Hybridunterricht aus Präsenzunterricht und Onlineunterricht
    Schüler 5-8 mit persönlichen oder familiären Problemen – wie oben und zusätzlich Endgeräte auf Leihbasis und Unterstützung durch Sozialpädagogen
    Schüler über Klasse 9 die schon fast Erwachsen sind – weitgehender Online-Unterricht
    So etwa als Ansatz.
    In allen Stufen wäre die Unterstützung durch die Eltern erforderlich. Ich kann es nicht mehr hören, dass der Staat die alleinige Bildungsaufgabe hat.
    Wer sich Kinder anschafft muss sich zumindest in akuten Krisen auch mal selbst mit um sie kümmern.
    Kinder dazu zu motivieren die Arbeitsaufträge von der Lernplattform auch zu machen und dabei sorgfältig vor zu gehen gehört in den Bereich der Erziehung. Erziehung ist mühsam, manchmal frustrierend und oft unangenehm für beide Seiten.
    Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Erziehung zumindest zu großen Teilen auch Sache der Eltern ist. Da muss man dann halt mal durch.
    Versuchen sie es ruhig mal. Es ist wie wenn man in eine schwarze Jeans pinkelt. Kein Mensch sieht was, es gibt aber ein ganz warmes Gefühl.

    • Erziehung und Fürsorgepflicht obliegt der Eltern, die Bildungsverpflichtung hat der Staat übernommen, Sie haben Recht, meine Erziehungspflicht kann ich nicht mal pausieren lassen. Das Gleiche gilt für die Bildungspflicht, auch die kann man nicht mal ablegen wenn es unangenehm wird. Dazu bedarf es einer Gesetzesänderung, die dann sicher unsere Gesellschaft verändern würde. Auch würden Sie für die Betreuung der Grundschulkinder keine Gemeindekraft bekommen, kein Geld.
      Ich fasse zusammen, weder Land, noch Bund, noch Kommunen wollen zahlen, weder für zusätzliche Räume, noch für zusätzliche pädagogische Kräfte.
      Aber die Eltern sind definitiv nicht zuständig.

      • Liebe Lena R. , der Arbeitgeber hat für seine Mitarbeiter Sorge zu tragen PUNKT. Ist das nicht der Fall handelt er grobfahrlässig…
        Leider ist das die aktuelle Situation – oder sehen Sie das anders?

        Sie sagen, dass der Bildungsauftrag beim Staat liegt KORREKT . Zurecht fordern Sie dieses auch ein.
        Dann sage ich , dann soll der Staat für meine Sicherheit sorgen – da steh ich mir und meiner Familie dann doch selbst am nächsten …Ich denke, dass Sie dem nicht widersprechen können.

        • @ Patrick, das ist absolut korrekt, da stimme ich Ihnen vollständig zu. Da die Eltern die Bildungsverpflichtung einfordern und definitiv nicht mehr die Aufgabe des Bundes übernehmen, müsste der Bund diese Gesetz aufheben oder ändern . Dann wäre Bildung Privatvergnügen jedes Einzelnen. Wäre natürlich außenpolitisch ein Armutszaugnis.

  10. @Lena R.,
    was machen Sie nochmal beruflich? Ich habe jetzt, nach meinen Vorbereitungen für den Mittwoch mal Zeit, Ihre Kommentare des Tages zu lesen. Sie meldeten sich heute bereits 5x, um uns mit Ihren Weisheiten zu belästigen. (10:41, 10:28, 15:14, 16:54, 17:03 und vielleicht noch mehr) Kümmern Sie sich um Ihr Kind und machen Sie es ja richtig. Lehrer merken schnell, wes Geistes Kind es ist. Kleiner Tipp noch, quatschen sie es nicht so zu!

    • @Milla

      Ja, die gute Lena-Sabine ist 24/7 im Einsatz.
      Am Wochenende hat sie sogar mal um 4:40 gepostet.

      Heute hatte sie bestimmt frei, (sonst wohl auch oft) denn jemand wie Lena-Sabine würde doch niemals (!) während der Arbeitszeit etwas anderes erledigen als die Arbeit, für die sie bezahlt wird.

      … vgl. weiter oben:
      “ Lena R. 22. September 2020 um 15:14
      Das finde ich o.k. , dann gibt es aber auch kein Gehalt mehr.“

      Das wäre ja … ach, könnte man das Wort „absurd“ doch steigern …

    • @Milla Als unsere Grundschule im März dichtmachen musste, gab es Notgruppen für systemrelevante Gruppen. Da der Zulauf gering war, haben wir versucht, auch Kinder, die des Deutschen nicht so mächtig waren, in die Notgruppen zu bitten, mit mäßigem Erfolg.
      Erst als wir auch den Eltern mit „verhaltensoriginellen“ Kindern anboten, ihre „Nervensägen“ 6 Stunden am Vormittag zu betreuen, wurden die Gruppen richtig voll, so dass wir am Ende mehr Gruppen aufmachen mussten als gedacht.
      Vielleicht gehört Lena R ja zu diesen Müttern?

      • Schon interessant, dass persönliche Angriffe in diesem Forum geduldet werden. Und nein, ich habe die Notbetreuung nicht genutzt, die wurde erst angeboten, nachdem Beschwerden kamen, von Eltern in systemrelevanten Berufen. Beschwerden beim Schulamt und KM.

  11. Nicht alle Eltern wollen partout Präsenzunterricht. Stimmt einfach nicht!! Uns ist die Gesundheit der Kinder und eigene wichtiger! Und da gibt es sehr viele Eltern, vor allem die zu den Risikopatienten gehören, aber wir werden gezwungen die Kinder zur Schule zu schicken, nicht mal informiert, wenn es positive Fälle an der Schule gibt. Das ist einfach nur fahrlässig und gegen das Grundgesetz, Recht auf Schutz und Gesundheit. Jeder sollte frei entscheiden können, ob er die Kinder zur Schule schickt und die Möglichkeit haben die Kinder, in Zusammenarbeit mit der Schule, zu Hause zu unterrichten! Zusammen und gemeinsam, sowie Kommunikation sind das Stichwort. Aber das ist nicht möglich. Schlimm wie die Gesellschaft weiter auseinander bricht.

  12. Ich musste lachen, als ich Ihr Kommentar gelesen habe. Ja, genauso ist es. Und man muss noch dankbar sein, dass das Fenster sich öffnen lässt. OMG:)

    • Manchmal ist es fast, wie in einer Parallelwelt, im Büro stecken wir die Köpfe zusammen, zur Kaffeemaschine mit Maske, Besprechungen ohne Maske und Abstand, weil wir zum Besprechungstisch mit Maske laufen (Hygienekonzept!), auf dem Ponyhof Riesenfest mit Musik, normaler Sportunterricht, Flötenunterricht in der Schule, aber Abstand beim Essen in der Mensa, Schulhoftrennung, aber Geschwister und Schulweg Klasse 1-4. Also wenn im Lebensmittelhandel nicht die Kleber am Boden und die Masken wären. Ich sitze ja auch nicht 1,5m von meinen Freunden entfernt.
      Haben Sie schon mal den Pausenraum bei REWE oder Friseuren erlebt? Alle rein und Pause. Ist klar, der Bauwagen der Straßenarbeiter hat nun ein Hygienekonzept, oder die Polizisten, die nebeneinander am Wald auf Temposünder lauern. Maske und Abstand? Nö.
      Banktermin: Mit Maske durch den Schalterraum, rein ins Büro, Maske ab und Besprechung im Minibüro.
      Also wenn ich die Friseure und die Barbiers anschaue, dann die Kunden im Raum, meinen Sie da ist mehr Platz und Raum als im Klassenzimmer? Und Bart schneiden mit Maske? Geht nicht.
      Aber auch ein Barbier kann nicht in Homeoffice, die Abstandsregel beachten und immer auf Maske bestehen. Friseure haben auch Anspruch auf Arbeitsschutz, laut ihrer Berufssparte.

      • Wenn all die Angestellten und Firmenbesitzer in den von Ihnen aufgeszählten Branchen gegen die Hygienekonzepte verstoßen, die ihnen die Ausübung ihres Berufes ermöglichen und sie als Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung, die ja eine Eigengesellschaft oder ein Regiebetrieb einer Kommune ist, als öffentlich Bedienstete tolerieren ohne die entsprechenden Stellen einzuschalten, dann sind Sie in Ihrer Dienststelle fehl am Platz.

        Sie fordern von anderen „Vertragstreue“ ein in der Form, dass sich die Lehrkräfte den Bedingungen an Schulen unterwerfen, die mit den Vorgaben des Gesundheits- und Arbeitsschutzes nicht in Einklang zu bringen sind, und sehen Ihre Tätigkeit als über den rechtlichen Bestimmungen stehend ein. Was sind die Ziele die die Wirtschaftsförderung, bei der Sie beschäftigt sind, verfolgt? Zweck heiligt Mittel? Sehen Sie sich nur in der Verantwortung gegenüber den Wirtschaftsunternehmen in Ihrem Zuständigkeitsbereich oder auch gegenüber der Gesellschaft der Gebietsgliederung, die ihre Arbeitstelle finanziert.

        • @dickebank

          Unsere Lena ist die Beste!

          Wirtschaftsförderung …
          Wer nix wird, wird Wirt.
          Wenn auch das ihr nicht gelungen, …
          schreibt sie halt 24/7 in diesem Forum.

      • Alle anderen Menschen haben zumindest noch das Recht, in letzter Konsequenz ihren Job zu kündigen.

        Für meine Kinder habe ich dieses Recht nicht, mir wird VERBOTEN, uns zu schützen. Man nimmt ZWANGSWEISE an Menschenversuchen teil! Wurde dazu eigentlich jemals ein Ethikrat gefragt?

        Und wenn man das Kind trotzdem einfach zuhause lässt, riskiert man, dass sie einem kurzerhand entzogen und ins Heim gesteckt werden. Für Quarantänefamilien wurde sowas ja bereits angedroht!

  13. Und? Es ist oft widersprüchlich, manchmal versteht man auch nicht und es macht einen Sinn, hat halt keiner erklärt. Aber nur weil ein Barbier nicht einem Kunden mit Mundschutz den Bart schneiden kann, sollen jetzt alle auf Arbeitsschutz verzichten?

  14. Gabriele 23. September 2020, 17.22 Uhr
    Der positiven Expertenmeinung über den vielfachen Nutzen mobiler Luftreinigungsgeräten mit Aerosol-Filtern, hinsichtlich Kosten-Nutzen-Relation (ethisch und finanziell), kann ich mich mit voller Überzeugung und aus ganzem Herzen nur anschließen!
    Wenn stationäre, also fest installierte, Aerosol -Luftfiltersysteme in den eingebauten Lüftungsanlagen in den Schulen nicht vorhanden sind bzw. diese nicht allerschnellstens nachgerüstet werden können, droht ein verhängnisvoller Dominoeffekt. Ein wahres Horrorszenario, das vermeidbar ist.
    Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, doch ich befürchte, es droht uns ein Schneeballeffekt, eine Lawine, deren Schockwellen wir überall spüren werden: unzählige Menschen werden dauerhaft Schaden an ihrer Gesundheit davontragen oder werden gar ihr Leben verlieren.
    Als wirtschaftliche Kollateralschäden werden weiterhin zahllose Existenzen vernichtet werden, wenn das Angehen und Lösen des Kernproblems in der Heizungperiode an den Schulen untätig ausgesessen wird. Seine Tragweite muss endlich bewusst wahrgenommen, erkannt bzw. wirklich verstanden werden.
    Es besteht höchster, dringender und eiliger Handlungsbedarf – es ist wirklich FÜNF vor ZWÖLF!

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