Wenn der Lehrer an der Haustür klingelt: Millionen Schüler bekommen Zeugnisse – manche per Zustelldienst durch die Schule

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DÜSSELDORF. Wie bekommen die Schüler ihre Halbjahreszeugnisse? Das müssen die nordrhein-westfälischen Schulen mitten in der Corona-Pandemie selbst entscheiden. Ausgabe im Fünf-Minuten-Takt auf dem Schulhof, Zustellung per Post oder auch Übergabe an der Haustür – das sind einige der möglichen Lösungen.

Mancherorts fahren Lehrer in der Gegend herum, um die Zeugnisse zu den Schülern zu bringen. Foto: Shutterstock

Mit Schutzmaske und großem Abstandhalten im Einbahnstraßen-System an der Schule, per Post oder an der Haustür: Rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen erhalten unter Corona-Schutzbedingungen bis zum Wochenende ihre Halbjahreszeugnisse. Wie genau die Ausgabe mitten im Distanzunterricht erfolgt, darüber können und müssen die einzelnen Schulen entscheiden. Dabei wird es in dieser Woche verschiedene Wege geben, wie Lehrer-Gewerkschaften im Vorfeld berichten. Stichtag der Übergabe ist Freitag, 29. Januar.

«Der häufigste Weg der Zeugnisübergabe wird sicherlich der postalische sein, ich weiß aber auch von einzelnen Schulen, die einen „Lieferdienst“ unter Corona-Bedingungen anbieten», sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern der Deutschen Presse-Agentur. Dabei würden Lehrkräfte zu den Schülerinnen und Schülern fahren und an der Haustür mit dem gebotenen Abstand und Maske das Zeugnis überreichen. Das gehe aber nur, wenn der Weg nicht zu weit sei und sowohl Lehrkräfte als auch Schüler und Eltern dem zustimmten.

«Das vergangene Schulhalbjahr hat fast vollständig im Präsenzunterricht stattgefunden. Daher gibt es Zeugnisse»

Ähnliche Erkenntnisse hat Stefan Behlau, Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE): «Die Rückmeldungen, die uns erreichen zeigen die unterschiedlichsten Wege.» Während die eine Schule auf den Postversand setze, gebe es an der anderen Schule für die Klassen «Abholzeiten» und an kleinen Schulen sei teilweise sogar das Personal als Bote unterwegs. Schulen könnten auch Zeugniskopien elektronisch versenden mit Zustimmung der Eltern. Die Originale würden dann in der hoffentlich wieder kommenden Präsenzzeit der Schulen ausgehändigt.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht in der Zeugnisvergabe einen wichtigen Schritt. «Das vergangene Schulhalbjahr hat fast vollständig im Präsenzunterricht stattgefunden. Daher gibt es Zeugnisse», hatte sie bereits in der vergangenen Woche erklärt.
Damit könnten Schülern auch in Zeiten der Pandemie ein Stück Normalität gegeben und Lernerfolg dokumentiert werden. Die Schulen entschieden in eigener Verantwortung vor Ort über die konkrete Ausgestaltung der Zeugnisübergabe. Dem Schulministerium liegen dazu nach Angaben eines Sprechers keine näheren Erkenntnisse vor.

Auch die GEW-Landesvorsitzende Finnern sieht den Präsenzunterricht als den größeren Faktor für die Noten als den derzeit laufenden Distanzunterricht, der entsprechend einer Verordnung des Landes bewertet werde. «Allerdings muss man ganz klar sagen, dass die Noten für das Halbjahr ja jetzt bereits feststehen, von der gesamten Unterrichtszeit waren circa zwei Wochen Unterricht auf Distanz, daher wird die Rolle für die Note gering sein», verdeutlichte sie.

«Natürlich sind die Bewertungsparameter im Distanzunterricht andere als im Präsenzunterricht»

«Natürlich sind die Bewertungsparameter im Distanzunterricht andere als im Präsenzunterricht», sagt der VBE-Landeschef. Nichtsdestotrotz könnten auch beim Distanzunterricht Lern- und Leistungsfortschritte durch die Lehrkräfte beobachtet und bewertet werden. «Teilweise sind individuelle Rückmeldungen für Lernerzeugnisse sogar eher möglich als im gemeinschaftlichen Unterricht im Klassenraum.» Gesprächs- oder Beratungsbedarf würden in der Regel per Telefon oder Videotelefonie geregelt. Auch die GEW betont: Bei Gesprächsbedarf könnten die Lehrkräfte kontaktiert werden, da biete jede Schule Lösungen an.

Nach Ministeriumsangaben ist der 29. Januar als Zeitpunkt der Aushändigung der Halbjahreszeugnisse vorgesehen. An den Grundschulen ist demnach die Aushändigung der Zeugnisse schon seit Montag möglich. dpa

Brandbrief einer Lehrkraft: Liebe Kultusminister, können Sie meinen Schülern erklären, warum Noten wichtiger sind als die Gesundheit?

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16 KOMMENTARE

  1. Hier in RLP an einer Grundschule: alle kommen sowieso jede Woche in die Schule, um Hefte und Arbeitsblätter abzuholen – da können Eltern oder Schüler*innen dann auch die Zeugnisse in der Schule abholen.

    Wer „ängstlich“ ist, um MP Dreyer zu zitieren, kann sich laut Ministeriumsbeschluss das Zeugnis auch zuschicken lassen. Wie die „ängstlichen“ Personen an ihre Arbeitsblätter kommen, sei dahingestellt. Soweit kann man in Hubigs Ministerium offenbar nicht denken. Digitalunterricht ist in Grundschulen dann sowieso nächste Woche weitgehend oder komplett eingestellt. Das hängt davon ab, ob die Lehrkraft bereit ist, unbezahlte Überstunden zu leisten. Danke an die verkorkste Schulpolitik in RLP! Aber laut Dreyer sind wir ja bislang „insgesamt gut durch die Pandemie gekommen“. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronakrise-malu-dreyer-wehrt-sich-gegen-vorwurf-der-verharmlosung-a-9825b936-1b10-4bf1-a1ba-3a3142b274f4

      • @As.

        Doch, mir fällt da sofort etwas ein:
        Stigmatisierung.

        Man pappt den Menschen, die sich umsichtig verhalten (und letztlich zum Wohle aller auf ihre noch funktionierenden Instinkte hören) einfach ein negatives Etikett auf.

        Und das sind ja dann die Vernünftigen, die mit diesem Etikett herumlaufen.

        Die laute Mehrheit wird sie dann schon dazu bringen, (sorry) ihr „dummes Maul“ endlich zu halten und nicht immer allen (?!) das letzte Bisschen „Normalität“ kaputt machen zu wollen …

  2. Wir hätten unsere Zeugnisse gern per Post verschickt. Laut Stadt hätte das per Einschreiben geschehen müssen. Das war denen aber zu teuer 8oder zu viel Aufwand?). Daher „darf“ ich nun am Freitag in der Schule stehen und die knapp 30 Eltern meiner Klasse treffen, um ihnen persönlich das Zeugnis zu übergeben. So viel zum Thema „Kontaktbeschränkung“.

    • Du nimmst einen Klassenraum im EG, öffnest die Fenster und bestellst Teile der Klasse zu vorgegebenen Zeiten zur Zeugnisausgabe. Die ausgabe erfolgt dann durch das geöffnete Fenster. Für beide Seiten des fensters – also für die Empfänger vor dem Fenster und den Verteiler gilt Maskenpflicht. Liegt das Fenster etwas höher (Halbetage), ist das Mitbringen eines Einkaufskorbes und eines Seiles mit entsprechender länge ein probates Hilfsmittel. Wenn Chantalle kommt, dem Chantalle sein Zeugnis in den Korb und an der Leine runterlassen. (Umschlag mit der Halbjahressonderzahlung für die Notenfrisur kann dann im umgekehrten Verfahren zum Empfänger gelangen. Der Kaufpreis von Korb und Seil muss ja zumindest wieder reinkommen.)

    • Nicht die Kontakte für die An- und Abfahrt aller Beteiligten vergessen 😉

      Spass beiseite – was für ein Wahnsinn und Konterkarierung der Kontaktbeschränkungen.

      Da lobe ich mir doch, dass unsere Schule anbietet, die Zeugnisse nach vorheriger digitaler Einverständniserklärung per Mail zu versenden. Originale gibt es halt irgendwann einmal. Selbst bei kommenden Abschlussklassen benötigen doch die wenigsten aktuell ein Originalzeugnis.

      • @Mutter_aus_HH

        Uiuiui …! Dünnes Eis.
        Wenn das die KM-Chefin Ernst mitbekommt!
        (Im nächsten Absatz ist besonders der letzte Satz interessant. – Sogar Irrsinn und Schwachsinn gibt es als Flickenteppich und jedes Bundesland hat sein eigenes Muster …)

        „Wegen des Fernunterrichts erhalten die meisten Schüler ihre Halbjahreszeugnisse in diesem Jahr per Post und nicht am Freitag als letztem Schultag vor den Winterferien. Der Versand erfolge nach den Ferien am 8. Februar, teilte das Ministerium mit. Die Zeugnisse und weiteren Unterlagen für die Sechstklässler an den Grundschulen, die diese für den Übergang auf eine weiterführende Schule benötigten, würden bereits am Freitag versandt. Die Schüler der Abschlussklassen und der Förderschulen, die im Präsenzunterricht sind, erhalten ihre Zeugnisse am Freitag in den Schulen. Per Email dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Zeugnisse zugestellt werden.“
        https://www.news4teachers.de/2021/01/kmk-praesidentin-schuloeffnungen-bald-moeglich-aber-nicht-im-eigenen-bundesland/

        • Wenn der Bund sich nicht in die Bildungspolitik eines Bundeslandes einmischen darf, dann erst recht nicht die/der KM eines anderen Bundeslandes.

          U.U. ist hier aber auch entscheidend, dass die Zeugnisse innerhalb der Schulplattform iServ an die Schul-E-Mail-Adresse der Kinder versendet wird.

  3. Bei uns bekommen die Sus auf dem digitalen Weg ihre Zeugnisse in der 3. Stunde frei geschaltet. Zeitgleich wird gezoomt. Am ersten Tag vom Präsenzunterricht werden die Originale ausgegeben. Die 10er, die ein Original benötigen, müssen für die Abholung einen Termin im Sekretariat machen. Dort erfolgt dann die Übergabe. Selbstverständlich mit Maske.

  4. Den Schülern mit Zeugnissen „Normalität geben“ – hat jemand mal mit den Kindern gesprochen, was sie im Moment brauchen? Sind Zeugnissen das, was Kinder im Moment brauchen? Welche Bedürfnisse der Kinder werden durch das Ausstellen der Zeugnisse erfüllt? Waren früher Zeugnisse eher der Schrecken aller Schüler (und sind es vermutlich heute immer noch), suggeriert diese Sprache, dass Zeugnisse den Kindern nützen und dienen. Ist das wirklich so? Um das zu verifizieren, müsste man diejenigen befragen, die die Zeugnisse erhalten. Ansonsten bleibt eine solche Aussage eine bloße Behauptung mit möglicherweise fataler Suggestivwirkung.

  5. Hier ganz wichtig (gerade bei den derzeitigen Wetterverhältnissen!): Abchecken, dass das in jedem Fall eine Dienstfahrt ist! Sonst ist bei einem Unfall schnell mal die Versicherung raus und man selber hängt gewaltig drin. Auch beim Herumgondeln von Unterrichtsmaterial.

  6. Den Schülern mit Zeugnissen „Normalität geben“

    Meine Frage: Ist das NORMAL ?
    Mein Sohn ist völlig unverschuldet der Risikogruppe angehörig. Die Halbjahreszeugnisse in der EP werden Freitag ausgegeben und gestern Spätabends kam per Mail der Fachlehrer in empfundener vorwurfsvoller Formulierung die Aufforderung, in der kommenden Woche nun in einem Fach eine mündliche Nachprüfung (Bestehensprüfung) abzulegen und in einem anderen Fach eine Klausur zu schreiben. Je eine Klausur im 1. Quartal wurde allerdings geschrieben.
    In NRW ist eine Präsenz bis 31.01, seit gestern dann 12.02.2021 ausgesetzt. Frau Gebauer schreibt, Klassenarbeiten und Klausuren werden in der Zeit nicht geschrieben.
    Nachprüfungen beim HJ-Zeugnis waren mir nach Zeugnisausgabe auch neu.
    Scheinbar gibt es in Pandemiezeiten neue (Sonder-)Regeln oder ist die Schule da etwas übers Ziel hinausgeschossen?

  7. Was spricht gegen eine Übergabe der Zeugnisse persönlich mit Maske? Die Zeugnisübergabe dauert nicht lange. Der Kontakt ist somit nur kurz, fällt also nicht unter die Kriterien, die das Gesundheitsamt anlegt, um ihn als relevant für Quarantäne zu sehen. Unsere 700 SuS benötigen keine öffentlichen Verkehrsmittel, um zur Schule zu kommen. Ich finde es nicht gut, dass hier auf diesem Portal immer ALLES als gefährlich, unvernünftig oder gar tödlich angeprangert wird. Dies trifft mit Einschränkungen auf manche Szenarien in Schule zu. Dennoch sollte das doch nach den Gegebenheiten vor Ort gesehen werden. Bei uns an der Schule gab es keine Beschwerden über die persönliche Zeugnisübergabe. Sollte das jemand nicht wollen, konnte er sich melden, um Alternativen zu besprechen. Das galt für das Kollegium und die Elternschaft. Eine Kollegin kam nicht, weil es ihr freier Tag war und sie die eigenen Kinder betreuen musste. Ca 20 Zeugnisse wurden nicht direkt abgeholt, bei 60 Kollegen und 700 SuS finde ich das sehr wenige. Die Übergabe war klar in Zeitfenster eingeteilt, es haben sich also nicht wirklich viele gleichzeitig getroffen. Bei uns lief auch der Präsenzunterricht bis Dezember gut. Wir hatten weniger als 1% positive Covidfälle an der Schule bei einer Inzidenz in unserem Kreis teilweise auch über 200. Immer nur klagen und jammern führt nicht weiter. Wir freuen uns in der Schulgemeinschaft (Eltern, Kollegium, Schülerschaft) über so viel Normalität wie möglich und beachten die Hygienevorgaben so genau wie möglich. Beschwerden über das Lüften kamen auch so gut wie nie. Die Zimmer kühlen nicht wirklich aus. Ich weiß, dass ich mit meinem Temperaturempfinden kein Maßstab bin, aber ich bin froh, dass es endlich mal nicht mehr so überhitzt und stickig in Klassenzimmern ist. Es ist eine schwierige Zeit für alle. Dennoch sollte man nicht alles negativ sehen. Es gibt immer auch Positives. Ich habe es heute u.B sehr genossen, meine Achtklässler mal wieder live kurz zu sehen und nicht nur online. Den meisten SuS ging es ebenso, auch wenn der Distanzunterricht funktioniert.

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