Giffey schlägt „Ampel“ für Kita-Betrieb vor, Bund und Länder beraten darüber

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BERLIN. Bis Mitte Februar läuft offiziell der aktuelle Lockdown. Aber wie geht es danach weiter?  Millionen Eltern wollen vor allem wissen, was an Schulen und Kitas passiert. Familienministerin Giffey hat für die Kitas ein Ampel-System vorgeschlagen, über das jetzt beraten wird. Die GEW zeigt sich offen.

Wünscht sich ein einheitlicheres Vorgehen der Länder in der Kitapolitik: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Die Jugend- und Familienminister von Bund und Ländern beraten an diesem Montag über die Vorschläge von Familienministerin Franziska Giffey für eine «Kita-Ampel». Die SPD-Politikerin hatte am Wochenende für den künftigen Kita-Betrieb unter Corona-Bedingungen ein Drei-Stufen-System angeregt, das sich an der Anzahl der infizierten Personen in der Einrichtung und der Anzahl der Kinder und Beschäftigten in Quarantäne ausrichtet.

Das Konzept hat Giffey den Ländern als Vorschlag übersandt. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor und orientiert sich demnach am Kita-Stufenplan der Hansestadt Bremen.

„Dies erlaubt es, die Kindertagesbetreuung soweit wie möglich offen zu halten“

Kitas könnten demzufolge ganz aufmachen (Regelbetrieb, Ampel auf grün), wenn es keine aktuellen Corona-Fälle in der Einrichtung gibt und weniger als zehn Prozent der Kinder und Beschäftigten in Quarantäne sind. Liegen die Zahlen darüber und gibt es mindestens einen Infektionsfall, wechselt die Kita in den eingeschränkten Regelbetrieb (gelb) zum Beispiel mit kürzeren Betreuungszeiten. Ab zwei Infektionsfällen und mehr als einem Viertel der Beschäftigten oder mehr als einer Gruppe in Quarantäne würde Stufe rot gelten: Schließung mit Notbetreuung. Stufe rot würde außerdem automatisch ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 greifen. Öffnungsschritte hin zu gelb oder grün sollen immer erst möglich sein, wenn sich die Lage verbessert hat und über sieben Tage stabil bleibt.

«Dies erlaubt es, die Kindertagesbetreuung soweit wie möglich offen zu halten und nur dann zu Beschränkungen und gegebenenfalls Schließungen zu greifen, wenn die Situation vor Ort bzw. in den Einrichtungen dies tatsächlich erfordert», heißt es in einem Begleitschreiben zum Konzept an die Länder.

Die Familienministerin spricht sich außerdem dafür aus, dass ergänzend zum Ampelsystem das Personal so schnell wie möglich geimpft und solange dies nicht möglich ist, regelmäßig getestet wird. Fachkräften in der Kindertagesbetreuung sollte es außerdem ermöglicht werden, medizinische Masken auch bei der Arbeit mit den Kindern tragen zu können, heißt es weiter.

„Die Frage ist, ob das für die Kitas überhaupt machbar ist und auch, wer dann die Einstufungen vornehmen soll“

Aus den Ländern kamen zunächst skeptische Stimmen: «Die Frage ist, ob das für die Kitas überhaupt machbar ist und auch, wer dann die Einstufungen vornehmen soll», sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Montag. Die bayerische Familienministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, im Rahmen der letzten gemeinsamen Beratungen der Jugend- und Familienministerkonferenz habe Einigkeit unter den Ländern bestanden, dass ein bundesweiter Stufenplan weder notwendig noch sinnvoll sei.

Kritik kam auch von Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP). Er sagte dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag), Giffeys «Verfahrensvorschlag» sei «praxisfremd». In NRW setze man den eingeschränkten Pandemiebetrieb mit festen Gruppen und Stundenreduzierung fort und appelliere an die Eltern, nach Möglichkeit bis zum 14. Februar die Kinder selbst zu betreuen. «Wie es ab dem 15. Februar weitergeht, werden wir unter Berücksichtigung der Pandemie-Entwicklung mit Trägern, Eltern und Gewerkschaften in der kommenden Woche beraten.»

Für Kitas und Schulen sind die Länder selbst zuständig. Ein deutschlandweit einheitliches Vorgehen wird zwar immer wieder diskutiert, hat aber wegen der unterschiedlichen Interessen in den Ländern kaum Chancen. Björn Köhler vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich offen für Giffeys Vorschläge: «Die Ampel, die Giffey vorschlägt, ist durchaus sinnvoll, weil sie die einzelne Kita mit ihrer jeweiligen Situation in den Blick nimmt und das Ganze mit dem Infektionsgeschehen in der Region kombiniert», sagte er. dpa

Corona-Hotspot Kita? Erzieher fühlen sich verheizt – Ministerium wiegelt ab

 

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21 KOMMENTARE

  1. Frau Giffey sagt das Personal soll so schnell wie möglich geimpft werden.

    Dann wäre es konsequent, wenn sie sich für ein vorziehen in der Impfreihenfolge einsetzt.

  2. Was ist eigentlich, wenn die Situation „oder“ vorliegt, also beispielsweise weniger als zehn Prozent der Kinder und Beschäftigten in Quarantäne und mindestens eine Infekton oder mehr als zehn Prozent in Quarantäne und keine Infektion? Nach Giffeys Logik wäre die Ampel dann sowohl grün als auch gelb. Zählt dann gelb oder grün? Nach Maßstäben der Vernunft gelb (oder noch besser rot), nach Maßstäben der Träger vermutlich grün.

  3. Warum fragt eigentlich niemand die Kita-Leitungen, oder die Erzieher/innen? Wer soll denn so etwas umsetzen? Coronaausbruch in der Kita und die Erzieher/innen arbeiten einfach fleißig weiter? Das ist doch realitätsfremd, so lange niemand geimpft ist. In Wahrheit laufen dann zu Recht alle zum Arzt und lassen sich krank schreiben. Wer will sich denn die Gesundheit ruinieren?

    • Was bringt es, wenn man selbst geimpft ist und sich die Kinder, Eltern und eigenen Angehörigen trotzdem infizieren?

    • In meinem Landkreis hatte das Gesundheitsamt bisher immer konsequenterweise die Kitas dicht gemacht bei nur einem positiven Fall. Alle Mitarbeiterinnen und Kinder in Quarantäne versetzt, dazu ein oder sogar beide Elternteile ebenfalls.
      Schon bei Verdachtsfällen wurden alle getestet mit PCR und bis zum negativen Ergebnissen in Quarantäne geschickt.
      Ist natürlich nicht schön für die Betroffenen, aber die Vorsicht des Krisenstabes hat sich bisher ausgezahlt. Der Landkreis ist fast durchweg an unteren Ende der
      Inzidenztabelle.

      Vielleicht einfach mal an den Landkreisen mit guten Zahlen orientieren!

  4. Frau Giffey macht unverantwortliche Vorschläge, die das Leben der Beschäftigten gefährden. Punkt.
    Dass solch ein Konzept, welches sich am Grad der numerischen Schädigung an Menschleben orientiert und nicht an der Güte der Präventionsmaßnahmen, überhaupt ernsthaft erwogen wird und dass diese „Dame“ diese irren Vorschlägen machen kann ohne Protest- und Klagewellen zu erleben, ist unglaublich. Hätte ich nie für möglich gehalten in Deutschland.

  5. Da Kinder so gut wie nie getestet werden, wird die Ampel immer auf grün stehen. Und falls doch mal jemand zufällig positiv getestet wird oder die Inzidenzzahlen steigen, gibt es Notbetrieb, wobei Eltern ihre Kinder nach eigenem Ermessen entscheiden können, ob sie ihr Kind in die Kita geben oder nicht. 80% Auslastung- also auch wieder grün.

    Wir sind es so satt verar…t zu werden, oder?

  6. So ein Ansatz motiviert dazu, nicht zu testen. Dann gibt es nämlich keine Fälle und die Kita ist offen.

    Wie man überhaupt darüber nachdenken kann, eine Kita, in der es einen Fall gab, noch offen zu lassen, ist mir zudem vollkommen rätselhaft. Selbst wenn man die Gruppen trennt, so gibt es doch genug Gemeinsamkeiten, um ein Überspringen auf andere Gruppen nicht so ganz auszuschliessen – von daher sollten dann erstmal alle in Quarantäne. Mit der britischen Mutation wird dieses Risiko sogar noch deutlich größer.

    Zudem sollte man das ganze auch an die Inzidenz des LK koppeln… Regelbetrieb bis knapp unter 200 ist schlichtweg Wahnsinn, da man in der Kita keinen wirksamen Infektionsschutz umsetzen kann.

    • Ist doch sowieso die vorherrschende Strategie, dass weniger getestet wird, damit die Zahlen am Ende schön aussehen. Und wenn dann noch (wie ich erst kürzlich bei Twitter las) die Zahlen der Alten- und Pflegeheime rausgerechnet werden, dann hat man seine niedrige Inzidenz, um alles aufzureißen, wo karrierewütige Eltern und solche, die von ihren Kindern überfordert sind, ihre Kinder parken können.

  7. Was soll diese Ampel bringen?
    Fröhlich Regelbetrieb bis Inzidenz 200 solamgexes keinen positiven Fall in der Kita gibt? Das ist keine Prävention! Das ist Wahnsinn!
    Feste Gruppen bis Ende der Pandemie und regelmäßige Tests wären das Mindeste zum Schutz aller Beteiligten!

  8. Mir fällt zu diesem Vorschlag nur noch Unfreundliches ein. Nur soviel. Wenn es so weitergeht mit dieser geballten Verantwortungslosigkeit, wird es bei den Erzieherinnen eine Abstimmung mit den Füßen geben. In der Kita unserer Stadt gab es heute zwei Kündigungen mit dem Verweis auf nicht vorhandenen Infektionsschutz. Giffey sollte sich lieber darum kümmern, dass es keine Infektionen an Kitas mehr gibt statt eine gemeingefährliche Ampel zu promoten, die erst rot wird, wenn schon alles zu spät ist. Kitas brauchen Schutz, keine lächerlichen Ampeln!

  9. Bei uns wurden die EIGENEN Stufenpläne des Landes für Schulschließungen und Distanzunterricht ab gewissen Inzidenzen nicht einmal bei deutlich über 300 angewendet.
    Wieso sollte man sich jetzt auf einmal an eine bundeseinheitliche Ampel halten?

  10. Nein, nein, nein Frau Fakedoktor Giffey. Treten Sie zurück. Und hören Sie endlich auf mit ihren realitätsfernen Ideen.
    Jede Äußerung der GEW bestätigt meinen Austritt vor 2 Jahren. Peinlicher Laden.

  11. Bei uns wurde die Kita für 1 Wo geschlossen,nachdem 8 Erzieher an Corona erkrankt sind.Die anderen Kollg würden nicht getestet. Es gab Fälle von erkrankten Eltern,auch da wurden die Kinder nicht getestet. Auch die eigenen Kinder wurden nicht getestet.Was soll da eine Ampel? Das ist Kindeswohlgefährdung in höchster Form! Und fahrlässige Körperverletzung an Erziehern. Es ist nicht wie bei einem Schnupfen..man ist nicht nach wenigen Tagen wieder fit. Und wenn man so was liest,macht es die Psyche kaputt…ich liebe meinen Beruf,aber so macht er mir Angst

  12. Corona-Schutzmaßnahmen in Kitas: How low can you go ?

    Dann lasst es doch ganz bleiben, einfach Regelbetrieb und fertig. Das wäre immerhin ehrlich.

  13. Euch allen hier möchte ich sagen, dass ich das ganz genauso sehe. Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine steht, aber traurig, dass man irgendwie nichts ausrichten kann. Wir, als Erzieher*innen werden nicht gehört….

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