Hochschulrektorenkonferenz: Studierende und Hochschulen bei Corona-Beschlüssen mitdenken

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BONN. Studierende und Hochschulen müssen in den Szenarien für das weitere Vorgehen in der Corona-Krise unbedingt mitgedacht werden. Das forderte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-André Alt, mit Bezug auf die jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern.

„Auch die Studierenden und Hochschulen haben ein großes Interesse, wo möglich zumindest teilweise und differenziert in einen sicheren Präsenzbetrieb zurückzukehren. Wir haben Studierende, die seit zwei Semestern immatrikuliert sind und ihre Hochschule und Kommilitonen noch nie in Präsenz erlebt haben. Examenskandidatinnen und -kandidaten haben ein berechtigtes Interesse, zeitnah und sicher zumindest in Teilen in Präsenz ihre Prüfungsvorbereitung fortzusetzen – auch hier können und müssen Testkonzepte vorsichtig erprobt und Schnelltests genutzt werden. Gleiches gilt für die Ermöglichung von Laborübungen.“

Die Hörsääle sind leer, viele Studenten haben ihre Hochschule noch nie in Präsenz erlebt. Foto: Clemens Löcker / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die in den Beschlüssen für die Schulen enthaltenen Überlegungen können nach Auffassung des HRK-Präsidenten nicht direkt auf die Hochschulen übertragen werden, sondern müssten selbstverständlich angepasst und mit Blick auf den logistischen Aufwand mit den entsprechend großen Ressourcen für die Hochschulen unterlegt werden. Digitale Plattformen könnten auch im Einsatz an Hochschulen das Mittel der Wahl sein, die Kontakte infizierter Personen effektiv und schnell nachzuverfolgen.

„Wenn über Test- und Impfstrategien aber wieder mehr Präsenzlehre möglich ist, sollten diese Optionen auch genutzt werden. Des Weiteren sollten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Verwaltung ebenso auf kostenlose Schnelltests zurückgreifen können, wie dies für Angestellte von Unternehmen avisiert ist“, so Professor Oliver Günther, HRK-Vizepräsident für Governance, Lehre und Studium. „Diese Gleichbehandlung ist wichtig, auch als Anerkennung der in den Hochschulen erbrachten Lehr- und Forschungsleistungen für die Gesellschaft sowie der wichtigen Ausbildungsaufgabe, die Hochschulen übernehmen. Wir sollten nicht vergessen, dass Forschung an Hochschulen gerade die positiven Entwicklungen durch Impfungen erst ermöglicht hat.“ (pm)

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2 KOMMENTARE

  1. „Die in den Beschlüssen für die Schulen enthaltenen Überlegungen können nach Auffassung des HRK-Präsidenten nicht direkt auf die Hochschulen übertragen werden, sondern müssten selbstverständlich angepasst und […] mit den entsprechend großen Ressourcen für die Hochschulen unterlegt werden.“

    Eine direkte Übertragung wie in den Beschlüssen für die Schulen vorgesehen ist hier also nicht zielführend.

  2. Hochschule findet mit und für Erwachsene statt. Präsenzveranstaltungen in schlecht belüfteten Räumen kann man also erst angehen, wenn man entweder Lüftungen/Luftfilter einbaut oder alle Beteiligten die Chance auf eine Impfung hatten.

    Dazu kommt, dass Onlinelehre in der Hochschule ziemlich gut funktioniert und der Leidensdruck in vielen Fächern nicht so groß ist, dass man das nicht noch ein paar Monate so weitermachen kann. Wenn überhaupt, sollte man Präsenzbemühungen auf Fächer konzentrieren, die das wirklich brauchen und die dann auch entsprechend (Luftfilter!) ausstatten. Es darf in keinem Fall so sein, dass der Unwillen einer Lehrkraft, Onlinelehre zu machen, dazu führt, dass alle Beteiligten in eine u.U. gefährliche Präsenz gezwungen werden. Viele der jüngeren Studierenden wohnen noch bei ihren Eltern, so dass da durchaus Gefahrenpotential vorhanden ist.

    Wir sind seit zwei vollen Semestern im Onlinebetrieb und beginnen in Kürze das dritte Onlinesemester. Präsenz gab es im September und Anfang Oktober für wenige ausgewählte Fächer ganz kurz, ehe die Inzidenz vor Ort die VORHER festgelegten Grenzen überschritten und bis heute nicht unterschritten hat.

    Ich habe in der Zeit neben dem normalen (Online-)Betrieb einige erfolgreiche Abschlussarbeiten begleitet und bald 200 mündliche Prüfungen online durchgeführt. Macht mehr Arbeit als Präsenz, ist aber gut und für alle Beteiligten sicher umzusetzen. Präsenz um jeden Preis ist in vielen Fächern kein Gewinn.

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