Lehrerverbände fordern: Nur noch geimpfte Lehrkräfte im Präsenzunterricht

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BERLIN. Wie geht es an Berlins Schulen in der dritten Corona-Welle weiter? Die Gewerkschaft GEW und der Philologenverband legen schon mal einen Katalog von Forderungen vor. Ein Punkt ist ihnen besonders wichtig.

Bereits vereinbarte Impftermine für die Lehrkräfte weiterführender Schulen wurden abgesagt. Foto: Shutterstock

Nach dem Willen von Lehrerverbänden sollten nach den Osterferien an Berlins Schulen nur noch gegen Corona geimpfte Lehrkräfte unterrichten. Zudem machten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Philologenverband am Mittwoch deutlich, dass sie beim Schulstart nächste Woche eine Fortführung des Präsenzunterrichts in der jetzigen Form wegen der dritten Corona- Welle für nicht mehr vertretbar halten. Der Senat berät am Donnerstag unter anderem über die Frage, wie es an den Schulen weitergehen soll.

«Präsenzangebote sollten nur von Kolleginnen und Kollegen durchgeführt werden, die ein Impfangebot wahrnehmen konnten und einen ausreichenden Immunschutz haben», sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Markus Hanisch, zwei Tage vor dem letzten Ferientag der Deutschen Presse-Agentur.

Allen Beschäftigten an den Schulen im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen müsse schnellstmöglich ein Impfangebot unterbreitet werden, forderte er. Das betreffe neben Lehrern etwa Reinigungskräfte in der Tagesreinigung. «Ihnen sollen vorbehaltlich ärztlicher Freigabe auch Impfstoffe angeboten werden können, die nur für bestimmte Altersgruppen empfohlen sind», so Hanisch.

«Erst dann wieder Regelbetrieb, wenn die Beschäftigten sowie die Schülerinnen und Schüler ausreichenden Immunschutz haben»

Für Ärger und Unverständnis unter den Lehrern sorgte laut GEW die Absage bereits vereinbarter Impftermine mit dem Vakzin von Astrazeneca. Auch die Vorsitzende des Philologenverbands Berlin/Brandenburg, Kathrin Wiencek, übte deshalb scharfe Kritik. Denn das Risiko, sich im Unterricht zu infizieren, habe sich durch die Virus-Mutationen und mehr Corona-Fälle gerade bei Jugendlichen signifikant erhöht. Wegen bestimmter Nebenwirkungen wird der Astrazeneca-Impfstoff aktuell nur für Menschen ab 60 empfohlen.

«Die Schulen können erst dann wieder in den Regelbetrieb übergehen, wenn die Beschäftigten sowie die Schülerinnen und Schüler ausreichenden Immunschutz haben», betonte Hanisch. Der Philologenverband geht noch einen Schritt weiter: Eine Rückkehr zum Präsenzunterricht, «welcher Art auch immer», sei nur nach Impfung der Lehrkräfte an den Gymnasien und Sekundarschulen sowie bei Gewährleistung einer Testpflicht mindestens zweimal in der Woche möglich, so Wiencek.

Momentan wird für die meisten Schüler Wechselunterricht in kleinen Gruppen angeboten – sie lernen also abwechselnd in der Schule oder zu Hause. Lediglich Schüler der Klassen sieben bis neun sind noch komplett zu Hause.

«Es muss eine Abkehr von dem starren Wechselmodell mit halber Stundentafel geben»

Die GEW fordert nun, dass die Schulen spätestens ab einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche zum Distanzlernen zurückkehren, also zum angeleiteten Lernen zu Hause. Die aktuelle Inzidenz in Berlin liegt deutlich über diesem Wert. Für Schüler mit besonderen Unterstützungsbedarfen oder Schwierigkeiten mit dem Distanzlernen müsse es aber mehr und flexiblere Präsenzangebote als bisher in den Schulen geben.

«Es muss eine Abkehr von dem starren Wechselmodell mit halber Stundentafel geben, damit nicht zu viele Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in die Schulen kommen», erklärte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann. «Das Wechselmodell muss weiterentwickelt werden, so dass je nach Raum-, Personal- und Infektionslage auch nur ein Drittel oder Viertel der Lerngruppen vor Ort sein können.»

Wenn die Infektionslage es erlaube, sollten auch wieder Präsenzangebote auf freiwilliger Basis für jeden Schüler unterbreitet werden. «Zusätzlich kann es kreative Unterrichtsformen beziehungsweise pädagogische Angebote für alle Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen geben, die den sozialen Aspekt und das psychosoziale Wohlbefinden in den Vordergrund stellen», so Erdmann. Dazu könnten auch Ausflüge gehören.

Zudem forderte die GEW den Senat auf, tägliche Corona-Tests für alle Anwesenden in der Schule ohne ausreichenden Immunschutz zu ermöglichen. Um die pandemiebedingt entstandenen Lernrückstände sowie die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen abzufedern, sei ein längerfristiges Bildungsinvestitionsprogramm nötig. Teil eines solchen Programms müssten breite kostenfreie Angebote zur Lernförderung oder Nachhilfe sein sowie Ferienschulen für mindestens drei Jahre. dpa

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10 KOMMENTARE

  1. Wenn diese Forderung von Herrn Hanisch so durchkommen sollte, würde dies Lehrer/innen unter Druck setzen, sich mit AZ impfen zu lassen, auch wenn sie das gar nicht wollen und/oder jünger als 60 sind. Aber ist ja eben auch GEW.

  2. Astra Zeneca ist (leider) verbrannt und man kann niemanden zwingen, AS zu nehmen. Ich halte AS immer noch für einen sicheren Impfstoff, aber niemand darf unter Druck gesetzt werden.
    Und was ist mit den ungeimpften Eltern? Die Schulen ohne großflächige Impfungen zu öffnen gleicht einem Laborversuch zu möglichen Mutationen.
    Es geht um wenige Monate bis zum nächsten Schuljahr und es widerspricht jeder Logik diese schulische Scheinnormalität aufrecht zu erhalten, wo auch in Bayern schon die ITS an ihre Grenzen gelangen.
    https://www.br.de/nachrichten/bayern/krisenmodus-in-nuernberger-kliniken-immer-mehr-corona-patienten

  3. Überall kommen immer mehr Jüngere auf die ITS. Viele LuL und auch Eltern älterer SchülerInnen sind in dem Alter.

    „Viele schwere Verläufe bei Jüngeren“ Eine Tendenz, die sich bereits im „Krankenhaus-Report 2021“ des AOK-Bundesverbandes abgezeichnet hat. Hierfür wurden die Daten von rund 52.000 AOK-versicherten Covid-19-Patienten herangezogen, die von Februar bis November 2020 in deutschen Krankenhäusern behandelt worden sind. Zwar waren der Auswertung zufolge 52 Prozent der Corona-Patienten 70 Jahre alt und älter. „Allerdings sehen wir auch viele schwere Krankheitsverläufe bei Jüngeren“, betonte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK bei der Vorstellung des Reports. So war ein Drittel der behandelten Covid-19-Patienten jünger als 60 Jahre. Auch mussten die 50- bis 69-jährigen im Durchschnitt länger beatmet werden als ältere: 16 im Vergleich zu zehn Tagen bei Patienten ab 80 Jahre.“
    https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kliniken-corona-103.html

  4. Wir haben es mit der dritten Welle zu tun und mit einer starken Viruslast. In BW werden die Schulen ab 19.4. für die Klaassentufen 5-10 im Wechselmodell geöffnet. In BW- Mannheim sind die Falltahlen nach Ostern sehr gestiegen und liegen heute bei 104. Das Mannheimer Klinikum hat eine zweite Intensivstation eröffnet und die Mediziner und Pfleger arbeiten am Limit. Die haben sich alle noch nicht von der zweiten Welle erholt und sind jetzt schon mitten in der dritten Welle. Die Regierung aggiert weiterhin planlos und verfolgt keine Ernsthaftigkeit um der Pandemie Herr zu werden. Man lässt es weiter laufen und die Tage vergehen ohne Handlungen der Politik. Mittlerweile bezweifle ich stark ob die Politik noch einen Funken gesunden Menschenverstand hat und endlich handlungsfähig wird. Die Pandemie wird erneut Menschenleben kosten und die Politik reagiert nicht. RKI , Virologen und Mediziner schreien laut um Hilfe und man gibt Ihnen kein Gehör und nimmt Ihren lauten Hilferuf nicht ernst.
    Frau Merkel als Kanzlerin haut auch nicht auf den Tisch und zeigt die Richtung nicht an und von Gemeinsamkeit ist in der Politik nichts zu spüren. Bitte verwendet den Spruch nicht mehr denn es folgen keine Taten. Was muss noch Geschehen es geht um Menschenschutz und Gesundheitschutz und dies wollt Ihr der Bevölkerung nicht gewährleisten. Es ist ein Armutszeugnis von unserer Regierung. Das Aufteten der Politik und deren Arbeitshaltung zur
    Bekämpfung der Pandemie ist erschreckend und von der untersten Schublade wie man mit dem Leben von Kindern und Erwachsenen umgeht. Was ist das Menschenleben noch für die Politik noch Wert. Es ist so erniedrigend wie die Politik mit Menschenleben umgeht und vertritt. Auch Eltern sind nicht geimpft und nicht nur die Lehrer und wünschen sich ebensfalls Schutz. Herr Ralf Scholl vom PhV-BW hat einen tragenden Vorschlag gemacht und für BW ein Corona Aufholjahr G9 gefordert ab September 2021. Eine angemessene Aufarbeitungzeit bei G8 in BW -Mannheim. Lernbücken reichen bei dem hohen Stundenausfall nicht mehr aus. Die Politik hat sich bis heute nicht ehrlich gemacht den Schulen gegenüber es wird kein normales Schuljahr werden. Dies würde allen die am Schulleben beteiligt sind viel Druck nehmen. Die Familien die im Dauerstress sind mit Ihren Kindern und der Unklarheit der Schulpolitik würde es eine Entschärfung für zu Hause geben.

  5. Nur fordern reicht nicht!

    Wäre ich die Gewerkschaft, dann…

    1. Fordern
    2. Ultimatum stellen
    3. Konsequenzen aufzeigen
    4. Falls Forderungen ignoriert werden und keine Handlungsbereitschaft gezeigt wird, Mahnen und mit Konsequenzen drohen.
    5. Konsequenzen durchziehen bis Gesprächbereitschaft gezeigt wird.

    Ist das so schwierig?

  6. Schulen öffnen – aber sicher
    1. Lehrpersonal impfen, Wahlfreiheit beim Impfstoff!
    2. Verbindliche, verpflichtende Tests durch medizinisches Fachpersonal
    3. Präsenzpflicht! Wer wegen Eigengefährdung oder Gefährdung der Eltern nicht kommen kann, legt ein ärztliches Attest vor.
    Nur so ist gewährleistet:
    1. Eindämmung des Infektionsgeschehens
    2. Sinnvolle Bildung
    3. Gerechtes Vergeben von Noten

  7. Lehrer tragen in erster Linie das Coronavirus in die Schulen.
    So das Kultusministerium Rheinland-Pfalz.

    Zum Schutz der Kinder dürfen folgerichtig nur geimpfte Lehrer unterrichten oder solche die durch eine Infektion Antikörper aufgebaut haben.

    Alle anderen dürfen nur in Distanz von zuhause unterrichten.

    Außerdem müssen Luftfiltergeräte und Frischluftwärmetauscher installiert werden.
    Denn auch infizierte Kinder infizieren andere Kinder.

    Sonst sterben unzählige Kinder wegen der mutierten Viren.

  8. Auch die GEW verwechselt leider die Erstimpfung mit einem ausreichenden Impfschutz. Dieser besteht jedoch erst 2 Wochen nach der Zweitimpfung, also für die meisten der jetzt erstgeimpften Kollegen dank AZ erst am Beginn der Sommerferien.

  9. Über 40% der Infizierten werden mit den Schnelltests nicht erkannt (RKI, 31.03.2021) https://fragdenstaat.de/dokumente/9391-31003bewertungdesrkia/

    Wer sich zu der gesellschaftlichen Gruppe zählt, deren Leben die Angst vor einer COVID-19-Erkrankung beherrscht, wird der von der Performance der Schnelltests beruhigt?

    Und diejenigen darunter, die sich Sicherheit von einer Impfung erhoffen, erreichen sie diese tatsächlich in Anbetracht der RKI-Daten und dem inflationären Gebrauch des Konjunktivs?

    Vor diesem Hintergrund stelle ich die Frage, ob nicht Maßnahmen zur Reduktion und Bewältigung von Angst (und Panik) zielführend wären, und in Forderungen als Priorität 1 münden müssten.

    Zielführend wäre m.E. die Auseinandersetzung in der Schule mit Tod, Sterben und Siechtum. Es scheint vor COVID-19 gar kein Bewusstsein dafür gegeben zu haben, trotz 2.500 bis 3.000 Toten pro Tag in Deutschland.

    Ein Tabu, und auch Angst, lässt sich nur durch die Konfrontation auflösen. Diejenigen, die Angst haben, werden diese nicht verlieren, wenn alle die schlechten Schnelltests machen, oder Impfungen wahrnehmen, die lediglich eine Notzulassung erhalten haben.

    Ich z.B. hätte lediglich reale Angst davor, was mir zivil- und strafrechtlich droht, wenn es bei den Testdurchführungen unter meiner Verantwortung zu Unfällen und med. Notfällen kommt. Die Angaben im Roche-Test sind eindeutig, zumal ein Stoff enthalten ist, der endokrin wirksam ist, und Entwicklung und Fortpflanzung bereits bei millionstel Gramm schädigt (Quelle: Umweltbundesamt). Eine Testdurchführung als paramedizinisches Personal wollte ich nicht verantworten, wie sollte ich bei Allergie-Reaktionen und schweren Augenreizungen (s. Gebrauchsanweisung) reagieren? Spritze ich etwa intravasal Cortison? Kann ich einen Tubus legen?

    Reicht es aus, vor Gericht zu sagen, das Kultusministerium wollte das so von mir deshalb habe ich es gemacht, und Beipackzettel lese ich sowieso nicht? Und beim RKI habe ich mich versichert, selbst med. Fachpersonal begreift die Aussagektaft der Tests nicht?

    Andererseits hat man gute Chancen, damit durchzukommen. Wir setzen uns ja nur für das Gute ein! Nicht?

  10. Harter Lockdown ab Inzidenz von über 100 aber 9 Millionen Schüler fahren mit Bus und Bahn täglich zur Schule und sitzen dann selbst im Szenario B mit 12 Schülern in einer Klasse natürlich mit Selbsttest..18 Millionen Test pro Woche nur für Schüler bei 2 Testungen pro Woche.Ach ja 40 % dieser nicht Medizinischen Test zeigen ein falsches Ergebniss an und das mal falsch positiv mal negativ.Naja bei 200 Inzidenz werden Schulen ja zugemacht denn für Schüler und Millionen von Werksarbeitern gilt die 100 Inzidenz ja nicht zb VW und BMW usw.Ausgangssperren in der Nacht na Super werden von Gerichten aber wieder aufgehoben.

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