«Versuchter Mord»: Abiturienten starten Petitionen wegen Prüfungsaufgaben in Mathe

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DÜSSELDORF. Zwei Internet-Petitionen gegen die aktuellen Mathe-Abi-Klausuren in NRW bekommen starken Zulauf. Eine hatte am Donnerstagmorgen rund 4300 Unterstützer, die andere nach zwei Tagen knapp 2600. Die Schüler monieren zum Beispiel, die Aufgaben seien «unverschämt schwer» gewesen – und fordern eine angepasste Bewertung oder neue Klausuren. Schon im vergangenen Jahr hatte es bundesweit Ärger um das Mathe-Abitur gegeben – mit der Folge, dass in einzelnen Ländern bessere Noten vergeben wurden. Lehrerverbands-Präsident Meidinger sagte deshalb voraus, dass es künftig in jedem Jahr Streit geben werde.

Die Mathe-Aufgaben haben vielen Schülerinnen und Schülern offenbar Probleme bereitet. Illustration: Shutterstock

Waren die Aufgaben in Mathematik, die nordrhein-westfälische Abiturienten in dieser Woche vorgelegt bekamen, zu schwer? Im Netz fällt die Antwort eindeutig aus: «Mathe Abi im Gk war einfach versuchter Mord», so schrieb eine Schülerin auf Instragram,  stellvertretend für viele.

Jetzt wurden dazu im Netz zwei Unterschriftensammlungen gestartet, die Konsequenzen fordern. In der Petition einer Mülheimer Schülerin heißt es: «Die Aufgaben waren ungerecht gestellt und die Aufgabentypen wurden teils kaum, bis gar nicht im Unterricht besprochen. Im Vergleich zu den Abiturklausuren im Fach Mathematik zu den letzten Jahren, ist diese deutlich schwerer.» Zudem habe man durch Corona über ein Jahr lang keinen normalen Unterricht gehabt. «Wir sind sehr stark benachteiligt worden und sind ganzheitlich der Meinung, dass die vorherigen Abiturklausuren im Fach Mathematik um einiges einfacher waren.»

«Unser Jahrgang wurde nicht zielführend auf dieses Niveau der Matheklausuren vorbereitet»

Die zweite Petition betont: «Nicht nur die Komplexität der Aufgaben war zu hoch, sondern auch die Formulierung der Aufgabenstellung war oft uneindeutig und nicht nachzuvollziehen.» Weiter heißt es: «Viele aus diesem Abijahrgang haben ihre Freizeit für die Vorbereitung auf das Abitur geopfert, dieses Jahr wohl besonders in der pandemischen Situation. Alle Bemühungen scheinen umsonst gewesen zu sein, denn unser Jahrgang wurde nicht zielführend auf dieses Niveau der Matheklausuren vorbereitet.»

Das Schulministerium teilte der «WAZ» mit, «dass es verschiedene Eingaben zur schriftlichen Abiturprüfung im Fach Mathematik gibt». Diese würden bearbeitet. Die Lehrer hätten aber extra Aufgaben zur Auswahl bekommen, um sie dem tatsächlich erteilten Unterricht anzupassen.

Die Opposition im Düsseldorfer Landtag kritisierte am Donnerstag Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). «Dass die Ministerin an dieser Stelle nicht die nötige Weitsicht hatte und die entsprechenden Vorkehrungen getroffen hat, um auf diese Situation der Schülerinnen und Schüler einzugehen, ist mehr als bedauerlich», so der SPD-Bildungsexperte Jochen Ott. «Sollten die Ergebnisse tatsächlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, muss Ministerin Gebauer nachsteuern.»

«Von vergleichbar konzipierten und bewerteten Abiturprüfungen sind wir weiter entfernt denn je»

Schon im vergangenen Jahr hatte es bundesweit Beschwerden gegeben, dass die Aufgaben im Mathe-Abitur zu schwer seien. Die Folge: In einigen Bundesländern, darunter Hamburg, Sachsen und dem Saarland, wurden die Noten angehoben – aber eben nicht in allen. Diese Regelung war von Heinz-Peter Meidinger, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, scharf kritisiert worden. Er betonte, dass er den Abiturienten, die jetzt begünstigt würden, zwar die besseren Noten gönne. Allerdings seien jetzt diejenigen Prüflinge benachteiligt, deren Landesregierungen dem Druck der Schülerproteste nicht nachgegeben hätten (News4teachers berichtete).

Meidinger fügte an: „Es ist zu befürchten, dass wir es zukünftig jedes Jahr wieder mit einer Flut von Online-Petitionen zum Schwierigkeitsgrad verschiedener Abiturprüfungen samt anschließend differierender Reaktionen betroffener Bundesländer zu tun bekommen werden. Von vergleichbar konzipierten und bewerteten Abiturprüfungen sind wir weiter entfernt denn je.“ News4teachers / mit Material der dpa

Hintergrund: KMK-Abitur-Aufgabenpool

Seit 2017 entnehmen die Bundesländer Aufgaben für die schriftliche Mathematik-Abiturprüfung aus dem bundeseinheitlichen Pool.

Diese Pool-Aufgaben werden von Experten aller Bundesländer zusammen mit Wissenschaftlern des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) auf der Basis von Vorschlägen der Bundesländer entwickelt. Sie entsprechen den zwischen allen Bundesländern vereinbarten Bildungsstandards und dienen dazu, die Abiturprüfungen vergleichbarer zu machen. Jedes Land entscheidet selbst, wie viele Pool-Aufgaben und wie viele landesspezifische Aufgaben beziehungsweise Aufgabenteile in den landesspezifischen Abiturprüfungen eingesetzt werden.

Streit ums Mathe-Abitur: Auch Hamburg vergibt jetzt bessere Noten

 

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62 KOMMENTARE

  1. In NRW wird erste Kritik an den Mathematik-Abiturprüfungen 2021 laut.

    Wundert mich nur, dass sich in Niedersachsen noch keinerlei Kritik an der am Dienstag, den 04.05.2021 geschriebenen Leistungskurs-Klausur im Fach Mathematik regt.
    … Seltsam ruhig in dieser Hinsicht!?!
    Oder haben alle bereits resigniert?

    Post von: Wunder SAM, 5. Mai 2021 um 06:31
    https://www.news4teachers.de/2021/05/nach-bayern-oeffnet-nun-auch-niedersachsen-schulen-bis-die-bundes-notbremse-greift/#comments

  2. Versuchter Mord, unfair, Freizeit geopfert……

    Ich kann beim besten Willen nicht beurteilen, ob die Klausuren unter den gegebenen Bedingungen zu schwer waren. Ich will es auch nicht beurteilen.

    Ich bin jedoch leicht entsetzt über die Argumentation. „Versuchter Mord“ – HÄ? Ich bitte euch! Liebe SuS – dann bitte vor Gericht ziehen, hierbei handelt es sich um einen Strafttatbestand.

    „Unfair“ – ja, so mag es sich anfühlen. Aber dann hat der Deutschunterricht wohl nicht so ganz angeschlagen. Selbst meine Hauptschüler (ESA) argumentieren mit Argumenten, die mehr Substanz haben.

    „Freizeit geopfert“ – für euren Abschluss, ja. Das gehört dazu. Und von Freizeit gab es doch recht viel – schließlich wurde ständig (evtl. nicht von diesen SuS in diesem BL) gemecker und gemosert – zu wenig Vorbereitung durch die Lehrkräfte. Hm, dann doch bitte selber loslegen und sich nicht bedienen lassen.

    Generell finde ich es richtig, zu „protestieren“ (ich kann die Bedingungen, unter denen die Klausuren liefen nicht mal im Ansatz nachvollziehen), doch bitte sucht nach sinn- und gehaltvollen sachlichen Argumenten, die euch nicht als faule Säcke (das sind nämlich wir Lehrers) dastehen lassen.

  3. Es ist ein Abitur. Da dürfen auch mal Aufgaben dran kommen, die nicht 1:1 im Unterricht besprochen wurden. Ob die Aufgaben wirklich so unlösbar schwer waren, kann ich erst beurteilen, wenn ich die Aufgaben mal gesehen habe. Ich gestehe den Schülern erst einmal nur zu, dass sie den erhofften Corona-Bonus im Fach Mathematik nicht bekamen.

  4. „Viele aus diesem Abijahrgang haben ihre Freizeit für die Vorbereitung auf das Abitur geopfert, dieses Jahr wohl besonders in der pandemischen Situation. “

    Sorry, bei aller Sympathie und Anteilnahme für den wirklich gebeutelten Abijahrgang 2021….aber so eine Aussage ist doch wirklich unfassbar dämlich …. und schließt gleich in der Dummheit mit dem „versuchten Mord“ auf.

    Mir war nicht klar, dass auch Abiturienten beim Erwerb ihres Reifezeugnisses eine klare Arbeitszeiteinteilung bzw. – vorgabe haben. Ich habe bislang immer völlig naiv daran geglaubt, dass ich in besonderen Prüfungszeiten keine zeitlichen Limits vorgeschrieben habe…sei es das Abi, das erste Staatsexamen (resp. Die Master-Prüfungen), ein Referendariat, eine Diplom. … whatever… …und ich so viel Zeit aufwende, wie ich glaube zu benötigen.
    Uns oder dem KM vorzuwerfen, dass sie Zeit aufwenden mussten, die sie ja noch nicht einmal in Clubs, bei Freundestreffen, Sauftouren oder nächtlichen Umzügen verschwenden konnten – weil verboten – lässt leider auf den Reifegrad der „Ankläger“ schließen.
    Hmmm, das Abitur ist ein Reifezeugnis…schade nicht bestanden…dann ist es vielleicht auch OK, wenn das versägte Matheabi diesen Abschluss noch mal auf Distanz rücken lässt.

    • Beziehen Sie sich auf den Reifegrad oder den Fäulegrad der Ankläger?

      (Dank geht an Volker Pispers, von dem ich das Wortspiel als erstes gehört habe)

      • Den Herrn Pspers schätze ich außerordentlich…das mit dem Fäulegrad kannte ich noch nicht. Danke dafür! 🙂

        • Genauer hat er sinngemäß gesagt: Früher war das Abitur ein Zeugnis der Reife. Heute ist die Steigerung, ein Zeugnis der Fäule.

    • Ich als betroffender Schüler kann ihnen so viel sagen, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt jede Klausur ohne Probleme im 1er Bereich bearbeitet habe und zur Übung die vorherigen Klausuren in rund 2h vollkommen Fehlerfrei schaffen konnte. Die Abiturprüfung in diesem Jahr hatte allerdings ein vollkommen anderes Niveau und man kann uns dabei nicht vorwerfen, dass wir mehr Zeit hatten, wenn die anderen Klausuren aufgrund deutlich geringer Komplexität und Quantität in rund zwei Stunden und die jetzigen in knapp 4 Stunden bearbeitet werden konnten. Zudem war der Sachzusammenhang, besonders in der Analytischen Geometrie komplett verwirrend und hatte keinerlei Berührungspunkte zum Unterrichtsgeschehen.
      Ich bin daher sehr frustriert und enttäuscht, dass man uns in solch einer Situation mit derartigen Aufgaben den Abiturschnitt versauen muss und manche das Abitur deswegen womöglich gar nicht erhalten. Denn man kann DEFINITIV nicht sagen, dass die Klausuren vergleichbar waren und wenn wir mehr Zeit bekommen dann bitte aber auch mit Aufgaben die angemessen sind und nicht eine Stunde benötigen um den Sachzusammenhang zu verstehen. So fallen selbst gute und angagierte Schüler, wie ich, von ihren Noten auf deutlich schlechtere ab und es entsteht ein deutlich unfaires Verhältnis zu den vorherigen Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Bewertung dies berücksichtigt und das Außenstehende die Lage verstehen und Berücksichtigen, denn sie haben die Klausur nicht schreiben müssen

      • Ich gehe davon aus, dass Sie ab der Einführungsphase den Umgang mit dem Taschenrechner beigebracht bekommen haben, abiturähnliche Klausuraufgaben hatten (Niveau, Menge und Umfang) und im Unterricht auf das Abitur und weniger auf das Mathematikstudium vorbereitet wurden. Besonders letzteres ist im GTR-Zeitalter ein großes Problem, weil die wirklich guten Mathematiker unter den Schülern mit den Aufgaben (zumindest bis 2020) zeitlich schlechter klarkamen als die fleißigen Taschenrechnernutzer. Wer eine quadratische Gleichung oder überhaupt eine Gleichung im zweiten Teil noch von Hand löst, vergeudet Zeit. Nsolve ist ein Befehl, der zum Operator Berechnen passt.

  5. Unverständlich, warum hier kein Statement einer Fachlehrkraft SEK II der Mathematik auftaucht, wo mal über halbwegs belegbare Tatsachen zur besagten Abi-Prüfung berichtet wird. Was sich gerade so lese erinnert an vier weiße Buchstaben auf rotem Untergrund und das befremdet.

  6. Mein Sohn hat mir auch über das Mathe Abi berichtet, 12 Seiten umfasste das Werk. Da jede Aufgabe in Unterpunite unterteilt z.,B. a) -e) war der Arbeitsaufwand schon immens und im Grundkurs leider nicht komplett zu bewältigen. Schüler die in einem Grundkurs sind, haben ja extra keinen Leistungskurs gewählt. Dementsprechend sollte dann auch die Aufgabenstellung sein. Die abgeändert Standardsicherung beinhaltete sogar 1 Aufgabe mehr. Alte Fassung 4. Neue 5. Leider ist das Versagen von Frau Gebauer nicht mehr schön zu reden. Onlineunterricht, Unterricht, wieder Onlineunterricht und wieder Präsenz und jetzt wird tatsächlich wieder überlegt in Präsens zu gehen. Und dann wird denabiturienten es nochmal richtig schwer gemacht. Sie sollen es nicht geschenkt bekommen, aber es muss auch nicht extra schwer gemacht werden und viele haben schon resigniert. Sie hoffen, aber glauben eigentlich nicht mehr dran. Abi adieu?!

    • 12 Seiten Grundkurs für ersten und zweiten Teil schrecken natürlich ab, allerdings dürfte es reichlich Diagramme und Bilder gegeben haben. Die Unterteilung von a bis e mit Teilaufgaben ist nichts besonderes. Die Schüler müssen beachten, dass sie der erste Jahrgang waren, die 225 Minuten Schreibzeit bekamen statt 180 Minuten wie vormals. Zudem waren alle drei Teilgebiete für den zweiten Teil obligatorisch und die oft sehr einfachen Matrizenaufgaben wurden gestrichen, womit sich im übrigen der zu lernende Stoff der Statistik im Grundkurs um mindestens 1/3 reduziert hat.

    • @Yvonne Brandt

      Zu diesem Mathe-Abituraufgaben-„Werk“ kann ich mich konkret nicht äußern, das kenne ich nicht.
      Jedoch haben Wahnsinn und auch Schwachsinn schon seit Jahren Methode und beginnen schon ab „VERA 8“ an den weiterführenden Schulen (zu Grundschul-Tests kann ich ebenfalls nichts sagen):
      In diesen Arbeitsheften für die Lernstandsaufgaben in Klasse 8 gibt es also jede Menge Papier – richtige Heftchen – wobei allerdings auf den meisten Seiten viel weiße Fläche ist. Auf jeder Seite ist nur 1 Aufgabe, selten ist damit die Seite gefüllt, oft bleibt die Hälfte oder gar 2/3 der Seite weiß. Dennoch kriegen die Schüler erst einmal einen Schreck, wenn Sie für die Bearbeitungszeit „so viel“ zu tun bekommen – obwohl Sie alte Aufgabenhefte aus den Vorjahren im Original zur Ansicht kannten.
      Weiterhin sind auch im Lernstand von vielen SuS nicht alle Aufgaben zu schaffen, nur die extrem leistungsstarken SuS (an meinem „Standort“ etwa 2 – 3 SuS pro Klasse, manchmal keiner) kriegen das hin.
      Außerdem wird – unnötigerweise – gewechselt zwischen
      – Hörverstehen
      – Leseverstehen
      – wieder Hörverstehen
      – wieder Leseverstehen.
      Das bringt nur Unruhe und wer sowieso unter Prüfungsstress leidet, findet sich gerade ins Hörverstehen ein und dann wird zum Leseverstehen gewechselt. Selbstverständlich sauber getaktet – wie am Fließband einer Fabrik! (Die CD oder ein anderer Datenträger für das Hörverstehen kann nicht gestoppt und neu gestartet werden. Das läuft durch und gibt also den Zeitrahmen vor = 2 x 20 Minuten + 2 x 20 Minuten, auch zwischen den beiden Blöcken ist keine herkömmliche Pause oder gar „große Pause“ vorgesehen, weil die eigentliche Prüfung weiterläuft und die SuS folglich nicht miteinander reden dürfen, WC-Besuche nur im absoluten Notfall und – das ist sinnvoll – nicht während des Hörverstehens.)
      Früh muss sich üben, wer später als kleines Rädchen in der Wirtschaft funktionieren soll! Kreative Lösungsansätze oder eigene Arbeitsorganisation? Wofür soll man das an speziellen Tagen für „Lernen lernen“ als Schüler aufnehmen und später anwenden, wenn es in Prüfungen gar nicht zum Einsatz kommen KANN? Das gehört zu den vielen Dingen, die „Bildungsprozesse“ schon im Ansatz ad absurdum führen!
      Was viele Nicht-Lehrer gar nicht wissen: Zu jeder dieser Prüfungen für Deutsch, Mathe und Fremdsprache (meist Englisch) muss wieder eine Rückmeldung an die zuständige Stelle im Getriebe der „Bildung“ erfolgen, das ist wieder ein erheblicher Anteil von sinnfreier Mehrarbeit, denn geändert hat sich seit Jahren: NICHTS.

      Der Fairness halber muss aber deutlich gesagt werden, dass die Herrin Gebauer DAS nicht erfunden hat, das alles war schon lange VOR ihrer Regentschaft etabliert und gehörte zu den vielen, vielen Dingen, die von allein und „gut“ weil „geräuschlos“ durchgezogen wurden – von „funktionieren“ mag ich nicht reden (Kenner schätzen meinen Hang zu Spitzfindigkeiten 😉 ).
      Falls sich da jemals etwas ändern sollte, dann muss man wohl eher mit einer der üblichen Verschlimm-Besserungen rechnen.
      Vorsicht also: Wünsche können auch wahr werden … 😉

  7. Man sollte dringend Art. 24 (Recht auf Freizeit) und Art. 26 (Recht auf Bildung) der Menschenrechtscharta folgendermaßen ergänzen:
    Art. 24: Vor allem für deutsche Schüler beginnt das Recht auf Freizeit täglich pünktlich um 16 Uhr und umfasst selbstverständlich das komplette Wochenende. Jegliche darüberhinausgehende Anforderung wird als Mordversuch gewertet.
    Art. 26: Für deutsche Schüler endet das Recht auf Bildung um 16 Uhr, weil Art. 24 Vorrang genießt. Jegliche weitere Beschäftigung mit Bildungsinhalten wird als Selbstmordversuch gewertet.

    • @Mela & @Georg
      Diskriminierend „deutsche Schüler“ …und da sind bei solch dargebotenen Vorstellungen zu „Zeiträumen bei Freizeit & Bildung“ viele LuL verwundert, nee entsetzt über das allgemein vorherrschende Meinungsbild zum Lehrerberuf.

      Aber jeder hat es bekanntlich selbst in der Hand.

    • @Mela und wegen der Diskriminierung @gehtsnoch (Scherz)

      Superidee!

      Bitte noch einen Artikel einfügen:

      Art. 25: Jeder potentielle Bildungsempfänger (w/m/d) hat in Deutschland das Recht auf mindestens 20 Pause zwischen den einzelnen Lernmöglichkeitsangeboten und zusätzlich auf mindestens 20 Minuten Daddeln am Handy.
      Abs. (1) Fachhochschulen und Universitäten dürfen wegen der Bildungsgerechtigkeit Noten nicht als Zulassungskriterium heranziehen.
      Abs. (2) Dasselbe gilt für Ausbildungsbetriebe und -berufe aller Art.
      Abs. (3) Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit, Unhöflichkeit sind keine Mängel der Erziehung und Entwicklung – sie sind Charakterstärke.

      • @Riesenzwerg

        zwischen 20 und Pause fehlen die MINUTEN

        Und bitte – durchaus an die Möglichkeit der Ironie denken….

  8. Neu ist das Problem nicht. Abi 87 GK Mathe an meiner Schule: Eine Aufgabe konnten alle, die andere keiner. Mmmh, alle nicht aufgepasst, auch die guten Schüler im GK? Von Petitionen waren wir leider noch weit entfernt. Hat man so hingenommen. Heute zum Glück nicht mehr. Aber auf keinen Fall kann es am Unterricht gelegen haben? Es lagen keine besonderen Umstände vor? Dann ist ja gut.

  9. Was das Recht auf Freizeit angeht ab 16 Uhr, da stecken immer noch 2 meiner Kinder im NRW G8 fest. Inzwischen selbst an ihrer Schule zurückgerudert. Schüler aus anderen Kreisen und „pendeln“. Halb sieben aus dem Haus, 8 bis 16 Uhr Schule, Bus zurück. Ach ja, Ganztag heißt keine Hausaufgaben. Ich lach mich schlapp. Wir bekamen schriftliche Hinweise der Schule über zusätzlich zuhause zu erledigende Dinge. Kleine Schüler mit Vollzeitstellen, die noch Arbeit mit ins Home Office nehmen. Das war im ersten Distanzunterricht letztes Jahr so schlimm, als alles zuhause stattfand, da fanden zumindest meine Kinder kein Ende mehr. Die hab ich dann irgendwann eingebremst. Viele Erwachsene im Job kommen nach Hause, Füße hoch und gut.

    • @As.

      „Halb sieben aus dem Haus, 8 bis 16 Uhr Schule, Bus zurück. Ach ja, Ganztag heißt keine Hausaufgaben.“

      Das ist bei uns das Problem der Zentralisierung. Kleine Schulen wurden geschlossen – nur die Großen (ja, müsste man klein schreiben – will ich hier aber nicht – aus Gründen) überleben.

      Da müssen Kinder halt den halben Tag unterwegs sein. Die Busse (vollbesetzt und zu coronazeiten auch mit sämtlichen Jahrgängen besetzt) brauchen bis zu 1 1/2 Stunden, bis alle eingesammelt sind.

      Ist auch generell eher gut für die Gesundheit – bloß nicht laufen oder Rad fahren dürfen. Nein, besser: Zum Bus hin (etwas Bewegung, etwas frische Luft), dann sich passiv durch die Gegend kutschieren lassen, aussteigen (etwas Bewegung, etwas frische Luft) und dann rein in die Schule und wieder passiv rumsitzen.

      Ist kein Wunder, dass viele nicht mehr auf ihren Plätzen bleiben können – durften sich vorher kaum bewegen.

      Kleine Schulen sind gute Schulen – große Schule überfordern viele Kinder und tun ihnen nicht gut.

  10. Scheiße, ihr macht mich ganz wuschig…was war jetzt noch mal Recht und was war doch gleich Pflicht…

    Diese Wortklaubereien sind echt mörderisch…und ich weiß gerade auch nicht, ob ich just Freizeit oder Dienstzeit habe und ob ich mich mit solchen Themen überhaupt beschäftigen darf – muss – kann oder sollte.

    • @Andre Hog

      Zusatzaufgabe:
      „Kein Bier vor 4!“

      Ist damit wirklich die Uhrzeit gemeint?
      … immerhin ist hier das ganz große Ganze das Thema „Schule“ und das hat mit Kindern und Jugendlichen zu tun.

      Ich weiß das alles irgendwie auch nicht … und Herrin Gebauer ge(h)t nicht, auch nicht ans Telefon.
      Blöder Mist, blöder!
      🙂

      • Kein Problem, bin weit über 4 – sowohl Jahre alt als auch Kilo schwer…und wenn es um die Uhrzeit geht — auch kein Problem…irgendwo auf der Welt ist es immer 4 Uhr … und im Kongo ist Muttertag … und das das ganze Jahr über…also „Hoch die Tassen!“ – maches lässt sich halt nur im Suff ertragen.

        Ich hoffe, dass ich mit dieser Einlassung jetzt nicht die vielen pc-treuen Menschen zu einem sog. „Scheißesturm“ animiert habe…eigentlich bin ich nämlich ganz anders – ich komm nur meistens nicht dazu… 😉

        • @Andre Hog

          Den nachfolgenden Satz wollte ich schon lange mal loswerden und hier passt er recht gut:
          „Jaja, genau, daaa (nachdenklich-wichtiger Gesichtsausdruck mit Augenrollen) bin ich gaaaaanz bei Ihnen!“
          Plöppzisch! 😉

          • Vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem Schuljahr die Schulen öfter dicht waren als die SuS.

  11. Als betroffene Lehrkraft eines Grundkurses in NRW kann ich folgendes mitteilen:
    – Die Aufgabentexte waren in diesem Jahr wie immer umfangreich, aber deutlich anspruchsvoller formuliert als in den letzten Jahren. Die erste Hürde war also die Lesekompetenz.
    – Es wurde im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr stark in die Breite geprüft. So wurde deutlich detaillierter in Bezug auf alle vorgegeben Kompetenzen geprüft und dabei der Bereich der Qualifikations- und der Einführungsphase betrachtet. Besonders der Umgang mit Gleichungen und Variablen in komplexen Situationen war gefordert – deutlich mehr als in den letzten Jahren.
    – Die einzelnen Aufgabenteile waren sehr komprimiert und verlangten diverse Zwischenschritte (ohne Kontrollösungen).
    – Die Bepunktung war diesbezüglich sehr gering. Nicht selten waren für 6 bis 8 Zwischenschritte nur 3 bis 5 Punkte zu vergeben – halbe Punkte gibt es nicht.
    – Die teilweise fehlenden Zwischenergebnisse machten es nicht möglich bei kleinen Fehlern einen Aufgabenteil oder den darauffolgenden Aufgabenteil zu lösen.
    – Die Kontextualisierung der Aufgaben war besonders im Bereich der linearen Algebra unverständlich, nicht anschaulich und und wirkte stümperhaft übergestülpt.
    – Die sonst immer empfohlene Vorbereitung über die Aufgaben der letzten Jahre und der Beispielaufgaben des Ministeriums war sinnlos, da die diesjährige Prüfung fast grundlegend anders aufgebaut war – auch im Hinblick auf die Aufteilung nach den Anforderungsbereichen.
    -> Während ich also in den vergangenen Jahren die Petitionen gegen die Aufgabenschwierigkeit belächelt habe, stimme ich in diesem Jahr der Kritik zu.

    • @PeterPan

      Ganz im Ernst: Das klingt hässlich und wenn Sie das als stümperhaft bezeichnen, ist das wohl der Euphemismus des Monats.

      … von wegen „Dabei sein ist alles!“ – DAS haben die Experten (?) in den „Aufgabenschmieden“ für die Prüfungsaufgaben wohl auch wieder falsch verstanden.

      Am Ende kommt noch raus, dass der Andi Scheuer die Prüfungsaufgaben zusammengeklöppelt hat …

    • Danke für eine offenkundig sachkundige Beurteilung, die es endlich ermöglicht, diesen Schülerprotest auf einer rein sachlichen Ebene korrekt einzuordnen – das ist genau die Art von Post, die in dieser Diskussion benötigt wurde und auf die wir hier sehr lange warten mussten.

    • @PeterPan:
      Dankeschön für die Einordnung! Mit diesem Hintergrund kann man sich wenigstens ein Bild machen.
      Den Ausdruck „Mord“ hat EINE Schülerin via Instagram gepostet – allem Anschein aus ihrem akuten Frust heraus. Dass dieser Post mit so einer Headline in den sozialen Netzwerken gepusht wird, ist doch klar. Und ich bezweifle es stark, dass sich die Verfasser der Petition mit diesem emotionalen Post einer Schülerin ernsthaft identifizieren.

    • @PeterPan

      Vielen Dank! Nun habe ich ein klareres Bild.

      Mich interessiert in diesem Zusammenhang aber vor allem auch – wäre die Klausur im ganz normalen Regelfall, dem Idealfall – Präsenzunterricht ohne (!) Corona – machbar gewesen?

      • Leider, nein. Das Problem liegt allein an den Aufgabenstellungen.
        Dass die Enttäuschung und der Wut der Schüler so groß ist, liegt auch an der schweren Corona-Situation, die sie überwinden mussten.
        Das Schulministerium soll sein Versprechen halten: „Kein Abiturient darf durch Corona Nachteile haben“, mit der Ergänzung, dass gerade in der Coronazeit die Aufgabenstellungen mit höchster Sensibilität erstellt werden sollten. Das Experiment mit Aufgabenänderungen gerade für dieses Jahr zeigt pädagogische und fachliche Inkompetenz.

    • Dem möchte ich mich – ebenfalls als Lehrer eines GK in NRW – ausdrücklich und vollumfänglich anschließen.
      Insbesondere die Punktevergabe ist sehr schlecht. Für Dinge, bei denen man in den Vorjahren z.B. noch 4 Punkte bekam, werden nun nur mit 2 Punkten bewertet, so dass eine Differenzierung zum einen schwerfällt zum anderen auch deutlich wird, dass dadurch eine größere Fülle an Aufgabenteilen erzeugt werden konnte bei insgesamt fast gleicher Gesamtpunktzahl.
      Die Zeitverlängerung sollte aber ausdrücklich nicht primär zu einer Steigerung der Aufgabenquantität führen:„ Der zentrale Leitgedanke der Umsetzung in Nordrhein-Westfalen besteht darin, dass die zusätzliche Bearbeitungszeit in den Abiturklausuren nicht in erster Linie eine Erhöhung der quantitativen Anforderungen nach sich zieht, sondern primär eine vertiefte Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema bzw. Gegenstand der Prüfung ermöglicht.“
      Leider sind die mir bekannten Petitionen recht schlecht formuliert und leider verstecken sich wie immer auch SuS mit viel zu geringem Arbeitseinsatz hinter denen, die wirklich Einsatz gezeigt haben und nun durch die eher schlecht gestellten Aufgaben enttäuscht wurden.

  12. Ohne die Aufgaben selber gesehen und fachlich durchdrungen zu haben, kann und sollte man sich hier kein Urteil erlauben. Und wer hat hier schon mal in einer Pandemie sein Abi gemacht?
    Daher vielen Dank @PeterPan für den groben Eindruck zur Klausurstellung.

    Ich bin ziemlich verärgert darüber, wie man hier teilweise blindlings und ohne vollständigen Einblick in das konkrete Geschehen auf die Schüler eindrischt und dabei alle klischeehaft über einen Kamm schert. Angehörige einer Berufsgruppe, die selber einem kontinuierlichen Bashing ausgesetzt ist, sollten es eigentlich besser wissen und sich anders verhalten.
    Wem Kant nichts sagt, der kennt vielleicht das gute alte „Wie man in den Wald ruft….“.

    Lassen Sie sich gesagt sein: Es gibt tatsächlich Abiturienten, die ihren Job machen und nicht das Party- und Chill-Klischee erfüllen, das hier zum Status Quo erhoben werden soll. Schüler, die on top mit einer Pandemie sowie dem Totalversagen ihrer Bildungsministerien gesegnet sind und obendrein mit berechtigten Sorgen um die eigene Gesundheit zu kämpfen haben.
    Jedem von denen (und ich kenne genügend) haben Sie mit ihren Kommentaren gerade so richtig eins reingedrückt.

    • Ich stimme Ihnen voll zu. Für diese Abiturienten war es doch mit der Vorbereitung am Problematischten. Dazu noch viel Distanz. Oder Präsenz mit dem Druck durch eine drohende Infektion. Aber das Verständnis dafür ist wohl gleich null. Zusammenreissen war oft das Wort der Stunde. Genau! Diese Tage fand der Elternsprechtag statt. Mein Eindruck war, meine Jungs waren fleißig und unter den Umständen gut dabei. Es kam auch nie eine Meldung der Lehrer, obwohl dies laut Konferenz so versprochen wurde. Am Telefon hörte ich dann, eingereichte Arbeiten immer top, leider zu still. Nicht oft genug oben, das elektronische Händchen. Ausreichend. Jetzt mit Wechselunterricht ein deutlicher Aufwärtstrend. Na Gott sei Dank. Da frag ich mich, wie stehen jetzt die Kinder da, die wirklich Probleme mit dem Onlineunterricht hatten. Kein Wunder, dass drei schon wieder gehen. Kommentar einer Lehrerin, ja, für manche ist das Gymnasium eben nix. Als hätte es keine besonderen Umstände gegeben. Am Ende gab es für uns noch einen drauf wegen teilweise verspäteter Abgabe. Mein Sohn hatte schon versichert, wir wohnen im Randgebiet mit fragilem Internet. Das hätte sie ihm dann auch nicht angekreidet. Danke, danke, danke!

    • @mater ante portas:
      Danke! Danke! Danke!
      Allerdings haben sicher auch Sie das alles „ganz falsch verstanden“ und etwas „hineininterpretiert“ was „so gar nicht geschrieben wurde“, verstehen vielleicht nicht, dass das alles nur „überspitzt dargestellt“ wurde, etc… Kennen wir alles schon – leider.

    • Ohne die Aufgaben selber gesehen und fachlich durchdrungen zu haben …

      Wie praktisch (für die Verantwortlichen in den Schulbehörden), dass die zentralen Abituraufgaben in Deutschland wie Dienstgeheimnisse behandelt werden, während sie in dem sonst so vergötterten Bildungswunderland Finnland am Tag nach der Prüfung auf den Titelseiten der großen Tageszeitungen veröffentlicht und in deren Online-Foren intensiv diskutiert werden.

  13. Auf die Frage, warum in NRW die Auswahl der Aufgaben derart inkompetent verlief, muss es eine Antwort geben.
    Im Nachbarland Hessen lief alles wie erwartet, obwohl sich auch Hessen aus dem gleichen bundesweiten Aufgabenpool bediente. Im Leistungskurs Englisch bekamen die Hessener Abiturienten die üblichen Themen globaler Natur, wie Migration, Multikultur, Diskriminierung, die sie im Unterricht behandelt haben. Hingegen mussten die NRW-Abiturienten mit der Kritik an Einfamilienhäuser und dem eigenartigsten Vorschlag, die Schrebergärten in DE in die Weltkulturerbe aufzunehmen, zu kämpfen, wohlgemerkt bei Doppellänge der Texte als in vorigen Jahren. Wenn es die Vergleichbsrkeit zwischen den Jahrgängen und zwischen den Bundesländern nicht mehr gibt, warum existieren die zentralen Prüfungen?!

      • Die versprochene Auswahl sah so aus:
        1. Gedichtsanalyse zum einen völlig neuen Thema „Nigeria“. Es entpuppt sich, dass zahrleiche Schulen in NRW keine Gedichtsanalylse im Englischunterricht gemacht haben. Es ist schwer, den Lehrern die Schuld zu geben, da seit 7-8 Jahren keine Gedichtsanalyse kam. Trotz der machbaren anderen Teile geht die Auswahl verständlicherweise, leider mit Zeitverschwendung, raus. Dabei haben die Schulen für dieses neues Thema etliche Unterrichtsstunden gebraucht.
        2. Text im Zusammenhang mit Geschehnissen in Bristol, Statue von Edward Colston. Keine gute Auswahl, wer davon nicht oder am Rande mitbekommen hat. War das ein Unterrichtsthema? Nein. Die Textlängen sind doppellang als in vorigen Jahren.
        3. Ebenso doppelte Textlängen. Immerhin kann man mit Amerika was anfangen, auch wenn in der letzten Aufgabe über deutsche Schrebergärten geht. Die leistungsstärksten, teilweise bilinguale Schüler mussten bis zur letzten Sekunde kämpfen.
        Soviel zur erweiterten Auswahl…

  14. FRAGE an die MINT-Lehrer aus NIEDERSACHSEN !!!!!

    WIE wird aus Ihrer Sicht die LK-Mathe-Abiklausur auf EA-Niveau 2021 in Niedersachsen eingeschätzt?

    * Mehrere SuS – Einserschnitt im LK-Mathe von Q1 – Q4 – fanden die Quantität der Aufgaben in der gegebenen Zeit nicht zu schaffen.
    * Auch an dieser Stelle war die Aufgabentiefe und die Eindeutigkeut der Aufgabenformulierung oftmals das Problem.

    Kann aus dem Forum eine Fachkraft aus dem Bereich Mathematik – BL Niedersachsen – dazu etwas sagen?

    In Nds. gibt es keine Petition der SuS, lediglich in den Jahrgangschats empört man sich und resigniert bzw. schiebt Panik, wie hoch der Schwierigkeitsgrad der Abiklausur Physik kommende Woche ausfallen wird – und ob man sich überaupt auf die Aussagen des Kultusministeriums Nds. verlassen kann, welche Abiturthemen Corona-bedingt offiziell gestrichen wurden!

    * In der EA-Matheklausur musste mit Projektionsflächen zur Aufgabenlösung gearbeitet werden, obwohl das Thema: ‚Projektion‘ offiziell gestrichen worden war!

    WIE FIES IST DAS EIGENTLICH?

    • Hallo aus Niedersachsen!
      Im Pflichtteil (ohne Taschenrechner und Formelsammlung) waren die Aufgaben ganz okay. Die Schüler, die die letzten 10 Jahre im Matheunterricht nur durchgeschleift wurden, scheitern hier, die anderen kommen einigermaßen klar. Das ist ganz normal.
      Der Wahlteil war auch wie üblich, nur noch ein bisschen schlimmer. Eine reine Taschenrechnerschlacht. Funktionsterme eingeben, Extremstellen, Schittpunkte etc. auf dem Bildschrim ablesen, Gleichungssystem eintippen und Lösung anzeigen lassen, und so weiter. Alles in einer absurden Kontext eingebettet, den man erstmal „entfernen“ muss. Alles so kompliziert, dass eine Bearbeitung ohne TR vollkommen unmöglich ist. Und dann noch eine verklausuliert formulierte Aufgabe ohne jeden Tiefsinn, und noch eine, und noch eine. Und noch eine.

      • Danke für die Info.
        Die Sichtweise:
        * zu viel Aufgaben für die vorgegebene Zeit inkl. Lesen und Erfassen von 18 Seiten Aufgabenteil im Vorfeld – innerhalb von 30 min -,
        * mit teils schwer zu durchdringendem Aufgabenkontext und der ‚Suche‘ nach der konkreten Fragestellung,
        * entspricht auch dem Eindruck der Mathe-Prüflinge.

        … abwarten, was rauskommt, zur Not in die mündliche Nachprüfung und noch retten, was zu retten ist!

  15. Leider kenne ich die Mathe-Abi-Aufgaben nicht und ich komme auch aus einem anderen Bundesland, aber eins fällt mir sofort auf: erstmal pauschal kollektives Gejammer, Gemotze und die Forderung nach Ausnahmen, wenn schulisch irgendwas nicht so läuft, wie man es sich erträumt hat. Das scheint mir inzwischen zum Ritual geworden, es gab ja in den letzten Jahren immer wieder solche Meldungen aus den Bundesländern. Ich beobachte das auch an meinen Schülern, die Verantwortung liegt immer bei anderen und es wird bei jeder Gelegenheit Front gemacht: „das haben wir im Unterricht nicht (so) besprochen“, „dazu hatten wir keine Lösungen“, „die Aufgaben sind viel schwerer als das, was wir im Unterricht gemacht haben“, „dazu haben Sie uns keine Zusammenfassung gegeben“, „das war viel zu viel zum Lernen (in der Zeit)“, „das hat eh niemand in der Klasse kapiert“ oder mein mein momentaner Spitzenreiter „Sie haben nicht gesagt, dass das in der Prüfung dran kommt“…. Als ob es nur darum geht!

    Und ja, wir hatten Corona. Das hat mir als Lehrkraft jede Woche 12-20 Stunden zusätzliche (unbezahlte) Arbeit beschert, um die Themen meinen SuS im online Unterricht möglichst begreiflich zu machen. Wofür sich übrigens niemand bedankt hat von der Kundschaft. Aber unabhängig von Corona, es war schon immer so, dass Prüfungsstoff nur dann im Gehirn des Schülers landet, wenn sich der Schüler aktiv darum kümmert. Ich halte es ab Stufe 8 für nichts anderes als eine Ausrede, wenn moniert wird, der digitale Unterricht sei schlecht gewesen. Denn ab da sollte man doch in der Lage sein, ein Thema oder einen Begriff selbstständig im Buch nachzulesen, wenn man online (warum auch immer) nichts verstanden hat. Und ganz ehrlich: wer sich nicht selbstständig neue Themen erschließen kann, wird auch im Studium allergrößte Schwierigkeiten haben, einen (guten) Abschluss zu bekommen.

    Ich bin als Lehrer und Teil der Schule sicher nicht unfehlbar, aber es ist schon eine Zumutung, wenn die Kundschaft derartig gegen einen arbeitet! Die mehr oder weniger subtile Unterstellung, die Schule, die Lehrkräfte hätten den Misserfolg ihrer Schüler zu verantworten, ist Ausdruck der allgemeinen Unfähigkeit vieler v.a. junger Menschen, ein Scheitern zu ertragen und sich selbst kritisch zu reflektieren. Die Schulabschlüsse aller Schularten werden seit Jahren einfacher, damit weniger durchfallen. Das hat aber bei den Schülern eine seltsame Nebenwirkung: nun glauben viele, ihnen stünde dieser oder jener Abschluss mit dem und dem Ergebnis einfach zu – mit geringem eigenem Aufwand natürlich (Freizeit opfern…). Und wenn das Vorhaben scheitert, dann MUSS jemand anders schuldig sein, denn sie selbst haben ja ihr Leben lang noch keine Verantwortung für schulische Misserfolge übernehmen müssen, warum denn dann jetzt… Das ist das Ergebnis der Kuschelpädagogik, die seit einigen Jahren überall Einzug hält. Dass Prüfungen auch zum Aussieben da sind, davon hört man nun zum ersten Mal und empfindet das sogleich als Anschlag auf die persönliche soziale Gerechtigkeit – natürlich hat man aber in der Stunde gefehlt, in der dieser Begriff richtig besprochen wurde und kann ihn daher nun auch nicht adäquat verwenden. Das mag nun vielleicht überspitzt formuliert sein und trifft auch nicht jeden Schüler, aber der „Mord(s)-Vergleich“ zeigt ja, auf welchem Niveau sich das Ausgangsmaterial befindet. Das Abitur ist kein Massenprädikat und soll es auch niemals werden, denn sonst brauchen wir es nicht mehr. Inflationäre Notengebung hat das Abi schon zu viel gekostet, das sieht man an den Universitäten („25 ist das neue 15“, von Reife nur wenig zu sehen).

    Mir scheint, man hat es im neuen Jahrtausend tatsächlich weitestgehend geschafft, eine Generation heran zu ziehen, die „maximalen Ertrag bei minimalem eigenen Einsatz“ zu ihrer Maxime gemacht hat. Die Energie steckt man dann lieber im Nachhinein ins Motzen und Petitionen schreiben, statt vorher in geistige Flexibilität und etwas mehr Realitätssinn.

    • Leider kenne ich die Mathe-Abi-Aufgaben nicht…

      Warum eigentlich nicht? Warum werden die Aufgaben nicht am Tag nach der Prüfung von allen großen Tageszeitungen, Fernsehsendern und der Schulbehörde selbst veröffentlicht und öffentlich diskutiert?

    • Hallo (Herr/Frau) DFS,

      Ich als betroffener Abiturient möchte gerne Stellung zu ihrem Kommentar nehmen:
      Wo bitte wird in den beiden Petitionen den Lehrern die Schuld für die „schlechten“ Abiturprüfungen gegeben? bzw. bei welcher Stelle werden wohl die Schuldigen gesucht, wenn selbst die offiziellen Beispielklausuren des Schulministeriums fast von Grund auf anders gestellt waren als sie tatsächlich im Abitur vorgegeben waren?
      Leider gehören sie – obwohl sie das als Lehrer eigentlich besser wissen müssten – zu denjenigen, die nun alle Abiturienten als „Nörgler“, „dumm bzw. unfähig“, „verantwortungslos“, etc. über einen Kamm scheren. Aussagen wie „Und ja, wir hatten Corona…“ zeigen, dass sie anscheinend nicht ganz verstanden haben, welchen Einfluss diese Pandemie auf uns Schüler hat. Mal abgesehen von dem nicht vorhandenen Distanzunterricht ab Mitte des Schuljahres 19/20 und des zum Teil schleppenden Anlaufes dieses im Schuljahr darauf werden Schüler durch Corona von Existenzängsten und Sorgen um die eigene Gesundheit geplagt, während es gleichzeitig durch die Schließung fast aller Freizeit- und Sportanlagen kaum eine Möglichkeit der Ablenkung oder des Stressabbaus gab und immer noch gibt.
      Ich stimme ihnen zwar zu, dass angehende Abiturienten in der Lage sein sollten einen Begriff oder Thema selbstständig nachzuschlagen, aber in diesem Kontext bräuchten Abiturienten dann auch keine Lehrer mehr oder? Wir können es uns ja auch selbst aneignen.
      Nun noch kurz zu ihnen persönlich: Nach einem solchen Kommentar, welcher, wie sie es so schön gesagt haben, voller „subtiler Unterstellungen“ ist, wundert es mich nicht mehr, dass die Schüler ihnen nicht danken. (Ich könnte mich aber auch irren sollte dieser Kommentar im Affekt geschrieben worden sein)
      Ich lehne mich nun weit aus dem Fenster und behaupte einmal, dass keiner außer den Abiturienten in diesem Jahr in dieser Kommentarspalte jemals eine Abiturprüfung nach mehr als einem Jahr Pandemie geschrieben hat oder die aktuelle Situation aus Sicht der Abiturienten auch nur ansatzweise versteht. Trotzdem lese ich hier viele Kommentare wie „Das ist doch Meckern auf hohem Niveau“ oder „die Schüler waren einfach nur zu faul“ und das von Personen, welche zugeben die diesjährigen Abituraufgaben nicht zu kennen. Solche Kommentare von, um es mal ganz salopp zu sagen, Menschen die (meist) keine Ahnung haben und die „faule Jugend“ als einzigen Feind sehen, sind mehr als nur ein Schlag ins Gesicht für viele von uns Abiturienten, die trotz der aktuellen Situation hart für das Abitur gearbeitet haben und nun trotzdem um genau dieses bangen müssen und zeigt wiederum, wie weit sich der Generationenkonflikt ausgeweitet hat.

  16. Quasi-kollektive Maxime: Normal kriegt jeder Abitur.
    Ableitung daraus: Kriege ich kein Abitur, wird mir etwas vorenthalten, das mir naturgegeben zusteht – denn ich bin ja schließlich „normal“.
    Ableitung daraus: Eine böse Macht schränkt mich dann ein: das Schulmeisterlein!

  17. Liebe/r DFS,
    in einigen Punkten stimme ich Ihnen zu. Aber auch Sie, insb. als Lehrkraft und Vorbild, dürfen sich nicht so pauschal beurteilen. Die Medien suchen und nutzen gern auffällige Überschriften. Das sagt aber nichts über den eigentlichen Inhalt der Angelegenheit sowie über die Anstrengung und das Zielstreben vieler Abiturient:innen.
    Zudem sollte es jeden bekannt sein, dass (Mis-)Erfolg an Universitäten wenig von der Schulabschlusnote abhängt. Vieles lernt man erst an Unis. Ob man es durchzieht, hängt eher von der Persönlichkeit ab, deren Grundstein aber in der Schulzeit gelegt wird.

  18. Ich bin aus Bbg, mein LK hat auch am Di Ma Abi geschrieben. Bin gerade beim Korrigieren und muss auch hier feststellen: viel zu großer Umfang. Die schiere Fülle an Teilaufgaben wirkten zum Teil zusammenhanglos aneinandergereiht, um die erforderlichen Punkte zusammenzutragen. Auch bei uns: sparsame Bepunktung, teilweise für die Menge und den Schwierigkeitsgrad ungerechtfertigt zu wenig. Die 30 min Mehr an Bearbeitungszeit reichten keineswegs, auch bei Einser SuS nicht.
    Analytische Geometrie hatte teilweise verquere Aufgabenstellungen, tauchten so vorher auch im neuesten LK Lehrbuch von Bbg nicht auf.
    Mir ist schleierhaft, was man bei den SuS abprüfen wollte. Es âhnelte bisschen der Postkorbaufgabe aus den Assesmentcentern: es ist von vornherein klar, dass nicht alles zu schaffen ist. Man will nur schauen, wie sich der Kandidat anstellt. Dafür ist die Konsequenz leider zu hart, LK zählt doppelt.
    Die Tendenz zu immer komplexeren Aufgabenstellungen beim Abi ist auch in diesem Jahr erkennbar.
    Abgesehen davon ist die Wortwahl in der Kritik der SuS deplatziert und führt nur dazu, dass die durchaus berechtigte Kritik nicht ernst genommen wird.

    • Liebe Rike, ich habe ebenfalls gerade das Mathe-Abi meines LK in Brandenburg vor mir und unterstreiche jeden, und zwar wirklich jeden Satz von Dir!

  19. „Versuchter Mord“ – Genau! Wenn ich an mein Matheleistungskurs-Abitur im letzten Jahrtausend zurückdenke, fühle ich mich selbst heute noch ganz schön tot – aaaah! (schreit verzweifelt und geht ab)

    • Es ist ohne Zweifel ein nicht durchdachter und unangebrachter Ausdruck! Aber: dies war ein Post EINER emotional aufgewühlten Schülerin kurz nach der Prüfung, der dann (was heutzutage blöderweise normal ist) in den sozialen Netzwerken gepusht wurde – ob das die Schülerin wollte oder nicht. Und als solcher sollte dieser Ausdruck auch gewertet werden. Hier wird es jetzt weiter gepusht… Er wurde weder in der Petition erwähnt, noch spiegelt er die Meinung einer großen Schülerzahl wieder.

      • Mir gefällt tatsächlich der kreative Einsatz des Begriffs, wie von der Schülerin scheins gemacht. Sie könnte glatt beim Postillion einsteigen.

  20. Das muß jetzt einfach mal raus!
    An dieser Stelle möchte ich einmal meinen ausdrücklichen Dank an die Redaktion aussprechen, die dieses Thema wenn auch eher provokant in Szene gesetzt hat.

    Selbstredend auch an die LUL möchte ich meinen ausdrücklichen Dank hier aussprechen, die zumindest sachlich und fundiert bemüht ein wenig mehr Licht in das Thema Prüfungsaufgaben ABI21 und Sorgen der Beteiligten bringen konnten.

    Einige LuL, die scheinbar rein emotional aufgrund der reißerischen Überschrift heraus meinen, dies als willkommene Einladung zu sehen, endlich mal volle Breitseite auf SuS eindreschen zu müssen könnte ein klein wenig mehr Achtung der Schutzbefohlenen vielleicht nicht schaden, Stichwort „Bashing“, sonst könnte man glatt den Eindruck gewinnen, der vor Jahren gewählte Beruf könne verfehlt sein. Kann man auch böse betrachtet als Kindergartenniveau bezeichnen („Art. 24 ff…“; „Beziehen Sie sich auf den Reifegrad oder den Fäulegrad der Ankläger?)“. Vielleicht wollte man auch nur mißglückt besonders lustig rüberkommen (-Ironie off).
    Da wird mir als Elternteil egal wie gemeint speiübel. (Bashing on…)

  21. Diese Meckerei und Motzerei gibt, gab und wird es nach jedem Abitur in jedem Bundesland geben. Trotzdem kommt jedes Jahr die große Mehrheit der Abiturienten locker durch – und ich sage das als zugegeben fauler Abiturient aus dem Jahrgang 99 (es hat trotzdem für 2,2 und die spätere Gründung eines IT-Unternehmens gereicht). Ich glaube, das Problem liegt eher darin, dass den jungen Menschen nicht klar ist (und wohl auch bei dem eher zurückgehenden geistigen Reifegrad nicht klar sein kann), wie wichtig dieser Abschluss für ihr weiteres Leben ist.

    Man müsste mal darüber nachdenken, welche Werte den Jugendlichen heute z.B. über die Massenmedien vermittelt werden. Heute ist jeder Volldepp ein Fernsehstar, Superstar, Dschungelstar oder was auch immer, wozu sollte man da noch ein Abi brauchen?

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