Welche PädagogInnen mit dem Lehrerpreis ausgezeichnet wurden – und wofür

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BERLIN. Die Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ 2020 stehen fest. Die Jury unter Leitung des Kasseler Chemie-Didaktikers Prof. Dr. David-S. Di Fuccia hat entschieden: Zehn Lehrkräfte, fünf Teams und vier Schulleitungen aus insgesamt neun Bundesländern wurden auf einer virtuellen Preisverleihung ausgezeichnet. Über 6.400 Lehrkräfte und Schüler beteiligten sich am Wettbewerb, der von der Heraeus Bildungsstiftung und dem Deutschen Philologenverband durchgeführt wird. Schirmherr ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Philologen-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing ´(rechts) zeichnet Lehrkräfte der Arnold-Bode-Schule in Kassel aus. Screenshot

Für die Wettbewerbsrunde 2020 haben in der Kategorie „Unterricht innovativ“ zahlreiche engagierte und durch die Corona-Pandemie besonders geforderte Lehrkräfte-Teams aus ganz Deutschland innovative und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte für den Wettbewerb eingereicht. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, erklärte dazu: „Die eingereichten Unterrichtsprojekte in der aktuellen Wettbewerbsrunde zeigen in beeindruckender Weise, wie gut, wie kreativ und wie innovativ Lehrkräfte während der Corona-Pandemie unterrichtet haben. Dafür gebührt ihnen unser Dank und unsere herzliche Gratulation! Sowohl einzeln als auch im Team unterrichten sie innovativ – in Präsenz und digital unterstützt. Das ist ein Blick in die Zukunft: Ein digital unterstützter Präsenz-Unterricht, dem es nicht um das Entweder-Oder von Präsenz- oder Distanz-Unterricht geht, sondern der die digitale Unterstützung für guten Unterricht sinnvoll nutzt.“

Den ersten Preis vergab die Jury an Daniela Heinrich-Stiller vom Gymnasium Lahntalschule in Biedenkopf/Hessen für „Forschen und Entwickeln“. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, ob Stärkefolie so bearbeitet werden kann, dass sie als Plastikersatz taugt und damit in Kompostieranlagen das Problem nicht verrottender Kunststoff-Reste verringern kann. Dafür haben die Schülerinnen und Schüler in fächer-übergreifenden Versuchen Folie aus Mais- oder Kartoffelstärke mit Produkten aus dem Haushalt so verändert, dass ein Werkstoff mit einer Festigkeit, Elastizität oder gar Essbarkeit entsteht, der tatsächlich Plastik ersetzen kann. Eines der Versuchsergebnisse, eine „Folie mit Autodesinfektionswirkung“, haben die Schüler*innen sogar zum Patent angemeldet.

Der zweite Preis, der in dieser Runde vom Cornelsen Verlag vergeben wurde, ging an Katja Gerstenmaier, François Genthner und Luisa Schmidt vom Robert Blum Gymnasium in Berlin für das Projekt „Der BLUM-Preis“. Das Robert Blum Gymnasium startete ein in Deutschland bisher einmaliges Unterrichtsformat mit dem Schwerpunkt Engagement und Partizipation und drehte hierfür die üblichen Spielregeln um: Die Schülerschaft lobte einen Preis für ziviles Engagement von außerschulischen Initiativen oder Menschen aus – den BLUM-Preis. Von den Schülerinnen und Schülern wurden gesellschaftlich aktive Gruppen außerhalb der Schule ausgezeichnet, die sich ehrenamtlich und sozial engagieren und die Schülerschaft damit nachhaltig beeindruckten.

Mit dem dritten Preis wurde Astrid Weißer von der Gemeinschaftsschule Ossenmoorpark in Norderstedt/Schleswig-Holstein für das Projekt „Der Wal und das Ende der Welt“ ausgezeichnet. Zur Gestaltung des Fernunterrichtes wurde das Buch „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger, eine „Wohlfühldystopie“ deren Handlung deutliche Parallelen zur aktuellen Situation aufweist, analog/digital bearbeitet. Für den Autor war „…ein Ziel des Buches zu zeigen, wie Gemeinschaften auf Krisen reagieren, in dem sie nicht selbstsüchtig, sondern gemeinsam die Herausforderungen angehen.“ Durch die vernetzte Erarbeitung des Inhaltes in sämtlichen betroffenen Fachgebieten konnten sich die Schüler*innen mit politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Sachverhalten kritisch auseinandersetzen und vergleichend in ihren Kontext einordnen.

Den in diesem Jahr zusätzlich verliehenen Sonderpreis Corona erhielt das Team Florian Bagus und Norman Seeliger von der berufsbildenden Arnold-Bode-Schule in Kassel/Hessen für ihr Projekt „smartPAPER“. Im Rahmen der beruflichen Ausbildung wird mit der App „smartPAPER“ für einen fiktiven Kunden eine crossmediale und individualisierte Kampagne umgesetzt. Die App fungiert als digitales Arbeitsblatt-Tool, das Aufgaben der Kompetenz der Lernenden gemäß ausspielt und passende Vertiefungsaufgaben verteilt. Sie bietet innerhalb der Lernsituation zahlreiche neue Möglichkeiten im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung und ermöglicht gleichzeitig individualisierte Lernprozesse.

Den Sonderpreis der Wochenzeitung „Die Zeit“ erhielten Tanita Heindl und Teresa Fruntke vom Johann-Gottfried-Seume Gymnasium in Vacha/Thüringen für ihr Projekt „Erzähl doch mal…!„. Das Mauerfall-Jubiläumsjahr 2019/2020 wurde von den beiden Lehrerinnen genutzt, um deutsch-deutsche Geschichte erlebbar zu machen und ein ganzheitliches Konzept von den Geschehnissen zu vermitteln. Das schuljahres-übergreifende Projekt zielt darauf ab, das „Lernen von Geschichte“ neben dem regulären Fachunterricht durch fächerübergreifende Projekte, Zeitzeugengespräche, Gedenkstättenbesuche, Produkte der Geschichtskultur etc. anschaulich zu vertiefen, um so auch eine Wertschätzung der heutigen Demokratie zu vermitteln.

Für „Ausgezeichnete Lehrkräfte“, einer weiteren der insgesamt drei Wettbewerbskategorien, wurden zehn besonders engagierte Pädagoginnen und Pädagogen von Schülern der Abschlussklassen 2019/2020 nominiert. Dabei gingen drei Auszeichnungen nach Bayern (Lena Büttner, Dürer Gymnasium Nürnberg; Maximilian Gebhard, Realschule Weilheim; Annette Wörmann, Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen). Je zwei Preisträger*innen kommen aus Nordrhein-Westfalen (Karsten Brill, Marie-Curie-Gymnasium Bönen; Mehmet Cosgunoglu, Albert-Schweitzer-Realschule Remscheid) und Sachsen (Ronny Smektalla, Diesterweg-Oberschule Werdau; Ina Steinke-Haupt, Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz). Je eine Auszeichnung vergab die Jury nach Baden-Württemberg (Julia Hübner, Kepler-Gymnasium Pforzheim), Berlin (Joachim Triebe, Tagore-Gymnasium) und Rheinland-Pfalz (Holger Kellmeyer, Carl-Bosch-Gymnasium Ludwigshafen).

Die Schulleiterinnen wurden von wegen ihres Herzbluts, für ihren Sachverstand und ihre Kompetenz von ihrem Kollegium vorgeschlagen

In der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“, die in dieser Wettbewerbsrunde von der Heraeus Bildungsstiftung neu eingeführt wurde, wählte die Jury vier Preisträger und Teams aus. Die Schulleitungen wurden von ihren Kollegien vorgeschlagen und mindestens 25 Prozent aller Lehrkräfte der betreffenden Schulen mussten die Nominierung unterstützen. Der erste Preis in der neuen Kategorie ging an Susanne Schäfer und Stephanie Lehmann von der Grundschule Herten-Mitte in Nordrhein-Westfalen. Die Schulleiterinnen wurden von ihrem Kollegium besonders wegen ihres Herzbluts, aber auch für ihren Sachverstand und ihre Kompetenz bei der Gestaltung des Schullebens vorgeschlagen.

Den zweiten Preis erhielt Simone Starke, Leiterin der Grundschule Maria-Sibylla-Merian-Schule Wiesloch in Baden-Württemberg, zusammen mit ihren Kolleginnen Daniela Maurath und Simone Uhlig. Der dritte Preis wurde an Anja Germer von der Schule am Pappelhof in Berlin vergeben, einer Sonder-/Förderschule mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“. Den in diesem Jahr einmalig ausgelobten Sonderpreis für besondere Leistungen in der Corona-Zeit erhielten Rainer Kropp-Kurta und Eugenia Remisch von der Grund- und Werkrealschule GWRS Villingendorf in Baden-Württemberg.

Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, sagte: „Die Corona-Pandemie hat die Schulen vor große Herausforderungen gestellt. Als Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist es mir ein persönliches Anliegen, den Lehrerinnen und Lehrern in dieser äußerst anstrengenden Zeit für das großartige Engagement zu danken. Durch die Pandemie ist noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, welche große Bedeutung Lehrkräfte für die Methoden der Wissensvermittlung haben. Hierbei wurden sie herausgefordert. Es stellten sich neue Fragen: Wie können Schülerinnen und Schüler Probleme selbst formulieren, Lösungsstrategien entwickeln und die Ergebnisse in der Lerngruppe teilen oder präsentieren? Die Digitalisierung unterstützt dabei Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler. Es zeigt sich auch, dass Digitalisierung und guter Unterricht in Zukunft zusammengehören. Guter Unterricht verfügte schon immer über einen gefüllten Instrumentenkasten, der individuell und je nach Lern- und Förderbedarf eingesetzt werden kann. Nun werden digitale Medien, digitale Formate maßgeblich mit einbezogen und eingesetzt.“

Die Jury

Der Wettbewerbs-Jury unter Leitung von Prof. Dr. David-S. Di Fuccia gehörten an:

  • Prof. Dr. Kathrin Fussangel, Professorin für Empirische Schulforschung an der Bergischen Universität Wuppertal, Institut für Bildungsforschung (IfB);
  • Winfried Gosmann, Schulamtsdezernent a.D. in Nordrhein-Westfalen;
  • Peter Haase, Schulleiter a.D. in Bremen;
  • Dr. Stefanie Hubig, Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz;
  • Anastasia Käfer, Mitglied des überregionalen „Schülermitverantwortung-Portals“;
  • Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt / Main;
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Eckard Klieme, Vorstand DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation Frankfurt/Main;
  • Adriane Langela-Bickenbach, Studiendirektorin und 2019 Preisträgerin in der Kategorie „Unterricht innovativ“;
  • Verena Pausder, Unternehmerin und Bildungsexpertin;
  • Christian Piwarz, Staatsminister für Kultus des Freistaats Sachsen;
  • Josephine Reichstein, Schülervertreterin des Martin-Luther-Gymnasiums Eisenach;
  • Martin Spiewak, Mitglied der Redaktion Wissen der Wochenzeitung „Die Zeit“;
  • Frank Thalhofer, Mitglied der Geschäftsführung Cornelsen Verlag.

Gewonnen! Hier freuen sich Lehrer und Schüler über den Deutschen Schulpreis – was ihre Schule so besonders macht

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6 KOMMENTARE

  1. So sehr ich das diesen Leuten gönne, so sehr stehe ich auch kopfschüttelnd da und denke mir nur; wie viel geht bei sowas auf bessere Bedingungen vor Ort zurück? Genug Schulen erlebt, in denen Menschen (vom 0815-Lehrer bis zur Schulleitung) vor die Hunde gehen und das fast einzig und allein wegen der Rahmenbedingungen, an denen noch Träger und so vieles andere hängt …

    Irgendwie auch scheinheilig – denjenigen, die was schaffen, sei das natürlich trotzdem gegönnt!

    • Ich gönne es auch jedem, würde es selber auch überhaupt nicht haben wollen.

      Ich habe schon Schulen gesehen, die sich auf irgendwelchen Meetings als die Vorzeigeschulen mit super Konzepten vorgestellt haben, und wenn man dann mal etwas näher nachfragte festgestellt, dass die das Gleiche jetzt für zwei Jahrgänge machen, was bei uns damals schon von der Klasse 5-9 lief.

      Das war der Punkt, wo ich feststellte, dass meine Schulleiterin unsere Schule nicht immer gewinnbringend verkaufen kann, dass es aber auch egal ist, da wir ja scheinbar viel richtig machen.

    • Geht mir sehr ähnlich. Aber noch was anderes: Stefanie Hubig in der Jury? Das ist bitter. Ich hätte den Preis dann wohl nicht angenommen und den Grund dafür auch deutlich kommuniziert…

  2. Lehrer, die wirklich gut im Tagesgeschäft sind, also der leistungsorientierten Wissensvermittlung, jedoch nichts mit irgendwelchen Projekten oder anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen zu tun haben wollen, würden nie im Leben für so einen Preis auch nur vorgeschlagen werden.

    Nun die Frage: Welcher Lehrertyp ist langfristig gesehen für die Kinder wichtiger? Meiner Meinung nach nicht der Lehrer mit Schwerpunkt Außenwirkung.

    (Ich gehe dennoch erst einmal davon aus, dass die mit dem Preis ausgezeichneten Lehrer auch im Tagesgeschäft wirklich gut sind.)

  3. Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträger*innen! Hier stecken sicherlich sehr engagierte und innovative Köpfe dahinter …

    Dennoch sehe ich den Wettbewerb innerhalb und außerhalb des Unterrichts kritisch – vor allem, wenn er privatwirtschaftlich organisiert wird. M. E. sollte ein solcher grundsätzlich keinen Platz finden in öffentlichen Schulen. Inwieweit man bei der Jurybesetzung eine Kollision mit dem Amt als Minister*in und dem Mandat als Abgeordnet*er vermuten kann, bleibt Sache der Jurist*innen … ein ‚Geschmäckle‘ bleibt …

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