Sind über 40 Prozent der Lehrer für den Beruf ungeeignet? Pädagogik-Professor fordert vor dem Studium eine Vorauswahl

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PASSAU. Bloße Provokation oder Anstoß für eine wichtige Debatte? Fast die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland sollte aus Sicht des Passauer Schulpädagogik-Professors Norbert Seibert einen anderen Job machen. «Über 40 Prozent der Lehrer in Deutschland sind eigentlich nicht geeignet», sagte er der «Passauer Neuen Presse». Seibert fordert eine praxisnähere Lehrerausbildung – und eine Vorauswahl der Kandidatinnen und Kandidaten vor Beginn des Studiums.

Eine Lehrkraft muss ein hohes Maß an Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit mitbringen. Foto: Shutterstock

Die Pandemie wirkt sich nach Ansicht von Norbert Seibert, Professor für Schulpädagogik an der Universität Passau, negativ auf die Qualifizierung angehender Lehrkräfte aus. «Zum einen hatten wir jetzt drei Semester lang keine Präsenzveranstaltungen an der Uni. In der Zeit hat sich die Durchfallerquote bei Prüfungen fast verdoppelt», sagte er der Zeitung. Dazu komme: «Sozialverhalten kann man nicht bei Online-Zoom-Meetings lernen. Das fängt bei E-Mails an, die ich bekomme, und in denen oft nur noch steht: „Hallo, rufen Sie mich an. MfG“ und endet damit, dass diese zukünftigen Lehrkräfte gar nicht wissen, wie man mit Schülern Kontakt aufnimmt.»

«Die am schlechtesten ausgebildeten Lehrkräfte werden im Moment auf die schwächsten Schüler losgelassen»

Das Lehramtsstudium helfe hier wenig – das gelte grundsätzlich: Angehende Lehrkräfte würden schlecht auf den Beruf vorbereitet, sagte Seibert. «Das muss geändert werden, denn nicht jeder kann Lehrer.» Dazu komme, dass oftmals nicht mal die ohnehin schon niedrigen pädagogischen Standards dabei erreicht würden. So verbeamte der Staat aufgrund des Lehrermangels Absolventen der Lehrämter Grund- und Mittelschule sicher – egal mit welchem Notendurchschnitt sie bestehen. Auch Quer- und Seiteneinsteiger würden als Lehrkräfte rekrutiert. «Kurzum: Der Begriff „Qualität“ scheint ein Oxymoron zu sein, ein Begriff, der sich in allen Aspekten selbst widerspricht», sagte Seibert.

Das Fatale sei: «Die am schlechtesten ausgebildeten Lehrkräfte werden im Moment auf die schwächsten Schüler losgelassen, die aufgrund von Corona auch noch massive Wissenslücken aufweisen.»

Seiberts Kritik an der Auswahl und Qualifizierung von Lehrkräften ist nicht neu. «Das Lehramtsstudium bereitet die Lehrer sehr schlecht darauf vor, was sie faktisch sind: Pädagogen. Und dann kommt es natürlich im Beruf zur Überforderung», so erklärte er bereits vor zehn Jahren in der „Passauer Neuen Presse“. Die Studienordnung kranke an Praxismangel. «Wir haben keine faulen Lehrer, im Gegenteil, sie sind meist hoch engagiert. Sie müssen halt einfach etwas tun, was sie so nicht gelernt haben.“ Seibert fordert mehr Praxisbezug für die Lehramtsstudenten.

«Die Verfahren der Qualitätssicherung durch Prüfungsordnungen und Staatsexamina erzielen nicht die erwünschten Effekte»

«Ein Lehrer ist doch hauptsächlich Pädagoge. Diese Aussage hat in Bayern keinerlei Bedeutung. Wer in Bayern die Note Fünf in Pädagogik bekommt, besteht dennoch», beklagte Seibert. Er könne diese schlechte Note mit den Leistungen in den anderen Prüfungen locker ausgleichen. Von Grund auf müsse in der Lehrerbildung alles anders gemacht werden. «Die bisherigen Verfahren der Qualitätssicherung durch Prüfungsordnungen und Staatsexamina erzielen nicht die erwünschten Effekte.» Die Praktika müssten viel höher gewichtet werden. Die Eignung müsste verbindlich geprüft werden – und zwar bereits vor dem Studium.

Seibert hat 2006 an der Uni Passau das Programm «PArcours» ins Leben gerufen, bei dem angehende Lehramtsstudenten auf freiwilliger Basis überprüfen können, ob sie tatsächlich für den Beruf geeignet sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben vier praktische Übungen und zwei schriftliche Aufgaben zu bewältigen. Nach den acht Stunden Test würden die Studienanfänger schon sehr viel besser wissen, wie sie dran sind, ob sie neben Methoden und Sprachkompetenz auch die benötigte Portion Selbst- und Sozialkompetenz mitbringen. Mit Letzterer können sie Konfliktsituationen besser meistern.

Wer durchfällt und die Berufswahl daraufhin nochmal überdenkt, erspart sich laut Seibert womöglich einen fatalen Schritt. «Ungeeignete Lehrer brennen besonders leicht aus.»

Hier gibt es weitere Informationen zum „Parcours“-Programm der Uni Passau.

„Das ist nicht mal eben zu machen“: Warum der schulpraktische Teil der Lehrerausbildung so wichtig ist – ein Interview

 

 

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67 KOMMENTARE

  1. Ich habe an Schule unterrichtet, an denen der Wert eher gegen 80 Prozent ging. Ob ein vierwöchiges Orientierungspraktikum vor dem Studium reicht, wie hier in Hessen, wage ich zu bezweifeln. Und wieso es für ein Lehramtsstudium einen Numerus Clausus gibt, erschließt sich mir auch nicht, wenn man nachher jeden Quereinsteiger mit Handkuss nimmt.
    Wenn wir ehrlich sind, ist das gesamte System von der Lehrerausbildung über das Referendariat bis zur Arbeit an den Schulen dringend reformbedürftig. Es geht doch nur noch darum, dass irgendwelche Zahlen auf irgendwelchen Listen stimmen und alles juristisch wasserdicht ist. Zum Beispiel fehlen Sonderpädagogen, da werden jetzt Gymnasiallehrer auf freie Stellen gesetzt und schwupps werden die Zahlen besser. Funktioniert halt in der Praxis nix, ist allen egal. Und die Kultusluftnummer kann sich hinstellen und wieder allen erzählen, wie toll alles läuft. Toll!

    • Genau so ist es hier auch in Niedersachsen! Die Fassade für die Öffentlichkeit muss stimmen, wie es dahinter aussieht ist es egal. An weiterführenden Schulen liegt in unserem LK die Versorgung durch Sonderpädagogen bei 40 %, aber Hauptsache, wir haben das Etikett „Inklusion“. Dass die Kinder reihenweise durchs Raster fallen, ist „oben“ egal. „Unten“ führt man in der Not inoffizielle Lernhilfeklassen in den Schulen ein.

      Es müssen durch die Lehrkräfte immer mehr zusätzliche Aufgaben übernommen werden, die Bürokratie und das Papierschwärzen ohne Notwendigkeit steigen laufend. Das ständige Dokumentieren irgendwelcher Sachverhalte frisst viel Zeit, ohne dass ein Mehrwert entsteht. Der Lehrer zieht diese Zeit natürlich dann erschöpft von seiner Unterrichtsvorbereitung ab, greift stattdessen zum nächstbesten Arbeitsblatt und verzichtet auf die Planung eines außerschulischen Lernorts. Die Qualität des Unterrichts wird dadurch schlechter, nicht besser.

  2. Mehr Praxisbezug wäre sehr wünschenswert!
    In SH wurden angehende Lehramtsstudenten (GS bis SEK2) jetzt aufgefordert, ein 2-3wöchiges Praktikum an der GS zu absolvieren. Eine Stellungnahme der Schule wurde jedoch nicht angefordert. Offenbar ging es nur darum, mit Praktikanten Lücken zu stopfen!

    Es gibt Praktikanten, die schon vor Studienbeginn eine gute Beziehung zu Schülern aufbauen konnten, andere haben Schwierigkeiten damit, haben sich zum Teil auch umorientiert.
    Da war der Praxisschock auch mal heilsam!

    Bis zur Referendarzeit zu warten, bis den angehenden Lehramtsanwärtern klargemacht wird, dass sie in diesem Beruf falsch sind, halte ich auch für wenig zielführend. Ein Einserabitur macht noch keinen guten Lehrer (außer möglicherweise in SEK2).
    Ein Studium der Schulpädagogik hat aus einem ungeeigneten Lehrer noch selten einen guten Lehrer gemacht! Dazu ist es zu theoretisch!

    Andererseits können wir mal grade mal so gar nicht auf 40% der Lehrer verzichten! Nur wenige LK schaffen es, über das Pensionsalter hinaus voll zu arbeiten!
    Und viele brennen früh aus, weil zwar jeder weiß, wie Lehrer geht – jeder war ja mal in der Schule – aber kaum einer weiß, wie Lehrer WIRKLICH geht!

      • Offenbar ein Erfahrungswert aus seinem Berufseignungstest – wenn in Passau 40 Prozent durchfallen, dann lässt das schon eine Aussage zu. Im Rest von Deutschland wird ja gar nicht getestet.

        • Der Test ist doch freiwillig und wird im Vorfeld einer Laufbahn durchgeführt. Solche Eignungstest gibt es in fast allen Bereichen. Das sagt dann aber nichts über die Fähigkeit der agierenden Lehrkräfte aus. Als Beispiel: bei den Fluglotsen bestehen nur 2-4% aller Bewerber den Eignungstest. Das lässt sich dann nicht die Aussage zu, dass 96% aller Fluglotsen inkompetent sind.

          • Ja, die Headline oder die Aussage darin stimmt nicht ganz, denn die Vorauswahl prüft ja keine Lehrer sondern Anwärter, oder?

        • Dann wäre die Aussage aber trotzdem IRREFÜHREND (etwa durch die Medien verzerrt?), denn es wären dann nicht 40 Prozent der Lehrer ungeeignet, sondern 40% der „Lehramtsanwärter“. Die sind aber noch gar keine Lehrer !!!

  3. Das ist alles nicht neu und die Rezepte dagegen auch nicht. Woher die Zahl 40% kommt, wüsste ich gerne mal. Es gibt gute und schlechte Lehrer oder bessere und schlechtere, aber der Artikel macht gar nicht klar, woran das gemessen wird. Es hat ja auch jeder andere Vorstellungen davon, was ein guter Lehrer sei. Ist es der, der für Ruhe und Ordnung im Klassenraum zu sorgen versteht oder der, der jeden Tag spaßigen Unterricht mit viel „action“ macht, bei dem die Kinder ganz viel Spaß haben und ich beschreibe nur zwei gegensätzliche Pole ohne die vielen Varianten dazwischen. Der Artikel ist in diesem Sinne „aussagelos“, weil wir nicht erfahren, was die Kriterien für den guten Unterricht und den guten Lehrer sind und eventuell teilen wir diese Vorstellungen ja gar nicht. Deshalb weiß ich nicht, was uns das helfen soll, außer dass jemand sich mal einen Namen gemacht hat in den Medien, den wir morgen doch schon wieder vergessen haben.

  4. Natürlich wäre eine praxisnähere Ausbildung wünschenswert. Ich war selber jahrelang als Betreuer von Studenten in den verschiedensten Praktikas tätig und finde, dass spätestens im 2. Semester ein längeres Praktikum stattfinden sollte, um rechtzeitig Weichen zu stellen.
    In meiner ganzen Zeit als Praktikumslehrer hatte ich nur 2 hoffnungslose Fälle; die anderen, die etwas schwächelten, waren zumindest bemüht und konnten ihre Defizite langsam aufarbeiten. Mit dem 2. Staatsexamen ist man eben nicht unbedingt der perfekte Lehrer, selbst mit einer Eins in Pädagogik nicht; man lernt dann aber immer dazu! Und wird besser!

    Ich kenne Herrn Seibert und viele Lehrpersonen, die bei ihm studiert haben. Es ist halt so, dass auch bei den Pädagogikproffessoren seine Zahlen gelten. Er hat manche gute Ideen, lehrt aber nicht, sondern belehrt und schreckte durch seine Anforderungen viele ab, die mit der Zeit noch in den Beruf reifen hätten können.
    rfalio
    Mein Fazit

    • @rfalio: „Er hat manche gute Ideen, lehrt aber nicht, sondern belehrt und schreckte durch seine Anforderungen viele ab, die mit der Zeit noch in den Beruf reifen hätten können.“

      DAS haben Sie gut gesagt, vor allem den letzten Teilsatz. Ich würde von mir selbst sagen, ich bin erst ab 40 ein guter Lehrer geworden.

      • Wie lange soll man denn reifen lassen und ungeeignete Lehrer auf Schüler loslassen?
        Auf Reifung kann man endlos warten, sowohl bei schwachen Schülern, wie auch bei Studenten und Lehrern. Verschenkte Zeit durch immer neue Nachhilfen oder Klassenwiederholungen bei Schülern, grotesk viele Studiensemester oder unzählige Jahre bei Lehrern. Und das nur, weil es tatsächlich ein paar „Spätzünder“ gibt, während die meisten einfach nur ungeeignet sind für eine zu hohe weiterführende Schule, für ein Studium oder einen bestimmten Beruf.
        Wieviel Zeit, Geld und Unglück darf dieses Spiel mit den „Spätzündern“ denn kosten? Bis die Betroffenen von sich aus kapitulieren und mit angeschlagenem Selbstbewusstsein die nächste Lebensetappe angehen?

        • Lehrkräfte werden in einer Probezeit eingestellt. Diese dauert regulär 3, maximal 5 Jahre, danach ist Schluss.
          Das trifft aber nur wenige, die meisten werden im Studium wechseln oder im Referendariat scheitern.

          • Im Referendariat scheitern? Ich habe den Eindruck, in Hochzeiten von Lehrermangel wird jeder wird eingestellt.
            Aber danke für die Antwort!

  5. Werden die Politiker und KM auch auf Eignung überprüft in ihrem Berufsfeld bzw. Posten!? In allen sozialen Berufen wo man am Menschen arbeitet gehören besser überprüft. Bin sprachlos welche Erzeiherinnen in Einrichtungen arbeiten obwohl sie Vorbildfunktion sein müssten. Man setzt vermehrt in diesem Bereich Quereinsteiger oder Pesonen ohne jegliche Ausbildung ein. Auch im Pflegeberuf bringen viele in diesem Bereich keine qualifizierte Ausbildung mit und sind oft nur Hilfskräfte. Die Lehrer/in bzw. die Studenten müssten vor beginn ihres Studium an der Schule ein Praktikum machen oder ein verlängerten Teil während des Studiums an der Schule absolvieren. Oft fehlt es an Erfahrungen im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Die Gantagsbetreung an den Schulen wird eine reine Aufbewahrung und es ist schon für den alltag am Vormittag kein adequates Personal vorhanden. Man baut nicht auf Qualittät sondern man geht mit der Zeit. Die Qualität steht nicht an erster Stelle. Hauptsache man hat die Nachfrage erfüllt. Dabei hat uns diese schwere Corona Zeit aufgezeigt, dass wir erst eine Stabilisierung an den Schulen und Kindergärten schaffen müssen und um den Alltag in der Betreung und fairen Bedingungen erledigen zu können. Das Grundbedürfnis kann im Augenblick schon in vielen Einrichtungen nicht gestillt werden. https://www.news4teachers.de/2021/09/rechtsanspruch-auf-ganztagsplatz-wird-ein-kraftakt-finanziell-und-personell/

    • Ich stimme Ihnen zu 100% zu!! Sie haben exakt die Situation zu den Anforderungprofilen bzw. den Umgang mit diesen in vielen sozialen Berufen beschrieben!!
      Ich hätte, als jemand mit 25 Jahren Berufserfahrungen im Grundschullehramt und 20 Jahren in der Lehrerausbildung, eine laaaaaange Liste von Optimierungsmassnahmen (z B. Akademisierung des Erzieherberufs, Seiteinstieg nur mit Ableistung eines originären Referandariats, echten Ausbau zur Ganztagsschule und nicht Betreueng bzw Verwahrung u. v. m.).
      Eine Konkretion würde aber hier den Rahmen sprengen!!
      Lg

  6. Und wo sind die ausbildenden, lehrenden Professoren (m,w,d), die regelmäßig in Schulen vor Ort sich mit Realitäten auseinandersetzen?

    • @Mama51
      Sehr gute Frage. Meine Erfahrung nach fast 40 Jahren als Lehrer: Wer trotz 1er Abschluss vor der Klasse in der Praxis scheitert, geht dann in die Lehrerausbildung. Trifft bestimmt nicht auf alle zu, aber leider auf viele. So zumindest meine Erfahrung. Und manche, die gerade so das Studium und das Ref geschafft haben, werden super Lehrer. Theorie und Praxis klaffen gerade in sozialen Berufen sehr weit auseinander.

  7. Sorry, aber Pädagogikprofessoren haben keine Ahnung vom Schulalltag. Zumindest habe ich in 21 Jahren Berufserfahrung keinen einzigen Proff bei uns an der Schule gesehen.
    Wie kamen die 40 Prozent zustande?
    Danke wiedermal fürs Lehrerbashing. Ich schlage vor, wir lassen die 40 Prozent der Unfähigen durch alle Prüfungen durchfallen. Wir werden bestimmt sowieso in den nächsten Jahren ganz viele neue Lehramtskandidaten bekommen, bei der Wertschätzung durch die Gesellschaft und dem kreativen Aufgabenfeldstehen sie schon alle Schlange.

    • Womöglich sind ja auch 40 Prozent der Uni-Professoren ungeeignet? Und sogar 60% der Pädagogikprofessoren? Setzen wir doch mal diese Zahlen in die Welt.

  8. In meinem Lehramtstudium waren wir bereits im Dezember des ersten Semesters im Unterricht. Und zwar mehrfach. Auch im Hort waren wir mehrere Wochen tätig, um die Zusammenarbeit zwischen Schule und Hort kennenzulernen und auch zu würdigen.
    Im Januar des gleichen Semesters sind dann die gegangen, die gemerkt haben, dass dieser Beruf nun doch nicht so ihren Vorstellungen entspricht. Während aller Semester waren wir ständig im Unterricht, mussten uns immer mit einem kompletten Unterrichtsentwurf von Anfang an vorbereiten und das Ganze dann auch nachbereiten. Allerdings ist das schon 35 Jahre her. Aber zu mindestens war von Anfang an der Praxisbezug da.
    @Rosa, du hast recht!

    • So lief auch mein Studium zum damals Unterstufenlehrer ab.
      Studium beendet – das hieß grundsätzlich bereit sein für das Lehren, Klassenleitertätigkeiten usw.
      Weitere Erfahrungen ließen natürlich auch mich „reifen“.
      Als ich nach Hessen kam, wurde mir eine Referendarin zugeteilt. Als ich fragte, was ich mit ihr zu machen habe (da mir dieses Prinzip der Ausbildung fremd war, bekam ich zur Antwort, dass ich zeigen solle, wie Unterricht funktioniert! What?
      … Nichts macht für mich besser deutlich, wie eine gut vorbereitende Lehrerausbildung gestaltet werden könnte.

  9. Wenn ich sowas lese, während ich unzählige Nebenaufgaben zu leisten habe, die gar nichts mit der reinen pädagogischen Arbeit am Kind oder der Unterrichtsvorbereitung zutun haben, kommen mir folgende Zusatzseminare in den Sinn:

    Reinigung, Möbel schleppen, Testen, Akten ordnen, alle möglichen Protokolle erstellen, selbst bezahltes Unterrichtsmaterial stellen, privat gestellte Endgeräte bezahlen (um Unterricht zu ermöglichen), noch mehr Elterngespräche abhalten…dazu die chronische Unterbesetzung akzeptieren, viel zu viele Schüler pro Klasse gut finden (da aufgrund Inklusion und gesellschaftlicher Entwicklung immer mehr Kinder 1:1 Betreuung brauchen), endlos komplizierte, langsame Mühlen alles in allem hinnehmen.

    Ich liebe es zu unterrichten und dieses vor- und nachzubereiten, aber das nimmt leider den kleinsten Teil ein, da alles organisatorische und sonstiges einen gefühlten Anteil von 80% hat.
    Hier ist läuft also mit Sicherheit nicht nur das Studium falsch.

    • Liebe Lehrerin,
      Es gibt es Deutschland nicht „das Studium“ – in jedem Bundesland läuft die Lehrerausbildung anders ab – auch in Abhängigkeit von der jeweiligen Schulart. Von daher bringen solche Floskeln absolut überhaupt nichts. Sie können ausschließlich von Ihrer eigenen Ausbildung vor x Jahren berichten – und auch diese hat sich mittlerweile möglicherweise (stark) geändert.

    • Volle Zustimmung! Ich (Förderschullehrerin) nähere mich jetzt den 60 und wenn ich zurückblicke, sehe ich, wie sich meine Arbeitsplatzbeschreibung geändert hat. Es war viel mehr Zeit für Unterricht und Erziehung und ohne diese Stapel von Papier wurden die Schüler nicht schlechter, sondern besser gefördert. Das Gleiche gilt für spezialisierte Förderschule versus Inklusion.

  10. Der Herr Professor sollte aber auch einmal darüber sprechen, wie praxisfern die Veranstaltung der PÄDAGOGIK-Ausbildung sind! Da muss er auch vor der eigenen Tür kehren!

    • Nicht nur schnacken, sondern in der vorlesungsfreien Zeit mal für eine oder 2 Wochen in die Schule gehen und KONKRET VORFÜHREN, WIE ES RICHTIG GEHT.
      Nicht irgendwelche Zauberstunden begutachten, sondern ganz alltägliche Situationen selbständig meistern.
      Solche Professoren und Ref-Ausbilder könnten wir alle gut gebrauchen!

    • @Christian
      Dürfte man dann auch sagen, dass 40% der Pädagogik-Professoren für ihren Beruf ungeeignet sind?
      Oder wäre das eine Majestätsbeleidigung?
      Hmmmm….

  11. Neue Lehrer braucht das Land aber auch bessere Bedingungen an Schulen. Als Mutter tut mir mittlerweile jeder leid, der diesen Beruf gewählt hat. Ich habe sehr viel mit Schule erlebt, vielleicht auch weil meine Kinder keine Musterschüler sind. Was mir immer sehr missfiel war es, wenn Lehrer bereits nach 14 Tagen meinten zu wissen wie mein Kind ist. Meine Tochter hatte z. B. große Probleme durch LRS. Zu Hause hatte sie aber immer viele Interessen und hat sich sogar selbst Saxophon spielen beigebracht seit sie 8 Jahre alt ist. Wenn dann ein Lehrer sagt, die kann gar nichts, ist man als Eltern sicherlich zu recht wütend und frustriert. Ein Lehrer sieht immer nur einen Ausschnitt und heute wollen die Lehrer auch nicht mehr sehen. Vielleicht aus Zeitmangel oder Überforderung. Wir müssen sei Jahren zuhause Lehrer spielen. Zeitweise ist das Material sehr schlecht oder es wird nicht gut erklärt. Die besten Noten hatte meine Tochter mit dem Homeschooling. Tests schrieb sie vor Ort. Es gibt mit Sicherheit viele engagierte Lehrer aber leider auch viele mit Tunnelblick.

  12. Ich bin zwar Quereinsteiger, trotzdem ein guter Lehrer (laut Schulleitung, Kollegen und Schüler). Was nun, so ganz ohne Pädagogikstudium?

  13. Meine Erfahrung zu Pädagogik-Professoren.
    Leute die seit 40 Jahren keine Schule von innen gesehen haben und weder Kontakt zu echten Schülern haben noch haben wollen.
    Normalerweise stellen diese Leute sich im Elfenbeinturm ein Bild von idealen Schüler zusammen. Interessiert, hoch motiviert, freundlich mit selbsttätigem Wissenserwerb als einzigem Ziel im Leben. Ohne weitere private Interessen.
    Für diese virtuellen Schüler erarbeitet er dann tolle Unterrichtskonzepte und ist dann sehr mit sich zufrieden.
    Einwände bezüglich der Realität werden beleidigt weg gewischt.
    Ich war immer dafür, dass Pädagogikprofessoren ihre Theorien zwangsweise in einem Feldversuch (z.B. an einer Gesamtschule in Berlin) verifizieren müssen, bevor sie das Gefasel in die Welt posaunen dürfen.
    Der Mann soll froh sein, dass er in einer ruhigen Uni extrem viel Geld kassiert um der KMK utopische Theorien liefern zu dürfen. Eine Kritik bezüglich der Eignung von richtigen Lehrern, die echt Schüler unterrichten halt ich dagegen für eine Unverschämtheit.

  14. Wir waren auch ab dem 1.Semester in Schulen, begleitet durch Lehrkräfte und Mitarbeitende der Uni, angesiedelt in der Pädagogik.
    An dieser Uni wurde die Praxisnähe also nicht gefordert, sondern gelebt. Im längeren Schulpraktikum waren auch die Professor:innen unterschiedlicher Fachbereiche eingebunden und kamen wenigstens einmal in den Schulen vorbei … und sahen damit echte Schulen von innen mit echten Lehrkräften und echte Kindern.

    Das Modell wurde über viele Jahre fortgesetzt, jetzt habe ich gehört, dass den Lehrkräften der Ausgleich, vermutlich Entlastungsstunden, entzogen wurden. Es wird also einmal mehr eingespart, statt die gute Ausbildung zu würdigen und zu unterstützen. Offenbar ist den Entscheidenden in Uni oder Ministerium eine gute Ausbildung nicht wichtig genug.

    Wenn Studierende die Lücken stopfen sollen, haben sie keine Ausbildung, sondern sind billige Arbeitskräfte im chronisch unterversorgten System, die den Schulen womöglich die Kohlen aus dem Feuer holen, sich dabei aber auch die Finger verbrennen können.

    Wenn Lehrkräfte zusätzlich zu den ohnehin unschaffbar vielen Aufgaben Studierende ausbilden sollen und Referendar:innen und Berufsanfänger:innen, aber auch Abordnungen z.T. anderer Schulformen, Vertretungskräfte (ohne Lehramt) und Quereinsteigende, dafür aber keinerlei Entlastung bekommen, dann leidet darunter die Ausbildung UND die sonstigen Aufgaben in der Schule.

    Das System müsste also ein anderes sein, stimmt,
    eines, in dem Pädagogikprofessor:innen das Lehramt unterschiedlicher Schulformen und Einzugsbereiche nicht allein aus Büchern und Studienergebnissen kennen,

    eines, in dem Studierende und Referendar:innen eine Ausbildung erhalten, die einen praktischen Teil beinhaltet und in dem sie nicht als günstige Arbeitskräfte eingesetzt sind, sondern doppelt gesteckt sind, damit sie angeleitet werden können oder damit sie eigene Erfahrungen machen und Rückmeldungen erhalten oder die Lehrkraft ihnen den Rücken freihält und sich zu Beginn selbst noch um bestimmte Schüler:innen kümmert,

    aber vor allem eines, in dem Lehrkräfte nicht mit Aufgaben und Anforderungen zugeschüttet werden, sondern Zeit dafür erhalten, alles das, was gefordert wird, in einer angemessenen Arbeitszeit, die erhoben und vergütet wird, professionell machen zu können.

    Dazu gehört auch, dass Lehrkräfte die Schuhe, die ihnen laufend zur Anprobe gereicht werden, ablehnen und weiterreichen:
    Bitte, Herr Professor, ziehen Sie sich doch selbst mal den Schuh an. Und wenn er nicht passt, kritisieren Sie zuerst sich selbst angesichts Ihres eigenen Unvermögens, bevor Sie es den werdenden oder bestehenden Lehrkräften anlasten.
    Danach fragen Sie doch bitte im Ministerium nach, wem der Schuh dort passen könnte.
    Wir Lehrkräfte haben für solche Spielchen keine Zeit und keine Kraft übrig.

  15. Jetzt sind wir also nicht nur arbeitsscheu und zu empfindlich, weil wir Arbeitsschutz haben und nicht bei offenen Fenstern frieren wollen. Jetzt sind wir auch noch fast zur Hälfte unfähig. Das heisst also: Eigentlich hätten 40% lieber einen anderen Beruf ergreifen sollen, also hätten wir dann 40% weniger Lehrkräfte.
    In diesem Sinne: Ich empfehle den Beruf auch nicht weiter, sondern warne jeden Abiturienten in meinem Umfeld davor, Lehramt zu studieren.

    • Das mache ich auch mittlerweile! Wer Lehrer wird ist grundsätzlich faul, hat kein Interesse zu unterrichten, verweigert ohnehin die komplette Arbeit und ist jetzt auch noch unfähig. Willkommen in Deutschland.

      Wenn manche Eltern meinen ihre Kinder seien so tolle Lerner, nur weil sie Saxophon spielen können, liegt es wohl am Lehrer, der sie nicht unterrichten kann, wenn der Nachwuchs in der Schule scheitert. Beschließt dann eine komplette Klassenkonferenz evtl. Maßnahmen oder empfiehlt einen Zweigwechsel, dann hat man gerade Pech gehabt, weil alle Lehrer, welche das eigene Kind unterrichten, wohl zu den 40% gehören müssen.

      In anderen Ländern läuft es auch viel besser, weil Lehrer ein gewisses Ansehen in der Gesellschaft haben.
      Ich finde es so traurig, wie sich die Bildung in Deutschland entwickelt.

      Als Lehrer bleibt einem nur noch Resignation. Dann tun wir eben das was die Gesellschaft über uns denkt. Dann würden wir wenigstens die ganzen Unverschämtheiten verdienen.

      Bitte, macht alle nur noch Dienst nach Vorschrift. Das System muss mal ordentlich an die Wand gefahren werden, denn im Moment sieht keine Sau, dass es Lehrerinnen und Lehrer sind, die das System noch aufrechterhalten.
      Es ist ohnehin unvermeidbar.

  16. In keinem Artikel zu diesem Thema lese ich, woher die 40 Prozent stammen. Das finde ich unseriös. Es ist, als ob die gesamte Medienlandschaft auf einen (verspäteten) April-Scherz heringefallen ist.

  17. Der Päd.prof. stolpert über Mails im Stil von „Hallo, rufen Sie mich an. MfG“?
    Gut dass er kein Lehrer geworden ist. Er wäre womöglich für 40% seines Berufes nicht geeignet.

  18. Vor 30 und mehr Jahren haben Studenten bereits „gefordert“/vorgeschlagen, man solle die Ausbildung für Lehrer verändern: mehr und frühere Praxis, Vorpraktika, die den Namen verdienen (nicht drei Wochen hinten sitzen und gucken, sondern vielleicht ein soziales Jahr o.ä.), Pädagogik nicht nur als Literaturstudium, sondern in der Praxis, um sich selbst zu erproben.
    Woran scheiterte das damals?
    M.E. daran, dass die Ausbilder in der Uni eben selbst nicht aus der Schule kamen oder nicht mehr zurück in die Schule wollten oder vollkommen veraltete Vorstellungen hatten – damals waren die Professoren und andere Lehrer an der Uni zu einer Zeit selbst in die Schule gegangen, als man Oberstufenschüler und Studenten noch zum Kriegsdienst einzog, Notabitur gemacht wurde oder, die jüngeren unter ihnen, auf der einen oder anderen Seite der 68er-Bewegung stand und dies auch gerne kundtat.
    All das war Grundlage für unsere Ausbildung – wenn man das überhaupt so nennen kann.
    Wir waren alle nicht auf das vorbereitet, was die Gesellschaft in den letzten 30 Jahren Schule aufgebrummt hat, was in dieser Zeit auf Kinder einströmte, wie schnell sich die Welt in jeder hinsicht ändert.
    Ja, es ist richtig, junge Kollegen kommen mit schlechter Vorbereitung an die Schulen. Das war bei uns auch schon so. Sie kommen auch mit falschen Vorstellungen (mit Vorzug für das Gymnasiallehramt, weil es dann mehr Geld und mehr Anerkennung gibt).
    Noch immer kommen die meisten angehenden Lehrer selbst aus Akademikerfamilien, haben ihr Abitur am Gymnasium abgelegt, könenn sich vor allem diese Welt vorstellen und sind damit oftmals fern der Realität ihrer Schüler an Brennpunktschulen oder einfach auch nur an ganz normalen „Schulen des gemeinsamen Lernens“ – und das sind die, die heute die früheren Hauptschulen und die Schulen benachteiligter Stadtteile ersetzen.

    Was also ändern?
    Gesellschaft muss Schule und Lehrerausbildung verändern.
    – bessere Bedingungen in Schule für die Kinder, aber auch um bessere Lehrerausbildung erst möglich zu machen
    – Pflichtpraxis vor dem Studium für mindestens ein komplettes Schuljahr
    – Durchlässigkeit zwischen Schule und Universität für Lehrende, Kooperationen, die ihren Namen verdienen
    – eine gemeinsame Anstrengung der Gesellschaft hin zu einer Schule, wie sie den Bedürfnissen der Kinder unter ihren heutigen Lebensbedigungen (auch weil sie oft Teile der häuslichen Erziehung ersetzen muss) und Anforderungen der Zukunft gerecht wird

    Ohne Geld braucht man aber gar nicht damit anfangen!
    Sonst bleibt alles weiterhin an für ihre tatsächlichen Aufgaben nicht ausgebildeten, nicht gefassten, dann irgendwann mit ihrem eigenen Ideal überforderten Lehrern hängen, die oft lange versuchen, Unmögliches aus eigener Kraft und oftmals gegen die Mühlen des Zeittrends und der Politik zu erschaffen und am Ende einfach nicht mehr können!

    Was will die Gesellschaft von und mit Schule!
    Das ist m.E. die entscheidende Frage.
    Ob ein angehender Lehrer dann geeignet ist, könnte ein gutes System viel besser auffangen.
    Menschen reifen an ihren Aufgaben, Lehrer können gute Lehrer werden, auch diejenigen, denen keiner das zutraute – das geht aber nicht, wenn das System an sich nicht stimmig ist.

  19. Wie in jedem anderen Beruf auch, lernt man durch den Praxisalltag dazu.
    Ein junger Lehrer im ersten Berufsjahr kann gar nicht das pädagogische Wissen und Repertoire haben, das jemand nach zehn Berufsjahren mitbringt. Daher lässt sich nach Abschluss des Studiums auch nicht sagen, ob jemand ungeeignet ist. Dieser Prof rät dringend benötigten und engagierten Leuten von ihrem Traumberuf ab, die nach ein paar Jahren Berufserfahrung und nützlichen Erfahrungen bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder tolle Lehrer geworden wären. Die Forderung, dass ein Lehrer nach Abschluss des Studiums „fertig“ und perfekt sein soll, ist völlig unrealistisch.

  20. Ich würde erst einmal fragen, ob ein Pädagogik-Professor überhaupt in der Lage ist zu beurteilen wer ein „guter Lehrer“ ist? Als ich noch im Studium war haben wir unseren Fachdidaktik-Prof. mal gefragt wie viele Stunden er in seinem Leben wirklich selber in der Schulform, für die wir ausgebildet wurden, unterrichtet hätte. Seine Antwort lautete: „36 Stunden in diversen Lehrversuchen“
    Danach war für uns klar, daß er keine Ahnung vom Alltag hat, zumal die Klassen für die entsprechenden Lehrversuche ja doch eher handverlesen sein dürften.

    So einen Prof. nehme ich erst ernst, wenn er 3 Jahre an einer Brennpunkt-Schule in Duisburg Marxloh überstanden hat und zwar ohne das die anderen Beteiligten wissen, daß er Professor ist. Entsprechend gibt es auch für ihn keine Sonderbehandlung.

    Ähnlich ist es beim Studienseminar für die Referendare. Dahin kommen doch nicht die fähigsten Lehrer als Ausbilder. Dahin werden solche Lehrer weggelobt, die man nicht mehr auf Schüler loslassen kann.

  21. Ach, nee – wieder einmal, nicht schon wieder!

    Derartige „Grundsatzdebatten“ ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt lostreten zu wollen, kommt wirklich völlig zur Unzeit!

    Wir haben in Pandemiezeiten, weiß Gott, doch ganz andere, viel trivialere, „Baustellen“.
    Ein (oft realitätsferner) Blick aus dem Elfenbeinturm hilft da jetzt nicht weiter.

    (Exkurs: Auch unter Medizinern gibt’s ja leider auch fachwissenschaftliche Koryphäen, die sich im Kontakt mit PatientInnen als „Halbgötter in Weiß“ gerieren, und deren gezeigte Arroganz an Berufsethos – und damit letztlich Berufseignung – doch auch sehr zweifeln lässt.)

    Es herrscht doch Lehrermangel in manchen Bereichen!
    Händeringend werden in der Not also oft auch Quereinsteiger eingestellt.

    Dies mit einem „Mentor“ an der Schule an der Seite:
    LehrerkollegIn, die den „absoluten Neuling an der schulpädadogischen Front“ in der Praxis, so nebenbei, neben dem eigenen fachunterrichtlichen Deputat und sonstigen Dienstpflichten, natürlich unbezahlt, unter ihre Fittiche nehmen darf – und im Turbo-Schnellgang durch „learning by doing“ das „überlebenswichtigste Rüstzeug“, unmittelbar verzahnt mit der Unterrichtspraxis, vorlebt und zu vermitteln versucht.

    Ich habe das selbst oft getan, sehr gerne sogar, da ich sonst auch PraktikantInnen und ReferendarInnen an der Schule „mit ausgebildet“ habe.

    Mancher Quereinsteiger, z.B. aus dem universitären akademischen Mittelbau, hat das Gymnasium nach nur einem Schuljahr fluchtartig, völlig ernüchtert und desillusioniert, verlassen.

    Machmal ist diese „Lehrerausbildung“ ja wirklich zielführend, denn es gibt ja auch „pädagogische Naturtalente“ unter den Quereinsteigern, die es schaffen, ihre (wohl doch meist vorhandenen) fachwissenschaftlichen Kenntnisse auf die jeweiligen SchülerInnen-Zielgruppen runterzubrechen, einen Draht zu den (auch pubertären) jungen Menschen haben und sie mit viel Freude unterrichten.

    Mein Fazit, gegründet auf Erfahrungen vieler Jahrzehnte:
    als LehrerIn wird man geboren, durch Studium und Unterrichtspraxis wächst man (nur)weiter – durch die sich stets verändernden Herausforderungen. Man lernt ständig, lebenslang, dazu.
    Ich meine, es ist aber auch Berufung – wenn man mit Erfüllung diesem Beruf nachgeht.

    Ob man die Anlagen bei AspirantInnen, BewerberInnen im Vorfeld schon erkennen kann???

  22. Ich bin froh, wenn überhaupt Lehrer auf die Schüler “losgelassen” werden. Vieles kann erarbeitet werden, wenn der Kandidat den Beruf wirklich mag und WENN Zeit dafür auch bereitgestellt wird.
    Aber man verheizt hier auch frühzeitig (Quereinsteiger und co), die ins kalte Wasser geworfen werden und einfach zu funktionieren haben. KuK haben oft selbst nicht die Zeit, die Neulinge einzuarbeiten und zu begleiten, auch wenn diese Neulinge wirklich gute Potential aufweisen.

    Auch wenn jetzt massiv Werbung für den Beruf Lehrer gemacht würde, kämen die ersten dadurch erst in vielleicht 8 Jahren in den Schulen an.

    Und wie oben erwähnt: worauf basieren die 40%. Alle Quereinsteiger, mit denen ich Kontakt hatte machten ihren Job weitestgehend gut. Einige der Lehramtstudierten sind dagegen oft um einiges schlechter. Würde ich beide vergleichen, käme ich zum Ergebnis, dass die Quereinsteiger nach der begleitenden Ausbildung im Schnitt besser waren, als die grundständig studierten. Wobei man dazu sagen muss, dass der Altersdurchschnitt sehr hoch bei den KuK gegenüber den Quereinsteigern ist und die Motivation bei einigen ziemlich in den Seilen hängt.

  23. Bei all den Erfahrungsberichten, Nachfragen,… u diesem Thema stellt sich mir eine Frage: Was macht einen guten Lehrer aus? Ist es nicht so, dass jeder diese Frage anders beantwortet und jede Klasse eigentlich individuell andere Eigenschaften eines Lehrers benötigt?

    Bevor man einen Lehrer als geeignet oder ungeeignet einstuft, müsste man vorher doch festlegen, welche Faktoren zur Einschätzung herangezogen werden?!

    Mich würde interessieren, wie viele ehemalige Studenten Herr Seibert nach Jahren oder Jahrzehnten im Unterricht besucht hat? Wie kam seine Einschätzung zustande? Meine Ausbilder am Seminar haben Unterrichtstunden auch nicht perfekt hinbekommen, als wir um Schaustunden baten. Inhalte wurden falsch vermittelt, im Gegensatz zum Studium.

  24. Heute kann ich sagen, dass alle meine Lehrer geeignet waren. Sonst wäre ich heute nicht erfolgreich. Ich hatte Langweiler, infantile Dauerbespaßer, überforderte Muttis im Nebenerwerb, Alt68er, Stinkstiefel und andere Charakterköpfe. Es hat mich gelehrt mit vielen verschieden Persönlichkeiten umzugehen und meine Lehrer waren noch Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Mit einigen habe ich noch Kontakt. Heute sind Lehrer vermutlich ähnlich stromlinienförmig, wendig und glatt wie die jüngeren Kollegen in meinem Beruf.
    Woraus schließt ein Professor im Elfenbeinturm auf die mangelnde Qualität der Lehrer?
    Unsere Kinder mögen ihre Lehrer und verstehen es nicht, warum dieser Berufsstand immer wieder kritisiert wird.

    • Ganz meine Meinung, xy. Wenn die Professoren in ihrer wissenschaftlichen Euphorie übersehen was Sie angesprochen haben, dann sollten sie doch Roboter statt menschliche Lehrer fordern, somit wäre ihren Vorgaben Genüge getan. Auch Lehrer sind Individuen, ganau so wie die Schüler, und das eröffnet immense Möglichkeiten, die Sozialkompetenz zu entfalten, auch fürs spätere Leben. Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass Studenten im Lehramtsstudium mit dem Beruf konfrontiert werden sollten (und zwar verbindlich mit allen Aufgaben), um sich selbst eine Meinung zu bilden, ob sie das weiter verfolgen wollen. Ich würde sogar noch vor Antritt einer Planstelle ein praktisches Berufsjahr in der freien Wirtschaft verpflichtend machen, das wirkt Wunder in Bezug auf die innere Einstellung zum Beruf und zu den Schülern. Es sit immer wieder zu beobachten, dass, vor allem im Gymnasialbereich, etliche Lehrer Koryphäen in ihrem Fachbereich sind, aber dies auch leider Proirität besitzt und der Fokus nicht auf Schülerbelange gelegt wird.

      • „Wenn die Professoren in ihrer wissenschaftlichen Euphorie übersehen was Sie angesprochen haben, dann sollten sie doch Roboter statt menschliche Lehrer fordern, somit wäre ihren Vorgaben Genüge getan.“

        Ich gehe davon aus, dass dies lediglich eine Kostenfrage sein wird. Die starke KI ist auf dem Weg. Also nicht ärgern über Eignungstests von Menschen, die nur eine Seite der Medaille betrachten. Letztlich geht es nur noch darum, die Algorithmen mit Daten zu versorgen. Wenn es soweit ist, trennt sich eh die Streu vom Weizen …

        Dieser Weg wurde ja schon sichtbar, als die pädagogischen Hochschulen in der Breite geschlossen wurden.

        Übrigens fällt mit Robotern dann auch nicht mehr auf, dass 40 % der Lehramtsstudierenden in Deutschland nicht medienaffin sind und die meisten Hochschullehr*innen auch nicht viel dagegen tun …

        • Liebe Susi,
          Sie können hier nicht Hochschulen, in denen die Studenten schon eine gewisse Bildungsreife haben, nicht mit anderen Schulen vergleichen, von der Grundschule bis zur weiterführenden Bildung. Schule ist nicht nur Daten und Fakten eingetrichtert bekommen, da macht Ihre Einstellung regelrecht Angst, denn da bleibt das Wichtigste im Leben auf der Strecke: Sozialkompetenz. Man sieht jetzt schon im Zuge der Digitalisierung und der Abhängigkeit von digitalen/und sog. sozialen Medien die De-Empathisierung (Neologismus meinerseits) der Menschen, die mir keineswegs zusagt. Und ich kenne keinen Kollegen, der nicht mit den Medien umgehen kann, jeder nach seiner Überzeugung, das macht ja Unterricht oft spannend und abwechslungsreich. Aber Lehrer sind auch keine Computerexperten, wie oft verlangt wird, die den ganzen Tag damit verbringen, die sich immer ändernden Feinheiten des Computerlebens einzuverleiben. Die Hauptarbeit ist immer noch Unterricht mit allen seinen Nebenerscheinungen, und da gehört eine gehörige Portion menschliches Einfühlvermögen dazu, und kein einprogrammiertes „ich hab euch alle lieb“ Geträller. Ich bin nun schon sehr lange im Lehramt und frage mich oft, wie wir das früher alles ohne Medien geschafft haben, und die Schüler waren auch nicht ungebildeter. Aber die Vorbereitung auf den Unterricht erforderte wesentlich weniger Kraft und Zeit, aus Gründen, die sicher bekannt sind.

          • Wenn (kleine) Menschen nicht mehr durch Menschen sondern durch digitale Medien und KI erzogen werden, wo bleibt da die Beziehung? Wo die Empathie, wo die Sozialkompetenz?
            So eine LK aus Fleisch und Blut kann man mögen oder auch mal ablehnen, auf jeden Fall setzt man sich auseinander!

            Was ist der Unterschied, wenn eine künstliche Intelligenz den 4.Klässlern das Unterrichtsthema bekannt gibt: „Schleswig-Holstein, ein Geschenk der Eiszeit“ ,
            oder wenn der Lehrer die steile These in den Raum wirft: „Wir alle, du, du und, ja, auch du, leben auf einem Müllberg! Eigentlich müssten wir alle mit einer Taucherausrüstung in der Klasse sitzen!“
            Genau! Aufmerksamkeit, Erstaunen, Interesse! „Was sagt die da für einen Mist?“ Auseinandersetzen!
            Das unterscheidet einen Lehrer von einem Roboter!

        • @Susi

          „Wenn es soweit ist, trennt sich eh die Streu vom Weizen …“

          Soso …
          „trennt sich eh die Spreu vom Weizen …“, oder?

          Sollte das lediglich ein Tippfehler von Ihnen gewesen sein:
          – Ja, das ist uns allen schon passiert.
          – Nein, KI würde das wohl nicht passiert sein.
          😉

          Früher wurde der Weizen ja noch per Hand gedroschen, aber der Knecht oder Tagelöhner wusste trotzdem was er wovon trennt – eben die Spreu (!) vom Weizen.
          Die Redensart bedeutet, man muss Gutes von Schlechtem trennen.
          Mit „Streu“ hat das also so gar nichts zu tun. („Streu“ wird auch das Pflanzenmaterial genannt, welches im Rahmen der Einstreu für Viehställe genutzt wird. Also ein billiges Material! … Benutzen und entsorgen.)
          Und ich bin der Ansicht, solange wir hier noch über Menschen reden (Gerüchte besagen immer wieder, dass sogar Leherer Menschen seien!), ist diese „gut – schlecht“-Polarisierung nicht hilfreich. (Ebenso verhält es sich bei SuS, Eltern, anderen Berufsgruppen.)

          Menschen sind kein Material (Streu), schon gar kein billiges.
          Insofern hat Ihr Tippfehler doch noch etwas Gutes, denn er verweist auf diese total kaputte Denkweise, die in den letzten drei Jahrzehnten ganz massiv und immer schneller zu dem jetzigen Status quo unserer Gesellschaft geführt hat. (Angefangen hat das aber schon gegen Ende der 70er Jahre im Arbeitsleben der Erwachsenen, als sich die Unternehmenskultur immer stärker zur Profitorientierung gewandelt hat, mittlerweile kennt sie keine andere Zielsetzung mehr.)

          Und ob das (nicht das mit der Spreu, sondern das mit der KI) wirklich sinnvoll wäre, im Hinblick auf einen sozialen Beruf?
          Liebe @Susi, fragen sie doch einfach mal die Kinder, ob die wirklich von morgens bis abends digital bespasst werden wollen …
          Erinnern Sie die Artikel der letzten Monate? Die mit den (angeblich?) negativen Folgen des Distanzunterrichts, denn dieser war ja eben digital – obwohl da am anderen Ende immer noch erkennbar ein Mensch war, sogar ein bekannter Mensch (= bekannter Lehrer).
          Die meisten Kinder wollen das nicht als „entweder – oder“-Lösung, und ausschließlich mit KI „arbeiten“? (… genau so wenig, wie sich die meisten Erwachsenen vorstellen können, in einigen Jahren/Jahrzehnten von KI „gepflegt“ zu werden.)

          „Übrigens fällt mit Robotern dann auch nicht mehr auf, dass 40 % der Lehramtsstudierenden in Deutschland nicht medienaffin sind und die meisten Hochschullehr*innen auch nicht viel dagegen tun …“
          Da sind Menschen, die mit Menschen bzw. „am“ Menschen arbeiten wollen! Ich finde daran nichts Schlimmes, im Gegenteil.
          Ich bin mir auch nicht sicher, ob es dazu um jeden Preis KI braucht. Wie ist die Menschheit in solchen sozialen Berufen denn seit Jahrhunderten ohne KI zurechtgekommen? Waren alle Generationen bisher (ohne KI) total „lost“?

          Vielleicht sollten wir die Hoffnung auf „Heilung“ der dahinsiechenden Bildungslandschaft nicht zu sehr an KI binden?
          Ich frage mich durchaus, wie die sozialen Probleme (, die auch schon VOR Corona sichtbar waren, wenn man genau hingesehen hat,) ausgerechnet von KI oder auch nur mit Unterstützung von KI beseitigt werden sollen.

  25. Das ist das Problem wenn Lehrer nicht mehr Lehrer sein dürfen, sondern das Sprachrohr des Staates spielen sollen.
    Wenn Lehrer genormten Unterricht in die Köpfe der Kinder prügeln sollen. Lehrer werden gezwungen Kinder und Jugendliche in eine gewisse DIN Form, die unser Staat vorgibt, reinzupressen. Individualismus wird strategisch klein gehalten. Ausnahmen natürlich bei echten, freien privatschulen, die Kinder fördern wollen, aber solche gibt es kaum und sind für den Durchschnitt auch nicht erreichbar, finanziell jedenfalls.
    Ich konnte in den letzten 30 Jahren ein Downgrade der Schulen miterleben, da wird es mir ehrlich ganz schlecht.
    Erinnert sich jemand als die genormten Prüfungen eingeführt wurden, so 2007 rum war das glaub ich? Mitten im Schuljahr? Es gibt einen gesamten Jahrgang der komplett sabotiert wurde, nur weil unser dummdämlicher Staat dachte dass man keinen individuellen Unterricht mehr fördern darf. Sei ein genormten Mensch, dass ist die Aussage dieses Staates, und leider haben das nicht so viele verstanden bis jetzt.
    Es sind nicht dur die Lehrer die teils unqualifiziert sind, es ist auch der simple Faktor, dass man seit 15 Jahren minimum nicht mehr Lehrer sein darf. Also kein lehrender, die sollen nur noch spezifisches wissen, was der Staat vorgibt, reinklöpeln und jeder der von der norm abweicht (Lehrer sowohl Schüler), wird gerne abgeschrieben, als wertlos fast schon. Umerziehung ist hier das Schlüsselwort.
    Das was die Amis angefangen haben bei uns, macht der Staat jetzt selber, nur auf einem noch wiederlichen Level.

  26. Bitte mal die Grundschullehrer/innen besser bzw. fairerweise auch mit E13/A13 bezahlen. Dann entscheiden sich mehr Leute für den Job. Für einen schlechten Akademikerlohn bekommt man strukturell eben auch nicht „die Besten“. So ist das eben.

    • Frau Wagenknecht spricht in ihrem neuen Buch „Die Selbstgerechten“ ausdrücklich von einer neuen „akademischen Unterschicht“, die kaum Chancen hat, in die „akademische Mittelschicht“ aufzusteigen. Damit meint sie aber nicht Lehrer, die nach E12/A12 bezahlt werden, sondern primär solche mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen in Projekten, z.T. nur mit halber Stelle und ohne Aussicht auf eine Dauerbeschäftigung oder einfach unter der akademischen Qualifikation. Dazu gehören dann auch die promovierten Taxifahrer, aber nicht nur. Eine Inflation von Abituren und Bachelor-Abschlüssen produziert sowas nahezu zwangsläufig, jedenfalls bei Wahl von „falschen“ (weil scheinbar bequemen) Studienrichtungen. Dagegen werden Studienrichtungen mit einer relativ guten beruflichen Perspektive (z. B. Ingenieure) gemieden. Und das Lehrerdasein eben auch. Das scheint kein Problem der Differenz zwischen A12 und A13 zu sein, es ist grundsätzlicher.

  27. Herr Prof. Seibert kann ich leider nicht ernst nehmen, denn er zeigt praktisch, dass er a) keine Ahnung vom Schulwesen hat und b) seine Gedanken nicht zu Ende denkt.

    1.) Bezieht seine Argumentation auf die Höhe der Abbrecherquote im Lehramtsstudium. Wenn er Recht hat, bleiben doch aber gerade die nicht geeigneten Studenten als zukünftige Lehrer erspart: Problem gelöst.

    2.) Redet er davon, dass „So verbeamte der Staat aufgrund des Lehrermangels Absolventen der Lehrämter Grund- und Mittelschule sicher – egal mit welchem Notendurchschnitt sie bestehen“.

    a) Die Stellen werden nach Anzahl der offenen Stellen und der Anzahl der Bewerber besetzt. Gäbe es bessere Bewerber, dann würden die auch genommen und die schlechteren Bewerber würden in die Röhre schauen (und das sogar noch weit vor der Verbeamtung). Also sind die „egal mit welchem Notendurchschnitt“ bereits besten Bewerber.

    b) Hinzu kommt, dass die besten Durchschnittsnoten sich von Fach zu Fach unterscheiden oder möchte der Herr Prof. zukünftig Deutschlehrer gegen Physiklehrer antreten lassen? Wieviele Semester Physik hat eigentlich der Herr Professor studiert, um die „guten Noten“ bewerten zu können?

    c) Für die Verbeamtung spielen die Durchschnittsnoten des Studiums nur insoweit eine Rolle, dass die offenen Stellen besetzt werden. Wichtiger sind dann die Noten des Referendariats (und selbst da spielt nur das Bestehen eine Rolle) und vor Allem das Bestehen und die Noten der Probezeit – alles Dinge die sich dem Einflussbereich Herrn Professor entziehen oder anders ausgedrückt: die praktische Phase der Lehramtsausbildung zeigt, ob der Lehrer als Lehrer geeignet ist (blenden wir da einmal etwaige soziopathische Seminarleiter aus).

    d) Gehen wir doch noch einen Schritt weiter und überlegen uns welche Folgen es hätte, wenn man Prof. Seiberts Gedanken „es dürfe nicht sein, dass ‚mittelmäßige‘ Lehrer verbeamtet werden“ umgesetzt werden würden:
    – Da sagt der Fahrschulprüfer zum Fahrschüler: Sie haben die Fahrprüfung bestanden, aber die Erlaubnis ein Auto zu fahren bekommen Sie trotzdem nicht.
    – Oder der Polizist hält einen Fahrzeugführer an und beschlagnahmt einfach den Führerschein, obwohl dieser gar nicht so zu schnell gewesen ist.

    Conclusio: man könnte sich überhaupt nicht mehr auf die Verbindlichkeiten eines Abschlusses und des Rechts (Es gilt, dass…) verlassen und alles wäre der Willkür überlassen. Vielleicht nützt dir die Arbeit, die du ins Studium und Referendariat und Probezeit investiert hast, vielleicht aber auch nicht… das würfeln wir noch aus.

    Wer soll denn da noch Lehrer werden, insbesondere in den Fächern, die ohnehin als besonders schwer und als Mangelfächer gelten (, aber welches Fach gilt heutzutage nicht als ein Solches)? Eigentlich sollte ein Prof. so intelligent sein, zu wissen, dass man als Akademiker relativ leicht eine Stelle, außerhalb des Schuldienstes, findet, in dem man genauso viel netto verdient, wie als nicht verbeamteter Lehrer (E13 Stufe 1 ~ 2500 €; das liegt sogar unter dem Durchschnitt aller Gehälter[4] (inkl. denen ohne akademischen Abschluss)) (insbesondere im MINT-Bereich).

    e) Inwieweit hat sich Herr Seibert mit den tatsächlichen Gründen eines Studienabbruchs beschäftigt? Laut meines Wissensstandes gibt es in Deutschland nur eine Universität, die daran forscht und das ist die Universität Rostock. Der dafür verantwortliche Prof. Radisch, so könnte man es interpretieren, widerspricht Prof. Seibert bei der Begründung[1][2].

    f) Was ist denn überhaupt der Alternativvorschlag des Herrn Prof. Seibert? Findet er es für die Schüler gewinnbringender, wenn es in bestimmten Fächern gar keinen Unterricht gibt als von „mittelmäßigen“ Fachlehrern oder glaubt er wirklich, dass ein sehr gut benoteter Deutschlehrer besser Chemie unterrichten kann als ein „mittelmäßiger“ Chemielehrer?

    3.) Weiter würde ich ja gerne mal von dem Prof. wissen, wie unabhängig seine Wahrnehmung überhaupt ist, denn er verdient ja gerade sein Geld damit, dass er Studenten vom Lehramtsstudium abrät[3].

    1) https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/83-prozent-der-studenten-brechen-lehramts-studium-ab-1942109401.html

    2) https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/jeder-zweite-lehramtsstudent-im-land-bricht-ausbildung-ab-0626996102.html

    3) https://www.youtube.com/watch?v=LhYczf2CLsM

    4) https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article231032145/Durchschnittsgehalt-Deutschland-So-sind-die-Gehaelter-und-Einkommen.html

    • @Pausenaufsicht

      „Verbeamtung erst nach 15 Jahren im Dienst!“

      Hey cooooool!
      Mehr Willkür wagen!
      Also: Warum nicht einfach „Verbeamtung erst nach 100 Jahren im Dienst!“ ???
      (Ich wollte auch mal so richtig 😉 witzig sein. Bei den Aspekten „Beurteilungen“ und „bestandener Gesundheitsprüfung“ hätten Sie sich die Tipperei ohnehin sparen können.)

    • Und was passiert mit den Rentenansprüchen aus den 15 Jahren bis zur Lebenszeitverbeamtung? Die Versorgungssysteme im Ruhestand passen nicht zusammen.

      Wer mit 19 Abi macht, 10 Semester studiert und 1,% Jahre im Vorbereitungsdienst ist, ist nach 15 Jahren über 40 Jahre alt. Die Altershöchstgrenze für die verbeamtung bei 38 Jahren bedeutet dann, es gibt keine verbeamteten Lehrkräfte mehr. – Gute Idee, wenn auch nicht komplett durchdacht.

    • „Verbeamtung erst nach 15 Jahren im Dienst! Bei entsprechenden Beurteilungen und bestandener Gesundheitsprüfung.“

      Wie wäre es mit: Es gibt gar keine Lehrer mehr und die Eltern sollen mal schön selbst klar kommen?!

  28. Also hier in RLP gibt es während den ersten Semestern immer Praktika an unterschiedlichen Schulformen und die Fachleiter im Referendariat waren sehr kompetent und alle auch noch im alltäglichen Unterricht eingesetzt.
    Es gab früh im Studium Rückmeldung, ob man geeignet ist oder nicht.
    Einige haben die Warnungen ignoriert und sind im Ref gescheitert.

    Das Problem ist, dass selbst ein Professor nicht gleichzeitig Regelschullehrer, Förderlehrer, Erzieher, Psychologe und Sekretär sein kann.
    Wenn die oben genannten Mails ihn schon irritieren, dann sollte er niemals in das Postfach eines echten Lehrers schauen. ‍♂️

  29. In Zeiten von allgemeinem Lehrermangel ist es natürlich eine wunderbare Idee, vor Beginn des Lehrerstudiums einen abschreckenden Eignungstest zu setzen. Das wird die Bereitschaft von mehr guten Abiturienten, ein Lehramtsstudium zu beginnen, ganz sicher erhöhen. 🙂

    • Mich würde interessieren, wie so ein Eignungstest aussieht!
      Wer für SEK2 geeignet ist, kann an der GS komplett scheitern, wie wir gerade bei einer Abordnung feststellen konnten.
      Eine andere SEK2 Lehrkraft, die aufgrund ihrer „unattraktiven“ Fächerkombination für 2 Jahre bei uns „geparkt“ wurde, kam super bei den Kleinen an, scheiterte aber am Gymnasium schon im ersten Jahr bei den Pubertierenden, die sie in einen Nervenzusammenbruch trieben!

      • Wichtiger dürfte sein, wie gut dieser Test dann eine zutreffende Vorhersage macht. Das ist wie bei den Corona-Tests, die ja auch nicht perfekt sind. Außerdem liegen zwischen Test und der beruflichen Praxis dann mindestens 7 Jahre, ein Test mit 18 soll also eine Vorhersage für das Alter von 25 plus machen.
        Merkwürdigerweise will niemand Tests für den Übergang der SuS aufs Gymnasium haben. Lieber schimpft man über die Ungerechtigkeit, die in subjektiven Lehrereinschätzungen liegen.

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