„Die bundeseinheitliche Schulcloud ist eine Utopie“: Studie der Telekom Stiftung fährt Karliczek (und der SPD) in die Parade

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BERLIN. Die Telekom Stiftung hat eine erste systematische Bestandsaufnahme schulischer Lernplattformen aller Bundesländer und von fünf Großstädten in Auftrag gegeben und jetzt veröffentlicht. Das Ergebnis: Die bundeseinheitliche Schulcloud, wie sie von der Bundesregierung angestrebt wird, ist eine Utopie. „Schulen brauchen weniger Bürokratie, dafür mehr IT-Support“, so heißt das Fazit – also auch keine Gängelung, welche Cloud sie gefälligst nutzen sollen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die HPI-Cloud vorangetrieben – mit Unterstützung der SPD. Foto: Jan Zappner / „re:publica 18 – Day 1“ by re:publica Campus #rpCampus is licensed under CC BY-SA 2.0

„Leistungsfähige digitale Infrastrukturen sind nur mit sehr vielen Nutzern effizient zu betreiben und auch in Zukunft auf dem aktuellsten Stand der Technik zu halten. Bei dezentralen Strukturen ist dies nur schwer zu gewährleisten und es hat bislang ja auch nicht funktioniert“, so behauptet Prof. Dr. Christoph Meinel, Dekan der Digital Engineering Fakultät an der Universität Potsdam – und gleichzeitig Geschäftsführer des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) für Digital Engineering, in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Unbefangen ist seine Expertise nicht: Das HPI hat im Auftrag der Bundesregierung für 20 Millionen Euro eine Schulcloud entwickelt, die bereits von Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen als jeweils eigene Plattform für die Schulen genutzt wird. Erklärtes Ziel der Politik: Daraus eine Bundescloud für alle Schulen in Deutschland zu machen.

„Neben der Infrastruktur brauchen wir auch eine bessere Koordinierung des Unterrichts selbst“

So schreibt die auch künftig wohl regierende SPD in ihrem Wahlprogramm: „Neben der Infrastruktur brauchen wir auch eine bessere Koordinierung des Unterrichts selbst. Wir brauchen Lehr- und Lernmaterialien für inklusive, ganzheitliche Bildung. Auf einer Open-Source-Plattform, die bereits durch den Digitalpakt beauftragt und finanziert ist, sollen künftig länderübergreifend Lehr- und Lernmaterialien und Unterrichtskonzepte für alle zugänglich sein: offen, dezentral, sicher und vernetzt.“ Klingt gut – hat aber einen Haken: Eine solche Bundescloud hat praktisch keine Chance, jemals Realität zu werden. Dies geht jedenfalls aus einem Gutachten hervor, das die Telekom Stiftung in Auftrag gegeben und nun veröffentlicht hat.

Chef der Telekom Stiftung ist niemand Geringeres als Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) – die die HPI-Cloud weiter vorangetrieben hat – damit in die Parade fährt. „Die Studie zeigt klar, dass die immer wieder geforderte bundeseinheitliche Schulcloud eine Utopie ist“, sagt de Maizière. Der Grund ist einfach: Es gibt längst gut funktionierende Lösungen, die von Schulen genutzt werden.

Eine Cloud, die alles kann

Das Schulnetzwerk der Zukunft kommt aus der Cloud und bietet Schulen unbegrenzte Möglichkeiten: MNSpro Cloud, die einzigartige Schul-IT-Management und -Lernplattform Lösung von AixConcept, bietet genau die technische Unterstützung, die Lernen weiterbringt und Lehrkräfte zeitlich nicht überfordert. Hunderte von Schulen bundesweit nutzen bereits die MNSpro Cloud.

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So heißt es in der Studie, die vom Institut für Informationsmanagement an der Universität Bremen (ifib) unter Leitung von Prof. Andreas Breiter erstellt wurde: „Eine bundesweit einheitliche Lösung ist nicht zu erwarten.“ Schon die Entscheidung darüber, welche Lösung für Schulen sinnvoll ist, könne zentral kaum sinnvoll getroffen werden. „Eine Bewertung im Hinblick auf die Eignung oder Nicht-Eignung eines spezifischen Produktes, einer Produktpalette oder eines Typs ist vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen nicht möglich und nicht sinnvoll.“

Denn es zeigten sich unterschiedliche Geschwindigkeiten, wie so oft in Prozessen der digitalen Transformation. Konkret: „Einige Bundesländer haben sich schon sehr früh um die Bereitstellung eines LMS-Angebots für ihre Schulen gekümmert (‚early adopters‘). Sie haben darauf die Fortbildungsangebote strukturiert und Zugänge zu digitalen Bildungsmedien geschaffen. Sie haben Vereinbarung mit den Personalräten getroffen, die zwingend notwendig, aber oftmals zeitaufwändig sind. Ein Wechsel käme für sie gar
nicht in Frage.“

Andere Bundesländer hätten sich bereits vor der Pandemie um die Entwicklung gekümmert und diese seitdem beschleunigt. „Wieder weitere Bundesländer haben die Pandemie zum Anlass genommen, den Schulen entsprechende Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen und können dabei auf Erfahrungen der anderen Bundesländer zurückgreifen bzw. haben sich zusammengeschlossen, um landesübergreifende Lösungen zu finden. In allen Bundesländern (bis auf Bremen) haben die Schulträger und ihre Schulen die Wahl, welche Lernplattform sie benutzen. Sie bieten teilweise eigene Dienste und LMS an.“ Daneben würden auch andere Lösungen toleriert.

„Eine einheitliche Nutzung der Landeslösung gelingt gegenwärtig nur mit einer Verpflichtung der Schulen“

Weiter heißt es: „Eine einheitliche Nutzung der Landeslösung gelingt gegenwärtig nur mit einer Verpflichtung der Schulen. Und hier könnte die zentrale Festlegung einer IT-Infrastruktur gegen die kommunale Selbstbestimmung und die Verantwortung der Kommunen für die äußeren Schulangelegenheiten verstoßen.“

Auch vor Ort würden sich Probleme ergeben: „Eine analoge Situation lässt sich auf der Ebene der Schulen herstellen, wo schulform- und fachspezifische Software erforderlich wird und in die lokale IT-Infrastruktur einzubinden sein muss. Eine zentrale Vorgabe eines Landes kann dabei auch mit der eigenen Philosophie zur eigenständigen Schule kollidieren, nach der die Entscheidungen möglichst auf Schulebene getroffenen werden sollen.“

Thomas de Maizière unterstreicht: Eine bundesweit einheitliche Schulcloud-Lösung für alle Schulen werde es wahrscheinlich nicht geben und sie sei auch nicht notwendig – vorausgesetzt, es gebe in Zukunft gemeinsame Standards und funktionierende Schnittstellen für alle bestehenden Systeme.

„Angesichts der längst bestehenden Vielfalt an Lernplattformen muss es vielmehr darum gehen, diese Systeme miteinander verbinden zu können“, so erklärt er. „Zusätzlich braucht jede Schule umfassenden IT-Support durch Experten. Und weniger Bürokratie: einfachere Vorgaben, weniger Dokumentationspflichten und effizientere Zuständigkeiten für einen rascheren Ausbau pädagogisch sinnvoller IT-Lösungen.“ News4teachers

Hier geht es zu der Studie.

Hinter den Zusammenbrüchen der Schulplattformen steckt ein Systemfehler: Ministerien als IT-Entwickler? Das kann nur scheitern

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18 KOMMENTARE

    • Genau deshalb sollten Lehrer sich auch ernsthaft überlegen, ihre Materialien in einer mehr oder weniger öffentlichen Cloud zu lagern. Urheberrechtsverletzungen sind auch ungewollt einfach möglich und darauf spezialisierte Abmahnanwälte gieren auf die Strafzahlungen.

      • Eine Urheberrechtsverletzung besteht auch wenn die geklauten Daten geschützt abgelegt werden. Bitte informieren Sie sich über diesen Sachverhalt. Oder sind Sie so naiv.
        Eine Straftat ist und bleibt eine Straftat, egal ob sie entdeckt wird oder nicht. Wobei durch die Digitalisierung gerade Urheberrechtsverletzungen mittlerweile seht gut zu verfolgen sind.
        Frei nach der Devise: Es ist alles erlaubt, man darf sich nur nicht erwischen lassen.

  1. In meinen Augen taugt die Studie nicht, um eine bundeseinheitliche Lernplattform abzuwerten. Die Begründung, manche Bundesländer seien schon so weit, dass hier eine bundeseinheitliche Lösung geschaffen werden könne, ist ein schwaches Argument. Es dürfte wesentlich schwieriger sein, Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Lernplattformen zu schaffen. Allem voran geht doch die Fragestellung, welche Lerninhalte künftig vermittelt werden. Dies muss bundesweit einheitlich festgelegt werden (mit „lokalen Fenstern“). Alles andere ist Eltern nicht vermittelbar, die eben nicht ihr ganzes Berufsleben an einem Ort zubringen und denen Mobilität abverlangt wird. Darauf aufsetzend muss dann eine einheitliche Lernplattform aus den Bestehenden weiterentwickelt werden. Der Vorteil liegt doch für alle Beteiligten auf der Hand. Egal ob Lernende, Lehrende und IT-ler müssen sich nicht mit unterschiedlichen Systemen auseinandersetzen. Inhalte können leichter geschaffen werden, ohne sich über Inkompatibilität Gedanken zu machen. Wir müssen das Rad nicht 16 Mal neu erfinden. Eine Lernplattform ist nichts Statisches und wird fortlaufend weiterentwickelt. Da ist es hanebüchener Unsinn zu sagen, dass manche schon so weit seien, dass sie sich da nicht mehr einklinken könnten.

    • Sehe ich ganz anders und muss der Stiftung zustimmen. Wir sind mit unserer Schule einer der Vorreiter und digital super aufgestellt. Ich kenne auch aus eigenen Tests die Plattformen HPI als auch die nun von uns in NRW vorgesetzte Plattform Logineo LMS. Es macht unsere Arbeit der letzten Jahre kaputt, wenn für uns nun ein Zwang entsteht. An manchen Stellen ist eine Migration möglich, da wir Moodle u.a. nutzen und diese Plattformen selbst darauf aufbauen. Nur hat sich unser Schwerpunkt mittlerweile auf private, kommerzielle Anbieter verlegt. Da wird man bei uns freiwillig nicht von abkehren. Wir haben Ferien und Wochenenden investiert, um uns und unsere Schüler sukzessive besser damit arbeiten zu lassen. Zudem widerspricht es der digitalen Welt Zwänge aufzubauen, anstatt Schnittstellen anzubieten. Jedes kommerziell erfolgreiche Produkt wirbt mit seiner Kompatibilität. Ich bin ganz bei ihnen im Punkt, dass man nicht 16 Mal das Rad neu erfinden muss. Es braucht aber auch gar keine solchen Plattformen. Es gibt genug kommerzielle Anbieter, die bessere Produkte haben und haben werden.

  2. Die Bundesländer sind reihenweise damit gescheitert, vernünftige Lernplattformen auf die Beine zu stellen – wie sich spätestens im Distanzunterricht gezeigt hat. Man erinnere sich nur an solche Pleiten wie „ella“ oder „logineo“. Funktioniert haben in der Krise nur die kommerziellen Lösungen. Aus kleinstaatlichen Lösungen nun eine großstaatliche machen zu wollen – und zu glauben, dass man damit auch nur eine halbwegs funktionsfähige Lösung hinbekommt -, ist arg naiv.

    Genaus naiv übrigens, wie zu glauben, dass das HPI uneigennützig an einer Bundesschulcloud herumbastelt. Wer ist denn der Namensgeber? Genau: Hasso Plattner, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von SAP.

  3. Uneigennützig ist kein Anbieter unterwegs. Das ist doch klar. Auch klar ist, dass die Vorreiter immer mehr Zeit investieren, als dann die große Masse. Ich glaube nur, dass es zu kurzsichtig ist zu sagen „wir sind jetzt schon so weit, wir können jetzt nicht mehr umschwenken“.

    Eine digitale Lernplattform ist ein sich immer weiterentwickelnder Prozess und nie etwas Statisches, Abgeschlossenes, das man erreichen kann und ab da tut sich dann die nächsten 20 Jahre nichts mehr. Die Vorreiter sollten ihre Erfahrungen einbringen und Anforderungen formulieren, die eine gemeinsame Plattform erfüllen soll. Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass man auf bestehenden, kommerziellen Angeboten aufsetzt, aber man sollte es abwägen. Man denke an die Betriebssysteme Windows, MacOS, Linux bei Notebooks und Android, iOS und Linux bei Smartphones. Wenn man selbst an die immer noch mehr als holprige Kompatibilität denkt, scheint eine gemeinsame, digitale (offene) Plattform mehr als sinnvoll, für die dann die unterschiedlichsten Module (Apps) entwickelt werden können. Nicht sinnvoll ist bei den Inhalten zumindest, dass man sich wieder in eine solche Abhängigkeit wie bei den Schulbuchverlagen begibt.

    • Keine „Abhängigkeit wie bei den Schulbuchverlagen“ – was soll das werden? Staatssoftware mit politisch beeinflussten Inhalten? Das wird ja lustig, wenn z. B. die AfD dann in Bundesländern die Bildungspolitik verantwortet, was ja nicht so abwegig ist.

      Oder Open Source-Software – die die Lehrkräfte für lau entwickeln dürfen, obendrauf zu ihren Unterrichtsverpflichtungen? Das ist keine „Utopie“, wie die Telekom Stiftung meint, das ist eine Dystopie.

        • Na, wer macht denn Open-Source-Materialien, mit denen kein Geld verdient werden kann, weil sie sich eben nicht vermarkten lassen? Die Kultusminister nach Feierabend?

          • Es geht um Open Source Software… Sowas wie Linux, Firefox, den VLC Media Player, Big Blue Button und Apache Server. Die können Sie ja auch nutzen, ohne je etwas etwas zum Code beigetragen zu haben.

            Open Source hat viele Vorteile.

          • Nein, es geht nicht nur Technik – es geht auch um Inhaltem sogenannte OER (Open Educational Ressources). Klar, Open Source und OER sind (vermeintlich) billig: kostet erst mal nichts. Ist deshalb geil für geizige Kultusminister. Die Folgekosten (aka Arbeitsaufwand, um das Zeug zu entwickeln und irgendwie nutzbar zu machen) müssen ja dann andere tragen.

  4. „Zusätzlich braucht jede Schule umfassenden IT-Support durch Experten.“
    Wunderbar, nichts leichter als das! Wo doch ohnehin das Geld knapp ist und die IT-Experten auch. Mit welcher Vergütungsgruppe sollen diese IT-Experten eigentlich bezahlt werden? E12 oder weniger? Diese Diskussion hier zeigt doch drastisch, wieviele Ressourcen allein in die digitale Technik fließen müssen (von den Inhalten von Lernsoftware ganz zu schweigen). Und der Ertrag davon? Irgendwo muss ja auf der anderen Seite auch was gekürzt werden. Ob das wirklich im Sinne der Bildung der SuS ist?
    Und was soll wohl die länderübergreifende „bessere Koordinierung des Unterrichts“ praktisch sein? Eine Art von Gleichschaltung? Und das soll dann der „inklusiven, ganzheitlichen Bildung“ dienen? Also ganzheitliche Bildung aus dem koordinierten Bundes-Einheits-Computer oder so ähnlich? Mich erinnert das eher an die Phrasendreschmaschine. Ich erinnere auch daran, dass die Länder sich nicht einmal auf einheitliche Mathematik-Lehrbücher einigen konnten. Die gibt’s für jedes Bundesland einzeln nach den Richtlinien der dortigen Bürokraten, und die ändern sich oft.

  5. Die Diskussion hier geht irgendwie etwas aneinander vorbei. Missverständnisse entstehen unbeabsichtigt oder beabsichtigt.
    Zu den Inhalten:

    1. Wir müssen doch bitte heute in der Lage sein, deutschlandweit festlegen zu können, welche Mathematik-Lehrbücher bzw. welche Inhalte in Mathematik zu vermitteln sind. Gleiches gilt auch für andere Fächer, wenn man an starren Unterrichtsfächern überhaupt festhalten will. Es geht hier in letzter Konsequenz auch um Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen. Wenn hier Keulen wie „Gleichschaltung“ herausgeholt werden, ist das absurd. Es sollten auch nicht die Politiker sein, die hier „Pflichtinhalte“ definieren. Wenn es jetzt Rahmenlehrpläne in den Bundesländern gibt, spricht auch keiner von Gleichschaltung. Und wenn man an den Einfluss der AFD denkt, ist das in manchen Bundesländern wohl eher ein Problem und könnte noch viel mehr eins werden, als auf der Bundesebene. Es geht um die Definition von Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schulzeit bei bestimmten Schulabschlüssen vermittelt bekommen und nicht um eine Durchdeklinierung jeder einzelnen Unterrichtsstunde.

    2. Die Lernplattform. Bei über acht Millionen Schülerinnen und Schülern wird man hier viel Geld investieren müssen. Ob nun in eine Eigenentwicklung oder in Angebote externen Dienstleister. Die Lernplattform für sich genommen, ist nicht mehr als ein Betriebssystem, an dem dann die einzelne Software andocken kann. Bei den Inhalten geht es nicht darum, Lehrende zusätzlich zu belasten, sondern die Möglichkeit zu bieten, dass man Wikipedia-ähnlich auch Inhalte auffindbar macht, die nicht nur von Schulbuchverlagen und ähnlichen Anbietern stammt. Während Corona sind tausende Lernvideos usw. entstanden.

    3. IT-Ausstattung in der Schule. Wer ein Schulnetzwerk auf Dauer funktionsfähig und auch gut betreiben will, wird nicht daran vorbeikommen, eine bestimmte Anzahl an IT-Kräften zu definieren, die sich um Netzwerk und Geräte kümmert. Das ist kein Selbstläufer und Bestandteil jedes Unternehmens. Hier ist dafür derzeit der Landkreis zuständig – mit insgesamt 6 Stellen. Dass das nicht klappen kann, brauche ich wohl keinem zu erläutern. Klar ist hier aber auch, wenn die Netzwerke an den Schulen und die genutzte Software einheitlich sind, müssen hier keine hoch professionellen Kräfte für jede Aufgabe engagiert werden. Man wird aber nicht daran vorbeikommen, dass es – wie in jeder Firma – Systemadministratoren gibt und Lehrende und Lernende keine uneingeschränkten Zugriffsrechte haben und alles nach Belieben einfach installieren können.

    4. Finanzierung. Die Bundesländer haben gemeinsam mit dem Bund innerhalb weniger Tage 30 Mrd. Euro für Fluthilfeopfer mobilisiert. Es kann also niemand sagen, dass es unmöglich ist, Gelder für die Bildung zu mobilisieren. Unser Hauptproblem ist doch derzeit, dass Kreis- und Stadtverwaltungen für Gebäude und Netze zuständig sind, hier größtenteils nur Geld ausgeben, das aus anderen Töpfen kommt. Das Land sorgt für die Lehrenden und der Bund ist eigentlich außen vor. Wenn Bundesfördermittel aufgelegt werden, winken die Länder sofort ab, wenn es um inhaltliche Vorgaben geht. Zudem sind Bundesmittel oft als Co-Finanzierungsmodelle angelegt, so dass auch das Land und / oder die Stadt / der Kreis einen Eigenanteil aufbringen muss. Auf diese Art ist es zumindest sehr schwer, das Ziel überhaupt erreichen zu können – zumal es ja nicht mal ein gemeinsames Ziel gibt. Man muss den Föderalismus ja nicht gleich abschaffen. Aber die Kultusministerkonferenz müsste gezwungen sein, sich in all diesen Themen mit Fristsetzung zu verständigen.

    • „Wikipedia-ähnlich“, genau das ist das Stichwort: Amateure und Lobbyisten basteln vermeintlich interessenlos am Wissen der Menschheit herum, das dann leider eine gewaltige Schlagseite bekommt: https://www.news4teachers.de/2021/10/maenner-weitgehend-unter-sich-wikipedia-leidet-unter-fehlender-diversitaet/

      Wie sagt Jan Böhmermann so schön? „An der neutralen Wissensplattform Wikipedia wird mehr herum manipuliert als am Haaransatz von Elon Musk“

      https://www.br.de/nachrichten/kultur/absolut-diskret-so-entlarvt-boehmermann-wikipedia-manipulationen,Shwtnez

      Hauptsache: Kostet nix. Das soll die Zukunft der Bildung sein?

      • Die Diversität bzw. die fehlende Neutralität ist in der Tat ein sehr großes Problem in der Wikipedia. Mit den Geschlechtern der Autoren hat das jedoch nur wenig bis nichts zu tun, eher mit der einseitig politischen Ausrichtung der Autoren, was Sie in den von Ihnen verlinkten Artikeln und den Links in den Kommentaren darunter lesen können.

        Der Artikel vom br ist im Übrigen auch nicht neutral, weil er von einer neutralen Wikipedia ausgeht. Anstelle von „Verfälschungen durch Rechtsextreme mussten rückgängig gemacht werden“ kann es auch „Links grünes fehlerhaftes Bild muss aufrecht erhalten werden“ lauten. Ganz falsch konnten die „Rechtsextremen“ angesichts des Eiertanzes der Grünen und Baerbock selbst nicht liegen, weshalb das schöne Bild von vor dem Änderungskrieg ebenso nicht ganz korrekt gewesen sein konnte. Die Wahrheit ist vermutlich irgendwo dazwischen.

      • Es geht nicht darum, dass es ausschließlich so ist, sondern dass es die Möglichkeit gibt. Warum sollten gute Inhalte, die von Lehrinnen und Lehrern z.B. für den eigenen Unterricht produziert und der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wurden nicht mit abrufbar sein? Das geschieht doch jetzt ohnehin schon ohne koordinierten Rahmen.

        • Sehr geehrter Alex,

          die Möglichkeit gibt es längst: Unsere Freunde und Partner von 4teachers bieten mit großem Erfolg seit vielen Jahren eine Austauschplattform, über die Lehrkräfte die Materialien von Kolleginnen und Kollegen gratis herunterladen können – dafür benötigt niemand eine staatliche Cloud.

          Gerne hier nachlesen: https://www.4teachers.de/?action=static&t=overview

          Herzliche Grüße
          Die Redaktion

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