Ramelow will Schüler jetzt doch vor Corona schützen – ein bisschen

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ERURT. Angesichts stark gestiegener Infektionszahlen bei jüngeren Thüringern sollen in allen Schulen nach den Herbstferien die Corona-Regeln der Warnstufe zwei gelten – mit Testangebot und Maskenpflicht im Unterricht für ältere Schüler. Darauf hat sich das Kabinett am Dienstag nach Beratungen geeinigt, wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz erklärte. Oberstes Ziel sei es, Bildung zu sichern, aber die Sicherheit von Schülern und Lehrern nicht aus dem Blick zu verlieren, betonte Ramelow.

Rudert zurück – ein bisschen: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Corona-Maßnahmen an Thüringer Schulen sind an die Warnstufen angepasst. Bisher gilt, dass in der Basisstufe an den Schulen keine anlasslosen Tests angeboten werden. In der Warnstufe eins gibt es ein Testangebot zweimal wöchentlich – ohne Konsequenzen für Ungetestete.

In der Warnstufe zwei müssen Tests zweimal pro Woche angeboten werden. Schüler, die weder geimpft, noch genesen und auch nicht getestet sind, müssen in Warnstufe zwei in separaten Lerngruppen unterrichtet werden.

Die neue Regelung soll nur bis zum 24. November gelten – danach ist offenbar alles egal

Außerdem gilt in Warnstufe zwei eine Maskenpflicht im Unterricht für ältere Schüler – ab der Sekundarstufe I. Ohne Test gilt die Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschüler im Unterricht. Nach Angaben eines Sprechers des Bildungsministeriums sollen die Regeln der Warnstufe zwei nach den Ferien auch in Landkreisen gelten, die in der Basisstufe sind.

Die neue Regelung soll vorerst mindestens vom 8. bis 24. November gelten, hieß es. Hintergrund für diese Terminierung ist ein Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Beendigung der Corona-Notlage in Deutschland. Spahn hatte sich dafür ausgesprochen, dass es nicht zu einer erneuten Verlängerung kommt. Damit würde die bundesweite Corona-Notlage offiziell am 25. November auslaufen.

Nach einer Entscheidung des Bundestages über die epidemische Notlage will auch das Kabinett in Thüringen neu über die Maßnahmen an Schulen entscheiden.

Das Kabinett befriedete mit dem Kompromiss vorerst einen Streit zwischen den drei Regierungspartnern Linke, SPD und Grünen, der seit Monaten teils unterschwellig, teils offen ausgetragen brodelte. Kritik kam immer wieder aus den Fraktionen von SPD und Grünen. Vor allem die SPD hatte darauf gedrungen, eine Testpflicht an Schulen einzuführen und hatte zuletzt zu dem Thema einen Koalitionsausschuss gefordert. Dieser sollte am Mittwoch tagen, nun ist er nach Angaben eines Regierungssprechers abgesagt.

„Solange die Tests nur ein Angebot bleiben, hinkt Thüringen weiter als einziges Bundesland hinterher“

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte: «Durch die zeitlich festgelegte Ausweitung der Warnstufe 2 auf alle Schulen im ganzen Land nach den Herbstferien greifen wir nun die Anliegen der Koalitionspartner adäquat auf.» Ihn stimme zuversichtlich, «dass sich die wissenschaftliche Erkenntnisbasis zu verdichten scheint, dass Kinder und Jugendliche nach wie vor kaum ernstzunehmende gesundheitliche Einschränkungen zu erwarten haben», erklärte Holter.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) betonte, sie sei froh, dass eine Lösung im Kabinett gefunden worden sei, wo sie hingehöre. «Das ist klassisches exekutives Handeln», sagte sie.

SPD-Chef und Innenminister Georg Maier regte an, weitere niedrigschwellige Impfangebote an Schulen – vor alllem bei älteren Schülern – zu machen.

Die Thüringer CDU-Fraktion warf der Landesregierung vor, «ihr Versagen und ihre Sturheit auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern» abzuladen. Den Schulen fehle das Personal für die Einrichtung von Extraklassen und -gruppen je nach Teststatus. «Dieser Formelkompromiss mag den Koalitionsfrieden retten, den Schülern und ihren Familien hilft er nicht. Solange die Tests nur ein Angebot bleiben, hinkt Thüringen weiter als einziges Bundesland hinterher, wenn es um die Sicherheit unserer Kinder und Jugendlichen geht», erklärte der bildungspolitische Sprecher der Thüringer CDU-Fraktion, Christian Tischner. dpa

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8 KOMMENTARE

  1. „In der Warnstufe zwei müssen Tests zweimal pro Woche angeboten werden. Schüler, die weder geimpft, noch genesen und auch nicht getestet sind, müssen in Warnstufe zwei in separaten Lerngruppen unterrichtet werden.“

    In Theorie, ja. In der Praxis ist es so, dass sich meine Schule bereits in Warnstufe 2 befindet und wir die ungetesteten Kinder nicht separieren können. Wo sollen die Räume und die Lehrer dafür herkommen? In der zu den Warnstufen zugehörigen Allgemeinverfügung heißt es „sofern es die räumlichen und personellen Bedingungen zulassen“. An welcher Schule soll das in Zeiten von Lehrermangel möglich sein?

    • Wie wäre es denn dann, als Schule wieder Wechselunterricht einzuführen? Wenn man doch nur so die räumlichen und personellen Voraussetzungen schaffen kann? Könnte den Druck auf Testverweigerer zumindest ein bisschen erhöhen…

    • Dann sollten ungetestete Kinder einfach zuhause bleiben müssen. Der Test ist nun wirklich nicht dramatisch und zumutbar.

      Jeder will ein Stück Normalität, dann sollte auch jeder etwas dafür tun.

  2. Impfangebote auch in Schulen wären ja eine Möglichkeit, noch etwas für den Infektionsschutz bei SuS zu tun, aber viele Schulen scheuen wohl den Aufwand, sicher aber auch Unruhe, Demos, Proteste von Querdenkern.

    „Nur eine staatliche Schule in Thüringen fragte Impfteam an

    Das Interesse für Corona-Impfteams an Schulen ist in Thüringen bisher gering. Nach Angaben des Bildungsministeriums fragten nur eine Gemeinschaftsschule und zwei Berufsschulen danach. Als mögliche Ursache nannte ein Sprecher den großen Aufwand für die Schulen. Es sei aber auch noch nicht absehbar, wie sich das Interesse weiter entwickle. Seit rund fünf Wochen können sich Schulen um ein mobiles Impf-Team bemühen. In Thüringen ist jeder vierte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren geimpft. Das ist der zweitniedrigste Wert unter allen Bundesländern.“

    https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nachrichten108.html

    Die Kombination aus mieser Impfquote und wegfallenden Schutzmaßnahmen, besonders an Schulen, hat Thüringen in kürzester Zeit wieder den Spitzenplatz bei den Inzidenzen beschert, kein Ende der Spirale in Sicht, im Gegenteil. Und die losgetretene Entwicklung wird durch den Reiseverkehr in den Ferien weiter befeuert werden. Das wieder einzufangen, wird auch mit Masken- und Testpflicht nach den Ferien schwierig werden.

  3. Also ich wundere mich immer warum die Impfung als Allheilmittel betrachtet wird. Noch dazu bei Kindern die teilweise schwere Nebenwirkungen erleiden (Herzmuskelentzündungen, Lähmungserscheinungen).
    Wäre es nicht schlauer die Präsenzpflicht auszusetzen und eher Richtung Maske und Abstand zu denken als immer nur Druck aufzubauen in Richtung einer Impfung die weder sicher hilft noch sicher ist.

    • @Soso

      Sooosooo sowas hahnebüchenes..
      Teilen Sie bitte Ihre Quellen von schweren Nebenwirkungen durch Impfung bei Kinder und Ihre Quellen, dass Impfung „nicht sicher ist und nicht hilft“.

      • Natürlich gibt es auch bei Kindern Nebenwirkungen. Aber das sei dahin gestellt – viele Kinder können nicht geimpft werden und selbst wenn, dann braucht auch die Impfung Zeit: etwa 5-6 Wochen. Insofern ist das Festhalten an der Präsenzpflicht der größte Irrsinn. Wer das Risiko eingehen möchte – bitte. Wem das zu Heikel ist und sich in der Lage fühlt, seine Kinder im Homeschooling zu unterstützen, sollte das doch tun dürfen. Wäre das nicht besser, als viele SuS inkl. Familien zu gefährden? Es käme ja auch niemand auf die Idee, Kindern bei Sturm das Schwimmen im Meer beizubringen, oder?

    • Bei der Impfung wird genetisches Material (mRNA) für einen Bruchteil des Virus (Spike-Protein) injiziert, damit man Antikörper bilden kann.
      Glauben Sie wirklich die Schäden fallen geringer aus, wenn das Virus selbst sein GESAMTES genetisches Material injiziert???
      Ich empfehle dringend diesen Beitrag in voller Länge anzusehen:
      https://www.mdr.de/video/mdr-videos/reportagen-dokus/video-exakt-die-story-unerkannt-und-unterschaetzt-wenn-kinder-an-long-covid-leiden100.html

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