Jetzt doch: Thüringen streicht Schulpräsenzpflicht in der kommenden Woche

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Eltern sollen in Thüringen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder die letzten drei Tage vor den Weihnachtsferien noch in die Schule schicken. Volljährige Schüler könnten die Entscheidung für sich selbst treffen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums der in Erfurt sagte. Das Bildungsministerium ändert damit seinen bisherigen Kurs.

Zickzack-Kurs: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: By Martin Kraft (Own work) CC BY-SA 3.0 Wikimedia Commons

Der Lehrerverband reagierte mit Unverständnis. «Ein bloßes Abwälzen der Entscheidung über den Schulbesuch auf die Erziehungsberechtigten ist die denkbar ungünstigste Lösung», sagte der Landesvorsitzende Rolf Busch. Für Schulen bedeute es, dass sie parallel zum Präsenzunterricht den Fernunterricht stemmen müssten.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte bisher vehement abgelehnt, die Weihnachtsferien im Freistaat vorzuziehen – nun gibt es quasi einen Kompromiss. Grund für die Entscheidung ist laut Ministerium die angespannte Infektionslage im Land. Die Weihnachtsferien beginnen in Thüringen am 23. Dezember. «Ich nehme angesichts der weiterhin angespannten Infektionslage in Thüringen große Sorgen und den Wunsch von Eltern wahr, vor den Weihnachtsferien selbst über den Schulbesuch entscheiden zu können», erklärte Holter.

Am Rand einer Landtagssitzung sagte er, eine Allgemeinverfügung zu der neuen Regelung werde noch in dieser Woche kommen. Er habe sich zu der Wahlfreiheit auch nach Gesprächen mit den Landräten entschieden, die die Situation an den Schulen und die Erwartungshaltung auch von Eltern geschildert hätten. Die Wahlfreiheit sei eine Abwägung zwischen den Interessen der Eltern, die Unterricht für ihre Kinder haben wollten und denen, die ihre Kinder lieber zu Hause sähen. «Ab 3.1. ist Schule aber wieder im Vollbetrieb», betonte der Minister.

«Schülerinnen und Schüler müssen an Klausuren und Arbeiten teilnehmen, wenn sie in der kommenden Woche terminiert sind»

Holters Ministerium teilte mit, dass die Schulen zeitnah über die neue Regelung informiert werden sollen. Demnach ist geplant, dass Schülerinnen und Schüler, die die Schule nicht besuchen, Aufgaben mit nach Hause bekommen oder über die Schulcloud zur Verfügung gestellt bekommen.

Klausuren und Arbeiten in Abschlussklassen seien von der Regelung aber nicht betroffen. «Schülerinnen und Schüler müssen an diesen Klausuren und Arbeiten teilnehmen, wenn sie in der kommenden Woche terminiert sind», hieß es vom Ministerium.

Thüringen ist seit Tagen bundesweit das Land mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Am Mittwoch lag sie nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 952,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Bundesweit lag die Inzidenz am Mittwoch bei 353.

Sieben der bundesweit zehn am stärksten betroffenen Regionen liegen in Thüringen. Die höchste Inzidenz wies am Mittwoch der Landkreis Hildburghausen mit 1690,2 (Vortag: 1442,2) aus. Sieben weitere thüringische Landkreise wiesen vierstellige Inzidenz-Werte auf.

Seit Monaten gibt es Kritik am Kurs des Bildungsministeriums durch die Corona-Pandemie. Nach umstrittenen Tweets vom Wochenende, in denen das Offenhalten der Schulen begründet wurde, veranlasste Holter die Entlassung seiner Staatssekretärin Julia Heesen, die für die Tweets verantwortlich gewesen sein soll. News4teachers / mit Material der dpa

Fliegt Staatssekretärin, weil sie verriet, was ihr Bildungsminister über Corona wirklich denkt?

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10 Kommentare
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Klaus Lehmkuhl
9 Monate zuvor

Nur Gebauer zieht durch . So sieht eine Hardlinerin aus .

Horstino
9 Monate zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

Hubig auch.

Lorzyfanboy
9 Monate zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

Vergiss bitte unseren Professor Doktor Lorz nicht. Hessen wird hier immer vergessen. Der macht alles still und heimlich.
Erst kürzlich hat der feine Herr, als Elternverbände eine entzerrtere Schülerbeförderung anmahnten, gemeint, die Schülerbeförderung ist kein Treiber der Pandemie (und außerdem seien die Kommunen dafür zuständig). Da kam mir spontan ein Kötzerchern hoch.

Susanne
9 Monate zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

Piwarz leider auch

Risikomama
9 Monate zuvor

Piazolo auch, außer, ich habe was verpasst. Hier im Landkreis besteht jetzt der Verdacht, dass einer Omikron hat… worauf warten die bitte alle? Präsenzpflicht weg!

Paloma
9 Monate zuvor

Mrs. Hubig zieht ebenfalls durch! Und am 3. Janunar knallt`s dann durch…

Silke Vogt
9 Monate zuvor
Antwortet  Paloma

@Paloma
Hubig ZIEHT nicht nur genauso durch, wie es das durch die Klassenzimmer tut, sie IST auch durch, zumindest bei mir so was von…
Noch vier Präsenz-Schultage bis zu den Weihnachtsferien, bibber (nicht temperaturbedingt).
Und ab 5. Januar starten die Abiklausuren, nach derzeitigem Plan zumindest. Den im BM von RLP eh keiner hat.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor

Super, dann können ja jetzt doch alle früher nach Ischgl in den Skiurlaub fahren. Also, geht doch, danke lieber Minister!

Jan aus H
9 Monate zuvor

„Schülerinnen und Schüler müssen an diesen Klausuren und Arbeiten teilnehmen, wenn sie in der kommenden Woche terminiert sind“

Sind Klausuren denn wichtiger als der Gesundheitsschutz der SuS und deren Familien?

MeineMeinung
9 Monate zuvor
Antwortet  Jan aus H

Lehrer:innen die in die letzten drei Tage noch Arbeiten legen, haben doch den Schuss nicht gehört. Ich finde das wirklich unfassbar.