Fliegt Staatssekretärin, weil sie verriet, was ihr Bildungsminister über Corona wirklich denkt?

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ERFURT. Von „Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie“ bis hin zu „Schulen wirken als Hygienefilter“: Kultusminister beschallen die Öffentlichkeit seit Pandemiebeginn mit zumindest fragwürdigen Aussagen, die wenig Problembewusstsein erkennen lassen. Und sie entscheiden allzu häufig auch entsprechend. Vom Twitter-Account des Thüringer Bildungsministeriums waren am Wochenende Tweets abgesetzt worden, die nahelegen, dass Corona und die Folgen dort nicht wirklich ernst genommen werden. Das hat nun personelle Konsequenzen – allerdings betreffen die nicht den Minister selbst.

Muss gehen: Bildungsstaatssekretärin Julia Heesen. Foto: Barbara Neumann/TMBJS

Nach umstrittenen Tweets zur Corona-Strategie für Thüringer Schulen verliert die Juristin Julia Heesen ihren Posten als Bildungsstaatssekretärin. Er habe die Entscheidung getroffen, Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) zu bitten, Heesen zu entlassen, erklärte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Mittwoch in Erfurt. Hintergrund sind Posts bei Twitter, die am Wochenende vom Account des Bildungsministeriums veröffentlicht und anschließend breit und scharf kritisiert wurden. Das Ministerium hatte die aus seiner Sicht zehn wichtigsten Gründe gepostet, warum «wir die Schulen mit hoher Priorität offenhalten und die Ferien nicht verschieben».

Als Grund eins hatte das Ministerium beispielsweise angegeben: «Wir haben Kindern und Jugendlichen versprochen, dass sie nicht wieder in den Lockdown müssen.» Zudem stelle man – Grund drei – sicher, dass Schüler im Freistaat bis kurz vor Weihnachten verlässlich auf eine mögliche Corona-Infektion getestet würden. «Wer Schulen schließt, verlagert die Verantwortung für das Testen in die Familien.» Als Grund acht nannte das Ministerium: «Wir behandeln Kinder und Jugendliche nicht schlechter als Erwachsene.» Sie würden noch seltener schwer an Covid-19 erkranken als geimpfte oder genesene Erwachsene. Es sei deshalb «ungerecht», alle Schüler nach Hause zu schicken.

Im Zusammenhang mit der Aufzählung hatte das Ministerium die möglichen langfristig wirkenden Effekte einer Covid-19-Erkrankung auf Schüler relativiert: «Ob Kinder Long-Covid entwickeln, ist nicht geklärt», schrieb das Ministerium. Vor allem dieser Satz brachte dem Ministerium scharfen Widerspruch ein. Das entschuldigte sich zwar später und löschte den Tweet, «weil er nicht korrekte Aussagen zu Long-Covid enthielt», wie es in einem späteren Tweet des Ministeriums heißt. Allerdings konnte ein weiterer Tweet so ausgelegt werden, dass Kinder zu Hause Gewalt erfahren würden, weshalb sie – so die Argumentation – in der Schule sicherer seien. Viele Nutzer reagierten empört oder mit Unverständnis, teils wurde dem Ministerium vorgeworfen, Unwahrheiten zu verbreiten.

Holter erklärte, ihm sei wichtig, «dass öffentliche Kommunikation von Seiten meines Ministeriums in Botschaft und Stil mit der erforderlichen inhaltlichen Klarheit und auch notwendigen Zurückhaltung geführt wird». Dies sei bei der Kommunikation am Wochenende nicht im gewünschten Maße der Fall gewesen. «Die betreffenden Tweets wurden durch Staatssekretärin Dr. Heesen verantwortet», so Holter.

«Ob Kinder Long-Covid entwickeln, ist nicht geklärt»

Zuvor hatte auch der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung, der selbst Mediziner ist, die Tweets scharf kritisiert. Aus seiner Sicht sind sie ein Ausweis dafür, dass man im Bildungsministerium aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Covid-19 nicht ernst nimmt. Holter setze alles daran, die Schulen im Land offen zu halten und lasse dabei jeden Versuch vermissen, Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen zu verhindern, sagte Hartung. Holter und seine Staatssekretärin Julia Heesen ließen sich von einem Wissensstand zur Gefährlichkeit des Virus für junge Menschen leiten, der inzwischen veraltet sei. «Das, was die regelmäßig sagen und schreiben, ist einfach nicht mehr aktuell», sagte Hartung.

Tatsächlich gilt es mittlerweile als gesichert, dass Kinder an Long Covid erkranken können. Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte unlängst mit Blick auf eine neuere Untersuchung getwittert: «Diese große Studie der Uni Dresden in Kooperation mit RKI und Krankenkassen zeigt, dass Kinder so viel LongCovid in Deutschland erlitten wie Erwachsene. Der Satz: Kinder werden bei Covid nicht ernsthaft krank, entspricht nicht den Studien.» Der Journalist und Mediziner Eckart von Hirschhausen veröffentlichte unlängst eine Reportage, die sich mit Long Covid (auch) bei Kindern beschäftigt – hier, im Archiv der ARD, ist der Film zu sehen.

«Verantwortlich für das Thüringer Schul-Chaos sind der Ministerpräsident und sein Minister»

Der Opposition im Thüringer Landtag reicht der Rauswurf Heesens allerdings nicht. «Am besten wird im Ministerium komplett aufgeräumt», twitterte der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt. Das habe in der Pandemiebekämpfung völlig versagt. Schüler, Eltern und Lehrer müssten dies ausbaden. Der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner sagte, Heesen sei nur ein Bauernopfer. «Verantwortlich für das Thüringer Schul-Chaos sind der Ministerpräsident und sein Minister.»

Heesen soll in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Um diesen Schritt auch formal zu vollziehen, ist die Zustimmung der Landesregierung nötig. Ein Regierungssprecher sagte, dass dafür spätestens am Donnerstag eine Sonderkabinettssitzung geplant sei. Die Abstimmungen liefen aber noch.

Seit Monaten gibt es nicht nur aus den Reihen der Opposition, sondern auch aus den Reihen von Rot-Rot-Grün Kritik daran, wie das Bildungsministerium Thüringens Schulen durch die Corona-Pandemie navigiert. Hierbei hatte sogar die Linke-Fraktion teils einen anderen Standpunkt vertreten als das von dem Linke-Politiker geführten Ministerium. So hatte es eine heftige, wochenlange Debatte um die Maskenpflicht und die Tests an den Schulen gegeben. Beides hatte die Landesregierung ausgesetzt – die Infektionszahlen explodierten daraufhin im Freistaat. Holter seinerzeit dazu: «Kinder und Jugendliche sind nicht diejenigen, die besonders gefährdet sind, sie gehören nicht zu den vulnerablen Gruppen.»

So viel anders als der von Heesen zu verantwortende Tweet klingt das allerdings nicht.  News4teachers / mit Material der dpa

Zu teuer: Erster Kultusminister will Corona-Tests an Schulen komplett streichen

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45 Kommentare
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Monika, BY
9 Monate zuvor

Ok, also wir retten die Kinder dadurch, dass sie nicht Gewalt innerhalb der eigenen Familie erleben, aber dafür erkranken oder sterben.

Dann am besten sofort die Psychotests einführen und bezüglich Fortpflanzung verbieten.

Nun. Wie wäre es damit, die Präsenzpflicht während der Pandemie auszusetzen?

Die, die ihre Kinder nicht zu Hause leiden, würden bestimmt sie weiter in der Schule schicken.

Ich meine, was soll das? Das Volk gilt als dumm, ist ja klar, aber so dumm wieder nicht.

Amanakoku
9 Monate zuvor
Antwortet  Monika, BY

Ok, Monika, also retten wir Kinder dadurch, dass wir sie vor Corona schützen (woran sie in der Regel nicht schwer erkranken), aber überlassen sie ungeniert gewalttätigen häuslichen Verhältnissen. Das sieht man ja dann oft genug nicht. Notfalls schaut man eben einfach weg.

Ich meine, was soll’s? Ohne Corona ist das Leben doch schön und wer trotzdem Probleme hat, ist selber schuld dran.

Anne
9 Monate zuvor
Antwortet  Amanakoku

Gewalttätigen häuslichen Verhältnissen waren Kinder schon immer ausgesetzt. Hat die Politik nur bisher nicht interessiert. Erst jetzt wird damit Präsenzzwang für alle begründet.

celanon
9 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Ich finde es infarm zu behaupten, dass es die Politik bisher nicht interessiert habe, wenn Kinder in häuslichen Gewaltsituationen leben. Da wird viel unternommen. Man denke an die ganzen Jugendämter und ihre Aktivitäten. Allerdings fehlen dort Mitarbeiter und das interessieren andere nicht, die NUR für sich ein Maximum an Gehalt und beste Arbeitsbedingungen fordern.

Pit2020
9 Monate zuvor
Antwortet  celanon

@celanon

„und das interessieren andere nicht, die NUR für sich ein Maximum an Gehalt und beste Arbeitsbedingungen fordern.“

Diese Behauptung von Ihrer Seite ist dann wohl ebenso infam, es sei denn Sie leben in einer anderen Welt mit für Sie alleine geltenden moralischen Sonderrechten.
Vergelt’s Gott.

ImmerDasSelbe
9 Monate zuvor
Antwortet  Amanakoku

Ach Amanakoku, kannst du eigentlich lesen was Monika geschrieben hat. Und es zudem noch verstehen? Es gibt etwas zwischen alle gehen in die Schule und niemand geht in die Schule. Bei deinem Argument müssten ja alle Schüler:innen ja 24/7 an 365 Tagen im Jahr in der Schule sein. Erst denken, dann ranten.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Amanakoku

Und was tust du gegen häusliche Gewalt? Ja, mal ganz konkret gefragt? Oder kennst du niemanden, wo es häusliche Gewalt gibt? Aber die hat doch so schrecklich viel zugenommen. Da muss doch jeder in seinem Umfeld laufend Fälle erleben? Und warum tut keiner was dagegen (außer die Kinder in die Schule zu retten….).

Die Kinder in die Schule zu holen ist doch nur ein Alibi statt konsequent gegen die Wurzel der häuslichen Gewalt vorzugehen. Das löst doch das eigentliche Problem nicht.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor

Das war @Amanokoku

celanon
9 Monate zuvor

Fragen Sie mal in den Jugendämtern nach, die kommen gar nicht hinterher, alle Verdachtsfälle und tatsächliche Fälle zu bearbeiten (siehe meinen Kommentar oben)! Es ist menschenverachtend von Ihnen, das auch noch kleinzureden und zu beschönigen!

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  celanon

celanon, Sie schreiben ja selbst oben, es fehlen Mitarbeiter. Also…

–> Aufgabe der Politik: Jugendämter besser ausstatten, mehr Mitarbeiter einstellen! Häusliche Gewalt AN DER WURZEL bekämpfen.
–> Aufgabe der Schulen: Bildung. Nothing else. Das aber richtig gut bitte!

FALSCH ist hingegen in so einer Situation zu fordern: Schulen unterstützen die Jugendämter in der Bekämpfung häuslicher Gewalt, weil Jugendämter nicht allein damit klarkommen. .

Wir fordern von den Jugendämtern ja auch nicht für Bildung zu sorgen. Dafür gibt es die Schulen. Also bitte auch nicht von den Schulen fordern, dass sie andersherum häusliche Gewalt bekämpfen sollen. Schulen sind eh schon schlecht ausgestattet. Zusatzaufgaben zu fordern ist nicht zielführend.

Tanja Mundinger
9 Monate zuvor

Stimme Ihnen vollkommen zu!

Monika, BY
9 Monate zuvor
Antwortet  Amanakoku

Nein, das Leben ist nicht für jeder schön, Pandemie oder nicht.

Aber man sollte wenigstens während der Pandemie Präsenzpflicht in den Schulen aussetzen, um den Menschen Möglichkeit lassen, um selber zu entscheiden, ob sie noch zusätzlich Gesundheit und Leben ihren Familien riskieren wollen.

In der Regel erkranken Kinder nicht schwer ist kein Argument für die zwanghafte Durchseuchung den ganzen Generationen, denn die Kinder erkranken an und wegen Corona doch, und sterben auch.

Die Einzige Wahrheit ist – nicht massenhaft. Noch nicht.

Hoffen wir alle, es kommt gar nicht dazu, dass sich die Intensivstationen auch mit den Kindern und Jugendlichen füllen.

mittelthüringen
9 Monate zuvor

Zitat:

Der Opposition im Thüringer Landtag reicht der Rauswurf Heesens allerdings nicht. «Am besten wird im Ministerium komplett aufgeräumt», twitterte der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Voigt. Das habe in der Pandemiebekämpfung völlig versagt. Schüler, Eltern und Lehrer müssten dies ausbaden. Der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner sagte, Heesen sei nur ein Bauernopfer. «Verantwortlich für das Thüringer Schul-Chaos sind der Ministerpräsident und sein Minister.»

Genau so ist es! Unbeschreiblich was in hier in Thüringen vom Kultusministerium verzapft wurde! Heesen ist nur ein Bauernopfer.

Senkrechtstarter
9 Monate zuvor
Antwortet  mittelthüringen

@mittelthüringen, was soll eine Opposition anderes sagen?

mittelthüringen
9 Monate zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Opposition hin oder her, ich bin derselben Meinung.

Elly
9 Monate zuvor

Ein Bauernopfer? (Oder doch Bauernopferin?)

Lametta
9 Monate zuvor
Antwortet  Elly

Das Opfer, die Opferin?
Bäuerin-Opfer?

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Lametta

Danke! Ein schönes Beispiel, warum Gendern in der deutschen Sprache ganz bedauerlich ist….

…und auch sehr deutlich zeigt, dass es beim sprachlichen Geschlecht gar nicht um das menschliche Geschlecht geht…

Gendern in der deutschen Sprache ist ineffizient und verschwendet Zeit beim Verfasser und Leser von Texten.

NichtSchonWieder
9 Monate zuvor

Habt ihr sonst keine Probleme?

Das wird bei einigen echt manisch mit dem Gendern. Sehr traurig

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  Elly

@Elly
Andere Probleme haben Sie nicht mit diesem Fall? Gendern löst keine Corona- und Politikprobleme!

Elly
9 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Sehr verehrte Potschemutschka, dies war einfach ein Scherz.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  Elly

Okay, aber heutzutage muss man ja beim Gendern schon alles für möglich halten.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor

«Am besten wird im Ministerium komplett aufgeräumt»

Genau, und dann am besten gar nicht wieder aufmachen den Laden. Wir brauchen keine 16 Kultusministerien in Deutschland. Andere Nationen haben sowas auch nicht.

Auch wieder ein Beispiel, warum Politiker nicht auf Social Media aktiv sein sollten. Das ist ein Medium, was zu reflexartigen Aussagen inspiriert und das ist in der Politik fatal.

Und schließlich: wir hatten in einem anderen Thread doch erst, ob man Politiker als Lügner bezeichnen darf. Wer behauptet, dass Kinder nicht von Long-Covid betroffen sind, IST EIN LÜGNER! Punkt!

Leseratte
9 Monate zuvor

Wir haben uns schon die ganzen letzten Monate gewundert, wie realitäts- und faktenverweigernd in Thüringen bezüglich Schulen agiert wird. Es gibt trotz der seit Wochen extrem hohen Infektionszahlen, der bundesweit allerhöchsten Hospitalisierungsinzidenz und der zweitniedrigsten Impfqoute quasi keinerlei Einschränkungen im Schulbetrieb, sieht man mal von 2 Tests pro Woche und der Maskenpflicht (beides erst wieder seit Ende der Herbstferien, als die Zahlen schon aus dem Ruder liefen, verpflichtend) ab. In Niedersachsen liest sich das anders. Da sollen z.B. Elternabende nur noch online erfolgen oder sonst mit 2G+ , nach den Ferien gibt es dort tägliche Tests (bei uns nicht mal dann, wenn es positiv Getestete in einer Klasse gibt), ansonsten 3 Tests pro Woche, Unterricht findet dort wieder in festen Gruppen statt usw. Man braucht sich über die hohen Infektionszahlen in Thüringen nicht zu wundern. Und Impfungen in Schulen? Welche Schulleitung tut sich das an, Impfgegner und Coronaleugner, die ja immer aggressiver auftreten und auch in der Elternschaft zu finden sind, vors Haus zu holen?

Amanakoku
9 Monate zuvor

Ich finde erschreckend und bedauerlich, wie wenig Rückgrat Politik(er) heutzutage haben. Sobald es zu Hasstiraden in der (virtuellen) Öffentlichkeit kommt, knicken sie ein, nehmen alles zurück und „opfern (irgendeinen) Bauern“.

Robert
9 Monate zuvor

Im Artikel steht: „Tatsächlich gilt es mittlerweile als gesichert, dass Kinder an Long Covid erkranken können.“
Diese Tatsache wurde ob bei Kindern oder auch Geimpften noch nie bestritten. Frage ist immer nur, wie häufig das vorkommt und ob seltene Fälle Lockdowns (Schulschließungen) rechtfertigen, die fürchterliche Nebenwirkungen haben, u.a. auch gesundheitliche.

Die Staatssekretärin hat meiner Meinung nach absolut Recht und ich rechne ihr hoch an, dass sie politisch Unerwünschtes zu sagen wagte.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Robert

Steht doch auch im Text, Zitat Lauterbach, „so viel Long-Covid wie bei Erwachsenen“. Alles klar?

Die Staatssekretärin (oder wer auch immer das ausgeheckt hat) hat mit Sicherheit NICHT Recht, wenn sie sagt, dass man nicht weiß, ob Kinder an Long Covid erkranken.

Die Berlinerin
9 Monate zuvor

Bei den Behauptungen zum Thema Corona-Langzeitfolgen wird überhaupt nicht differenziert, wie lange und welche Folgen. Da geht es mitunter um Konzentrationsprobleme, da sind es von Monat zu Monat weniger, die laut Studien unter einer Folgeerscheinung leiden. Da handelt es sich oft nicht um andere Folgeerscheinungen, die man auch nach einer anderen Krankheit hat. Das alles wird völlig unreflektiert in einen Topf geworfen.

Da liest man 3 von 4 hätten nach 6 Monaten noch Folgen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/120032/Long-COVID-3-von-4-Patienten-haben-nach-6-Monaten-noch-Beschwerden

Da liest man, 25% hätten nach 6 Monaten noch Folgen:
https://www.aponet.de/artikel/long-covid-jeder-vierte-leidet-noch-6-monate-nach-der-corona-infektion-24563

Alleine das ist doch schon ein gewaltiger Widerspruch!!!

Da liest man von 66 möglichen Folgen, die allerdings bis zu 7 Monate andauern, also danach weg sind???
https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/long-covid-studie-ergibt-66-symptome-die-laenger-als-6-monate-anhalten-a/

Ja, was denn nun? Und alle Panikmacher verweisen auf die Coronafolgen, wenn sie sich anders nicht mehr zu helfen wissen.

Hellus
9 Monate zuvor
Antwortet  Die Berlinerin
Monika, BY
9 Monate zuvor
Antwortet  Hellus

Sicherlich kein Kind. Das Problem, die Kinder und Jugendliche haben meistenst keine Ahnung davon. Wie ahnungslose Lämmer werden sie in der Schule geschickt.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Die Berlinerin

@Die Berlinerin: der Schluss ist doch ganz einfach: es gibt Langzeitfolgen, die individuell mal länger oder mal kürzer ausfallen können. Auch das ist nicht überraschend.

Was man jetzt sicher nicht machen kann (machen Politiker aber oft, die sich mit hard science nicht auskennen): widersprechen sich mehrere Quellen in der Aussage, nehme ich (Politiker) entweder die mir am besten passendste ODER gar keine, weil wenn sich alle widersprechen ist alles gelogen.

Der richtige Ansatz wäre hingegen: die große Datenvielfalt zu schätzen wissen, nach Gemeinsamkeiten suchen, die sich gegenseitig bestätigen und ggf. noch offene Fragen (z.B. Widersprüche) in gezielten Studien genauer untersuchen.

gehtsnoch
9 Monate zuvor

Und wo genau ist der eigentliche Skandal im Vergleich zum empfundenen Wahrheitsgehalt der Argumentationen anderern Bildungsministerien?
Warum werden die 10 Gründe nicht komplett im Wortlaut aufgezeigt? Emfinde dieses Vorgehen als etwas einseitige Berichterstattungsweise.

CDU spricht von „Bauernopfer“
„Die CDU nannte die Entlassung Heesens ein Bauernopfer. Der Bildungspolitiker Christian Tischner sagte, dies sei das Ende einer langen Kette von Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen des Bildungsministeriums. Verantwortlich seien der Ministerpräsident und sein Minister.“(MDR)
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/corona-schulen-staatssekretaerin-entlassen-twitter-holter-100.html

Defence
9 Monate zuvor

Die Staatssekretärin hat nichts falsch gemacht. Sie hat das geschrieben, was Konsens im Bildungsministerium ist. Nein, noch viel mehr als das. Sie schrieb all das mal auf, was die komplette KMK denkt, nur damit sie ihr Nichthandeln verschleiern kann.

Ich bin entsetzt, dass es Menschen gibt, welche den Blödsinn („Kinder erkranken nicht schwer und sind zu Hause Gewalttaten ausgesetzter“) überhaupt glauben. Demnach müssten die Kinder eigentlich den Eltern entzogen werden und in Internate gegeben werden Die komplette KMK muss ausgetauscht werden. Da gehören Menschen hin, die sich auf Bildung konzentrieren und sich nicht anmaßen, sich in die Belange des Gesundheitsministeriums und des RKIs einzumischen. Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem K.L. die KMs in die Schranken weist.

mittelthüringen
9 Monate zuvor
Antwortet  Defence

Zumindest ist zum ersten Mal öffentlich aufgefallen, welchen unnachgiebigen Kurs das KM in Thüringen fährt. Bin gespannt, was da noch kommt.

Jan aus H
9 Monate zuvor

„Ob Kinder Long-Covid entwickeln, ist nicht geklärt“

Selbst wenn dieser Satz wahr wäre (was er nicht ist… siehe Artikel), so ist das kein Grund, die SuS schutzlos in die Schule zu zwingen.

Stellen wir uns mal vor, die Schule würde brennen. Vielleicht brennt dabei auch irgendwelches Plastikzeugs, das giftige Gase ausstößt, vielleicht aber auch nicht. Ist halt nicht geklärt. Was macht man in solchen Fällen? Lässt man die Schüler in der Nähe stehen oder nimmt man den schlimmsten Fall an und evakuiert sofort? Na… was würde da wohl passieren? Anders gefragt… würde da überhaupt jemand groß drüber nachdenken, ehe er evakuiert?

Genau so sollte es auch bei LongCovid sein. Solange etwas unklar ist, MUSS der schlimmste Fall angenommen werden.

Autos werden zurückgerufen, nur weil jemand gemerkt hat, das von zig Millionen Airbags vielleicht eine Handvoll einfach mal so losgehen könnten. Sollte man da nach der KMK-Argumentation nicht warten, bis es ein paar Tote gegegeben hat? …denn es ist noch gar nicht geklärt, ob die Dinger wirklich losgehen und ob sie wirklich das Potential haben, jemanden umzubringen…

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Jan aus H

Das Problem liegt auch hier wieder in der menschlichen Wahrnehmung: das Feuer ist unmittelbar sichtbar und das löst bei jedem noch so simpel gestrickten Menschen den Fluchtreflex aus.

Das Virus ist hingegen unsichtbar und wenn wir vor 1000 Jahren leben würden, würde niemand verstehen, warum reihenweise Menschen sterben, weil keiner wüsste, das da ein Virus am Werk ist.

Aber auch heute erfordert dies von den Menschen ein gewisses Maß an Bildung darüber was ein Virus ist (da hängen wir bereits viele ab, siehe Leugner) und noch mehr ein vorausschauendes Handeln (noch mehr Menschen gehen hier verloren, weil kurzfristig konsumgesteuert „Ich will in den Urlaub fahren“) und vor allem Disziplin, die Schutzmaßnahmen aufrechtzuerhalten, auch wenn sie lästig sind (und hier verlieren wir in unserer Spaßgesellschaft Deutschland nochmal eine MENGE an Leute, weil was „uncool oder lästig“ ist, wird nicht gemacht).

Doof ist halt, dass hier – im übertragenen Sinne – das Gebäude nicht einfach mit den Leuten darin abbrennt, die es nicht verstehen wollen, sondern kollateral auch alle anderen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das Beispiel mit den Airbags ist ein ganz wunderbares, Jan: denn es geht einzig und allein um die Haftungsfrage. Bei den Airbags haftet der Hersteller, wenn es zu Unfällen und Toten dabei kommt. Und bei Corona in den Schulen haftet wer? Genau, KEINER! Und das wissen die Entscheider natürlich nur zu gut….

Wenn die Haftung geklärt wäre, dann hätten wir aber blitzschnell Maßnahmen, die ein Maximum an Sicherheit stellen würden.

Jan aus H
9 Monate zuvor

„Und bei Corona in den Schulen haftet wer? Genau, KEINER!“

Streng genommen haftet die Schulleitung… denn die ist für die Hygiene verantwortlich. Wenn bestehende Regeln also nicht eingehalten werden (was ja oft der Fall ist), dann geht die SL ein erhebliches Risiko ein. Die Frage ist halt nur, wer da tatsächlich Anzeige erstattet. Ich kann mir aber vorstellen, dass das spätestens dann passiert, wenn sich dauerhafte Gesundheitsschädigungen zeigen.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Jan aus H

Ja, stimme ich komplett zu. Das stimmt ao auf der Mikroebene.

Auf der Makroebene hingegen (da wo die Richtlinien gegen Corona herkommen, z.B. aus den Kultusministerien) ist die Haftungsfrage schon nicht mehr so eindeutig. Und das Problem kennen wir ja jetzt zur Genüge: Masken weg mitten in der vierten Welle, Lüftungsanlagen zu teuer, deswegen nur Lüften usw.

Wird ein Kind in der Schule effektiv krank, haftet niemand.

Heike Hopper
9 Monate zuvor
Antwortet  Jan aus H

Nun ja, COVID-19 ist erst seit anderthalb Jahren bekannt. Jetzt schon abschließend die Langzeitfolgen, unterschiedlichen Symptome und Krankheitsverläufe zu postulieren, ist wohl etwas gewagt.

Es wäre doch sehr unseriös, jetzt schon behaupten zu wollen, man könne sicher abzuschätzen, wie lange Auswirkungen von COVID-19 andauern können oder wie gut sie behandelbar sind. Es gibt kaum Daten über den Anteil der Betroffenen, die längerfristige gesundheitliche Beschwerden durch COVID-19 haben und auch über die gesundheitlichen Langzeitfolgen – gerade bei Kindern und Jugendlichen ist einfach noch zu wenig bekannt.

Da ist die Aussage „Ob Kinder Long-Covid entwickeln, ist nicht geklärt“ durchaus in der Form richtig.

Zumal es eben keine abschließende medizinische Definition von Long-Covid gibt – die letzte WHO-Konferenz endete denn auch mit einem „…a working clinical case definition of post COVID-19 condition may change as new evidence emerge and our understanding of the consequences of COVID-19 continues to evolve.“

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Heike Hopper

Leider nicht der richtige Ansatz, Frau Hopper. Richtig wäre, insbesondere bei Kindern, in solch einem Fall erstmal vom schlimmsten auszugehen und sie zu schützen, statt zu postulieren, man weiß ja nicht, was für Schäden Kinder davon tragen, also lässt man es laufen. Es laufen zu lassen ist unseriös!

Und außerdem: selbst wenn noch keine einheitliche Definition von Long-Covid da ist, heißt das doch nicht, dass es nicht existiert! Das ist leider wieder ein Argument von Leuten, die nicht mit Wissenschaft umgehen können. Ich habe das an anderer Stelle schon beschrieben: gibt es mehrere wissenschaftliche Aussagen zu ein und dem gleichen Thema, suchen sich Menschen, die es nicht verstehen entweder

a) die ihnen passendste Version raus und ignorieren die andere (oft Politiker), oder
b) behaupten dass alles falsch ist, weil sich die Aussagen ja widersprechen.

Bei Ihnen hört sich das klar nach b). Sorry, aber das ist arm.

Und die WHO-Definition spiegelt das im Übrigen sehr gut wieder, wie Wissenschaft arbeitet. Die Erkenntnisse entwickeln sich weiter, aber steht irgendwo auf der WHO Seite dass Long-Covid harmlos ist?

Carsten60
9 Monate zuvor

Seit wann werden eigentlich Mitteilungen eines Ministerium bei Twitter bekannt gemacht? Wurde nicht genau das immer bei Präsident Trump kritisiert: unbedachte, spontane Äußerungen bei Twitter?

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Genau dieser Fehler ist hier passiert: einfach mal was zwitschern, ohne drüber nachzudenken. Dafür gibt es PR Abteilungen in Unternehmen, damit solche Katastrophen nicht passieren.

Mthdnmnn
9 Monate zuvor

Bauernopfer die Dame, nicht mehr und nicht weniger!

Heike Hopper
9 Monate zuvor

Twitter ist definitiv überbewertet – da wäre eine Abmahnung vlt. sinnvoller gewesen, als gleich der Ruhestand.

Aber mit 45 Jahren in den einstweiligen Ruhestand bedeutet Dezember plus drei Monate volles Gehalt (12.000 EUR plus Zuschläge). Danach ein Übergangsgeld, welches nach Dauer der Amtsausführung gewährt wird (sechs Monate bis drei Jahre). Also zumindest kein großer Rückschlag.

Ich muss da mal was loswerden
9 Monate zuvor
Antwortet  Heike Hopper

Allein deshalb müssen wir die 16 Kultusministerien der Länder komplett schließen. Was da an Geld für Inkompetenz verbrannt wird, dass man woanders einsetzen könnte IN den Schulen. Mir wird ganz schlecht.

Leute die in dieser Gehaltsstufe in der Wirtschaft sind, generieren echten Wert. Hier: Fehlanzeige. Sorry, wenn man Zeit hat zu twittern als Staatssekretär, dann macht man seinen Job nicht richtig oder hat zu viel Zeit.